# Herzratenvariabiliät (HRV) > Contact: Nicole.Franke-Gricksch@hrv-herzratenvariabilität.de ### Beiträge #### "Herzschlagvariabilität" – ein deutschsprachiges Standardwerk zur HRV Allzu viele Bücher, die sich ausschließlich mit der Herzratenvariabilität beschäftigten, gibt es nicht. Auf das Buch mit dem Titel "Herzschlagvariabilität" werden also alle Interessierte schon bald stoßen. Die Untertitel "Frühwarnsystem, Stress- und Fitnessindikator" sowie "Grundlagen, Messmethoden, Anwendungen" lassen HRV-Anfängerherzen erst einmal höher schlagen. Ich kaufte das Buch mit der Hoffnung, endlich einen umfassenden und zusammenhängenden Wegweiser durch dieses komplexe Thema zu haben. Die Hoffnung war nicht unbegründet und wurde nicht enttäuscht. Das Buch kann diese Erwartungen erfüllen. Aber schon bald stellte ich fest, dass es vielmehr braucht als ein 400 Seiten dickes Fachbuch, um den Herrschaften Wittling folgen zu können. Neben biologischen und medizinischen Grundkenntnissen muss man auch die Bereitschaft aufbringen, sich mit mathematisch-statistischen Methoden auseinander zu setzen. Am besten ist es, man macht dieses Buch zu seinem Begleiter, auf den man immer wieder zurückgreift. Auf diese Weise nutze ich das Buch weiterhin und gewinne immer wieder neue Erkenntnisse. Das Autoren-Team, Werner und Ralf Arne Wittling, hat an vorderster Front der Forschung zu den Ursachen der gesunden Unregelmäßigkeit und zur praktischen Analyse und Auswertung gewirkt. Vater und Sohn tragen im Werk ihr breites Wissen, ihre langjährigen Erfahrungen und eine Übersicht über den Wissenstand zur Variabilität des Herzschlags zusammen. Als Einsteigerlektüre und Nachschlagewerk geeignet Das Buch liefert im ersten Teil einen Überblick über die Rolle des Gehirns als zentrale Steuerinstanz aller Körperprozesse. Der Hauptteil des Buches widmet sich sehr ausführlich der Analyse der Herzratenvariabilität. Es werden die bekanntesten Analysemethoden und Messparameter darstellt. Die wichtigsten methodischen und technischen Voraussetzungen, die für eine adäquate Ableitung und Analyse unabdingbar sind, werden beschrieben. Und es gibt einen Überblick über die Messverfahren für unterschiedliche Anwendungszwecke wie z. B. Langzeitmessungen. Hinzukommen Ausführungen zu den Einflussfaktoren der Herzratenvariabilität und der Vorstellung verschiedener Anwendungsmöglichkeiten wie z. B. Gesundheitsvorsorge und Risikofrüherkennung. Das Kapitel über die HRV-Anwendung im Bereich Fitness und Sport ist recht kurz gehalten und könnte vor allem sportlich Interessierte vielleicht enttäuschen. Professor Joachim Fischer, Gründer und wissenschaftlicher Berater der Health Vision und Direktor des Mannheimer Instituts für Public Health der Universität Heidelberg schreibt im Vorwort des Buches: "Das Werk setzt einen Standard für alle Forscher und Anwender, die sich ernsthaft mit der Analyse der Variabilität des Herzschlag befassen." Einen guten Einblick in das Buch konnte man über die Website www.herzschlagvariabilität.de erhalten. Derzeit ist das Buch bei Pädagogischer Verlag und Buchhandlung erhältlich.  #### Abtastrate beeinflusst HRV-Werte Die Genauigkeit der HRV-Werte ist davon abhängig, wie die Messung vorgenommen wird, also welcher Sensor mit welchen technischen Fähigkeiten für die Herzfrequenz-Erfassung zum Einsatz kommt. Die System-Palette fängt bei verschiedenen EKG-Ausführungen an, geht über unterschiedliche Brustgurt-Modelle und endet bei Ohr-Clips oder auch Smartphone-Kameras. Um zu verstehen, was den wesentlichen Unterschied bei der Erfassung des auszuwertenden Signals ausmacht, muss man sich mit dem Messverfahren und letztendlich mit der Abtastrate vertraut machen. Wenn man sich mit Herstellern von Messsystemen zur HRV- oder VNS-Analyse unterhält, dann wird gerne die Abtastrate (engl.: Sampling-Rate) hervorgehoben. Argumentiert wird: „Je höher die Abtastrate ist, desto genauer und aussagekräftiger fallen die Werte der Herzratenvariabilität (HRV) aus“. Von einigen Experten und Gesellschaften liest man, dass eine Abtastrate von 1000 Hertz (Hz) die Mindestanforderung sei. Teilweise verwenden Gerätehersteller EKG-System-ähnliche Elektroden, teilweise werden Brustgurte oder Ohr-Clips verwendet. In diesem Beitrag möchte ich der Frage nachgehen: Welchen Einfluss hat die Abtastrate auf die Verlässlichkeit der HRV-Werte? Was ist die Abtastrate? Grob betrachtet geht es bei einer Messung der HRV darum, die Zeitabstände zwischen den einzelnen Herzschlägen zu messen. Der feine Unterschied ist, wie genau das geschieht. Die Abtastrate in den verwendeten Sensoren bzw. Systemen gibt darüber Auskunft, wie oft pro Sekunde ein Messsignal gespeichert wird. Die Abtastrate drückt aus, wie oft ein Messvorgang pro Sekunde wiederholt wird, und wird mit der Einheit Hertz (Hz) angegeben. Beträgt die Abtastrate beispielsweise 500 Hz, dann wird 500 Mal pro Sekunde im zeitlichen Abstand von 2 Millisekunden ein Messwert als Grundlage zur Auswertung des Herzschlags aufgezeichnet. Die Verbindung der einzelnen Messwerte ergibt dann die typische EKG-Linie. Je höher die Abtastrate, umso genauer fällt das Ergebnis aus. Wird alle ein bis zwei Millisekunden (Tausendstel-Sekunden) gemessen, kann nichts verloren gehen oder übersehen werden. Die R-Zacken werden punktgenau erfasst. Auch sogenannte Ausreißer fließen in die Aufzeichnung mit ein. Bei weniger Messwerten müssten Abschnitte überbrückt werden, was zu Ungenauigkeiten führen kann. Das folgende Schaubild stellt beispielhaft dar, dass die digitale Messung des EKG-Signals zu einer Reihe von Messwerten führt, die hier als schwarze Punkte dargestellt werden. Die grauen Verbindungslinien dienen nur als gedankliches Hilfsmittel zum leichteren Verständnis des Messwerteverlaufs: Kleine EKG-Kurvenkunde Für alle, die nicht zu 100 Prozent mit der Berg- und Talfahrt der EKG-Kurve vertraut sind, hier noch mal schnell eine kleine Kurvenkunde. Der durch das Herz wandernde elektrische Impuls wird in der EKG-Kurve aufgezeichnet. Das Erregungsleitungssystem beginnt mit der Erregung der Vorhöfe, die P-Welle. Nach der Überleitungszeit folgt der QRS-Komplex (Kammererregung). Wegen der herausstechenden Auf- und Abwärtsbewegung lässt sich die spitze R-Zacke im Diagramm meist am deutlichsten erkennen. Auf den QRS-Komplex folgt die T-Welle, die erregten Herz-Zellen kehren wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Zur Vertiefung des Themas EKG empfehle ich das Buch Der EKG-Knacker (Das Notfall-EKG-Buch). Es bietet einen guten Überblick und prägnante Darstellungen. Auswirkungen einer hohen und niedrigen Abtastrate EKG-Geräte funktionieren im Prinzip so: Sie messen die elektrische Spannung zwischen den auf der Haut angebrachten Elektroden. Geräte, die 1000 Messwerten pro Sekunde bereitstellen, sind hier sehr verbreitet. Diese sogenannte Abtastrate erlaubt eine vergleichbare Darstellung des EKG-Signals, wie sie früher mit Papierstreifen und Tinte erstellt wurde. Für den Arzt oder Therapeuten ist völlig transparent, wie der Herzschlag verläuft. EKG-Geräte können also wegen einer hohen Abtastrate viele Messwerte pro Sekunde aufzeichnen. Sie messen punktgenau von R-Zacke zu R-Zacke, also mit einer relativ geringen Unsicherheit bei der Bestimmung des Maximums der R-Zacke. Der QRS-Komplex lässt sich deutlich in der aufgezeichneten Kurve ablesen. Mediziner sprechen von Peak-to-Peak-Messung. Eine hohe Abtastrate ermöglicht, dass "falsche" Schläge, sogenannte Artefakte, erkannt werden. Sie beeinflussen vor allem die HRV-Werte der Auswertungen im Frequenzbereich, wie z. B. Low Frequency (LF) und High Frequency (HF), aber auch der RMSSD-Wert wird je nach Artefakt stark verfälscht. Was bei Langzeitmessungen nicht von allzu großer Bedeutung ist, wenn nur kurze Abschnitte betroffen sind und der Artefakte-Anteil gering ist, kann bei Kurzzeitmessungen zu inakzeptabel verfälschten Ergebnissen führen. Bei einer geringen Abtastrate werden im Extremfall irgendwo zwischen P- und T-Welle Messwerte aufgezeichnet. Bei der Beat-to-Beat-Messung wird dann keine exakte Bestimmung der R-Zacke ermöglicht. Veränderungen der Höhe und Länge von einem Herzschlag zum anderen gehen verloren. In der EKG-Kurve werden aus Spitzen oder Zacken eher Plateaus, die mit ihrer Breite die zeitliche Unschärfe der Abtastrate erkennen lassen. Die sich ergebende Ungenauigkeit bei der Bestimmung der RR-Intervalle wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der HRV-Werte aus, indem sich z. B. eine scheinbar höhere Variabilität ergibt. Man kann sich vorstellen, dass es bei einer zu kleinen Abtastrate vor allem bei einer höheren Herzfrequenz, z. B. beim Sport, zu noch größeren Ungenauigkeiten kommt. Weil die Abtastrate konstant bleibt, der Abstand der R-Zacken (RR-Intervall) aber mit steigender Herzfrequenz kleiner wird, nimmt der relative Fehler bei der RR-Intervall-Messung zu. Da für die HRV-Messungen normalerweise der Ruhepuls gemessen wird, ist dort dieser Effekt zu vernachlässigen. Auswirkung der Abtastrate auf die HRV-Werte Eine niedrige Abtastrate wirkt sich auf die HRV-Werte aus den Zeitbereichsauswertungen, wie z. B. SDRR (Gesamtvariabilität) oder RMSSD, weniger aus als auf die HRV-Werte aus dem Frequenzbereichsverfahren, wie z. B. HF und LF. Für die Unterscheidung von Einflussfaktoren auf die HRV-Werte ist eine geeignet hohe Abtastrate notwendig. Ansonsten ist es nicht möglich, andere Einflussfaktoren auf die HRV-Wertebestimmung, wie z. B. Alter und Gesundheitszustand, zu trennen. Im Buch Herzschlagvariabilität: Frühwarnsystem, Stress und Fitnessindikator fand ich hierzu eine interessante Gegenüberstellung. Wie der Vergleich der folgenden Tabellen zeigt, leiden HRV-Werte von jungen und gesunden Menschen weniger unter einer niedrigen Abtastrate als die von älteren und kranken Personen. Herzratenvariabilität eines 20-jährigen untrainierten gesunden Menschen: Frequenz Total VLF LF HF LF/HF SDRR RMSSD 500 Hz 803,6 169,30 192,07 442,25 0,434 35,62 31,03 256 Hz 808,5 173,53 192,32 442,62 0,435 35,67 31,09 125 Hz 809,0 164,97 198,05 445,93 0,444 35,74 31,20 62 Hz 812,2 171,58 196,00 444,57 0,441 36,16 31,71 31 Hz 816,6 177,21 203,39 437,99 0,464 36,83 33,64 (Quelle: Herzschlagvariabilität: Frühwarnsystem, Stress und Fitnessindikator, Tabelle 6, Seite 151, Autoren Werner und Ralf Arne Wittling) Ergebnisse einer 75-jährigen Frau mit stark eingeschränkter HRV nach einem Herzinfarkt: Frequenz Total VLF LF HF LF/HF SDRR RMSSD 500 Hz 25,1 18,19 3,74 3,17 1,181 6,23 4,91 256 Hz 24,3 17,45 3,75 3,10 1,207 6,23 4,98 125 Hz 28,3 19,63 4,66 4,03 1,155 6,66 6,19 62 Hz 40,7 24,55 7,00 9,09 0,771 7,80 8,06 31 Hz 64,1 21,58 23,19 19,28 1,203 10,92 12,66 (Quelle: Herzschlagvariabilität: Frühwarnsystem, Stress und Fitnessindikator, Tabelle 7, Seite 151, Autoren Werner und Ralf Arne Wittling) Wie genau messen Brustgurte? Anfangs erwähnte ich, dass es Analysesysteme gibt, die ihre HRV-Messungen mit Brustgurtsensoren vornehmen. Vor allem beim Sport und für regelmäßige Anwender ist diese Art der Messdatenerfassung besonders praktisch, weil man nicht auf ein EKG-System im Labor angewiesen ist. Die Genauigkeit hängt von der Art und Weise ab, wie der Brustgurt arbeitet. Die eher preisgünstigen Brustgurte sind für eine akzeptable Messung der Herzfrequenz (Pulsrate) konstruiert. Das reicht aus, wenn man seinen Herzschlag bei Herz-Kreislauf-Trainings überwachen will. Für eine Auswertung der HRV können sie ungeeignet sein. Es gibt jedoch Brustgurte, die in der Erfassung der Pulsfrequenz sogar mit einer für medizinische Zwecke zulässigen EKG-Messung mithalten können. Dabei gibt es noch Unterschiede hinsichtlich der verfügbaren Rohdaten: Manche Brustgurte berechnen die RR-Intervalle aus den abgetasteten Spannungs-Messwerten und übertragen nur die Herzratenwerte an das Analysesystem (PC oder auch Smartphone). Welche Abtastraten die Brustgurte intern verwenden, wird nach meinem Eindruck von den Herstellern nicht offengelegt. Lediglich über Vergleiche von Ergebnissen mit Referenzenzsystemen, wie z. B. EKG-Geräte, lassen sich Rückschlüsse auf die Genauigkeit von Brustgurten ziehen. Guten Brustgurten wird dann attestiert, dass sie EKG-tauglich seien. Die mir bekannten Anbieter von HRV-Analyse-Systemen (vnsanalyse, ambiotex, VARILYTIC) machen die Angabe, dass sie mit Brustgurt-Sensoren arbeiten, die eine zeitliche Auflösung von 1 ms gewährleisten. Dies entspricht einer Abtastrate von 1000 Hz. Eine Einschränkung ist bei dieser Vorverarbeitung in der elektronischen Komponente des Brustgurts, dass das Zustandekommen der gemessenen Herzrate für Therapeuten nicht durchschaubar ist. Falsche Werte aufgrund von Störungen können nicht unterschieden werden und werden evtl. von Interpolationsverfahren glattgezogen. Mit etwas Erfahrung können aber beeinträchtige Messungen erkannt werden. Es gibt wenige Brustgurte, die nicht nur die errechnete Herzrate beziehungsweise RR-Intervalle, sondern ähnlich einem EKG-Gerät die einzelnen Messwerte (Rohdaten) übertragen. Aus eigener Erfahrung kenne ich den Vitalmonitor, bei dem eine Abtastrate von 500 Hz verwendet wird. Außerdem gibt es ein (mir seither unbekanntes) Produkt von BioSign, das in diese Kategorie gehört. Die Übertragung der Rohdaten hat für den Anwender den unschätzbaren Wert, dass er die Qualität der Messung schon gleich am Anfang bei der Erfassung der Messwerte visuell beurteilen kann. Der Effekt „Garbage in – Garbage out“ lässt sich so leichter vermeiden. Zudem bietet das auch, zumindest prinzipiell, für Therapeuten die Möglichkeit, einen Blick auf das EKG-Signal zu werfen und nicht nur Herzraten und HRV zu beurteilen. Es gibt übrigens eine Studie, die die Genauigkeit eines Brustgurts mit einem EKG-Gerät vergleicht – mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass (zumindest im Jahr 2010) ein Brustgurt einem EKG-Gerät im Einzelfall überlegen sein kann. HRV-Messung ohne Elektroden oder Brustgurte Auf die Haut geklebte Elektroden oder um den Brustkorb geschnallte Gurte sind zwar zuverlässig für die Messdatenerfassung - aber bequem sind sie nicht. Auch Ohr-Clips sind nicht bequem, schon eher ein Sportkopfhörer. Wesentlich freier fühlt man sich mit Pulsuhren ohne Brustgurte. Als Activity-Tracker und als Feedback-Geber bei der Umstellung des Lebenswandels sind sie bestimmt gut geeignet. Allerdings haben sie meines Wissens immer noch nicht die für HRV-Auswertungen erforderliche Messgenauigkeit und sind anfälliger für Handhabungsfehler, die zu Artefakten führen. Bei der Messung mit Elektroden auf der Haut - geklebt oder mit Brustgurt angepresst - werden sozusagen die Reste der elektrischen Signale der Herzmuskelreizung an der Körperoberfläche gemessen. Misst man die Herzfrequenz mit einem Ohr-Clip, mit einem Sportkopfhörer oder mit Pulsuhren, die einen optischen Sensor auf der Unterseite haben, wird die Intensitätsschwankung des vom Hautgewebe reflektierten Lichts gemessen. Diese Intensitätsschwankungen werden von der sogenannten Pulswelle der Blutströmung in den Kapillaren des Hautgewebes hervorgerufen. Die Bestimmung der momentanen Herzrate über dieses optische Verfahren ist für die Belastungskontrolle beim Sport geeignet. Auch für Biofeedback-Übungen und Stress-Einschätzungen unter Ausnutzung der RSA reicht es aus. Aber hinsichtlich der Genauigkeit sind seine Grenzen schnell erreicht, wie beispielsweise bei einem Test aufgezeigt wurde. Bei den Verfahren ohne Verwendung eines Brustgurts bzw. ohne Hautelektroden ist die Abtastrate nicht der maßgebende Genauigkeitseinfluss, wenn sie hoch genug gewählt wird (z. B. 500 Hz). Einer EKG-Genauigkeit kommt man damit verfahrensbedingt nicht nahe. Aber für Entspannungsübungen, Stressmanagement und zur Therapiebegleitung können solche Systeme, wie z. B. der Stresspilot, durchaus geeignet sein. Fazit: Welche Abtastrate ist sinnvoll? Ein guter Kompromiss ist eine Abtastrate von 500 Hz. Damit ist die Genauigkeit der Abtastung ausreichend für aussagekräftige HRV-Werte. Höhere Abtastfrequenzen wie z. B. 1000 bis 8000 Hz verbessern die Messgenauigkeit weiter, der Zugewinn ist aber in Bezug auf HRV-Ergebnisse zu vernachlässigen. Außerdem verdoppelt bzw. vervielfacht sich die Datenmenge, die bearbeitet und eventuell auch online verschickt werden muss. #### Alkohol beeinflusst HRV und Schlaf Gegen ein Glas Wein für den Genuss zu einem köstlichen Essen mit Freunden ist nichts einzuwenden. Wer jedoch Alkohol trinkt, um sich besser entspannen zu können, täuscht sich, was die Wirkung auf das vegetative Nervensystem betrifft. Mit der Herzratenvariabilität lässt sich zeigen, welchen negativen Einfluss Alkohol tatsächlich auf die Entspannungsfähigkeit hat. Wir haben alle von den Rotwein-Studien zur Herzgesundheit gehört. Oft müssen sie als Alibi für Alkohol-Genuss herhalten. Dabei wird gerne übersehen, dass sich die positiven Auswirkungen auf einen moderaten Rotweinkonsum beziehen. Was man unter moderat versteht, wird viele Weinliebhaber enttäuschen. Die negativen Auswirkungen größerer Mengen auf das vegetative Nervensystem und den Schlaf, wie sie in der Studie von M. R. Irwin et al. (2006) beschrieben werden, können vielleicht überzeugen, den Konsum einzuschränken. Wieviel Alkohol ist verträglich? Die Veränderungen der Herzratenvariabilität (HRV) veranschaulichen, was der Körper verträgt und was zu viel ist. Studien zeigen, dass sich ein Glas Rotwein noch nicht wesentlich auf die HRV auswirkt. Vorübergehende leichte Einbußen beim RMSSD-Wert nimmt wohl jeder gerne für den Genuss in Kauf. Offensichtlich ist die Verträglichkeit von Alkohol individuell verschieden. Aber Alkohol schadet - nur eben individuell unterschiedlich stark. Die Wirkung von Alkohol ist von vielen Einflussfaktoren abhängig. Daher fallen Studienergebnisse teilweise widersprüchlich aus, wie z. B. die Studie von I. Janszky et al. (2005) über den positiven Einfluss von moderatem Rotweingenuss bei Frauen mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Man hat hier zwar ein statistisch signifikantes Ergebnis, aber die Zusammenhänge von Ursachen und Wirkung sind nicht ganz klar. Der Studie von Spaak et al. (2010) lassen sich Mengengaben entnehmen, die beim nächsten Rotweinabend für Klarheit sorgen. Die Teilnehmer der Studie wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine bekam 155 Milliliter Rotwein (12 Prozent, etwa 15 Gramm Alkohol) gereicht und die andere eine 12-prozentige Ethanol-Lösung. Parallel gab es noch eine Kontrollgruppe, die nur Wasser trank. In den Gruppen der Alkoholtrinker zeigten sich nach dem zweiten Glas signifikante Veränderungen der HRV im Vergleich zu den Wassertrinkern. Vor allem die parasympathische Aktivität nahm unter dem Alkoholeinfluss ab. Die Werte von HF und RMSSD sanken, während das LF/HF-Verhältnis anstieg. Natürlich muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass die Wirkung des Alkohols vom Gewicht abhängig ist. Und vom Geschlecht: Frauen vertragen weniger als Männer. Von Experten wird Frauen nur ein Glas zugestanden. HRV-Folgen von regelmäßigem Alkoholgenuss Wer gelegentlich ein Glas Wein trinkt, muss sich keine Gedanken gemachen. Die Auswirkungen des Alkohols sind, wie Vergleiche zwischen Abstinenzlern und Gelegenheitsgenießer zeigen, eher gering. Ganz anderes sieht es aus, wenn regelmäßig Alkohol getrunken wird. Mit Hilfe der HRV lässt sich ein Rückgang der parasympathischen Aktivität (RMSSD) und ein leichter Anstieg der sympathischen Aktivität (LF, LF/HF) beobachten. Weniger ausgeprägt, ist die Wirkung auf die Gesamtvariabilität (Total Power, SDNN). Auch beim regelmäßigen Alkoholgenuss kommt es auf die Menge an. Nach der Studie von Thayer et al. (2006) über den Zusammenhang von Alkoholgenuss und Cortisol-Ausscheidung  geht eine Aufnahme von mehr als 20 Gramm mit einem deutlichen Rückgang des RMSSD-Wertes und mit einer erhöhten Cortisol-Ausschüttung einher. Eigentlich ein klarer Hinweis: Alkoholgenuss führt zu Stress statt Entspannung. Warum Alkohol nicht entspannt Wer sich ein bisschen mit der Aktivität und der Einflussnahme von Sympathikus und Parasympathikus auseinandersetzt, kann nachvollziehen, warum Alkohol nicht entspannen kann. Auch wenn es sich vielleicht erst mal so anfühlt, gaukelt Alkohol Entspannung nur vor. Vor allem am Abend hemmt und verhindert die Reduzierung der parasympathischen Aktivität den Einstieg in das natürliche Erholungsprogramm des Körpers. Gesunde Menschen haben das Gefühl, mit Alkohol im Blut besser schlafen zu können. Aber das täuscht: Das Gefühl bezieht sich auf das Einschlafen. Wer einmal eine Langzeitmessung mit abendlicher Rotweinrunde gemacht hat, der sieht, wie lange die Alkoholwirkung den Körper belastet und ihn davon abhält, neue Kräfte zu sammeln. Bei größeren Mengen kommt es in der zweiten Nachthälfte zu Schlafstörungen. Die REM-Schlafphase (Traumschlaf) wird kürzer. Dies kann die Informationsverarbeitung und Stressbewältigung negativ beeinflussen. Je mehr man trinkt, desto schlechter erholt man sich. Die Verhinderung normaler Schlafphasen und die Auflösung der kompletten Schlafarchitektur hängen von der Menge und der Häufigkeit des Alkoholeinflusses ab. #### Alpha1 – ein innovativer HRV-Wert? Sympathikus und Parasympathikus arbeiten gleichzeitig und gegeneinander. Kann das gutgehen? Wie gut sich die von ihnen gesteuerten Abläufe ergänzen, lässt sich mit nichtlinearen Verfahren feststellen, wobei sich hierfür der Alpha1-Wert durchzusetzen scheint. Er bietet eine Einschätzung, wie die Kommunikation im Netzwerk der Organe klappt und wie abgestimmt die Abläufe sind. Veränderungen des Alpha1-Wertes sind ein frühes Signal für eine "Störung im System". Er bezieht sich auf das Gesamtsystem und nicht auf einzelne Akteure. Braucht man einen weiteren HRV-Wert? Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, man braucht den Alpha1-Wert, weil einem sonst die Sicht auf zusammenhängende (gekoppelte) Vorgänge im Körper sowie deren Komplexität und Dynamik im System versagt bleibt. Dies für interessierte Patienten und Therapeuten nachvollziehbar zu machen, fordert mich insbesondere hinsichtlich der Wortwahl heraus. Denn eine allzu plakative und umgangssprachliche Darstellung ruft selbstverständlich berechtigte Einwände von wissenschaftlicher Seite hervor. Professor Dr. Olaf Hoos von der Fakultät für Humanwissenschaften der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg hat mich einerseits inspiriert, diesen Blog-Beitrag zu schreiben, andererseits unterstützte er mich als Experte. Bislang habe ich mich darauf beschränkt, jene Herzratenvariabilität(HRV)-Werte verstehen zu wollen, die mit sogenannten linearen Verfahren berechnet werden. Dazu gehören die bekannten Zeitbereichsverfahren für SDNN (Gesamtvariabilität bzw. Standardabweichung aller RR-Intervalle), RMSSD (Quadratwurzel der mittleren quadrierten Differenzen sukzessiver RR-Intervalle) usw. und die Frequenzbereichsverfahren für TP (Total Power), LF (Low Frequency) und HF (High Frequency). Diese Verfahren haben nach meinem Verständnis gemeinsam, dass sie jeweils die Aktivität eines Teils des vegetativen Nervensystems (VNS) erfassen und nicht das Zusammenspiel der Teilsysteme. Das entspricht der traditionellen Vorgehensweise in der Wissenschaft: Komplexe Systeme werden so weit in Einzelteile unterteilt (dabei werden mitunter vereinfachende Annahmen getroffen), bis man nur noch einfache Zusammenhänge verstehen muss. Solange nicht das komplexe (und evtl. nicht vorhersehbare) Zusammenwirken der Einzelteile beschrieben werden muss oder deren Zusammenwirken einer starren Verzahnung wie bei einem Zahnradgetriebe entspricht, ist das eine erfolgreiche Methode. Konkret meine ich damit, dass mit den HRV-Werten RMSSD und HF die Aktivität des Parasympathikus erfasst wird und akzeptiert wird, dass schon im LF-Bereich die Trennung nicht funktioniert, weil eine Überlagerung mit dem Sympathikus  hinzukommt. Die Trennung in Teilsysteme ist hilfreich für das Verständnis, aber im Körper wirken sie lose gekoppelt zusammen. Daher muss auch das Kommunikations- und Wirkungs-Netzwerk der Organe beachten und bewerten. Komplexität und Dynamik gehören zum normalen Leben Betrachtet man nicht die Einzelteile des Körpers, sondern den Körper als Gesamtsystem, dann hat man es wegen der losen (nicht starren) Kopplung der verschiedenen Organe und deren Kommunikation (Regelkreise) untereinander mit einem nicht nur komplizierten System zu tun, sondern mit einem komplexen System mit nicht eindeutig vorhersehbarem Verhalten. Zur Beschreibung eines solchen Systems reichen lineare Verfahren nicht mehr aus, weil im Verhalten des Körpers keine einfachen Zusammenhänge wie "1 + 2 = 3" oder "2 x 3 = 6" feststellbar sind (Die Überlagerung von körperlichen Vorgängen führt selten zu deren Summe oder Produkt). Die Organe beeinflussen sich nicht immer in derselben Weise gegenseitig. Der Körper reagiert beispielsweise morgens anders als abends. Auch ob er hungrig oder satt ist, beeinflusst das Zusammenwirken. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Einflüssen (wie z. B. physische und psychische Belastung, Wärmeregulation, Arzneimittelwirkung, Verdauung, Körperposition, Schmerzen, Jucken, Schluckauf). Insbesondere die gegenseitige Beeinflussung führt zu Verhalten, das nur mit nichtlinearen Verfahren beschreibbar ist. Was das bedeutet, können Mathematiker besser beschreiben, aber grob kann man sich vorstellen, dass Vorgänge eben nicht immer (zu 100 Prozent) gleich und wiederholbar ablaufen, sondern nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Reaktion auftritt. Die körperlichen Vorgänge werden zu einem gewissen Teil als chaotisch empfunden – mal tritt eher mehr Ordnung und mal mehr Chaos hervor, aber normalerweise nicht zu viel oder zu wenig von beidem. Hierzu gehört auch die Herzratenvariabilität (HRV). Die ganze Problematik, dass der Organismus trotz unzuverlässiger Bedingungen und nicht vorhersehbarer Störungen robust funktioniert, wird im Fachgebiet Systembiologie behandelt. Herr Dr. Olaf Hoos hat mir sozusagen die Augen für dieses interessante Fachgebiet geöffnet. Das Herz als Informant über das VNS Das mehr oder weniger gute Zusammenwirken von Fühlern, Botenstoffen und Reaktionen der Organe lässt sich am Beispiel des Herzschlags deutlich erfahren. Das Zentralorgan Herz darf nicht wie eine mechanische Maschine funktionieren, denn sonst wären Anpassungsfähigkeit und Notlaufeigenschaften viel zu begrenzt. Bei der Herzraten-Messung werden nicht nur die Einzelteile betrachtet, sondern immer von sich aus Reaktionen des Gesamtsystems beobachtet. Im Falle der HRV kann man zwar Rückschlüsse auf die Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus ziehen, aber allein mit den linearen Verfahren ist die Überlagerung der an sich komplexen Veränderungen der HRV durch Regelungsvorgänge, die während der Messung die Herzrate verändern, nicht unterscheidbar. Daher hätte es Vorteile, wenn man deutlicher unterscheiden könnte, welche Änderungen der Herzschlagrate vom VNS beeinflusst sind und inwieweit Auswirkungen anderer physiologischer Vorgänge sich auf die Herzrate auswirken und sich somit in den HRV-Werten niederschlagen. Was hat die HRV mit Komplexität und Chaos zu tun? Die HRV-Daten (gemessene RR-Intervalle) beinhalten zum größten Teil annähernd periodische Schwingungen (z. B. aufgrund Sinus-Knoten und RSA-Effekt). Zusätzlich gibt es noch zufällige Schwankungen, die eventuell eine gewisse Struktur haben können (Selbstähnlichkeit, fraktale Strukturen). Die Variabilität der RR-Intervalle von Herzschlag zu Herzschlag ist wegen den Zufallskomponenten nicht vorhersehbar. Daher werden statistische Verfahren verwendet, um dieses Phänomen zu beschreiben. Die HRV-Werte SDNN (Gesamtvariabilität bzw. Standardabweichung aller RR-Intervalle) und RMSSD (Quadratwurzel der mittleren quadrierten Differenzen sukzessiver RR-Intervalle) sind hierfür wohl die bekanntesten. Sie sind zwar ein Maß für die Streuung der RR-Intervalle, sagen jedoch nichts über die zeitliche Verteilung oder Zufälligkeit der Reihenfolge aus. Bei einem gesunden Herz erwartet man also eher ein Bild seiner Ruhepuls-Schwankungen mit nur schwach ausgeprägter Ordnung und Regelmäßigkeit (umgangssprachlich also geringer chaotischer Art). Davon ausgehend wäre es doch interessant, festzustellen, wenn die anscheinende Unregelmäßigkeit abnimmt und mehr Ordnung im Herzschlag beobachtbar wäre. Denn damit hätte man Hinweise (1) auf eine aufkommende Krankheit oder (2) auf störende Einflüsse während einer HRV-Messung. Hierzu trägt der Alpha1-Wert bei. Warum ist der Alpha1-Wert nützlich? Der Alpha1-Wert ist sehr aufschlussreich für eine Gesamteinschätzung der Regelkreise im Körper, aber es ist verdammt schwer zu erklären, wie er zustande kommt. Privatdozent Dr. Olaf Hoos von der Fakultät für Humanwissenschaften der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg ist Experte auf diesem Gebiet und war mein Gesprächspartner. Gemeinsam haben wir versucht, die Mathematik und Physik aus dem Thema rauszuhalten. Im Körper finden zwischen vielen zufälligen Signalen auch immer Wiederholungen statt. "Ganz anschaulich nachvollziehen lässt sich dieser Zusammenhang anhand der Schwankungen im Gangbild. Kein Schritt ist wie der andere. Die Bewegung ist eine Mischung aus Zufällen und Wiederholungen. Stimmt das Verhältnis nicht mehr, nimmt die Sturzgefahr rapide zu", beschreibt Dr. Hoos das Phänomen Gangbild als Analogie zur HRV. So eine Vermischung von zufälligen und wiederkehrenden Elementen lässt sich auch beim Herzschlag feststellen. In die Berechnungen des Alpha1-Wertes fließen die zufälligen und wiederholenden Bereiche innerhalb der HRV ein. Die Einbeziehung der Veränderlichkeit eines Signals ist übrigens der große Unterschied zwischen linearen und nichtlinearen HRV-Werten. Mit dem Alpha1-Wert wird die Selbstähnlichkeit von HRV-Signalkomponenten zum Ausdruck gebracht und der Grad der Zufälligkeit beziehungsweise Übereinstimmung (Korrelation) der RR-Intervalle bestimmt. Er lässt Rückschlüsse zu, ob das VNS auf die Vielzahl der äußeren und inneren Einflüsse entsprechend komplexe physiologische Anpassungen vornimmt, um eine gewisse Stabilität beizubehalten, oder ob das VNS von wenigen Einflüssen beherrscht wird (z. B. körperliche Belastung, Angst, Fieber) und dadurch auch der Herzschlag weniger variabel und mehr gesteuert (geordnet) stattfindet. Der Anteil des Chaos lässt sich mit Alpha1 nicht berechnen Dr. Hoos möchte Missverständnissen gleich vorbeugen: "Der Alpha1-Wert rechnet nicht den Chaos-Anteil aus. Er gibt nur einen Hinweis, wie unabhängig die Schwankungen (Variabilität) von einer physiologischen, eher länger anhaltenden Veränderung (Trend) sind. Denn, stark zusammengefasst, ist der Alpha1-Wert letztendlich der Steigungskoeffizient einer Regressionsgerade in einer doppellogarithmischen Darstellung, die aus der Auswertung der trendbereinigten und integrierten RR-Intervall-Zeitreihen als Effektiv-Schwankungen in Abhängigkeit von unterschiedlich langen Zeitabschnitten aufgetragen wird." Hier wird nochmal deutlich, wie abstrakt die Zusammenhänge zwischen mathematischen Methoden und praktischer Anwendung sind. Zumindest haben wir es erfolgreich geschafft, eine mathematische Formel zu vermeiden. Bitte lesen Sie weiter, das war der schwierigste Part – versprochen! Die dem Alpha1-Wert zugrundeliegende Methode der trendbereinigten Fluktuationsanalyse (Detrended Fluctuation Analysis, DFA) zu erläutern, würde mich an dieser Stelle überfordern. Zu den Details der DFA bieten folgende Quellen einen Einstieg: (1) Trendbereinigende Fluktuationsanalyse, (2) Human Heartbeat and Gait Dynamics in Health and Disease und (3) Fractal dynamics in physiology: Alterations with disease and aging. Nach meinem Verständnis extrahiert die Trendbereinigte Fluktuationsanalyse  die Korrelationen zwischen aufeinanderfolgenden RR-Intervallen über unterschiedliche Zeitabschnitte. Die Analyse resultiert im Alpha1-Wert, der kurzfristige Schwankungen beschreibt, und im Alpha-2-Wert, der langfristige Schwankungen beschreibt. Die Kurzzeit-Korrelationen geben den Einfluss des Barorezeptorreflex wieder. Die Bewertung des Alpha1-Wertes Um sich den Wert etwas besser vorstellen zu können, eine Analogie von Dr. Hoos: "Der Alpha1-Wert weist auch auf die 'Rauheits-Charakteristik' der Zeitsignale hin: Je größer der Alpha1-Wert, desto glatter oder weicher verändern sich die RR-Intervalle. Der Alpha1-Wert liegt bei HRV-Signalen üblicherweise zwischen 0,5 und 1,5 (theoretisch zwischen 0 und 2). Werte um 0,5 deuten auf eine weitgehend zufällige Herzratenveränderung hin, die eher mit weißem Rauschen veranschaulicht wird und auf einer schwachen Kopplung der Regelkreise bzw. deren Interaktion beruht. Liegen die Werte bei 1,5, findet die Herzratenveränderung hochkorreliert statt und wird wegen des Frequenzspektrums der Zufallskomponenten mit Brownsches-Rauschen beschrieben. Alpha1-Werte um 1,0 werden als Normalwerte eingestuft." Bei kleinem Alpha1-Wert ist es also wahrscheinlicher, dass große und kleine RR-Intervalle abwechselnd aufeinander folgen. Bei größerem Alpha1-Wert ist es wahrscheinlicher, dass auf lange RR-Intervalle eher wieder längere bzw. auf kürzere RR-Intervalle eher kürzere folgen. Die Einstufung, was Normalwerte sind, erfolgt nicht zwangsläufig aus der Durchführung der DFA, sondern entsteht erst in Verbindung mit physiologischen Studien. Die diagnostische Verwendung von Alpha1-Werten ist ähnlich sorgfältig vorzunehmen wie bei anderen HRV-Werten. Denn die Randbedingungen (Störfaktoren) müssen kontrolliert sein, um aussagekräftige Vergleiche vornehmen zu können. Nur so lassen sich die physiologischen Zusammenhängen eindeutig zuordnen. Normalwertangaben für Alpha1-Werte beziehen sich üblicherweise auf die HRV-Kurzzeitmessung. Bei RSA-Messungen kann man zwar auch einen Alpha1-Wert berechnen, aber man muss ihn aufgrund der geführten Atmung und des dabei auftretenden RSA-Effekts anders bewerten: Bei RSA-Messungen kann als Normalwert nicht 1,0 angenommen werden, sondern eher 1,5, weil der Zufallsanteil durch die kohärent arbeitenden Teilsysteme (starke Kopplung von Atmung und Herz) verringert wird. Eine genauere Aufteilung zum Alpha1-Wert wird in folgender Quelle vorgenommen: Fraktale Charakteristik der Herzfrequenz in Abhängigkeit von Belastungsgestaltung und ausgewählten Beanspruchungsindikatoren während erschöpfender Ausdauerbelastungen mit und ohne Endpunktorientierung auf Seite 81 in Tabelle II‐6-Differenzierung des Kurzzeit-Skalierungsexponenten alpha1 (α1). Alpha1-Wert in der Praxis Ich habe kaum anschauliche Praxisbeispiele oder exemplarische Interpretationen zum Alpha1-Wert gefunden. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Web-Site zum HRV-System vnsanalyse, wo bei der Diskussion von typischen Praxisbeispielen auch auf den Alpha1-Wert eingegangen wird. Der Alpha1-Wert bietet Informationen, die nicht schon von anderen, linearen HRV-Werten beigetragen werden. Lediglich mit dem SD2/SD1-Quotienten scheint er zu korrelieren (gemäß Dokumentation zum HRV-Scanner des HRV-System-Herstellers BioSign GmbH). Die etablierten HRV-Werte linearer Methoden wird der Alpha1-Wert in der therapeutischen Praxis nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Ausschlaggebend sind hierfür einerseits die ausgeprägten Erfahrungen mit den traditionellen HRV-Werten im klinischen Einsatz sowie andererseits jene anderer Sichtweise auf die Daten mittels DFA. Insgesamt konnte bislang keine überragende Bedeutung des Alpha1-Wertes oder anderer nichtlinearer HRV-Werte in klinischen Studien festgestellt werden (gemäß Advances in heart rate variability signal analysis: joint position statement by the e-Cardiology ESC Working Group and the European Heart Rhythm Association co-endorsed by the Asia Pacific Heart Rhythm Society). Herr Dr. Hoos präzisiert hierzu: "In zahlreichen Studien hat sich der Alpha1-Wert dadurch ausgezeichnet, dass er im Vergleich zu anderen HRV-Parametern die höchste Trennschärfe bzw. die sensitivste Bedeutung in der Risikoabschätzung besitzt. Entscheidend ist aber der andere Blick auf die Daten." Mein Fazit Mit dem Alpha1-Wert steht für die Analyse des VNS ein neuer, interessanter HRV-Wert zur Verfügung, der nicht wie manch anderes Ergebnis nichtlinearer Methoden bloß ein Ergebnis statistischer Berechnungen ist, sondern bereits auch eine Praxisrelevanz bestätigt bekommt. Er ist zusätzlich zu den anderen HRV-Werten für Diagnose und Therapie verwendbar. Insbesondere erweitert er den Aussagebereich von HRV-Messungen, indem er Hinweise auf den Zustand des Gesamtsystems gibt, wie es sonst keiner der traditionellen HRV-Werte linearer Methode bietet. Ich werde mit Interesse verfolgen, wie sich der Alpha1-Wert als innovativer HRV-Wert in der Praxis durchsetzen wird. PS: Ich danke Herrn Dr. Olaf Hoos für seine motivierenden Anregungen und seine Erklärungen der Hintergründe. Erich Langenbuch danke ich für seine Unterstützung. #### Apnoe und die Reaktionen des VNS Der nächtliche Atemstillstand ist für den Körper ein Ausnahmezustand. Das vegetative Nervensystem muss auf die Atemaussetzer mit einer Notfallreaktion reagieren. An der Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus lässt sich das Ausmaß erkennen und die Folgen erklären. Wie das vegetative Nervensystem auf eine Schlaf-Apnoe reagiert, möchte ich zusammen mit dem Humanbiologien, Physiker und Somnologen Professor Dr. Thomas Penzel einmal genauer betrachten. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin und erforscht schon seit mehr als 30 Jahren die Herzratenvariabilität. Verschiedene Studien belegen, dass die Herzratenvariabilität durch die Schlafapnoe beeinflusst wird. Wertet man die HRV eines Apnoe-Patienten aus, so fällt auf, dass der Sympathikus am Tag und in der Nacht erhöht ist, was meist mit einem erhöhtem Blutdruck und einer gesteigerten Herzfrequenz einhergeht. Gleichzeitig kommt es zur Verminderung des parasympathischen Einflusses. Dies zeigt sich als Erhöhung der Low Frequency (LF) und Verringerung der High Frequency (HF), also insgesamt als eine reduzierte Herzratenvariabilität. Das Verhältnis von LF zu HF, die sogenannte sympatho-vagale Balance, ist im Vergleich zu Gesunden erhöht. Gemittelt über die gesamte Nacht lässt sich eine höhere Gesamtleistung (Total Power) feststellen. Für den medizinischen Laien hört sich das zunächst gut an: Wow, mehr Leistung. Aber eigentlich will man sich ja im Schlaf erholen und sich danach nicht fühlen, als sei man überhaupt nicht ausgeruht. Die Zunahme der VNS-Aktivität ist durch den Anstieg aller Einzelparameter der HRV beobachtbar, aber neben HF und LF macht die Very Low Frequency (VLF) den größten Anteil aus. Die VLF-Zunahme bei Apnoe-Patienten bestätigen verschiedene Veröffentlichungen. Beobachtet werden konnten die Erhöhungen während des viele sekundenlangen Aussetzens der Atmung und deren Wiederaufnahme. Der Atemstillstand von 10 bis 60 Sekunden Dauer sorgt für ein starkes Absinken der Herzfrequenz. Während dieser Zeit steigt die HF fast bis zum Einsetzen der Atmung an. Je mehr der Sauerstoffgehalt abfällt, umso mehr wird der Sympathikus aktiviert. Da aber nicht geatmet wird, steigt gleichzeitig die Aktivität des Parasympathikus an. Am Ende der Apnoe folgt für 10 Sekunden ein kurzes Atmen mit ein paar wenigen Atemzügen. Innerhalb dieser kurzen Zeit erhöht sich der Puls dramatisch. Das Ergebnis ist zwar eine hohe Herzratenvariabilität, aber Professor Penzel warnt vor einer Fehlinterpretation. Für ihn bedeutet die Erhöhung in diesem Zusammenhang nichts Gutes. So einfach und verständlich sich der Apnoe-Verlauf beschreiben lässt, umso schwieriger gestaltet sich die Auswertung von Langzeitaufzeichnungen des Herzschlags. Mit einer klassischen Herzratenvariabilitäts-Berechnung mittels Spektralanalyse kommt man in der Schlafmedizin nicht weit. Die 5-Minuten-Einteilung zur Auswertung der meisten Langzeitmessungen verfehlt ihr Ziel, da sie mehrere Apnoen mit Absinken und Anstiegen im Minutenrhythmus umfasst. Die starre Auswertung reicht nicht aus, um die apnoe-bedingten Veränderungen der HRV mit einer korrekten Zuordnung zu einzelnen Schlafphasen zu erfassen. Das schlafphasen-abhängige Auftreten der Apnoe, erschwert die Abgrenzung. Professor Penzel gibt zu bedenken, dass es während der REM-Phasen auch zu zusätzlichen heftigen Aktivierungen des Sympathikus kommt - während wir also nur träumen und nicht nach Luft schnappen. Für die Erfassung einer Apnoe empfiehlt Professor Penzel sich den Verlauf der Herzfrequenz anzuschauen. Typisch sind zyklische Schwankungen, die mit dem Verlauf der Apnoe einhergehen. In einer Untersuchung von Professor Penzel hat sich sowohl für die Einteilung der Schlafstadien als auch für die Findung von Apnoe-Phasen das nichtlineare Auswertungsverfahren Trendbereinigende Fluktuationsanalyse, abgekürzt DFA (Detrended Fluctuation Analysis), als besser erwiesen als die Spektralanalyse mit konstanten Zeitfenstern. Vor allem bei der Unterscheidung der Schlafstadien unterstützen die DFA1-Werte (Alpha1) mit einer größeren Trefferquote. Dies könnte Forschern ermöglichen, mit der Auswertung des Herzschlags eine automatisierte Einteilung der Schlafphasen und Erkennung von Schlaf-Apnoe zu entwickeln. #### Atmung bewegt Herzschlag In entspanntem Zustand wird beim Einatmen der Herzschlag schneller und beim Ausatmen verlangsamt er sich. Diese Veränderung kann man mit etwas Übung sogar selbst an sich beobachten. Diese Variabilität hat überhaupt nichts mit Herzrhythmusstörungen zu tun, sondern ist vielmehr eine ganz natürliche Reaktion und ein Zeichen für ein gut funktionierendes Nervensystem. Je tiefer und bewusster ein- und ausgeatmet wird, umso mehr wird das Herz aus seinem gewöhnlichen Takt gebracht. Bei sechs Atemzügen pro Minute zeigt sich am deutlichsten die Einflussnahme der Atmung auf dem Herzschlag. Das ist eine der wenigen Möglichkeiten, willentlich das vegetative Nervensystem zu beeinflussen. In der Medizin werden die atemabhängigen Schwankungen der Herzfrequenz als respiratorischen Sinusarrhythmie (RSA) bezeichnet. "Respiratio" steht für die Atmung, "Sinus" für den Sinuskonten und "Arrhythmie" für die Unregelmäßigkeit. Für medizinische Laien ist überhaupt nicht offensichtlich, wie die Atmung den Herzschlag beeinflussen kann. Atmung wird gedanklich mit der Lunge verknüpft und der Herzschlag mit dem Herz. Erst wenn man in Fachliteratur[i] auf eine Verbindung zwischen den beiden Organen stößt, wird ein Zusammenhang vorstellbar. Diese Verbindung befindet sich "in den Regionen des niederen Hirnstamms". Sie steuert nicht nur die Atemfrequenz, sondern wirkt auch über den Parasympathikus auf die Herzschlaggeschwindigkeit ein. Man könnte nun meinen, dass beim Phänomen der RSA der Sympathikus die Herzfrequenz schnell nach oben treibt, im Anschluss der Parasympathikus seinen hemmenden Einfluss ausübt und beide gleichermaßen an dem Vorgang beteiligt sind – indem beide "am gleichen Strang ziehen". Dies ist so nicht der Fall. Sympathikus und Parasympathikus "ziehen an unterschiedlichen Strängen", und das auch noch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die raschen Veränderungen des Herzschlags werden in erster Linie über die Nervenbahnen des Parasympathikus bewirkt. Der Parasympathikus kann schneller reagieren Sympathikus und Parasympathikus haben beide Nervenverbindungen zum Herz. Die Veränderung der Herzschlaggeschwindigkeit durch den Atemrhythmus beruht auf dem Einfluss des Parasympathikus. Er ist in der Lage die Regulationsvorgänge viel schneller vorzunehmen als der Sympathikus. Die Beschaffenheit der Nervenverbindungen ist ein Grund für das unterschiedliche Reaktionsvermögen. Die Myelinisierung der Vagus-Fasern des Parasympathikus bietet eine zehnmal schnellere Weiterleitung von Steuerungssignalen als dies bei den unmyelinisierten Sympathikusfasern der Fall ist. Ein weiter Grund sind die verschiedenen Überträgersubstanzen. Der Parasympathikus arbeitet ausschließlich mit dem Neurotransmitter Acetylcholin. Beim Sympathikus erfolgt die Übertragung auf das Herz letztendlich durch den Botenstoff Noradrenalin. Die Eigenart dieser Reizübertragung ist jedoch, dass kein schneller Abbau des Noradrenalins am Empfängerrezeptor stattfindet, sondern eine etwas langwierigere Rückführung zum Sender-Nerv erforderlich ist. Dies kostet im Vergleich zum Acetylcholin mehr Energie und Zeit, denn Acetylcholin wird am Empfängerrezeptor für eine weitere Reizübertragung schnell abgebaut. Am Zielorgan Herz verwenden die beiden Neurotransmitter zudem unterschiedliche Rezeptorarten im Sinusknoten. Beides, die unterschiedliche Nervenbeschaffenheit und die verschiedenen Neurotransmitter, hat zur Folge, dass die chemischen Abläufe bei der Steuerung des Herzschlags unterschiedlich schnell ablaufen. Verschiedene Überträgersubstanzen machen den Unterschied Die parasympathischen Nervenbahnen leiten den Aktivierungsimpuls rasch und ohne Verzögerung weiter. Die Reaktion am Sinusknoten erfolgt bereits nach einer halben Sekunde. Fast genauso schnell, innerhalb einer Sekunde, kann die Reizausübung auf den Sinusknoten auch wieder abklingen. Beim Sympathikus laufen die Aktivierungsprozesse hingegen sehr viel langsamer ab. Die Aktivierung benötigt etwa vier bis fünf Sekunden, um den Sinusknoten zu beeinflussen. Noch schleppender verläuft das Abklingen der Reizausübung. 15 bis 20 Sekunden vergehen, bis das Ausgangsniveau wieder erreicht ist. Der Parasympathikus ist in der Lage, die schnellen Anpassungsvorgänge, die mit dem Atemrhythmus einhergehen, zu ermöglichen. Diese Veränderungen der Herzschlaggeschwindigkeit spiegeln sich im HRV-Wert High Frequency (HF) wider. Sie bewirkt Schwingungen im Frequenzbereich von 0,15 bis zu 0,5 Hertz. Zeigt eine Spektralanalyse in diesem Frequenzbereich Aktivität an, kann sie auf dem Parasympathikus zugeordnet werden. Ganz anders sieht es beim Sympathikus aus. Er reagiert auch bei fehlenden äußeren Reizen (im Ruhezustand) auf die Schwankungen des Blutdrucks mit der Anpassung der Herzfrequenz. Sein Wirken ist dann indirekt eine Folge der Signale von Dehnungs- und Druckrezeptoren in Herz, Lunge und Gefäßen. Sie melden an das vegetative Nervensystem, wenn es zu Änderungen des Blutdrucks oder Blutvolumens kommt. Die Regulierung dieser Steuerkreise zeigt sich mit in den niederfrequenten Rhythmen. Der HRV-Wert der Low Frequency (LF) gibt dies als Veränderungen der Herzrate im Frequenzbereich von 0,04 bis 0,15 Hertz wider. Eine Aktivität im LF-Bereich unterliegt nicht eindeutig der Wirkung des Sympathikus. Im diesem Bereich regen die Dehnungs- und Druckrezeptoren auch die Verstärkung beziehungsweise Hemmung des Parasympathikus an. Daher wird im LF-Bereich eine Überlagerung der Aktivitäten von Sympathikus und Parasympathikus angezeigt. [i] Fachliteratur: http://www.herzschlagvariabilitaet.de/ueber-das-buch.html sowie http://www.aerzteverlagshaus.at/verlagsprogramm/einzelansicht/products/herzratenvariabilitaet/backPID/verlagshaus.html #### Berechnung des HRV-Stressindex nach Baevsky Der Stressindex ist so interessant, weil man schon allein wegen des Namens meint, mehr Klarheit über das eigene Stressempfinden zu bekommen. Für eilige Leser empfehle ich mein Fazit am Ende dieses Artikels, denn der Beitrag ist umfangreich. Wer diesen besonderen HRV-Parameter noch gar nicht kennt, kann mit meinem Einstiegs-Beitrag über den Stress-Index beginnen. Über Stress, akut oder chronisch, wird viel gesprochen. Man beschreibt das Ausmaß subjektiv und hofft, dass der Zuhörer die Belastung versteht und nachempfinden kann. Von der wissenschaftlichen Seite gibt es Unterstützung durch standardisierte Fragebögen, um die Kommunikation eindeutiger zu gestalten. Selbstverständlich wäre es viel einfacher, wenn man eine Zahl nennen könnte und würde auf diese Weise objektiv und vergleichbar die Anspannung und Belastung mitteilen. Eine größere Herausforderung ist es, den Belastungs- oder Entspannungszustand eines Menschen festzustellen, wenn man ihm nicht gegenübersitzt und seine Körpersprache nicht wahrnehmen kann. So war die Situation, als in der Entwicklung der sowjetischen Raumfahrt die Kosmonauten medizinisch betreut werden sollten. In den Anfängen der Weltraumfahrt wurde also nach einem systematischen Verfahren gesucht, den Stresspegel objektiv messen und bewerten zu können. In gewisser Weise war dies auch der Beginn der Tele-Medizin, aber dies ist ein anderes Thema. In den 1950er-Jahren erkannte man bereits, dass der Stresspegel von Piloten und Kosmonauten mit messtechnischen Hilfsmitteln erfasst werden muss, um die Bewertbarkeit der Befindlichkeit zu verbessern. Professor Dr. Roman Markovich Baevsky gilt als einer der Gründer der Weltraumkardiologie - damals ein neuer wissenschaftlich angewandter Bereich der Weltraummedizin im Institut für medizinische und biologische Probleme der Russischen Akademie der Wissenschaften. Unter seiner Führung wurde die Methode der Variationspulsometrie entwickelt und u. a. der Regulationssystemspannungsindex (Index of Regulatory Systems Tension) definiert. Er wird üblicherweise als Stressindex bezeichnet und in die HRV-Parameter eingereiht. Zum HRV-Parameter Stressindex (SI) findet man Kurzbeschreibungen, die sehr unterschiedlich sind, je nachdem aus welcher Perspektive sie formuliert wurden: Er ist ein allgemein anerkanntes Maß für die Charakterisierung von aufgezeichneten EKG-Signalen bzw. von RR-Intervallen. Er gibt den Grad der zentralen Steuerung des Herzrhythmus wieder und charakterisiert die Aktivität des sympathischen Anteils des vegetativen Nervensystems (VNS). Er gilt als Hinweisgeber für Verschiebungen des Gleichgewichts des VNS, also für Veränderungen der Balance zwischen den Wirkungen von Sympathikus und Parasympathikus. Der Stressindex wird auch als Anpassungsindex der Regulationssysteme des menschlichen Organismus bezeichnet. Professor Baevsky verwendet auch die Bezeichnungen “Index of Regulation Strain” oder “Straining Index”. Der SI ist dafür geeignet, Veränderungen im Organismus über die Zeit festzuhalten. Er gehört zum Standard der HRV-Parameter und wird in jedem mir bekannten HRV-Analysesystem angeboten. Aufbauend auf meinen Beitrag über die Berechnung von RR-Intervallen und Herzschlagrate möchte ich die Berechnung des Stressindex für HRV-Interessierte nachvollziehbar machen, die weniger technische Vorbildung mitbringen (zu denen ich auch gehöre). Die Berechnung Sehr allgemein ausgedrückt, wird mit dem Stressindex die Form einer Häufigkeitsverteilung (Histogramm) von gemessenen RR-Intervalle ausgedrückt. Er beschreibt das Höhen- und Breitenverhältnis, also das Verhältnis der Höhe (Anzahl) zur Breite (Variation) des Histogramms. Eine geringe Anzahl von gleichen RR-Intervallen und eine große Anzahl verschiedener RR-Intervalle (hohe Streuung) weisen auf eine gute HRV hin. Die Berechnung des Stressindex (SI) gemäß Professor Baevsky besteht aus den folgenden Komponenten: 1.  Мо (mоde bzw. Modalwert), 2.  АМо (mode amplitude), 3.  MxDMn (variation range). Quellen: - “Heart rate variability analysis: physiological foundations and main methods”, Roman М. Baevsky, Anna G. Chernikova, 2017 - Use Kardivar System for Determination of the Stress Level and Estimation of the Body Adaptability, R.M. Baevsky, A.P. Berseneva, 2009 Mo (Modalwert) Mit Mo wird der am häufigsten auftretende RR-Intervall-Wert der gemessenen Serie bezeichnet. Diese Statistik-Größe wird im Deutschen Modalwert genannt. Bitte nicht mit dem Mittelwert oder dem Median (Zentralwert) verwechseln. Mo entspricht in der Praxis dann dem Mittelwert, wenn es sich bei den gemessenen RR-Intervallen um eine annähernd von Gauß beschriebenen Normalverteilung handelt und während der Messung quasi-stationäre Körperaktivitäten herrschten. AMo (mode amplitude) AMo beruht auf der Anzahl der am Modalwert vorkommenden RR-Intervalle. Sie wird durch die Gesamtanzahl der RR-Intervalle dividiert und mit 100 multipliziert (also in Prozent ausgedrückt). Dieser Wert beschreibt die Ähnlichkeit der RR-Intervalle, indem die Häufigkeit der RR-Intervalle am Modalwert auf die Gesamthäufigkeit bezogen wird. Je höher die Anregung des Herzschlags durch den Sympathikus, desto höher der Anteil der RR-Intervalle am Modalwert und desto schmaler die Variationsbreite. MxDMn (variation range) MxDMn beschreibt die Variationsbreite der gemessenen RR-Intervalle, indem die Differenz aus dem größten und dem kleinsten RR-Intervall berechnet wird. Dieses Verfahren, den dynamischen Bereich zu beschreiben, erscheint recht einfach. Aber zu der Zeit, als es von Professor Baevsky in die Weltraummedizin eingeführt wurde, musste man rechenintensive Verfahren vermeiden. Wesentliche Einflüsse können wie folgt zusammengefasst werden: Die Variationsbreite wird größer, wenn der Parasympathikus aktiver ist, und kleiner, wenn der Sympathikus dominiert. Die so berechnete Variationsbreite ist für eine Verfälschung durch Arrhythmien und Artefakten anfällig. Stressindex Der Stressindex (SI) wird gemäß Professor Baevsky nach der folgender Formel berechnet: $latex \begin{aligned} \displaystyle SI &= \frac{AMo*100\%}{2*Mo*MxDMn}&s=1 \\ \scriptstyle Mo &: \scriptstyle \text{ Modalwert, der in der Messreihe am h\"{a}ufigsten vorkommende RR-Intervall-Wert (in Sekunden) } \\ \scriptstyle AMo &: \scriptstyle \text{ Anzahl der am Modalwert vorkommenden RR-Intervalle bezogen auf die Gesamtanzahl (in Prozent) } \\ \scriptstyle MxDMn &: \scriptstyle \text{ Differenz des gr\"{o}ssten und des kleinsten RR-Intervalls (in Sekunden) } \end{aligned} $ Beispiel Zur Veranschaulichung der Berechnungsformel verwende ich dieselben Daten wie in meinen Blog-Beitrag über die Berechnung von RR-Intervallen und Herzschlagrate. Die Häufigkeitsverteilung (Histogramm) der verwendeten HRV-Kurzzeitmessung ergibt folgendes Schaubild mit den Werten zu den Formelbestandteilen Mo, AMo und MxDMn: Der Stressindex-Wert (SI) von 31,17 ist in diesem Beispiel streng nach der Formel von Beavsky berechnet worden. Berechnungsvarianten vergleichen Nach meiner Einschätzung ist der Stresswert von den bekannteren HRV-Parametern am wenigsten zwischen den HRV-Analysesystemen vergleichbar. Der Grund liegt wohl darin, dass der Stressindex sehr empfindlich auf Ausreißer reagiert (siehe Kapitel Robustheit) und bei den Umsetzungen der SI-Formel unterschiedliche Verbesserungsversuche vorgenommen wurden. Dies will ich an einem Beispiel erläutern. Die HRV-Analyse-Software Kubios gilt in HRV-Kreisen als Referenz-System. Laut den Quellen Kubios - About Heart Rate Variability und “Kubios HRV (ver. 3.1) User’s Guide” werden bei der Berechnung des Stressindex bei Kubios einige andere und zusätzliche Berechnungen vorgenommen: Es wird eine Quadratwurzel-Transformation angewendet, um die rechtsschiefe Häufigkeitsverteilung einer Normalverteilung anzunähern. Demzufolge wird bei Kubios der Stressindex auch als die Quadratwurzel von Baevsky’s Stressindex bezeichnet. Mo wird nicht als Modalwert berechnet, sondern der Zentralwert (Median) der RR-Intervalle wird genommen. AMo wird als die Höhe des normalisierten RR-Intervall-Histogramms mit einer Klassenbreite von 50 Millisekunden (ms) genommen. MxDMn wird zwar als die Differenz zwischen längstem und kürzestem RR-Intervall genommen, aber um den SI unempfindlicher für langsame Änderungen der durchschnittlichen Herzrate zu machen (was MxDMn erhöht und AMo verringert), wird der niedrigste Häufigkeitswert der RR-Intervall verändert. Hierfür wird smoothness priors method angewendet, was einer Art Hochpass-Filterung zur Unterdrückung tieffrequenter Veränderungen entspricht. Im folgenden Schaubild veranschauliche ich die Berechnung des SI nach den Angaben im Kubios-Handbuch. Die Unterschiede zum vorigen Beispiel mit der SI-Berechnung nach Baevsky sind offensichtlich. Allerdings ist das Ergebnis für den SI bei meinem Versuch, das Verfahren mit eigenen Berechnungen nachzubilden, um circa das 100-fache höher als der SI-Wert, den ich mit der Kubios-Software aus diesem Datensatz berechne. Das ist für mich ernüchternd: Letztendlich ist für mich die Berechnung des SI mit Kubios nicht vollständig nachvollziehbar - vermutlich weil mir die vollständige Verfahrensbeschreibung fehlt. Die zwei folgenden Schaubilder veranschaulichen die Zwischenschritte der SI-Berechnung, wie sie dem Kubios-Handbuch entnehmbar waren: Dass das untere Histogramm mit einer Klassenbreite von 50 Millisekunden (ms) so “klotzig” ausschaut, liegt an der verwendeten HRV-Kurzzeitmessung: Der Proband war gestresst und hatte eine geringe Variablilität, was folgerichtig zu einem hohen SI führen muss. Gleichzeitig lässt sich die Anfälligkeit für Ausreißer anhand des Beispiels erahnen. Der Variationsbereich (MxDMn) ändert sich sehr, wenn auch bloß ein einzelnes RR-Intervall in eine benachbarte 50-ms-Klasse fällt und dadurch der SI beträchtlich geringer ausfällt. Darüber hinaus entstand bei mir der Eindruck, dass auch bei anderen HRV-Programmen die oben angeführte Formel von Baevsky für die Berechnung des Stressindex zwar angegeben wird, aber bei der Programmierung davon abgewichen wird. Die SI-Berechnung für stabilere Ergebnisse verbessern zu wollen, ist auf der Herstellerseite durchaus verständlich und vermutlich ein Wettbewerbsfaktor. Aber für interessierte Anwender sind die Verfahren nicht nachvollziehbar. Beim direkten Vergleich einer beispielhaft ausgewählten HRV-Kurzzeitmessung (eines weniger gestressten Probanden) erhalte ich folgende SI-Werte: SI-Varianten SI-Werte eigene Programmierung 6 Kubios 13 Vergleichssystem 1 137 Vergleichssystem 2 261 Ich würde mich freuen, wenn ich Hinweise bekäme, die mir zu einem besseren Nachvollzug der programmierten Verfahren verhelfen würden. Sein Nutzen Der Stressindex (SI) wurde in der Raumfahrtforschung entwickelt und wird dort immer noch verwendet. Außerdem wird er in vielen Gebieten eingesetzt: Sportmedizin Arbeitsphysiologie in der klinischen Praxis und in therapeutischen Geräten Er wird für die quantitative Charakterisierung der vom VNS vorgenommenen Regulierung der Körperfunktion verwendet. Mit der Auswertung der RR-Intervalle und des Höhen-Breiten-Verhältnisses der Häufigkeitsverteilung (Histogramm) werden, wie mit anderen HRV-Parametern auch, vergleichbare Zahlen errechnet, um Rückschlüsse auf Änderungen der Aktivität des VNS zu ermöglichen. Bei Professor Baevsky stehen die Regulationssysteme des menschlichen Organismus im Mittelpunkt. Der SI wird daher als ein Maß für die Regulierungsbelastung und für den Anspannungsgrad der Regulationssysteme verwendet. Er steht mit der Regulationsaktivität des Sympathikus bei körperlichem oder geistigem Stress in Verbindung. Je stärker der Sympathikus in die Körperfunktion eingreift, desto mehr zeigt sich das am Stressindex. Der Rhythmus des Herzschlags wird immer stabiler, wodurch die RR-Intervalle immer einheitlicher werden und die Anzahl der RR-Intervalle mit ähnlicher Dauer ansteigt. Dies erhöht den AMo-Wert. Die Form des Histogramms wird schmäler und höher. In stressigen Situationen oder bei manchen Krankheiten wird das Histogramm eine schmale Basis und eine enge Spitze haben. Je höher der Stressindex ist, desto höher ist die Aktivität der mit dem Sympathikus verbundenen Regelungskanäle. Je niedriger der SI ist, desto höher die Aktivität der mit dem Parasympathikus und den Hormonen verbundenen Regelungskanäle. Schon geringe Belastungen, körperlich oder gefühlsmäßig, können den SI verdoppeln. Asymmetrische Histogramme entstehen bei Übergangsvorgängen während der Messung, wenn also kein stationärer Zustand besteht. Solche schiefen Histogramme sind für die Berechnung des Stressindex eigentlich nicht brauchbar, weil die Vergleichbarkeit beeinträchtigt wird. Noch ungeeigneter sind Histogramme mit mehreren Häufigkeits-Spitzen, die von Extrasystolen oder Herzrhythmusstörungen verursacht sein können. Normale Werte Die Angabe von Normal-Werten ist für den SI problematisch. Die Gründe sind: Die Norm-Werte sind auf Messungen bei körperlicher Ruhe bezogen. Denn Bewegung und Stresssituationen führen zu einer höheren Pulsrate und einer niedrigeren HRV sowie zu störenden Übergangsvorgängen während der Messung. Die Berechnungsmethoden weichen voneinander ab. Daher sollte immer beachtet werden, ob angegeben wird, wie die SI-Normwerte berechnet wurden. Noch besser wäre es, wenn vom Hersteller eines HRV-Systems eine Tabelle von SI-Normwerten für sein System mitgeliefert wird - möglichst mit Angaben zu Studien, mit denen die Normwerte ermittelt wurden. In der Quelle “Heart rate variability analysis: physiological foundations and main methods”, Roman М. Baevsky, Anna G. Chernikova, 2017 werden folgende Angaben zu normalen SI-Werten gemacht: Normalerweise schwankt der SI zwischen 80 und 150. Leichter körperlicher oder emotionaler Stress erhöht den Si um das 1,5- bis 2-fache, weil er sehr empfindlich für die Erhöhung der Aktivität des Sympathikus ist. Starker Stress erhöht den SI um das 5 bis 10-fache. Bei in Ruhe befindlichen Patienten mit ständig angespanntem Regulationssystem treten SI-Werte zwischen 400 und 600 auf. In Verbindung mit Anfällen von Angina pectoris und Herzinfarkt erreicht der SI Werte von 1000 bis 1500. Aber wie schon erwähnt: Die SI-Werte und damit auch die angegebenen Normal-Bereiche sind unter anderem vom tatsächlich programmierten Berechnungsverfahren abhängig. Im Vorsorge- und Fitness-Bereich wird daher nicht der sogenannte Quervergleich zwischen unterschiedlichen Menschen bevorzugt, sondern der “Längsvergleich” von HRV-Werten einzelner Personen. Es werden Veränderungen des Stressindex (und anderer Kennwerte) aus vielen Messungen der jeweiligen Person gewonnen und persönliche Richtwerte ermittelt. Deren Veränderung wird dann über die Zeit beobachtet und für Verhaltens-Tipps ausgewertet. Robustheit Wie alle anderen HRV-Parameter lässt sich der Stressindex von verschiedenen Faktoren beeinflussen. So kann beispielsweise ein langjähriger Diabetes auch ohne Vorliegen einer Stressbelastung einen hohen Stressindex anzeigen. Für die Praxis ist immer wichtig zu wissen, wie empfindlich ein HRV-Wert für Messfehler und Anomalien ist. Die vom Sensor (EKG-Elektroden, Brustgurt, Ohr-Clip) und dem Datenerfassungsgerät gesammelten Messwerte beinhalten oft störende Anteile, die nicht zu einem typischen Herzschlag passen und zu sogenannten Artefakten im Ergebnis führen. Im Folgenden will ich auf zwei solcher Störfaktoren eingehen: Ungenauigkeit bei der Digitalisierung des Herzschlags und Artefakte aufgrund von ungewöhnlichen Herzschlägen oder Bewegungen. Um Ungenauigkeit bei der Digitalisierung zu veranschaulichen, soll eine HRV-Kurzzeitmessung herangezogen werden und deren RR-Intervalle gezielt verändert werden. Die Veränderungen sind so gewählt, dass sie Ungenauigkeiten bei der Messdatenerfassung simulieren (+/- 2 ms, zufällig verteilt). Die Auswirkung der Manipulation beobachten wir dann am errechneten SI, indem die Originalwerte und die Werte aus der Modifikation gegenübergestellt werden. Im Schaubild werden die Häufigkeiten der künstlich verfälschten RR-Intervalle orange dargestellt und über die unveränderten, dunkelblauen Daten gelegt. Liegen die Balken übereinander, sind sie braun dargestellt. Man kann die zufälligen Abweichungen vom ursprünglichen Signal noch erahnen. Die Zufälligkeit der eingebrachten Abweichungen gleicht sich nicht aus, sondern führt zu einer erkennbar veränderten Häufigkeitsverteilung. Der Vergleich der von beiden RR-Intervall-Reihen berechneten Stressindex-Werte zeigt, dass der Stressindex von dieser Art von Signalstörung nicht stark, aber bemerkbar beeinflusst wird. Mit der künstlich eingebrachten Streuung der RR-Intervalle wurde das Histogramm breiter und der SI folgerichtig etwas kleiner (gerundet: 25 statt 31). Soviel zur Veranschaulichung des Einflusses der Ungenauigkeit bei der Digitalisierung. Gehen wir nun auf Artefakte aufgrund von ungewöhnlichen Herzschlägen oder Bewegungen ein. Um den Einfluss dieser Artefakte zu veranschaulichen, nehmen wir wieder dieselbe HRV-Kurzzeitmessung und simulieren einen falsch ermittelten Herzschlag. Dabei wird eine R-Zacke simuliert, die im EKG-Signal circa 50 Prozent verfrüht detektiert wird. Das führt zu einem entsprechend kürzeren und einem längeren RR-Intervall, wie das folgende Diagramm zeigt. Im Histogramm wirken sich die künstlich veränderten RR-Intervalle gravierend aus. Sie wirken nach beiden Seiten wie “Ausreißer” und sind schwer zu erkennen. Die Auswirkung dieser Manipulation beobachten wir dann wieder am errechneten Stressindex SI. Das Histogramm mit den Originalwerten (oben) wird mit der künstlich eingebrachten Fehlmessung eines Herzschlags so verändert, dass man es kaum wiedererkennt (unten). Die zwei geänderten RR-Intervallen haben das Histogramm stark verbreitert und der SI wurde folgerichtig viel kleiner (gerundet: 5 statt 31). Eine Fehlmessung oder Extrasystole kann also einen viel zu geringen SI-Wert herbeiführen. Bereits dieser Einfluss eines einzelnen verfälschten Herzschlags ist für eine akzeptable SI-Berechnung nicht hinnehmbar. Mit diesem Beispiel ist verständlich, warum üblicherweise darauf hingewiesen wird, dass das Verfahren zur Berechnung des Stressindex, ähnlich wie beim RMSSD, für Artefakte sehr anfällig ist. Solche Artefakte kommen in der Praxis häufig vor. Vor allem bei Bewegung, insbesondere beim Sport und bei 24-Stunden-Messungen, treten sie meist wegen instabilem Hautkontakt der Mess-Sensoren auf. Eine weitere Ursache für Artefakte sind ungefährliche Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge, die nicht von Sinusknoten erzeugt werden) oder gesundheitlich bedenkliche Rhythmusstörungen. Um gewonnenen RR-Intervalle trotz Artefakte für eine HRV-Analyse auswerten zu können oder für die Beurteilung von therapeutischen Behandlungen wie Bio-Feedback oder Hypoxie zu verwenden, wird meist versucht, die Daten automatisch zu korrigieren. Dies kann in einfachen Fällen, wie im Beispiel eines einzelnen ungewöhnlichen Herzschlags, recht gut gelingen. Falls aber zum Beispiel wegen Kontaktunterbrechungen am Sensor stärker ausgeprägte Artefakte auftreten, können die automatischen Verfahren auch überfordert sein. Dann ist eine nachträgliche Behandlung der Messdaten von Hand das bessere Vorgehen. Solche manuellen Korrekturmöglichkeiten sind nach meinem Kenntnisstand nicht in Systemen für Endverbraucher vorgesehen, sondern eher für Wissenschaftler und Therapeuten. Besonders positiv aufgefallen ist mir die interaktive Korrekturmöglichkeit mit Hilfe des Poincaré-Diagramms, wie das beim BioSign HRV-Scanner umgesetzt ist. Ich hoffe, meine Erläuterung der Berechnung des Stressindexes (SI) ermöglicht auch HRV-Interessierte mit weniger technischer Vorbildung, eine Vorstellung der Zusammenhänge zu entwickeln. Mein Fazit Der Name des HRV-Parameters Stressindex weckt Erwartungen, die er nicht erfüllt. Wer meint, dass damit der empfundene Stress mess- und vergleichbar dargestellt wird, täuscht sich. Der Stressindex ist eine Möglichkeit, die Häufigkeitsverteilung von RR-Intervallen in Form eines Wertes zu beschreiben. Wie der Erfinder, Professor Baevsky, schreibt, handelt es sich beim SI um ein Maß für die Anspannung der Regulationssysteme des menschlichen Organismus. Aufgrund der Empfindlichkeit für Messfehler und Störungen muss er mit Sorgfalt verwendet werden. Wegen den unterschiedlich umgesetzten Verfahren zur Berechnung des SI ist ein Quervergleich zwischen unterschiedlichen HRV-Systemen nicht einfach möglich. PS: Die Beispieldaten wurden von Erich Langenbuch mit Hilfe der Programmiersprache R aufbereitet. #### Berechnung des HRV-Werts RMSSD Der HRV-Wert RMSSD ist ein allgemein anerkanntes Maß für den Einfluss des Parasympathikus auf die Herzschlagrate. Daher wird der RMSSD als Hinweisgeber für Erholungsfähigkeit verstanden. Er gehört zum Standard der HRV-Parameter und wird in jedem HRV-Analysesystems angeboten. Aufbauend auf meinen Beitrag über die Berechnung von RR-Intervallen und Herzschlagrate möchte ich die Berechnung des RMSSD für HRV-Interessierte nachvollziehbar machen, die weniger technische Vorbildung mitbringen (zu denen ich auch gehöre). Die Berechnung Die Berechnung des RMSSD-Wertes durchläuft folgende Schritte: Die zeitliche Differenz von jeweils aufeinanderfolgenden RR-Intervallen werden mit sich selbst multipliziert, um nur positive Werte zu erhalten. Diese Zwischenwerte werden summiert und durch die Anzahl der RR-Intervall-Differenzen geteilt, um den Mittelwert zu erhalten. Vom Mittelwert dieser quadrierten Differenzen wird die Quadratwurzel gezogen. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird die RMSSD-Berechnung üblicherweise komprimierter ausgedrückt: Quadratwurzel des Mittelwerts der Summe aller quadrierten Differenzen zwischen benachbarten RR-Intervallen. Das entspricht der übersetzten Definition, die von der Task Force of The European Society of Cardiology and The North American Society of Pacing and Electrophysiology (ESC/NASPE) 1996 veröffentlicht wurde: “The square root of the mean of the sum of the squares of differences between adjacent NN intervals”. Der Vollständigkeit halber soll hier die mathematische Formel nicht fehlen und führe sie auch an: $latex \begin{aligned} \displaystyle RMSSD &= \sqrt{ \frac{1}{N-1} \sum_{i=1}^{N-1} \left(RR_{i+1} - RR_{i} \right)^{2} } \\ \scriptstyle RR &: \scriptstyle \text{ RR-Intervall, Zeitdifferenz zweier aufeinanderfolgender R-Zacken} \\ \scriptstyle N &: \scriptstyle \text{ Anzahl der R-Zacken im zugrundeliegenden EKG-Signal } \end{aligned} $ Als weitere Schreibweisen findet man auch R-MSSD oder rMSSD. Sein Nutzen Der RMSSD-Wert ermöglicht, die kurzzeitigen Veränderungen der RR-Intervalle quantitativ zu vergleichen. Er beschreibt also die sogenannte Kurzzeitvariabilität des Herzschlags. Für die Gesamt-Variabilität ist der SDNN-Wert zuständig. Es kommt also zum Ausdruck, ob sich der Parasympathikus entsprechend aktiv in die Einflüsse von Sinusknoten und Sympathikus einmischt. Damit ähnelt der RMSSD den HRV-Werten SD1 oder High-Frequency (HF). Statistiker drücken dies dadurch aus, dass sie von einer hohen Korrelation dieser Werte sprechen. Normale Werte Der RMSSD wird sowohl bei HRV-Kurzzeit-Messungen als auch bei Langzeitmessungen (z. B. 24-Stunden-Messungen) berechnet. Für Langzeitmessungen hat die oben erwähnte Task Force der ESC/NASPE von 1996 “Normwerte” der HRV (Mittelwert ± Standardabweichung) empfohlen: für den RMSSD 27±12 ms. Solche Normwerte sind allerdings wenig sinnvoll, wenn man die Abhängigkeit der HRV vom Geschlecht und vom Alter nicht berücksichtigt. Obwohl es aus Studien Richtwerte für normale RMSSD-Werte gibt, werden sie oft angezweifelt. Gerade bei älteren Menschen können die Studien ihre Schwächen haben: Meistens sind zu wenig Probanden je Altersklasse beiderlei Geschlechts beteiligt und Vorerkrankungen machen die Einteilung in vergleichbare Gruppen zunehmend komplizierter. Im Vorsorge- und Fitness-Bereich wird daher nicht der sogenannte Quervergleich zwischen unterschiedlichen Menschen bevorzugt, sondern der “Längsvergleich” von HRV-Werten einzelner Personen. Es werden Veränderungen des RMSSD (und anderer Kennwerte) aus vielen Messungen der jeweiligen Person gewonnen und persönliche Richtwerte ermittelt. Deren Veränderung wird dann über die Zeit beobachtet und für Verhaltens-Tipps ausgewertet. Robustheit Für die Praxis ist immer wichtig, wie empfindlich ein HRV-Wert für Messfehler und Anomalien ist. Die vom Sensor (EKG-Elektroden, Brustgurt, Ohr-Clip) und dem Datenerfassungsgerät gesammelten Messwerte beinhalten oft störende Anteile, die nicht zu einem typischen Herzschlag passen und zu sogenannten Artefakten im Ergebnis führen. Auf zwei solcher Störfaktoren möchte ich eingehen: Ungenauigkeit bei der Digitalisierung und Artefakte aufgrund von ungewöhnlichen Herzschlägen oder Bewegungen. Um Ungenauigkeit bei der Digitalisierung zu veranschaulichen, soll eine HRV-Kurzzeitmessung herangezogen werden und deren RR-Intervalle gezielt verändert werden. Die Veränderungen sind so gewählt, dass sie Ungenauigkeiten bei der Messdatenerfassung simulieren (+/- 2 ms, zufällig verteilt). Die Auswirkung der Manipulation beobachten wir dann am errechneten RMSSD. Im Schaubild werden die künstlich verfälschten RR-Intervalle grau dargestellt. Die kleinen Abweichungen vom ursprünglichen Signal sind erkennbar und wirken wie eine Art von Rauschen oder Flimmern. Dieser Eindruck beruht auf der Zufälligkeit der eingebrachten Abweichungen. Der Vergleich der von beiden RR-Intervall-Reihen berechneten RMSSD-Werte zeigt, dass der RMSSD von dieser Art von Signalstörung kaum beeinflusst wird. Um den Einfluss der weiter oben erwähnten Artefakte zu veranschaulichen, nehmen wir wieder dieselbe HRV-Kurzzeitmessung und simulieren einen falsch ermittelten Herzschlag. Dabei wird eine R-Zacke simuliert, die im EKG-Signal ca. 50 % verfrüht detektiert wird. Das führt zu einem entsprechend kürzeren und einem längeren RR-Intervall, wie das folgende Diagramm zeigt. Die Auswirkung dieser Manipulation beobachten wir dann wieder am errechneten RMSSD. Im Schaubild werden die Daten mit dem verfälschten RR-Intervall wieder grau (unten) dargestellt und die unveränderten Daten schwarz (oben). Das betroffene RR-Intervall-Paar ist oben ebenfalls grau markiert. Der Vergleich der von beiden RR-Intervall-Reihen berechneten RMSSD-Werte zeigt in diesem Fall, dass der RMSSD von dieser Art von Signalstörung sehr stark beeinflusst wird. Der ursprüngliche RMSSD steigt von 15 auf 45 ms, in diesem stichprobenartigen Beispiel um den Faktor 3. Bereits dieser Einfluss eines einzelnen verfälschten Herzschlags ist für eine verlässliche RMSSD-Berechnung nicht hinnehmbar. Mit diesem Beispiel ist verständlich, warum üblicherweise darauf hingewiesen wird, dass das Verfahren zur Berechnung des RMSSD für Artefakte sehr anfällig ist. Solche Artefakte kommen in der Praxis häufig vor. Vor allem bei Bewegung, insbesondere beim Sport und bei 24-Stunden-Messungen, treten sie meist wegen instabilem Hautkontakt der Mess-Sensoren auf. Eine weitere Ursache für Artefakte sind ungefährliche Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge, die nicht von Sinusknoten erzeugt werden) oder gesundheitlich bedenkliche Rhythmusstörungen. Um gewonnene RR-Intervalle trotz Artefakte für eine HRV-Analyse auswerten zu können, wird meist versucht, die Daten automatisch zu korrigieren. Dies gelingt in einfachen Fällen, wie im Beispiel eines einzelnen ungewöhnlichen Herzschlags, meist recht gut. Falls aber zum Beispiel wegen Kontaktunterbrechungen am Sensor stärker ausgeprägte Artefakte auftreten, sind die automatischen Verfahren auch schnell überfordert. Dann ist eine nachträgliche Bearbeitung der Messdaten von Hand das bessere Vorgehen. Solche manuellen Korrekturmöglichkeiten sind nach meinem Kenntnisstand nicht in Systemen für Endverbraucher vorgesehen, sondern eher für Wissenschaftler und Therapeuten. Besonders positiv aufgefallen ist mir die Korrekturmöglichkeit mit Hilfe des Poincaré-Diagramms, wie das beim BioSign HRV-Scanner umgesetzt ist. Ich hoffe, meine Erläuterung der Berechnung des RMSSD-Wertes ermöglicht auch HRV-Interessierten mit weniger technischer Vorbildung, eine Vorstellung der Zusammenhänge zu entwickeln. PS: Die Beispieldaten wurden mit einem HRV-Scanner (Modell: Professional) des Herstellers BioSign gemessen, exportiert und mit Hilfe der Programmiersprache R von Erich Langenbuch aufbereitet. #### Berechnung des HRV-Werts SDNN Der HRV-Wert SDNN drückt die Gesamtvariabilität der zeitlichen Schwankungen des Herzschlags aus. Daher wird der SDNN als Hinweisgeber für Regulationsfähigkeit des vegetativen Nervensystems und die Anpassungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems verstanden. Er gehört zum Standard der HRV-Parameter und wird in jedem HRV-Analysesystems angeboten. Aufbauend auf meinen Beitrag über die Berechnung von RR-Intervallen und Herzschlagrate möchte ich die Berechnung des SDNN für HRV-Interessierte nachvollziehbar machen, die weniger technische Vorbildung mitbringen (zu denen ich auch gehöre). Die Berechnung Die Berechnung des SDNN-Wertes durchläuft folgende Schritte: Die aus den R-Zacken des EKG-Signals berechneten RR-Intervalle werden verwendet, um die mittlere Dauer der RR-Intervalle ($latex \overline{RR} $) im gemessenen Zeitabschnitt zu berechnen. Die Abweichungen der einzelnen RR-Intervalle ($latex RR_i $) vom arithmetischen Mittelwert der RR-Intervalle ($latex \overline{RR} $) werden quadriert, um nur positive Werte zu bekommen, und summiert. Die Summe wird durch die Anzahl der RR-Intervalle geteilt und daraus die Quadratwurzel berechnet. Anschaulich kann man auch sagen, dass die mittlere Abweichung der RR-Intervall von ihrem Mittelwert gebildet wird. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird die SDNN-Berechnung üblicherweise komprimierter ausgedrückt: Standardabweichung (oder Quadratwurzel der Varianz) aller gemessenen RR-Intervalle Das entspricht der übersetzten Definition, die von der Task Force of The European Society of Cardiology and The North American Society of Pacing and Electrophysiology (ESC/NASPE) 1996 veröffentlicht wurde: “Standard deviation of all NN intervals”. Als NN-Intervalle werden Normal-to-Normal-Intervalle verstanden, die von Artifakten (wie z. B. ektopische Herzschläge) bereinigt wurden. Dies entspricht in der Praxis den messtechnisch aufbereiteten Interbeat- bzw. Beat-to-Beat-Intervallen oder eben auch den RR-Intervallen. Der Vollständigkeit halber sollen hier die mathematischen Formeln nicht fehlen und führe ich sie auch an: $latex \begin{aligned} \displaystyle RR_{i} &= R_{i+1} - R_{i} \\ \overline{RR} &= \frac{1}{N-1} \sum_{i=2}^{N} RR_{i} \\ SDNN &= \sqrt{ \frac{1}{N-1} \sum_{i=2}^{N} \left(RR_{i} - \overline{RR} \right)^{2} } \\ \scriptstyle RR &: \scriptstyle \text{ RR-Intervall, Differenz der Zeitpunkte zweier aufeinanderfolgender R-Zacken} \\ \scriptstyle N &: \scriptstyle \text{ Anzahl der R-Zacken im zugrundeliegenden EKG-Signal } \end{aligned} $ Als alternative Abkürzung zu SDNN findet man gelegentlich RRSD, SD oder SDRR. Allerdings können feine Unterschiede dahinter stecken, wie z. B.  bei SDRR die Berücksichtigung aller RR-Intervalle (also ohne Bereinigung von Artifakten und abnormalen Herzschlägen). Verwendbarkeit und Nutzen Die SDNN  stellt ein Maß für die Gesamtvariabilität im gemessenen Zeitraum dar. Der SDNN-Wert ermöglicht, die von physiologischen Vorgängen verursachten Veränderungen der RR-Intervalle quantitativ zu vergleichen. Obwohl die SDNN ein einfacher statistischer Kennwert ist, muss man trotzdem auf eine korrekte Anwendung achten. Eine Schwierigkeit liegt darin, dass in die SDNN alle Schwankungen der Herzrate im gemessenen Zeitraum eingehen. Je länger man misst, desto mehr niederfrequente (also langsame) Schwankungen werden mitberücksichtigt. Der SDNN-Wert ist folglich von der Mess-Dauer abhängig. Je länger sie ist, desto eher fällt der SDNN-Wert höher aus als bei einer Kurzzeit-Messung. Aus 24-Stunden-Aufnahmen des Herzschlags ergibt sich eine SDNN, die stark mit den HRV-Parametern Total-Power (TP), Low-Frequency (LF) und Ultra-Low-Frequency (ULF, Herzratenschwankungen mit einer Dauer größer als 5,6 Minuten) korreliert (Umetani et al., 1998). Bei 5-Minuten-Messungen hängen die Pulsschwankungen hauptsächlich mit der parasympathisch herbeigeführten RSA zusammen, insbesondere bei langsamer Atemführung. Bei Langzeitmessungen kommt mit der SDNN also nicht nur zum Ausdruck, wie sich der Parasympathikus entsprechend aktiv in die Einflüsse von Sinusknoten und Sympathikus einmischt.  Zusätzlich fließen weitere Regelungsvorgänge ein, wie z. B. Blutdruck- und Wärme-Stabilisation, Tagesrhythmus und Arbeitsbelastung. Damit ähnelt die SDNN den HRV-Werten SD2 oder Total-Power (TP). Statistiker drücken dies dadurch aus, dass sie von einer hohen Korrelation dieser Werte sprechen. Üblicherweise wird die SDNN in wissenschaftlichen Studien aus 24-Stunden-Messungen errechnet und verglichen. Aber die SDNN-Werte können nicht nur aus Langzeitmessungen, sondern auch aus standardisierten Kurzzeitmessungen verglichen werden. Man muss eben mit Hilfe standardisierter Messbedingungen und Messdauern darauf achten, dass nicht "Äpfel mit Birnen" verglichen werden. Für Vergleiche der Kurzzeit-Variabilität wäre auch der RMSSD-Wert gut geeignet. Bei Herzinfarktpatienten wurde festgestellt, dass niedere (alters-korrigierte) SDNN-Werte auf eine höhere Erkrankungs- und Sterbewahrscheinlichkeit hinweisen, während höhere SDNN-Werte für höhere Überlebenschancen sprechen. Beispielsweise haben Herzinfarktpatienten mit mittelmäßigen SDNN-Werte zwischen 50 und 100 ms (aus 24-Stunden-Messungen) eine um 400 Prozent geringere Sterberate als Patienten mit SDNN-Werten kleiner als 50 ms. (Kleiger et al., 1987). Normale Werte Die SDNN wird sowohl bei HRV-Kurzzeit-Messungen als auch bei Langzeitmessungen (z. B. 24-Stunden-Messungen) berechnet. Für Langzeitmessungen hat die oben erwähnte Task Force der ESC/NASPE von 1996 “Normwerte” der HRV (Mittelwert ± Standardabweichung) empfohlen: für die SDNN 141±39 ms. Solche Normwerte sind allerdings wenig sinnvoll, wenn man die Abhängigkeit der HRV vom Geschlecht und vom Alter nicht berücksichtigt. Obwohl es aus Studien Richtwerte für normale SDNN-Werte gibt, werden sie oft angezweifelt. Gerade bei älteren Menschen können die Studien ihre Schwächen haben: Meistens sind zu wenig Probanden je Altersklasse beiderlei Geschlechts beteiligt und Vorerkrankungen machen die Einteilung in vergleichbare Gruppen zunehmend komplizierter. Im Vorsorge- und Fitness-Bereich wird daher nicht der sogenannte Quervergleich zwischen unterschiedlichen Menschen bevorzugt, sondern der “Längsvergleich” von HRV-Werten einzelner Personen. Es werden Veränderungen der SDNN (und des RMSSD) aus vielen Messungen der jeweiligen Person gewonnen und persönliche Richtwerte ermittelt. Deren Veränderung wird dann über die Zeit beobachtet und für Verhaltens-Tipps ausgewertet. Für den personenbezogenen Längsvergleich sind SDNN und RMSSD gleichermaßen geeignet, wenn auf standardisierte Messbedingungen geachtet wird (siehe Studie SDNN statt RMSSD). Robustheit Für die Praxis ist immer wichtig, wie empfindlich ein HRV-Wert für Messfehler und Anomalien ist. Die vom Sensor (EKG-Elektroden, Brustgurt, Ohr-Clip) und dem Datenerfassungsgerät gesammelten Messwerte beinhalten oft störende Anteile, die nicht zu einem typischen Herzschlag passen und zu sogenannten Artefakten im Ergebnis führen. Auf zwei solcher Störfaktoren möchte ich eingehen: Ungenauigkeit bei der Digitalisierung und Artefakte aufgrund von ungewöhnlichen Herzschlägen oder Bewegungen. Um Ungenauigkeit bei der Digitalisierung zu veranschaulichen, soll eine HRV-Kurzzeitmessung herangezogen werden und deren RR-Intervalle gezielt verändert werden. Die Veränderungen sind so gewählt, dass sie Ungenauigkeiten bei der Messdatenerfassung simulieren (+/- 2 ms, zufällig verteilt). Die Auswirkung der Manipulation beobachten wir dann am errechneten SDNN-Wert. Im Schaubild werden die künstlich verfälschten RR-Intervalle grau dargestellt. Die kleinen Abweichungen vom ursprünglichen Signal sind erkennbar und wirken wie eine Art von Rauschen oder Flimmern. Dieser Eindruck beruht auf der Zufälligkeit der eingebrachten Abweichungen. Der Vergleich der von beiden RR-Intervall-Reihen berechneten SDNN-Werte zeigt, dass die SDNN von dieser Art von Signalstörung kaum beeinflusst wird. Um den Einfluss der weiter oben erwähnten Artefakte zu veranschaulichen, nehmen wir wieder dieselbe HRV-Kurzzeitmessung und simulieren einen falsch ermittelten Herzschlag. Dabei wird eine R-Zacke simuliert, die im EKG-Signal circa 50 Prozent verfrüht detektiert wird. Das führt zu einem entsprechend kürzeren und einem längeren RR-Intervall, wie das folgende Diagramm zeigt. Die Auswirkung dieser Manipulation beobachten wir dann wieder am errechneten SDNN. Im Schaubild werden die Daten mit dem verfälschten RR-Intervall wieder grau (unten) dargestellt und die unveränderten Daten schwarz (oben). Das betroffene RR-Intervall-Paar ist oben ebenfalls grau markiert. Der Vergleich der von beiden RR-Intervall-Reihen berechneten SDNN-Werte zeigt in diesem Fall, dass die SDNN von dieser Art von Signalstörung stark beeinflusst wird. Der ursprüngliche SDNN-Wert steigt von 21 auf 33 ms, in diesem stichprobenartigen Beispiel um den Faktor 1,6. Bereits dieser Einfluss eines einzelnen verfälschten Herzschlags ist für eine verlässliche SDNN-Berechnung eigentlich nicht hinnehmbar. Mit diesem Beispiel wird aber auch deutlich, dass die SDNN weniger empfindlich für Artefakte ist als das Verfahren zur Berechnung des RMSSD. Solche Artefakte kommen in der Praxis häufig vor. Vor allem bei Bewegung, insbesondere beim Sport und bei 24-Stunden-Messungen, treten sie meist wegen instabilem Hautkontakt der Mess-Sensoren auf. Eine weitere Ursache für Artefakte sind ungefährliche Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge, die nicht von Sinusknoten erzeugt werden) oder gesundheitlich bedenkliche Rhythmusstörungen. Um gewonnene RR-Intervalle trotz Artefakte für eine HRV-Analyse auswerten zu können, wird meist versucht, die Daten automatisch zu korrigieren. Dies gelingt in einfachen Fällen, wie im Beispiel eines einzelnen ungewöhnlichen Herzschlags, meist recht gut. Falls aber zum Beispiel wegen Kontaktunterbrechungen am Sensor stärker ausgeprägte Artefakte auftreten, sind die automatischen Verfahren auch schnell überfordert. Dann ist eine nachträgliche Bearbeitung der Messdaten von Hand das bessere Vorgehen. Solche manuellen Korrekturmöglichkeiten sind nach meinem Kenntnisstand nicht in Systemen für Endverbraucher vorgesehen, sondern eher für Wissenschaftler und Therapeuten. Besonders positiv aufgefallen ist mir die Korrekturmöglichkeit mit Hilfe des Poincaré-Diagramms, wie das beim BioSign HRV-Scanner umgesetzt ist. Ich hoffe, meine Erläuterung der Berechnung des SDNN-Wertes ermöglicht auch HRV-Interessierten mit weniger technischer Vorbildung, eine Vorstellung der Zusammenhänge zu entwickeln. P.S.: Die Beispieldaten wurden mit einem HRV-Scanner (Modell: Professional) des Herstellers BioSign gemessen, exportiert und mit Hilfe der Programmiersprache R von Erich Langenbuch aufbereitet. #### Berechnung des Poincaré-Diagramms aus RR-Intervallen Das Poincaré-Diagramm ist ein Hilfsmittel, um die Unregelmäßigkeit des Ruhepulses anschaulich darzustellen und Kennwerte seiner Variabilität zu berechnen. Dadurch erübrigt sich der mühsame Umgang mit den unübersichtlichen Zahlenreihen von EKG-Messwerten beziehungsweise von RR-Intervallen. Aufbauend auf meinen Beitrag über die Berechnung von RR-Intervallen und Herzschlagrate möchte ich die Berechnung des Poincaré-Diagramms für HRV-Interessierte nachvollziehbar machen, die weniger technische Vorbildung mitbringen (zu denen ich auch gehöre). Das nach dem Mathematiker Henri Poincaré benannte Diagramm ist ganz allgemein betrachtet ein Hilfsmittel, um Dynamik und Selbstähnlichkeit in Phänomenen zu erkennen. Auch Bezeichnungen wie z. B. Poincaré-Plot, Lorenz-Plot, Phasenraumdiagramm, Streudiagramm oder Recurrence-Plot werden verwendet. Sie bedeuten aber im jeweiligen Zusammenhang nicht unbedingt dasselbe. Das Poincaré-Diagramm wird seit 1991 (siehe Raetz SL, Richard CA, Garfinkel A, Harper RM. Fundamental Research Dynamic Characteristics of Cardiac RR Intervals. Sleep. 1991;14(6):526-33) auch zur Beschreibung der Herzratenvariabilität (HRV) verwendet. Im Prinzip einfach Die Idee, wie das Poincaré-Diagramm in seiner zweidimensionalen Form (ja, mehrdimensional ginge auch) bei der HRV-Analyse verwendet wird, ist genial einfach: Es werden immer zwei aufeinander folgende RR-Intervalle einander zugeordnet und ins Diagramm eingetragen. Das heißt, dass der Wert eines RR-Intervalls (RRn) auf der x-Achse und der Wert des nächsten RR-Intervalls (RRn+1) auf der y-Achse gesucht werden und dementsprechend ein Punkt ins Diagramm eingetragen wird. Dann wird in der Reihe der RR-Intervalle um ein RR-Intervall weitergegangen und derselbe Vorgang wiederholt, bis alle RR-Intervalle eingetragen sind. Mathematiker formulieren das gerne so: Jedes RR-Intervall wird als Funktion des jeweils vorherigen RR-Intervalls dargestellt. Um den Aufbau des Diagramms zu veranschaulichen, soll der geschilderte Vorgang im folgenden Schaubild verdeutlicht werden. Die RR-Intervall-Paare dienen als Koordinaten im Diagramm. Die Nummerierung der RR-Intervall-Paare soll helfen, die zeitliche Reihenfolge der RR-Intervalle besser nachvollziehen zu können. Um die Übersicht zu behalten, wird zunächst nur ein Zeit-Ausschnitt von 5 Prozent einer 5 Minuten langen EKG-Messung dargestellt. Stellt man nun alle EKG-Messwerte einer 5 Minuten dauernden Kurzzeit-HRV-Messung dar, ist nur eine schwarze Punktwolke zu sehen. Der Nachvollzug ist im Detail nicht mehr möglich. Allerdings kann jetzt die Gesamterscheinung der Punktwolke interpretiert werden, sowohl qualitativ (Erscheinungsbild) als auch quantitativ (Kennwerte). Das Aussehen beurteilen Die Form der Punktwolke kann visuell-qualitativ für die Beurteilung der HRV verwendet werden. Dabei werden verschiedene Formen wie z. B. “Zigarre”, “Torpedo”, “Flügel”, “Galaxis”, “Komet” oder “kleine runde Scheibe” unterschieden und auf Basis von Studien physiologischen Zuständen zugeordnet. Ein typisches Poincaré-Diagramm einer gesunden Person ist eine gedehnte, elliptische Punktwolke. Schlägt das Herz während der Messung fast immer mit der gleichen Pulsrate und mit geringer Variabilität, dann ergibt sich eher eine kleine Scheibe. Ändert sich der Herzschlag gleichmäßig während der Messung innerhalb eines gewissen Bereichs (z. B. zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute) und besteht eine in etwa gleichbleibende Variabilität, dann kann das zu einer als normal geltenden Flügelform führen. Je nach Zusammentreffen von anderen Herzschlagcharakteristiken bilden sich andere Formen des Poincaré-Diagramms aus. Ungewöhnliche RR-Intervalle, die auf Messfehler oder evtl. Herzfehler beruhen, sind gut zu erkennen, weil sie als “Ausreißer” auffallen. Für diagnostische Rückschlüsse ist viel therapeutische Erfahrung notwendig. In meinem Beitrag über die Reaktionsfähigkeit des VNS wird ebenfalls darauf eingegangen. Die Analyse und Kategorisierung des Aussehens der Poincaré-Diagramme oder des Lorenz-Plots war und ist immer wieder Bestandteil von Forschungsarbeiten. Nach meiner Erfahrung gibt es deswegen viel weiterführende Literatur. Gerade die schnell erfassbare und leicht unterscheidbare Ausprägung des Poincaré-Diagramms macht es zu einem nützlichen Werkzeug im klinischen Alltag der Kardiologen. Quantitative Auswertung - Berechnung von SD1 und SD2 Um eine quantitative Auswertung der Punktwolke durchzuführen, wird als häufigste Methode im Wesentlichen die Standardabweichung der Abstände vom Mittelpunkt der Wolke berechnet, jeweils in Richtung der Diagonalen. Die Gesamtvariabilität kann als Summe dieser zwei Komponenten (SD1 und SD2) verstanden werden. Der Effekt der kurzzeitigen Variabilität wird von SD1 dargestellt, während die Langzeitvariabilität in SD2 steckt. Das bedeutet, dass sich eine allmähliche Änderung des Ruhepulses im SD2-Wert zeigt. Schnelle Änderungen werden im SD1-Wert erkennbar. Die ermittelten Kennwerte drücken ähnliches wie die HRV-Werte anderer Analysetechniken aus: Es ist anschaulich nachvollziehbar (ohne hier selbst den mathematischen Beweis anzuführen, siehe “Reminder: RMSSD and SD1 are Identical Heart Rate Variability Metrics“), dass SD1 und RMSSD dasselbe Phänomen ausdrücken. Auch zwischen SD1 und dem HF-Wert besteht ein enger Zusammenhang. Zudem ist eine Korrelation des Verhältnisses von SD1 zu SD2 (SD1/SD2) mit dem Quotienten der HRV-Parameter LF/HF feststellbar. Es gibt sehr viel Literatur über das Poincaré-Diagramm beziehungsweise über seine Verwendung. Im Folgenden möchte ich nur ein paar Beispiele aufführen: “A Mini-Review, Albert C.-C. Yang, MD” “Do Existing Measures of Poincaré Plot Geometry Reflect Nonlinear Features of Heart Rate Variability” “Poincaré plot indexes of heart rate variability detect dynamic autonomic modulation during general anesthesia induction” Ich hoffe, meine Erläuterung des Poincarè-Diagramms ermöglicht auch HRV-Interessierte mit weniger technischer Vorbildung, eine Vorstellung der Zusammenhänge zu entwickeln. Die Berechnung der wichtigsten HRV-Werte in ähnlich nachvollziehbarer Weise darzustellen, habe ich mir für die Zukunft vorgenommen. P. S.: Die Beispieldaten wurden mit einem HRV-Scanner (Modell: Professional) des Herstellers BioSign gemessen, exportiert und mit Hilfe der Programmiersprache R von Erich Langenbuch aufbereitet. #### Berechnung von RR-Intervallen und Herzschlagrate Die Herzratenvariabilität kann man erspüren, wenn man den Puls fühlt. Allerdings muss man dafür ausgebildet sein und viel Erfahrung haben. Deshalb wurden messtechnische Verfahren entwickelt, damit quantitative und vergleichbare Analysen durchgeführt werden können. Alle Herzratenvariabilitäts-Werte beruhen auf der Auswertung von sogenannten RR-Intervallen. Wie werden RR-Intervalle und die Herzschlagrate aus einem abgetasteten EKG-Signal berechnet? Eigentlich ist das eine Frage, die wenig relevant erscheint - vor allem in Fachkreisen. Erfahrungsgemäß ist die Frage nach der Berechnung der RR-Intervalle nur im technisch wissenschaftlichen Umfeld trivial. Für weniger technisch Vorgebildete ist der Zusammenhang meist unklar. Mehr Wissen über die messtechnischen Grundlagen kann viel zum weiteren Verständnis der Herzratenvariabilität (HRV) beitragen. Aber das ist ein umfangreiches Fachgebiet. Deshalb soll im Folgenden zunächst mal der Zusammenhang zwischen der Erfassung der EKG-Signale und der Berechnung der Herzrate erläutert werden. EKG-Geräte funktionieren im Prinzip so: Sie messen die elektrische Spannung zwischen den auf der Haut angebrachten Elektroden. Geräte, die zwischen 256 und 1024 Messwerten pro Sekunde durchführen, sind hier sehr verbreitet. Diese sogenannte Abtastrate erlaubt (nach einer Filterung) eine vergleichbare Darstellung des EKG-Signals, wie sie früher mit Papierstreifen und Tinte erstellt wurde. Für den Therapeuten ist völlig transparent, wie der Herzschlag verläuft. Das digital gemessene EKG-Signal von zwei Herzschlägen (also zwei R-Zacken) sieht als Abfolge von zeitlichen Messdaten wie bei folgendem Beispiel aus: Die Messwerte sind als schwarze Punkte dargestellt. Die graue Verbindungslinie stellt schon eine Interpretation dar. Sie wurde hinzugefügt, um den Verlauf anschaulicher zu machen. Es lässt sich schon erahnen, dass bei einer geringeren Abtastrate der Kurvenverlauf gröber erfasst wird. Insbesondere wird die Ermittlung des RR-Intervalls, also die Zeitdauer zwischen zwei Herzschlägen, ungenauer. Aber auf diese Problematik soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Schritte vom EKG-Signal zu RR-Intervallen und zur Herzrate In den folgenden Diagrammen wird nur ein Zeit-Ausschnitt von 5 Prozent einer 5 Minuten dauernden EKG-Messung dargestellt. Denn, würde man alle EKG-Messwerte einer 5-Minuten dauernden Kurzzeit-HRV-Messung darstellen, wäre nur eine schwarze Punktwolke zu sehen. Die Nummerierung der R-Zacken soll helfen, den Bezug von R-Zacken zu RR-Intervallen und Herzschlagrate (Pulsrate) besser nachvollziehen zu können. Schon diese Darstellung eines 5-Prozent-Ausschnitts der EKG-Werte von einer Kurzzeit-HRV-Messung ist fast unübersichtlich. Auch ist nicht ohne weiteres erkennbar, dass die Abstände zwischen den R-Zacken leicht unregelmäßig (variabel) sind. Betrachtet man die Abstände quantitativ und rechnet die RR-Intervalle aus, wird die Variabilität schon deutlicher, wie folgende Tabelle der RR-Intervalle der 21 im vorherigen Diagramm dargestellten R-Zacken zeigt: In der nächsten Abbildung sind also die RR-Intervalle durchnummeriert, damit eine gedanklichen Verknüpfung der vorher dargestellten R-Zacken mit den berechneten RR-Intervallen erleichtert wird. Die RR-Intervall-Werte entsprechen dem zeitlichen Abstand von zwei R-Zacken und werden dem Zeitpunkt der jeweils zweiten R-Zacke eines Intervalls zugeordnet (deshalb beginnt die Nummerierung der R-Zacken im vorherigen Diagramm mit 0 und im Folgenden die Nummerierung der RR-Intervalle mit 1): Die Unregelmäßigkeit des Herzschlags ist bereits mit der Darstellung der zeitlichen Reihenfolge der RR-Intervalle deutlich erkennbar. Von den RR-Intervallen zu den Herzratenwerten ist es nur ein kleiner Schritt: Da die Herzrate immer als Anzahl der Herzschläge pro Minute angegeben wird, wird zu deren Berechnung die Zahl 60 durch den jeweiligen Wert des RR-Intervalls geteilt. Man erhält dadurch genauso viel Quotienten wie RR-Intervalle, deren zeitlicher Verlauf im folgenden Diagramm dargestellt wird: Es handelt sich um die momentane Herzrate (gedanklich ausgedehnt auf eine Minute). Sie darf nicht mit der üblicherweise angegebenen Herzrate (Pulsrate) verwechselt werden. Bei der Pulsmessung ist die durchschnittliche Herzrate im Zeitraum von einer Minute gemeint. Ich hoffe, mein Ausflug in die Zusammenhänge der EKG-Messung und Berechnung von RR-Intervallen bewirkt, dass auch HRV-Interessierte mit weniger technischer Vorbildung etwas mehr Einblick in die Grundlagen bekommen. Die Berechnung des Poincaré-Diagramms und der wichtigsten HRV-Werte, wie RMSSD, SDNN und Stress-Index SI, habe ich mir in ähnlicher Form vorgenommen. P. S.: Die Beispieldaten wurden mit einem HRV-Scanner (Modell: Professional) des Herstellers BioSign gemessen, exportiert und mit Hilfe der Programmiersprache R von Erich Langenbuch aufbereitet. #### Beweggründe Was hat mich veranlasst, einen Blog über Herzratenvariabilität (HRV) ins Leben zu rufen? Mein Eindruck ist, dass sich immer mehr Menschen für dieses Thema interessieren, aber darüber noch recht wenig leichtverständliche Information im Netz zu finden ist. Es gibt Seiten von einzelnen Therapeuten, Instituten und Herstellern, die versuchen, das Thema dem Leser näher zu bringen, ohne ihn zu überfordern. Jedoch unterscheiden sich die Inhalte oft recht wenig voneinander. Immer wieder tauchen die gleichen Umschreibungen und Darstellungen auf. Wer darüber hinaus etwas mehr erfahren möchte, hat es schwer. Unter dem Begriff Herzratenvariabilität findet sich im World-Wide-Web noch die eine oder andere Doktorarbeit. Mit anfänglicher Begeisterung arbeitet man sich dann oft seitenlang durch die Ausführungen und hat am Ende doch recht wenig verstanden - und meist die Lust verloren. Für den versierten Internet-Nutzer bieten sich außerdem noch die Veröffentlichungen von Studien an. Ein kleiner Leckerbissen für alle, die bereits im Thema drin sind und über gutes medizinisches Englisch-Vokabular verfügen, aber eine Herausforderung für jene, die noch am Anfang stehen. Mit diesem Blog will ich die Informationen bündeln und sie Ihnen in einer leicht verständlichen Weise präsentieren. Als gut vernetzte Journalistin möchte ich Ihnen Wissenswertes aus erster Hand bieten und Ihnen einen Überblick über die HRV-Szene geben. Vorgesehen ist, dass Experten aus ihrer Praxis und Forschung berichten werden. Ich will Informationen zu bestehenden Produkten bereitstellen, aber auch über Neuheiten berichten. Als Anhängerin der Salutogenese ist mir jedoch auch eine andere Sichtweise auf Gesundheit und Krankheit wichtig. Denn niemals ist ein Mensch nur gesund oder krank, sondern bewegt sich immer dazwischen. Mit diesem Blog möchte ich dazu beitragen, dass Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess angesehen wird. #### Biofeedback vielleicht bald als Kassenleistung Seit fast drei Jahren arbeite ich unter anderem auch für ein Mitgliedermagazin einer Betriebskrankenkasse. Wer sich mit dem Leistungskatalog der Kassen auseinandersetzt, wird feststellen, dass die eine oder andere den Nutzen der Herzratenvariabilität bereits erkannt hat. Im Rahmen von Gesundheitstagen bieten sie in den Betrieben HRV-Messungen an. Oft werden sie einfach als Stress-Test angeboten und meist sind es Biofeedback-Geräte, mit denen die Messungen vorgenommen werden. Die Messung und Visualisierung der HRV-Werte dienen bei Biofeedback-Anwendungen als Grundlage. Eine Pressemitteilung, die mich in den letzten Tagen erreicht hat, deutet darauf hin, dass das HRV-Engagement bei den Krankenkassen weitergeht. Bislang musste die Biofeedback-Behandlung bei chronischen Kopfschmerzen aus eigener Tasche bezahlt werden. Die Ergebnisse aus dem Modellprojekt von der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback e.V. (DGBfb) und der Krankenkasse BKK advita könnten dies ändern. In dem Modellprojekt übernimmt die BKK advita die Behandlungskosten einer Biofeedback-Therapie bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen in Höhe von bis zu 1.400 Euro pro teilnehmendem Versicherten. Die Betriebskrankenkasse finanziert bis zu elf Sitzungen bei einem Arzt oder Psychologischen Psychotherapeuten mit der Zusatzqualifikation "Biofeedbacktherapeut DGBfb" Das auf zwei Jahre ausgelegte Modellprojekt läuft noch bis zum 31. Dezember 2016. Eine rege Inanspruchnahme ist gewünscht und wird auch gebraucht, denn bis zu 300 Teilnehmer werden benötigt, damit die Zusatzleistung mittelfristig in den Leistungskatalog aller gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird. Migräne und chronische Formen von Kopfschmerz zählen zu den häufigsten und zugleich zu den drittteuersten neurologischen Erkrankungen. Wie jüngste Studien zeigen, gehören sie zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche und stationäre Klinikaufenthalte und sind zu meist mit schwerwiegenden gesundheitlichen Einschränkungen verbunden. Allein im Jahr 2014 waren mehr als 15 Prozent aller Erwachsenen in der EU aufgrund ihrer Kopfschmerzen zeitweilig arbeitsunfähig. Nicht zuletzt leiden zunehmend auch immer mehr Kinder und Jugendliche unter chronischen Kopfschmerzen. Biofeedback beruht auf der Erkenntnis, dass der Mensch jede biologische Funktion, die er wahrnimmt, beeinflussen kann. Es bietet sich als Methode an, bewusster mit den Belastungen des Alltags umzugehen. Lothar Niepoth, Präsident der DGBfb, München: „Mit unseren technischen Hilfsmitteln können wir unbewusst ablaufende biologische Vorgänge im menschlichen Körper messen und dem Patienten deutlich sichtbar machen. Durch die direkte Rückmeldung können so insbesondere Kopfschmerzpatienten eine Strategie erlernen, den Stressreaktionen, die in Zusammenhang mit Kopfschmerz stehen, entgegenzuwirken und die Erkenntnisse daraus bewusst auf ihren Alltag zu übertragen.“ Biofeedback hilft bei chronischen Kopfschmerzen Wissenschaftliche Fachgesellschaften wie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) und die International Headache Society (IHS) empfehlen in ihren Leitlinien Biofeedback als eine effektive nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeit bei Migräne und Spannungskopfschmerzen. Es profitieren vor allem Patienten mit Migräneschüben, die mehr als dreimal monatlich auftreten, mit einer Dauer von mindestens 72 Stunden oder die nur eingeschränkt auf eine medikamentöse Akuttherapie ansprechen. Mit einer Senkung der Migränehäufigkeit von 35 bis 45 Prozent im Mittel ist der Therapierfolg von Biofeedback genauso groß wie bei medikamentösen Therapien. Ein Modellprojekt bietet der gesetzlichen Krankenversicherung die Möglichkeit, eine Leistung, die bislang nicht im Leistungskatalog enthalten ist, in der Praxis zu erproben. Zeigt der Modellversuch mit der Krankenkasse BKK advita positive Ergebnisse, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass langfristig alle gesetzlichen Krankenkassen Biofeedback bei Migräne und Spannungskopfschmerzen in ihren Leistungskatalog aufnehmen. #### Biofeedback – Entspannung erfahrbar machen Mit der Biofeedback-Methode lässt sich zeigen und bewusst machen, wie man selbst Einfluss auf sein Wohlbefinden ausüben kann. Die regelmäßige Anwendung trainiert die Fähigkeit, aus dem Hochleistungsprogramm des Sympathikus in das Erholungsprogramm des Parasympathikus zu wechseln. Der wohltuende Einfluss einer langsamen und tiefen Atmung dürfte wohl jedem bekannt sein. Etliche Sprichwörter haben sie zum Thema und unbewusst nutzt man sie gerne auch mal zwischendurch, nur leider meist viel zu kurz. Der sogenannte Stoßseufzer: Wir atmen einmal tief ein wieder aus, um uns zu sammeln oder Druck abzubauen. Aber das war es dann in der Regel schon mit dem Entspannungsprogramm. Für länger anhaltende Effekte braucht es mehr. Atemübungen können viel bewirken, sie können auch viel Spaß machen, aber in der heutigen Zeit wünscht sich vielleicht manch einer eine Rückmeldung über sein Tun. Bei der Biofeedback-Therapie werden unbewusste Prozesse im Körper erlebbar gemacht und man lernt, wie sie sich positiv beeinflussen lassen. Der große Vorteil ist gegenüber Atemübungen, dass man während der Übung beobachten kann, wie gut es mit der Entspannung gerade klappt. Auf innere Abläufe bewusst reagieren Der Name Biofeedback setzt sich aus den Begriffen "Bios", altgriechisch für Leben und dem englischen Word "feedback", was für Rückmeldung steht, zusammen. Die Deutsche Gesellschaft für Biofeedback beschreibt die Therapie mit folgenden Worten: "Biofeedback ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren der Verhaltensmedizin, mit dessen Hilfe normalerweise unbewusst ablaufende psychophysiologische Prozesse durch Rückmeldung wahrnehmbar gemacht werden." Für die Umsetzung dieser unbewusst ablaufenden Prozesse werden Herzschlag, Blutdruck, Hirnströme, Hauttemperatur oder Hautwiderstand in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt. Welche Technik zum Einsatz kommt, hängt von den gesundheitlichen Problemen ab. Im Weiteren beziehen ich mich nur auf das Herzfrequenz-Biofeedback. Zur Auswahl stehen sehr unterschiedliche Produkte. Je nach Vorliebe kann zwischen praktischen Einzelgeräten, simplen Apps oder Computerprogrammen mit Spielcharakter gewählt werden. Wechselnden Farben oder bewegliche Symbole geben Auskunft über den Anwendungsverlauf. Einzelgeräte leuchten meist Grün für den Parasympathikus und rot für den Sympathikus. Am Computer sind es beispielsweise Schmetterlinge oder Ballons, die mit ihrem Aufstieg den aktuellen Entspannungszustand darstellen. Mit dem Wechsel der Farben oder der Bewegung der Symbole lässt sich aktiv mitverfolgen, welcher Zustand gerade vorherrscht. Die Basis für die Messung ist der Puls, der über einen Sensor am Gerät, mit einem Brustgurt, per Ohr- oder Finger-Clip gemessen wird. Die individuellen Einstellungsmöglichkeiten vieler Geräte sorgen mit der richtigen Anpassung für mehr Motivation und ein besseres Trainingsergebnis. Mein persönlicher Tipp: Wer den ganzen Tag mit dem Computer arbeitet, sollte sich vielleicht für ein mobiles Gerät entscheiden, dass ihn nicht noch mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen lässt. Ein weiterer Vorteil wäre, dass man es überall hin mitnehmen kann. Über die Atmung entspannen Der Schlüssel für die Entspannungsfähigkeit ist beim Biofeedback eine bewusste und langsame Atmung. Mit ihr lässt sich der Herzschlag (siehe Atmung bewegt Herzschlag) und damit die Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus beeinflussen. Ein Anstieg der Herzratenvariabilität ist möglich. In vielen Studien konnte bis jetzt die Wirkung auf die HRV noch nicht eindeutig bestätig und nachvollzogen werden. Oft kam es zur Verbesserung von Symptomen, aber zu keinen langfristigen positiven Veränderungen der HRV-Werte. Für mich ist Biofeedback ein Hilfsmittel und eine Trainingsmöglichkeit, um zu lernen, wie ich in Belastungssituationen für Ausgleich sorgen kann. Sie leistet gute Dienste, um bewusst in einen entspannten Zustand zu kommen. Mit ein bisschen Übung ist es irgendwann möglich, dies auch ohne sie, allein durch eine bewusste Atmung, zu schaffen. Biofeedback kennenlernen: Die Deutsche Gesellschaft für Biofeedback bietet Kurse für Therapeuten und eine Therapeuten-Suche für Interessierte an. Eine Biofeedback-Behandlung ist meist in ein Therapie-Konzept eingebunden. Beim Kauf von Geräten sollte man sich an den Richtlinien von Medizinprodukten orientieren. #### BRAC – der Rhythmus für die Leistung im Alltag Es gibt einen Rhythmus unserer Leistungsfähigkeit: den Basic-Rest-Activity-Cycle (BRAC). Er entsteht aufgrund der wechselnden sympathisch- und parasympathisch-dominierten Phasen während des Tages. Wer sie kennt und seinen Alltag nach ihnen ausrichtet, profitiert von einer gesteigerten Produktivität und höheren Kreativität. Spitzenkräfte und Vielarbeiter zeigen es: Mit dem Leistungsrhythmus BRAC lässt sich auf gesunde Weise viel bewältigen. Der Sportwissenschaftler Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln beschreibt in seinem Buch Power durch Pause, wie sich der BRAC im Alltag nutzen lässt. An das Thema, dass der Körper nicht nur nachts einem Rhythmus folgt, sondern auch am Tag, wagte sich der amerikanische Forscher Nathaniel Kleitmann 1960 das erste Mal heran. Er gab der Tagesrhythmik den Namen Basic-Rest-Activity-Cycle. Er war übrigens 1953 einer der Mitentdecker der REM-Schlafphase. Nathaniel Kleitmanns Hypothese baute darauf auf, dass es am Tag ähnlich wie in der Nacht einen neurophysiologischen Rhythmus gibt. "Dass es auch tagsüber eine gleichmäßige Rhythmik der Leistung gibt, ist wissenschaftlich immer noch nicht unumstritten", erklärt Professor Froböse. "Viele Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit dem BRAC und beschreiben im Detail zahlreiche Funktionen, die diesem 90-Minuten-Tagesrhythmus zuzuordnen sind." Leider ist dieses Wissen in den letzten 30 Jahren verloren gegangen. Die magischen 90 Minuten Am Tag wechseln sich im BRAC alle 70 bis 90 Minuten sympathisch-dominante Phasen mit etwa 10- bis 20-minütigen parasympathischen Phasen ab. Sie sind mit Hilfe von Herzratenvariabilitäts-Langzeitmessungen erkennbar, obwohl sie am Tag meist wegen körperlicher Aktivität etwas verdeckt werden. Dominiert der Sympathikus, lässt sich das an einer leicht erhöhten Herzfrequenz und einer verringerten Herzratenvariabilität (HRV) erkennen. "Studien zeigen, dass wir in dieser Phase besonders effektiv und leistungsfähig sind", beschreibt Professor Froböse. "Die Ausschüttung von Adrenalin, Cortisol und Acetylcholin im Körper ist einer der Gründe für dieses Leistungshoch." Der Einfluss der Hormone flacht jedoch zum Ende der 90 Minuten ab. Die vermehrte Bildung von Noradrenalin, Serotonin und Melatonin fördert dann die parasympathische Aktivität, was zu einem vorübergehenden Leistungsabfall führt. Die Herzfrequenz sinkt und die HRV steigt. "In diesen 10 bis 20 Minuten sinkt unsere Leistungsfähigkeit kurz ab. Genau diese Zwischentiefs sind der richtige Zeitpunkt für eine kurze Pause." Pausen sind keine Zeitverschwendung. In der passiven Phase werden Anspannungen abgebaut, Kräfte gesammelt und die rhythmische Ordnung wieder hergestellt. Professor Froböse ergänzt: "Auch für das Gehirn bedeuten Pausen keinen Leerlauf. In dieser Phase wird Erlerntes oder aktuell Erlebtes noch einmal erneut 'durchdacht' und analysiert, um anschließend die Synapsen neu zu sortieren. Die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten und zu behalten, verbessert sich mit regelmäßigen Entspannungsphasen." Spitzenkräfte zeigen, dass der BRAC funktioniert "Eine Studie in den USA zum Verhalten von professionellen Top-Violinisten ergab, dass sie sich intensiv am BRAC orientieren", erzählt Professor Froböse. Sie üben speziell am Vormittag. Sie üben in drei Einheiten. Jede ihrer Lektion dauert etwa 80 bis 90 Minuten. Zwischen zwei Übungseinheiten liegt immer eine Pause. Auch Sportler wissen, dass sie nach einer ersten Einheit am Morgen immer eine Pause brauchen, bevor es sinnvoll weitergehen kann. Bei der Planung ihres gesamten Trainings werden neben aktiven Phasen auch immer feste Erholungszeiten vorgesehen. Ohne ausreichende Regenerationsmöglichkeit würde die Leistung trotz Training abfallen. BRAC im normalen Leben Noch gibt es in unserem Leben Zeitspannen, die intuitiv zu unserem Biorhythmus passen: Schulstunden dauern 45 Minuten, die Vorlesungen an Hochschulen 90 Minuten. Fußballspiele und Fernsehfilme sind ähnlich zeitlich ausgerichtet – sofern es keine Verlängerung oder massig Werbepausen gibt. Für viele sind jedoch Schul- oder Studienzeit schon lange vorbei. Im Arbeitsalltag werden kleine Leistungstiefs gerne übergangen oder mit Koffein "überlistet". Auch wenn viele Menschen der Meinung sind, keine Pausen zu brauchen, trifft genau das Gegenteil zu. Sie hindern ihren Körper nicht nur daran, seine Energiespeicher wieder aufzufüllen, sondern schwächen auch seine Fähigkeit, selbst seine rhythmische Ordnung wiederherzustellen - was letztendlich zu Dauerstress führt. Den Wert der Pause beschreibt Professor Froböse folgendermaßen: "Die Pause schafft Zeit und Raum, um das Erledigte 'nachklingen' zu lassen und sich auf Neues einzustellen oder sich darauf zu freuen. Eine Pause schafft Distanz, ist aber gleichzeitig auch verbindendes Glied einzelner Prozesse. Die Chinesen beschreiben in einem Sprichwort die Pause 'als Zusammenstoß von Vergangenheit und Zukunft'". #### Chronobiologie – die Wissenschaft der Lebensrhythmen Sämtliche Vorgänge im Körper verlaufen rhythmisch. Neben dem Schlaf-Wach-Rhythmus folgen Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Stoffwechsel mehr oder weniger einem regelmäßigen Muster. Für das Wohlbefinden sind nicht nur einzelne Rhythmen von Bedeutung, sondern ihr Zusammenspiel und ihre Anpassung auf unterschiedliche Belastungen. Mit der Herzratenvariabilität lässt sich auch betrachten, wie harmonisch sie zusammen wirken. Bei Störungen erhöht sich das Risiko für Herzkrankheiten, Diabetes oder Krebs. Mit einer Wiederherstellung der natürlichen Rhythmen lassen sich Heilungsverläufe positiv beeinflussen. Die Wissenschaft, die sich mit diesen Lebensrhythmen befasst, wird als Chronobiologie bezeichnet. Ich habe mich für diesen Beitrag mit Professor Dr. Maximilian Moser aus Österreich verabredet. Er ist Humanphysiologe und Chronobiologe am Institut für Physiologie der Medizinischen Universität Graz. Außerdem leitet er das Human Research Institut in Weiz. Ein natürlicher Rhythmus bestimmt das Leben Schlafen und wachen sind die augenfälligsten Rhythmen in unserem Leben. Lange Zeit hat sich die Chronobiologie vorwiegend mit dieser Tagesrhythmik befasst. Mittlerweile weiß man, dass es viele Prozesse im Körper gibt, die einer zeitlichen Ordnung unterliegen. Der auffälligste Rhythmus ist der 24-stündige, der als circadianer Rhythmus bezeichnet wird, weil er beim Menschen etwas länger als 24 Stunden dauert, wenn keine äußeren Zeitgeber einwirken. Aber auch schnellere, ultradiane Rhythmen können im Körper gemessen werden: "Angefangen vom Nervensystem, das die schnellsten Rhythmen erzeugt, über Herzschlag und Atmung bis zur langsamen Tätigkeit des Stoffwechsels erzeugt jedes Organsystem seinen eigenen "Klang". Alle folgen einem rhythmischen Ablauf, der Sekunden bis Wochen und Monate andauern kann", erklärt Professor Moser. Der Impuls zur Interaktion kann von außen kommen, wie z. B. durch das nachlassende oder wiederkehrende Licht, oder ganz unabhängig von äußeren Einflüssen sein, wie z. B. beim Herzschlag- und Atemrhythmus. Experten sprechen bei äußeren Wirkfaktoren von Zeitgebern. Der Begriff wurde von dem Mediziner und Verhaltensphysiologen Jürgen Aschoff (1913 – 1998), einem der ersten Chronobiologen, geprägt. Er untersuchte die Reaktionen auf den Entzug des natürlichen Tagesrhythmus. Das Bunker-Experiment von Aschoff In seinem berühmten Bunkerversuch untersuchte Aschoff , wie unser Schlaf-Wach-Rhythmus ohne Zeitgeber funktioniert. Für mehrere Monate wurde eine Gruppe Studenten in einem Bunker von äußeren Zeitgebern isoliert. Während dieser Zeit konnten sie tun und lassen, was sie wollten. Wenn sie Hunger hatten, drückten sie auf einen Kopf und sie bekamen – über eine Schleuse - Essen. Das Einzige was sie nicht hatten, waren Informationen über die Tageszeit. Der Lebensrhythmus der Student verschob sich während ihrer Zeit im Bunker pro Tag um etwa eine Stunde nach hinten. Bei diesem Experiment entdeckte Aschoff, dass es so etwas wie eine innere Uhr geben muss. Sie funktioniert unabhängig vom äußeren Tag-Nacht-Rhythmus, braucht aber die Außenreize zur Synchronisierung der inneren Steuerung. Er kam zu der Erkenntnis, dass das Licht offensichtlich der wichtigste Zeitgeber ist, gefolgt von der Nahrungsaufnahme und den sozialen Interaktionen. "Die inneren Uhren sind in jeder Zelle und sogar in den Genen verankert. Man weiß heute bereits, dass die Aktivität praktisch aller Gene rhythmisch organisiert ist. Eigentlich findet sich im Körper kein physiologischer Parameter, der nicht einem Rhythmus folgt", ergänzt Professor Moser. Störungen der inneren Uhr Alle Zeitgeber, die zur falschen Zeit auftreten, stören den natürlichen Rhythmus. Wenn ein ähnliches Licht wie am Morgen mit dem typisch hohen Blauanteil beispielsweise am Abend einwirkt, gerät die innere Uhr aus dem Takt. Das Licht von Fernsehern, Computerbildschirmen und Energiesparlampen beeinflusst am Abend den natürlichen Ablauf des Zur-Ruhe-Kommens. Nicht nur der Schlafbeginn wird verzögert, auch alle anderen Rhythmen im Körper kommen durcheinander. "Man muss sich das so vorstellen, dass es zwischen den Organen eine Art Verständigung über diese Rhythmen gibt. Die Prozesse im Körper greifen ineinander und die Organe sprechen miteinander über diese Rhythmen. Dieser Fahrplan des Organismus wird bei einer Störung des natürlichen Tagesablaufes gestört", erklärt Professor Moser. Leider ist ein Leben gegen den natürlichen Rhythmus in der heutigen Leistungsgesellschaft nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Der Aufmerksamkeitszyklus wird gerne übergangen. Alle zwei Stunden flacht er ab, um sich dann wieder zu steigern. Bleiben kurze Pausen (etwa 10 Minuten) aus, führt es langfristig zur Leistungsminderung. Auch auf andere wiederkehrende Bedürfnisse wie z. B. Hunger und Durst wird oft nur unzureichend reagiert. Aber auch Tätigkeiten zum falschen Zeitpunkt wie z. B. ein sehr spätes Abendessen oder intensiver Sport zu später Stunde, sorgen im Körper eher für Aufruhr als für Nachtruhe. Bedenkt man, dass viele Menschen der "Eulen"-Fraktion angehören, kommt für sie der Arbeitsbeginn zu früh. Die Folge ist ein Schlafmangel, der sich im Lauf der Arbeitswoche aufsummiert. "Lerchen" erweisen sich hingegen für Nachtarbeiten als ungeeignet. Wenn das Leben aus dem Takt gerät Was mit Schlaf- und Essstörungen, Energielosigkeit bis hin zu Depressionen als erste Hinweise auf ein Abweichen vom natürlichen Rhythmus beginnt, endet mit Erkrankungen, die zu Haupttodesursachen unserer Zeit zählen. Professor Moser: "Krebserkrankungen treten beispielsweise verstärkt auf, wenn die biologischen Rhythmen gestört sind. Schichtarbeit und ein anhaltendes Jetlag, wie z. B. bei Piloten, führt zu einer erhöhten Krebswahrscheinlichkeit. Bei Frauen steigt das Risiko für Brustkrebs und bei Männern für Prostatakrebs um jeweils 50 Prozent. Das Darmkrebsrisiko ist bei Menschen erhöht, die in ihrem Arbeitsalltag ständig unter großer Anspannung stehen und nicht für Ausgleich sorgen. Auch für den Herzinfarkt gibt es ähnliche Zahlen." Herzrhythmusflexibilität = HRV plus Chronobiologie Im Herzschlag spiegeln sich die viele Körperrhythmen wieder. Mit Hilfe der Herzratenvariabilität (HRV) lässt sich zeigen, wie gut der Körper ihnen folgen kann. Vor allem Langzeit-Messungen geben Auskunft über das Wechselspiel der einzelnen Rhythmen. Der Begriff Herzrhythmusflexibilität bringt für Professor Moser die Bedeutung des Phänomens viel besser zum Ausdruck. Er umfasst neben der Herzratenvariabilität auch die Chronobiologie, also die Rhythmen und ihre Interaktionen. Der Puls-Atem-Quotient gibt Auskunft über die Abstimmung Bei der chronobiologischen Messung spielt der Puls-Atem-Quotient eine große Rolle. Betrachtet wird das Verhältnis, wie viele Herzschläge pro Atemzug stattfinden. Dabei ist wichtig, ob das Ergebnis ganzzahlig ausfällt oder nicht. Professor Moser mit den Feinheiten: "Vier Herzschläge auf einen Atemzug sind Zeichen für eine harmonische Abstimmung zwischen diesen Körperrhythmen. Ist das Ergebnis beispielsweise 4,3 zu 1 oder 4,1 zu 1, dann sind Herzschlag und Atmung nicht gut aufeinander abgestimmt und mehr Energieaufwand ist notwendig, um den Alltag zu meistern. Man kann den Organismus auch mit einem Musikinstrument vergleichen: Jedes Organ entspricht einer Saite und sollte harmonisch auf die anderen Saiten abgestimmt sein." 4 zu 1 ist ein interessantes Verhältnis. Bei den meisten Menschen stellt es sich während der Tiefschlafphase ein. Die Atmung selbst schwingt im Verhältnis 4 zu 1 zum Blutdruck. "Das Zusammenwirken der Rhythmen ist wichtig, nur einem gut koordinierten Organismus ist es möglich, langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben. Auch bei Abweichungen im Krankheitsfall begünstigt das Wiedererlangen der natürlichen Schwingung einen schnelleren Heilungsverlauf", so der Chronobiologe. Zum eigenen Rhythmus zurückfinden Es gibt Möglichkeiten, entgleiste Rhythmen zurückzuführen. "Die wichtigste Voraussetzung", so Professor Moser, "ist die Entschleunigung und die rhythmische Gestaltung des Tages- und Wochenablaufes. Es gibt zusätzlich spezifische Therapieangebote wie etwa Kunsttherapie, Eurythmie oder Sprachgestaltung, um z. B die Schlafqualität zu verbessern. Sie können individuell nach ärztlicher Anweisung gewählt werden. Wir fanden heraus, dass die Eurythmie sich neben der Verbesserung des Vagus-Tonus auch positiv auf soziale Fähigkeiten auswirkt, während Yoga Menschen auch hilft, Ängste zu überwinden." Für vieles im Leben gibt es den richtigen Zeitpunkt. Viele Menschen haben immer zu einer bestimmten Zeit Hunger. Auch im Verlauf des Tages finden sich Abschnitte, die ganz unterschiedlich Einfluss auf das Befinden nehmen können. Mal ist die Lust auf Bewegung größer, mal die Konzentration besser. Selbst für die medizinische und pharmakologische Behandlung gibt es ideale Zeitpunkte – viele Medikamente sollten zu bestimmten Tageszeiten eingenommen werden, da in diesen Zeitfenstern die geringste Menge der Arznei die größte Wirkung hat – und die geringste Nebenwirkung. So kann die Dosis reduziert und können Nebenwirkungen minimiert werden. Sogar das Schmerzempfinden ist im Tagesverlauf unterschiedlich, was beispielsweise Zahnarztpatienten gewiss schon erfahren haben. In wissenschaftlichen Beiträgen von Professor Moser findet sich die Aussage: "Rhythmus spart Kraft". Obwohl sich die Lebensgewohnheiten in den letzten Jahren rasant verändert haben, sind die natürlichen Bedürfnisse des Körpers immer noch gleich. "Man muss sich bewusst machen, dass sich die ganze menschliche Entwicklung über Jahrmillionen in einem natürlichen Umfeld abgespielte. Früher, also bevor die Menschen in Häuser aus Stein und Beton zogen, lebten sie viel mehr mit den Rhythmen der Natur. Der Lauf der Jahreszeiten spielte eine viel größere Rolle in ihrem Leben. Die Anpassung an die Verhältnisse führte dazu, dass die äußeren Rhythmen vom menschlichen Organismus verinnerlicht und zu eigenen Rhythmen gemacht wurden", schließt Professor Moser unseren Exkurs in die Chronobiologie ab. #### Das Herz – mehr als ein fleißiger Muskel Das Herz ist ein Organ wie Lunge, Niere oder Schilddrüse, gleichzeitig ist es ein geniales "Messinstrument". Am Herzschlag lässt sich ablesen, wie gut das Herz das Blut durch den Körper pumpt. Er gibt aber nicht nur Auskunft über die Arbeitsleistung, sondern liefert auch Einblicke, wie der Körper mit physischen und psychischen Belastungen umgeht. Wie das möglich ist, erklärt sich aus der Art, wie verschieden das Herz schlagen kann. In einem Blog über Herzratenvariabilität (HRV) darf ein Beitrag über das Herz nicht fehlen. Der Herzschlag ist schließlich die Basis für jede HRV-Messung. Wie er zustande kommt, erklärt, warum das Herz auch ein Gesundmacher und ein Glücksmuskel ist. Anhand der Erregungsleitung wird verständlich, wieso sich unser Lebensfeuer und unsere Intelligenz mit ihm messen lässt. Ein besonderer Muskel Jede Minute vollbringt das Herz eine gewaltige Leistung. Das Herz nur als fleißigen Muskel abzutun, der Blut durch den Körper pumpt, wäre falsch. Während die Skelettmuskulatur mit willkürlichen Bewegungen vom Gehirn geleitet wird, steht die Tätigkeit des Herzmuskels nur bedingt unter dem Einfluss des Bewusstseins. Ich schränke die Unabhängigkeit ein, weil man über die Atmung den Herzschlag verändern kann. Gegenüber dem Gehirn besitzt und braucht das Herz die Autonomie, um den Kreislauf aufrechtzuhalten. Ein raffiniertes Erregungsleitungssystem kombiniert mit der Steuerung des vegetativen Nervensystems (VNS) ermöglicht es, dass das Herz flexibel auf Lebenssituationen reagieren kann. Taktgeber Sinusknoten Schon wenige Tage nachdem sich Eizelle und Spermium verbunden haben, beginnen die ersten Zellen zu pulsieren. Ohne Unterbrechung wird das Herz dann bis zu drei Milliarden Mal den Rhythmus des Lebens bestimmen (aber nur, wenn Sie im Alter von 70 Jahren noch ein gesundes Herz haben). Was den Impuls des Herzschlags auslöst, ist übrigens bis heute noch nicht ganz geklärt. Der Sinusknoten gibt den Takt und die Geschwindigkeit den Herzmuskelzellen vor. Als einen richtigen Knoten, der sich ertasten lässt, darf man sich den Steuermann des Herzens nicht vorstellen. Vielmehr handelt es sich um eine kirschkern-große Ansammlung von spezialisierten Zellen im rechten Vorhof. Sie werden auch als Schrittmacherzellen gezeichnet, weil sie die elektrischen Impulse erzeugen, die das Herz zum Schlagen bringen. Ganz allein ist der Sinusknoten nicht in der Lage den kompletten Herzmuskel zu erregen. Das sogenannte Herzskelett, eine Bindegewebsplatte, trennt Vorhöfe und Kammern nicht nur, sondern isoliert sie auch noch elektrisch voneinander. Der Atrioventrikularknoten (AV-Knoten), in der Scheidewand der Vorhöfe nahe zur Grenze der Kammern, ist die einzige elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Kammern. An ihn leitet der Sinusknoten die Erregung weiter. Die Backup-Schrittmacher Reizleitsystem (Urheber: J. Reuser) Im AV-Knoten werden die elektrischen Reize des Sinusknoten gebündelt und über die His-Bündel und Tawara-Schenkel bis zur Herzspitze weitergeleitet. Durch dieses Erregungsleitungssystem erfolgt die Übertragung auf die Kammern zeitlich verzögert nach den Vorhöfen. Würde der Sinusknoten ausfallen, könnten AV-Knoten und His-Bündel als Schrittmacher fungieren. Sie haben auch die Fähigkeit einen elektrischen Impuls zu erzeugen. Da sie viel langsamer sind, wird ihre Schrittmachertätigkeit in einem gesunden Herz nicht gebraucht, weil sie immer von der höheren Frequenz des Sinusknoten übertroffen werden. Ein Leben mit der Eigenfrequenz Stellen Sie sich vor, Sie hätten nur die Eigenfrequenz des Herzens zur Verfügung: Sie würden ein recht ruhiges Leben führen. Mit etwa 70 Schlägen pro Minute können Sie sich physisch und psychisch keine großen Extras leisten. Die meisten sportlichen Betätigungen fallen weg, weil sie zu anstrengend sind, eventuell würde es für eine Teilnahme bei der Senioren-Stuhlkreis-Gymnastik reichen. Wenn Sie kein Leistungssportler sind, sollten Sie auch Ihre Gefühle im Griff haben. Vorsicht geboten ist auch beim Sex und beim Gang zur Toilette. Der Eigenrhythmus wird vom Herz selbst ausgelöst, was ihm eine gewisse Unabhängigkeit vom Rest des Organismus gibt. Ohne Verbindung zum Körper könnte das Herz auch außerhalb des Körpers noch eine Weile weiterschlagen. Andersherum klappt es allerdings nicht: Ein kurzes Aussetzen seiner Schlagtätigkeit im Körper würde innerhalb von Sekunden zum Verlust des Bewusstseins führen. Die Anpassungsfähigkeit des Herzschlags Der Sinusknoten gibt von sich aus einen festen Takt vor, agiert aber keinesfalls unabhängig. Er kann das Herz nicht schneller oder langsamer schlagen lassen. Für die Veränderung der Herzfrequenz ist das VNS zuständig. Seine beiden Anteile, Sympathikus und Parasympathikus, ermöglichen die Anpassung des Herzschlags für den Sprint zum Bus oder beim Entspannen mit klassischer Musik. Sie sind die einzige Verbindung zwischen Herz und Hirn. Man könnte nun meinen, dass der Sympathikus die Herzfrequenz schnell nach oben treibt, im Anschluss der Parasympathikus seinen hemmenden Einfluss ausübt und beide gleichermaßen an dem Vorgang beteiligt sind – indem beide "am gleichen Strang ziehen". Dies ist so nicht der Fall. Sympathikus und Parasympathikus "ziehen an unterschiedlichen Strängen", und das auch noch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die raschen Veränderungen des Herzschlags werden in erster Linie über die Nervenbahnen des Parasympathikus bewirkt. Der Parasympathikus kann schneller reagieren Die Beschaffenheit der Nervenverbindungen ist ein Grund für das unterschiedliche Reaktionsvermögen. Die Myelinisierung der Vagus-Fasern des Parasympathikus bietet eine zehnmal schnellere Weiterleitung von Steuerungssignalen als dies bei den unmyelinisierten Sympathikusfasern der Fall ist. Ein weiter Grund sind die verschiedenen Überträgersubstanzen. Der Parasympathikus arbeitet ausschließlich mit dem Neurotransmitter Acetylcholin. Beim Sympathikus erfolgt die Übertragung auf das Herz letztendlich durch den Botenstoff Noradrenalin. Die Eigenart dieser Reizübertragung ist jedoch, dass kein schneller Abbau des Noradrenalins am Empfängerrezeptor stattfindet, sondern eine etwas langwierigere Rückführung zum Sender-Nerv erforderlich ist. Dies kostet im Vergleich zum Acetylcholin mehr Energie und Zeit, denn Acetylcholin wird am Empfängerrezeptor für eine weitere Reizübertragung schnell abgebaut. Am Zielorgan Herz verwenden die beiden Neurotransmitter zudem unterschiedliche Rezeptorarten im Sinusknoten. Beides, die unterschiedliche Nervenbeschaffenheit und die verschiedenen Neurotransmitter, hat zur Folge, dass die chemischen Abläufe bei der Steuerung des Herzschlags unterschiedlich schnell ablaufen. Verschiedene Überträgersubstanzen machen den Unterschied Die parasympathischen Nervenbahnen leiten den Aktivierungsimpuls rasch und ohne Verzögerung weiter. Die Reaktion am Sinusknoten erfolgt bereits nach einer halben Sekunde. Fast genauso schnell, innerhalb einer Sekunde, kann die Reizausübung auf den Sinusknoten auch wieder abklingen. Beim Sympathikus laufen die Aktivierungsprozesse hingegen sehr viel langsamer ab. Die Aktivierung benötigt etwa vier bis fünf Sekunden, um den Sinusknoten zu beeinflussen. Noch schleppender verläuft das Abklingen der Reizausübung. 15 bis 20 Sekunden vergehen, bis das Ausgangsniveau wieder erreicht ist. Pause für das Herz Wie wichtig der schützende Mechanismus des Parasympathikus ist, lässt sich am besten mit seiner Wirkung beschreiben. Ohne den Einfluss des vegetativen Nervensystems hat ein gesundes Herz einen Puls von etwa 70 Schlägen pro Minuten. Wird der Parasympathikus aktiv, verringert sich die Pulsrate. Das Herz muss weniger arbeiten. Durch die Reduzierung sinkt der Sauerstoffbedarf, weniger Muskelkraft ist nötig bei gleicher Funktion der Herzkammern. Die Verlangsamung wirkt sich auf die Erregungsleitung aus, was zu einer längeren Überleitzeit für die Erregungsübertragung im Herzen führt. Die Herzkammern bekommen mehr Zeit zur Erholung. Körpereigene Schutzprogramme können besser vor Ablagerungen und Entzündungen bewahren. Eine geringere Herzrate und weniger Schlagvolumen schützen auch vor Bluthochdruck und senken das Risiko für Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen). Mein Fazit Das Herz ist ein zentrales Organ, darüber gibt es keinen Zweifel. Aber das gilt nicht nur wegen seiner Bedeutung im Blut- und Stoffkreislauf. Es hilft auch Rückschlüsse auf das Wirken eines anderen zentralen Körpersystems ziehen zu können, das sich unserem Willen und Bewusstsein entzieht, aber viele wichtige Körperfunktionen steuert: das vegetative Nervensystem. Wegen der Einflussnahme des VNS auf das Herz lässt es sich als Messinstrument des VNS nutzen. Die Veränderungen des Herzschlags zeigen nicht nur, wie fit das Herz ist, sondern auch, ob es Störungen im VNS gibt, die sich zu verschiedensten Krankheiten entwickeln können. #### Das Stress-Experiment einer Hochschule Studierende müssen meistens selbst für ihre Work-Life-Balance sorgen. Ein studentisches Forschungsprojekt zum Thema Gesundheits- und Stressmanagement liefert mit Hilfe der Herzratenvariabilität Erkenntnisse, wie gestresst Studierende und Beschäftigte an Hochschulen sind. Stress ist ein Thema an Hochschulen und Universitäten, nur kümmert sich keiner so richtig darum. Es gibt zwar den Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen, der schon im Jahr 1995 gründet wurde. Aber noch lange nicht alle Einrichtungen haben sich dem Thema Gesundheit im Hochschulalltag angenommen. Hochschulstress wird zum Forschungsobjekt Frau Professorin Beate Sieger-Hanus von der Dualen Hochschule Baden Württemberg in Stuttgart hat aus dem Thema ein kleines Forschungsprojekt für ihre Studierenden gemacht. Im Rahmen des Integrationsseminars im Studiengang BWL-Dienstleitungsmanagement sollten verschiedene Pausen-Interventionen auf ihre Wirksamkeit mit Hilfe der Herzratenvariabilität (HRV) überprüft werden. Als ich Frau Professorin Sieger-Hanus traf, wollte ich natürlich als Erstes wissen, wie eine Wirtschaftswissenschaftlerin auf so eine Studienidee kommt. "Eigentlich entstand die Idee während eines Gesprächs mit dem Ausbildungsleiter von Alcatel-Lucent, einem unserer dualen Partner. Wir stellten uns die Frage, ob die Maßnahmen der Betriebskrankenkasse VBU zur Stressvorbeugung im Unternehmen auch für Studierende sinnvoll sein könnten. Da wir bei der Wahl der Projekte im Integrationsseminar ziemlich frei sind, auch fächerübergreifend Gebiete aufgreifen können, war das Thema Stressmanagement schnell gesetzt." Die Pauseninterventionen zur Entspannung Im Mittelpunkt der Studie steht die Untersuchung verschiedener Pauseninterventionen zur Stressreduktion. "Natürlich konnten wir in dem zeitlich begrenzten Rahmen nicht alles neu erfinden. Wir haben uns bei der Ausrichtung an bekannten Studien wie beispielsweise die KIT-Studie orientiert." Was letztendlich dazu führte, dass verschiedene mentale und körperliche Maßnahmen zur Stressreduktion in das Stuttgarter Projekt aufgenommen wurden. Die Maßnahmen an der Hochschule umfassten: eine angeleitete Meditation mittels CD, die Nutzung des Entspannungs-Massagesessels brainLight, ein Bewegungsprogramm und die Dokumentation der Ernährungsgewohnheiten. Studierende messen den Stress ihrer Kommilitonen Nachdem sich sechs Studierende aus dem 5. Theoriesemester für das Thema begeistern konnten, startete das Projekt im Wintersemester 2015/2016. Ihr "Testobjekt" waren Studierende des gleichen Studienfachs aus dem ersten Semester. 131 Kandidaten und Kandidatinnen konnten sie motivieren, an der Studie teilzunehmen. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip für die vier Maßnahmen und für eine Kontrollgruppe eingeteilt. Parallel konnten auch Hochschul-Beschäftigte an dem Projekt teilnehmen. Die Maßnahmen zur Einschätzung der Belastung Verschiedene Aspekte zu gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen wurden mit Hilfe von Fragebögen zu Beginn, während und nach der Erhebung ermittelt. "Auch bei den Fragebögen haben wir auf bestehende, standardisierte Erhebungsinstrumente zurückgegriffen, wie beispielsweise auf das Maslach-Burnout-Inventory oder den Fragebogen zur Erfassung des Gesundheitsverhaltens (FEG), und haben diese mit eigenen Fragen noch ergänzt," erklärt Professorin Sieger-Hanus. Neben der subjektiven Beurteilung des Stressempfindens wurde bei einigen Teilnehmern auch eine RSA-Messung mit dem Stress Pilot durchgeführt. "Leider konnten wir aufgrund von Zeitmangel nur bei etwa zehn Teilnehmern pro Gruppe die HRV am Anfang und Ende messen," bedauert die Professorin. Der Grund für zu wenig Entspannung:  Zeitmangel Ein voller Stundenplan bestimmt das Leben der Studierenden. Die 12-wöchige Theoriephase ist von meist achtstündigen Lehrveranstaltungstagen geprägt. Zeit für die Maßnahmen des studentischen Forschungsprojekts gab es nur in der Mittagpause von 45 bis 60 Minuten. Vielleicht lässt sich mit dem straffen Zeitplan begründen, warum im Verlauf der Erhebung die Teilnahmebereitschaft bei den Studierenden rapide sankt. Nur etwa 30 Prozent führten die vorgegebenen Maßnahmen mehr als dreimal pro Woche während der ganzen Studiendauer durch. Bei den Beschäftigen war die Motivation etwas größer: Etwa 70 Prozent von ihnen hielten bis zum Ende durch. "Wenn Entspannungsmaßnahmen nicht bereits fest im Verhalten verankert sind, verursachen die Verhaltensveränderungen erst einmal zusätzlichen Stress. Eigentlich ist es nachvollziehbar, warum so viele Studierende ausgestiegen sind," kommentiert Professorin Sieger-Hanus das Verhalten. Die Stress-Ergebnisse aus den Fragebögen Am Anfang des Projekts fühlten sich alle Studierende durchschnittlich gestresst. Die Ergebnisse aus den Fragenbögen bewegten sich in allen Interventionsgruppen auf einem mittleren Niveau mit der Tendenz zu Stress. Bereits in der Mitte des Erhebungszeitraums zeigte sich in einer Stichprobe unter den Studierenden eine leichte Verlagerung zu einem höheren Stressempfinden. Zum Ende stieg der Stresslevel auf den höchsten Wert. Alle Studierenden beschrieben sich als gestresst. "Dass der Stress bei den Studierenden immer mehr wird, ist verständlich. Im Laufe des Semesters baut er sich langsam auf. Nach zehn bis elf Wochen folgen die Klausuren und dann geht es wieder zurück in die Firma", erklärt die Professorin. Eine interessante Beobachtung gab es bei den Studierenden, die als Interventionsmaßnahme den Entspannungs-Massagesessel nutzen durften. Sie wiesen sowohl zur Mitte als auch zum Ende des Forschungsprojektes den höchsten gefühlten Stresslevel auf. Was sich später auch bei den HRV-Messungen bestätigte. Bei den Beschäftigten der Dualen Hochschule sankt der Stresslevel im Laufe der Untersuchung. Zu Beginn lag er noch auf einem mittleren Niveau und entwickelte sich zum Ende zum besten Wert aller Untersuchungsgruppen. Sie scheinen durchschnittlich eher entspannt zu sein. Auch diese Ergebnisse wurden durch die HRV-Messung bestätigt. Die Stress-Ergebnisse aus der HRV-Messung Zu Beginn der Betrachtung hatte die Entspannungs-Massagesessel-Gruppe die höchsten HRV-Werte von allen Gruppen. Sie waren also tendenziell die entspanntesten Teilnehmer. Bereits zur Studienmitte wandelt sich dies ins Gegenteil. Letztendlich schnitt diese Gruppe mit den schlechtesten HRV-Werten ab. Bei der Meditationsgruppe zeigte sich ein leichter RSA-Anstieg zur Studienmitte, der sich zum Ende des Forschungsprojektes auf sein anfängliches mittleres HRV-Niveau zurückbewegte. Die besten HRV-Ergebnisse ließen sich in den Gruppen Bewegung und Ernährungsdokumentation ermitteln. Sie zeigten kontinuierlich einen leichten Anstieg der HRV-Werte über alle drei Messzeitpunkte. Die HRV-Werte der Beschäftigten der Dualen Hochschule Baden Württemberg deckten sich mit den guten Ergebnissen aus den Fragebögen. Auch bei der HRV zeigten sie die größte Verbesserung von allen untersuchten Gruppen. In der Kontrollgruppe ergaben sich während der Erhebung keine nennenswerten Unterschiede bezüglich der HRV-Parameter. "Dass die körperliche Aktivität gut abschneiden würde, war vorhersehbar. Die Wirkung einer Ernährungsdokumentation hätte ich allerdings nicht so hoch eingeschätzt. Wahrscheinlich führt die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten schon zu Veränderungen," ergänzt Professorin Sieger-Hanus die Ergebnisse. Entspannte Aussichten für Studierende Das Fazit von Professorin Sieger-Hanus: "Wir wollen und müssen an dem Thema Stressmanagement im Hochschulalltag dranbleiben. Unser Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen wird die gewonnenen Erkenntnisse in ihre Konzepte aufnehmen und es wird in ähnlicher Form bestimmt weitere Projekte bei uns geben." #### Das VNS - kurz und anschaulich Die drei Buchstaben VNS stehen für vegetatives Nervensystem. Viele Menschen können mit diesem Teil des Gehirns überhaupt nichts anfangen. Und die Tatsache, dass es sich willentlich nicht beeinflussen lässt, fördert eher Skepsis als Faszination. Vor allem dann, wenn der Zustand dieses unzugängliche Systems gemessen und bewertet werden soll. Nicht anderes geschieht bei einer Herzratenvariabilitäts-Messung. Ärzte und Therapeuten stehen also vor dem Problem: "Wie erkläre ich das VNS, ohne dass mein Gegenüber ein Medizinstudium braucht?" Leider lässt sich das VNS nicht so einfach und charmant wie den Darm erklären. Verdient hätte es das VNS, nur ist es leider in unserem Bewusstsein nicht so präsent. Die Arbeit des Verdauungssystems bekommen wir jeden Tag live mit. Auch übt der Darm eine eklig-schmutzige Faszination auf uns aus. Alles Dinge, die das VNS erstmal nicht bieten kann. Es gibt nicht wirklich was zum Riechen, Schauen, Hören oder Anfassen. Das einzige VNS-Lehrbuch Das VNS hat alle unsere Organe im Griff und wir tun uns schwer zu begreifen, was da in uns vor sich geht. Wer mehr wissen möchte, für den gibt es genau ein Lehrbuch über das VNS: Das autonome Nervensystem. Das Zitat von Vinik im Vorwort "Know autonomic neuropathy and you will know the whole of medicine" lässt einen zwar Hoffnung schöpfen, die nachfolgenden fast 400 Seiten verdeutlichen aber recht schnell: Mit einfachen Erklärungen tut man sich hier schwer. Erklärungsversuche aus der Praxis Nach einem Jahr Bloggen kann ich zum VNS keine korrekte anatomische Beschreibung in drei leichtverständlichen Sätzen bieten, aber verdeutlichende Beispiele, Bilder und Geschichten. In Gesprächen mit Experten und bei meinen Recherchen habe ich sie gesammelt. An den besten möchte ich Sie nun teilhaben lassen. Der Kutscher Dr. Wolfgang Pflederer ist ärztlicher Direktor in der TCM Klinik Illertal. Der Internist und Kardiologe nutzt die Herzratenvariabilität (HRV) im Klinikalltag und zu Studienzwecken. Das VNS beschrieb er mir als einen Kutscher. Auf seinem Kutschbock thronend hält er die Zügel für seine Pferde fest in den Händen. Mit ihnen dirigiert er sie ans Ziel. Mal lässt er die Pferde schneller, mal langsamer laufen. Er behält immer die Kontrolle über ihr Tun und lässt die Zügel niemals los während der Fahrt. Der Kutscher ist eine passende Beschreibung, weil sie sehr schön veranschaulicht, wie das VNS seine beiden Hauptakteure Sympathikus und Parasympathikus zur Steuerung nutzt. Auch wird deutlich, dass immer beide aktiv sind, jeweils mal mehr und mal weniger. Das Betriebssystem Kein anderes Bild für das VNS hätte ich von Michael Lutz, Geschäftsführer der Firma BITsoft, erwartet: Nur das Betriebssystem ermöglicht es, auf komfortable Weise Computerprogramme wie beispielsweis Word oder Excel zu nutzen. Es hält alle Funktionen bereit, unterstützt aber eher im Hintergrund. Bei diesem Vergleich wird vor allem die Abhängigkeit des Organismus vom VNS gut dargestellt. Wenn das Betriebssystem einen Fehler hat oder veraltet ist, dann laufen auch die Programme nicht mehr richtig. Ganz ähnlich sieht es aus, wenn die Leistung des VNS abnimmt, denn dann beeinträchtigt das die Abläufe im ganzen Körper. Der Hausmeister In dem Taschenbuch "Das kleine Buch vom Gehirn – Reiseführer in ein unbekanntes Land" fand ich das Beispiel des Hausmeisters: "Der organsteuernde Teil des Nervensystems gleicht einem Hausmeisterservice, der sich um die Versorgung mit Gas und Strom sowie um die Reparaturen in einem Mehrfachfamilienhaus kümmert, allerdings ohne dass die Mieter ihn sehen oder telefonisch erreichen können." Unseren Hausmeister sehe ich zwar hin und wieder und kann ihn auch anrufen, wenn es Probleme gibt, trotzdem gefällt mir dieses Beispiel. Es zeigt, dass wir uns über viele Dinge in unserem Leben keine Gedanken machen und sie erst wahrnehmen, wenn sie sich negativ verändern. Die Heizungsanlage Die Geschichte von der kalten Heizung erzählte mir Michael Gorsolke, Geschäftsführer der Firma Commit GmbH. Gerne stellt er bei Schulungen die Frage, was man denn tun könnte, wenn die Heizung kalt bleibt. Seinen Vorschlag, sie mit einem Fön zu erwärmen, lehnen seine Zuhörer selbstverständlich lachend ab. Allen ist klar, dass sich das Problem nur im Heizungskeller lösen lässt. Und die "Moral" von der Geschichte ist: Nicht nur an den Symptomen "herumdoktern", sondern auch mal einen Blick auf das ganze System werfen. Mein Fazit Das VNS arbeitet genial. Auch wenn die erklärenden Analogien nicht für einen Bestseller reichen, so bringen sie doch schon mal Fantasie und Kreativität in das medizinisch anspruchsvolle Thema. Froh bin ich auch, dass es für das altgediente Sinnbild von Gaspedal und Bremse Alternativen gibt. Es ist zwar eine nette Umschreibung von Sympathikus und Parasympathikus. Doch mal ehrlich: Wer gibt Gas und steht gleichzeitig auf der Bremse? PS: Wenn Sie auch noch ein gutes Beispiel oder eine schöne Geschichte für mich haben, schreiben Sie mir bitte einen Kommentar hier direkt zum Beitrag. #### Den Vagusnerv von der Atlasblockade erlösen Als Selbstheilungs- und Erholungsnerv wird der Vagus bejubelt.  Ist seine Aktivität jedoch beeinträchtigt, kann sich der Körper nicht mehr richtig erholen. Anhaltender Stress und ständige Überforderung sind häufig die Ursachen für eine Blockierung des Vagus - aber auch eine Störung des Atlas kann der Auslöser sein. Auf meinem Blog werden die Beiträge über den Vagus und die Polyvagal-Theorie viel gelesen. Es ist wirklich erfreulich, dass sich immer mehr Menschen um ihre Entspannungsfähigkeit kümmern. Dass unser Entspannungsnerv auch einmal durch ein mechanisches Problem beeinträchtigt werden kann, darüber möchte ich in diesem Beitrag zusammen mit Dr. med. Ardeshir Ghiassi berichten. Er ist Orthopäde in Dortmund und hat die Atlas Curatio Therapie entwickelt. Vor und nach der Behandlung führt er bei seinen Altas-Patienten eine Messung der Herzratenvariabilität (HRV) mit dem System VNS Analyse durch, um sich über die Wirkung der Behandlung zu vergewissern. Der Atlaswirbel In der griechischen Mythologie trägt der Titan Altas das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern. Beim menschlichen Körper übernimmt der 1. Halswirbel, Altas genannt, eine ähnliche Aufgabe: Auf ihm lastet unser Kopf mit einem durchschnittlichen Gewicht von fünf bis sechs Kilo. Der Atlaswirbel stellt die Verbindung zwischen Schädel und Wirbelsäule her. Zusammen mit dem 2. Halswirbel bildet er die sogenannten Kopfgelenke. Sie ermöglichen die Neigung und Drehung des Kopfes. Die Atlasstörung Steht die Wirbelsäule im Lot, so wird das Gewicht eines Menschen gleichmäßig auf beide Körperhälften verteilt. Ist der Atlas gestört, kommt es zu einem Ungleichgewicht. Das bedeutet, dass eine Körperhälfte mehr belastet ist als die andere. „Oft wird von einer Atlasblockade gesprochen. Die Bezeichnung Blockade halte ich für falsch. Für mich ist es eine Fehlschaltung auf Rückenmarksebene. Es kommt zu einer Fehlrotation des Atlas. Nach meiner These sind ein falscher Biss oder eine Kiefergelenksfehlstellung die Auslöser“, so Dr. Ghiassi. Die Muskulatur der Halswirbelsäule steht mit den Muskeln für den Unterkiefer und das Zungenbein in Verbindung. „Zusammengefasst bedeutet dies, dass sich eine Veränderung der Zähne und Kiefergelenke auf die Statik der Wirbelsäule und des Beckens auswirken kann. Umgekehrt kann auch eine Fehlstellung der Halswirbelsäule die Stellung von Ober- und Unterkiefer beeinflussen. Das falsche Zusammenspiel dieser beiden Systeme kann einen negativen Einfluss auf den gesamten Organismus nehmen, sodass chronische Störungen aufgrund eines falschen Bisses mit einer gleichzeitigen Atlasfehlrotation auftreten“, beschreibt Dr. Ghiassi den Zusammenhang. Die Verbindung von Vagus und Atlas Die Beeinträchtigung des Vagus in Verbindung mit einer Atlasstörung war auch Dr. Ghiassi erst nicht bekannt: „Anfangs war mir nicht bewusst, welchen Einfluss der Atlas auf den gesamten Körper hat. Erst als mir viele Patienten berichteten, dass sie nach der Atlaskorrektur keine Magen-Darm-Beschwerden mehr hatten, sie weniger müde waren oder sich ihr Blutdruck normalisierte, begann ich mich mit diesem besonderen Wirbel zu beschäftigen.“ Wenn man sich die Anatomie anschaut, wird deutlich, warum eine Atlasstörung auch den Vagusnerv beeinträchtigt. „Sie liegen nah beieinander. Wenn der Atlas über längere Zeit fehlrotiert bleibt, dann verdichtet sich das Gewebe. Der Vagus steht unter Druck, die Durchblutung verschlechtert sich. Es kommt zur Reizung und Entzündung“, erklärt Dr. Ghiassi Die Folgen einer Atlasstörung für den Vagus Ist der Vagus gereizt, spielt das Immunsystem verrückt. Die Darm-Hirn-Achse wird gestört. „In meiner Praxis habe ich Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Dass eine Darmsanierung bei diesen Patienten wenig bringt, wird durch die Verbindung von Atlas und Vagus verständlich. Eine Verbesserung der Symptomatik ist auch bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen und Autoimmunkrankheiten wie Schuppenflechte oder Hashimoto zu beobachten. Erstaunt hat mich, dass 30 bis 40 Prozent der Atlas-Patienten eine Hashimoto-Erkrankung haben. Sobald der Vagus befreit ist, normalisiert sich die Immunantwort wieder,“ berichtet Dr. Ghiassi. Atlas-Störung und HRV Dr. Ghiassi misst bei seinen Altas-Patienten die HRV vor und nach jeder Behandlung. Durch die Beeinträchtigung des Vagus ist es nachvollziehbar, dass bei einer Atlasstörung die HRV verschlechtert ist. Dr. Ghiassi postet regelmäßig auf der Facebook-Seite von Atlas Curatio Vor-Nachher-Messungen von seinen Patienten mit eindrucksvollen Ergebnissen. Demnach stellt er schon unmittelbar nach der Behandlung eine Verbesserung fest, die sich in den darauffolgenden Tagen noch weiter bis zu Normal-Werten verändert. Die Atlas-Curatio-Therapie Bei der Atlas-Therapie von Dr. Ghiassi wird auf Einrenkmanöver und ruckartigen Bewegungen verzichtet. Auch Schmerzen muss keiner befürchten. Das einstündige Behandlungskonzept beruht auf einer Triggerpunkt-, Resonanz- und Reflexbehandlung. Als Erstes werden an der Wade mehrere Kiefergelenk-Satellitentrigger behandelt. „Sie sind sehr leicht zu finden, weil sie sehr schmerzhaft sind. Mit Akupunktur- oder Triggerpunkten, die man sonst kennt, haben sie allerdings nicht zu tun. Wenn sie entstört werden, verändert sich schon was am Biss,“ beschreibt Dr. Ghiassi die erste Behandlungsstufe. Die nächste Station ist der Übergang von der Brust- zur Halswirbelsäule. „Hier wird rechts und links von der Wirbelsäule mit einem speziellen Gerät eine Resonanz erzeugt. „Die Schwingung wird individuell dem Patienten angepasst. Nach etwa 15 Minuten sieht man, wie die Muskeln, die normalerweise die kleinen Härchen aufstellen, nachgeben. Die Haut rötet sich und zeigt kleine Dellen, wie nach einem Wespenstich oder bei einer allergischen Reaktion,“ erzählt Dr. Ghiassi. Als Letztes wird der Atlasquerfortsatz mit mehreren 100 Impulsen pro Sekunde in Schwingung versetzt. Hintergrundwissen zur Altas-Curatio-Therapie Der Hirnstamm ist die Übergangzone vom Rückenmark zum Gehirn. In ihm befinden sich viele Nervenbahnen, die ins Gehirn und in das periphere Nervensystem ausstrahlen. Die meisten der 12 Hirnnerven entspringen im Hirnstamm. Von besonderer Bedeutung für die Atlas-Curatio-Therapie sind im Hirnstamm die Nervenverbindungen zum Innenohr, zu Augenmuskeln, Kiefergelenke und zu den Mechanorezeptoren der Fußsohlen. „Durch eine Fehlschaltung dieser Nervenverbindungen kommt es zu einer Atlasstörung und umgekehrt. Die Behandlung bewirkt eine Art Zurückstellung der gestörten Verbindungen. Der Tonus von den Muskeln, die den Atlas in der Fehlrotation halten, wird durch die Vibrations- und Hubkräfte gelöst.“ Hinweis Die Atlaskorrektur ist wissenschaftlich nicht belegt und wird von der Schulmedizin nicht anerkannt. Die beschriebenen Folgen beruhen ausschließlich auf Erfahrungswerten von Ärzten und Therapeuten, die sich damit beschäftigen. Wissenschaftliche Nachweise über die Wirkungen nach den anerkannten Regeln und Grundsätzen wissenschaftlicher Forschung liegen nicht vor. Der Verlauf einer Atlaskorrektur hängt zudem stets von individuellen Faktoren des Patienten ab. Eine konkrete Wirkung kann deshalb nicht zugesichert werden. Die Kosten für die Atlastherapie werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. #### Der beste Zeitpunkt für die HRV-Messung nach dem Training Wie war das Training: zu anstrengend oder zu lasch? Anhand der HRV-Parameter lässt sich ablesen, wie stark der Körper gefordert wurde und wie gut der Trainingszustand ist. Für Sportler und Trainier kann es interessant sein, direkt nach dem Training diese Einschätzung zu bekommen. Doch wann ist dafür der beste Zeitpunkt? Von einem Personal-Trainer wurde ich gefragt, wann er nach dem Training die Herzratenvariabilität (HRV) messen soll, um zu sehen, wie das Training seinen Klienten gefordert oder auch entspannt hat. Eine nachvollziehbare Frage aus der Praxis, für die es aber in den mir bekannten Lehrbüchern keine Antwort gibt. Mit der Unterstützung von Professor Olaf Hoos, wissenschaftlicher Leiter des Sportzentrums der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wage ich mich an eine Antwort heran. Selbstverständlich ist die tägliche HRV-Messung  - immer unter gleichen Bedingungen durchgeführt - die beste Möglichkeit für eine Trainingskontrolle. Im Alltag von Personal-Trainern hapert es hier doch meist an der Umsetzung. Vor allem am Anfang wird sich ein Klient nur schwer überzeugen lassen, jeden Tag seine HRV zu messen. Für den Coach wäre die HRV aber sehr aufschlussreich, um sein Training auf die aktuellen Bedürfnisse seines Kunden ausrichten zu können. Der Trainingszustand bestimmt den Zeitpunkt mit Eine pauschale Antwort auf die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt der HRV-Analyse gibt es nicht. Schon allein der Trainingszustand übt einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Zeitfenster aus. "Eine Metaanalyse (Stanley et al., 2013) zum Erholungsverlauf zeigt, wie groß die Unterschiede sind", berichtet Professor Hoos. "Leistungssportler hatten bereits 20 Minuten nach einem Standardtraining ihre vagale Ausgangslage des Parameters RMSSD nahezu wieder erreicht, Untrainierte hingegen noch nicht einmal nach 90 Minuten." Fazit: Je besser der Trainingszustand ist, umso leichter fällt es dem Körper mit Belastungen umzugehen und umso schneller werden die HRV-Ausgangswerte wieder erreicht oder sogar übertroffen (vagaler Rebound-Effekt). Die Trainingshäufigkeit spielt auch eine Rolle Wird mehrmals in der Woche trainiert, überlagern sich die Effekte. Professor Hoos erklärt, welche Auswirkungen das auf die Messergebnisse hat: "Je nachdem wie intensiv und oft trainiert wird, wirkt sich die Einheit A von Tag A auf die Einheit B am Tag B aus. Da die Organsysteme ganz unterschiedlich auf die Belastung reagieren, kommt es zu einer Vermischung im Ergebnis. Durch die unterschiedliche Regenerations- und Anpassungszeit wird es mit Einzel-Messungen nach dem Training schwierig, genau zu unterscheiden, was der Auslöser war, da immer kumulierte Effekte auftreten. Eine klare Unterscheidung der Effekte ist bei 2 bis 3 Einheiten pro Woche meist noch möglich, wobei natürlich andere Stressoren neben dem Training auch immer eine Rolle spielen." Kleiner Regulations-Check für zwischendurch Eine gute und sehr einfache Einschätzung über die Regulationsfähigkeit des vegetativen Nervensystems nach Belastung lässt sich mit der 1-Minuten-Erholung (Heartrate-Recovery) gewinnen. Der Puls wird sofort nach der Belastung gemessen und dann noch einmal eine Minute später. Die Senkung der Herzfrequenz spiegelt wider, wie schnell das vegetative Nervensystem von der sympathischen zur parasympathischen Aktivität umschaltet und dadurch die Herzfrequenz reduziert. Natürlich gibt es hier auch wieder eine Abhängigkeit vom Trainingszustand sowie von der Dauer und Intensität der vorausgegangenen Belastung. Eine Empfehlung für die Messung nach dem Training Wenn Sie bis hierher alles gelesen haben, ahnen Sie bereits, dass es keine verbindliche Antwort auf die eingangs erwähnte Frage des Personal-Trainers gibt. Zu viele Einflussfaktoren wirken sich auf das Ergebnis einer HRV-Analyse nach einer Belastung aus. Daher zögern Wissenschaftler berechtigterweise, hier einfache Richtwerte für den Trainingsalltag zu geben. Aber Professor Hoos gibt trotzdem eine Empfehlung, denn die HRV soll ja auch für Anwender praktikabel sein: "Die größten Unterschiede zu den Ausgangswerten treten direkt nach der Belastung auf. Nach einer Viertelstunde lässt sich ein Eindruck davon gewinnen, wie intensiv sich die Belastung auf den Organismus ausgewirkt hat und inwiefern schon Erholungsprozesse in Gang gekommen sind. Natürlich sollte versucht werden, während der 15 Minuten Wartezeit immer die gleichen Mess-Bedingungen zu schaffen. Als immer gleichen Ablauf könnte ich mir beispielsweise ein leichtes Dehn- oder Faszien-Programm vorstellen, eventuell reicht es auch noch zum Duschen und Anziehen. Dann könnte man die HRV-Messung auch mit der Abfrage des subjektiven Belastungsempfindens der Trainingseinheit gut kombinieren." Mit dem Mess-Ergebnis umgehen Ein gestresster Manager freut sich bestimmt, wenn er das Personal-Training mit besseren HRV-Werten verlässt. Sein Trainier weiß nach der Messung, dass er mit seinem Programm für Ausgleich gesorgt hat. Dies funktioniert allerdings meist nur bei sehr moderaten und eher entspannungsbezogenen Programmen. Wenn eine Einheit intensiv und fordernd war, sind schlechtere HRV-Ergebnisse direkt nach dem Training nichts Schlimmes, sondern zu erwarten, denn die Erholung des Vegetativums braucht seine Zeit. Außerdem müssen für eine Leistungssteigerung ja auch immer wieder Impulse gesetzt werden, die dann erst nach 1 bis 2 Tagen vegetativ vollständig verarbeitet sind Egal, ob es um Entspannung oder Leistungssteigerung beim Training geht, die Messung der HRV gibt Einblicke zur Regulationsfähigkeit und hilft, das richtige Maß für die Belastung zu finden. Regelmäßige Messungen sind allerdings die Voraussetzung. "Ich würde Personal-Trainern empfehlen, spielerisch ans Messen heranzugehen: Das Training unterschiedlich ausrichten und einfach mal über einen längeren Zeitraum unter möglichst vergleichbaren Messbedingungen beobachten, wie sich die Parameter in der Erholungsphase verändern", empfiehlt Professor Hoos als Herangehensweise. "Beim Ausdauertraining fallen die Effekte auf die HRV nachweislich größer aus als beim Krafttraining." Natürlich stellt sich die Frage, wie dauerhaft das Messergebnis nach einer Viertelstunde ist. Wie sich ein Training langfristig auf die HRV auswirkt, wird sich erst nach 24 bis 48 Stunden zeigen. Baseline: Drei Messungen pro Woche als Anfang Um die persönlichen Ausgangs- und Vergleichswerte zu kennen, wären tägliche Messungen für eine Trainingskontrolle am aussagekräftigsten. Vielen fällt es am Anfang jedoch schwer, jeden Morgen den Brustgurt umzulegen und zu messen. Für all jene, die nicht jeden Tag Sport treiben, hat Professor Hoos zum Schluss noch einen guten Hinweis: "Es gibt Studien (z. B. Plews et al., 2014), die aussagen, dass bereits drei Messungen in der Woche für ein Trainings-Monitoring gut geeignet sind." #### Der Einfluss des Vagus bei COVID-19 COVID-19-Patienten können die Wirkung des Vagusnervs für ihre Genesung nutzen. Die Stimulation des Vagus über eine langsame Atmung reicht aus, um die Entzündungswerte zu senken. Das Sars-CoV-2-Virus verursacht häufig eine Lungenentzündung. Diese ist eine der häufigsten Gründe für eine Krankenhauseinweisung. Am Universitätsklinikum Ulm haben das Team aus der Klinik für Psychosomatische Medizin um Dr. Marc N. Jarczok, Sozialwissenschaftler und promoviert im Fach Public Health, und Frau Dr. med. Elisabeth Balint, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, gezeigt, dass Patienten mit einer mittelgradigen Lungenentzündung den Entzündungsmarker Interleukin-6 mit Atemübungen schneller senken können. „Als vor Weihnachten 2020 die zweite Coronawelle über uns hineinbrach, wollten wir etwas gegen die volllaufenden Stationen unternehmen. Dass eine elektrische Vagusstimulation Entzündungen senken kann, wissen wir aus verschiedenen Grundlagenstudien. Den Vagus über die Atmung anzuregen, passte jedoch wesentlich besser zu unseren Vorstellungen und Möglichkeiten. Denn es sollte etwas Einfaches sein, was ohne große Budgets, Schulungen, Personal- und Geräteeinsatz sowie aufwendige Zulassungen funktioniert. Erst einmal einen wissenschaftlichen Antrag auf Förderung zu schreiben, um an Geld und Mittel zu gelangen, war damals nicht denkbar. So ein Antrag dauert 6 bis 12 Monaten in der Begutachtung. Aber allein die Möglichkeit, etwas zu erforschen, was Patienten mit Covid-Pneumonie helfen könnte, motivierte uns so, dass wir es auch ohne Förderung schaffen wollten. Bis auf ein paar Sachkosten, die aus dem Forschungsbudget der beteiligten Kliniken stammten, konnten wir die Studie allein über unsere Arbeitszeit und Freizeit realisieren – und mit motivierten Studenten/Doktoranden, die bereit waren, viel Zeit auf der Infektionsstation zu verbringen,“ erinnert sich Dr. Jarczok. „Am Anfang haben viele den Kopf über unsere Idee geschüttelt: Ein Sozialwissenschaftler will auf der Infektionsstation mit Hilfe von Atemübungen bei Patienten die Entzündungsparameter senken. An eine Wirkung hatte keiner richtig geglaubt. Den Zugang erhielten wir vor allem deshalb, weil meine Kollegin Frau Dr. med. Balint über gute Kontakte im Haus verfügte und wir so die wissenschaftliche Basis für unsere Idee vorstellen konnten.“ Wie der Vagus eine Entzündung verringert Als Selbstheilungsnerv übernimmt der Vagusnerv eine wichtige Funktion bei der Steuerung von Entzündungsreaktionen. Durch seine Verbindung zu allen inneren Organen ist er an der Hemmung und Aktivierung von Entzündungen beteiligt. Die Nervenenden seiner sensorischen Fasern können entzündliche Veränderungen im Gewebe detektieren und an das Gehirn melden. Über seine absteigenden Nervenbahnen wird die Entzündung durch die Ausschüttung von Acetylcholin in den Makrophagen gehemmt. Normalerweise dient dieser Botenstoff zum Austausch zwischen den parasympathischen Fasern. Im Falle einer Entzündung dockt das Acetylcholin am Rezeptor der Makrophagen an. Die Bildung der entzündungsfördernden Substanzen wie Inteleukin-6 oder des Tumor-Nekrose-Faktor (TNF-) kann so gebremst werden. Die Aktivität des Vagusnervs kann mit der Herzratenvariabilität (HRV) bewertet werden. Klassische Parameter wie RMSSD oder SDNN spiegeln seine Einflussnahme wider. Menschen, die ihre HRV täglich messen, konnten bereits einen Abfall feststellen, noch bevor ihr Corona-Test positiv war. „Im Mount Sinai Medical Center in Miami,“ berichtet Dr. Jarzcok, „wurde in einer HRV-Studie beobachtet, dass der SDNN-Parameter einen Tag vor einem Zytokinsturm deutlich abfällt.“ Die Interventionen aus der BeatCOVID-Studie In die Studie wurden 46 Patienten aufgenommen, die bei ihrer Krankenhausaufnahme als Hauptdiagnose eine mittelgradige COVID-19-Lungenentzündung hatten. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen verteilt. Eine Gruppe wurde für Atemübungen betreut, die andere machte keine Atemübungen und diente als Kontrollgruppe zum Vergleich von Wirkungen. Das Durchschnittsalter lag bei 57 Jahren mit einer Standardabweichung von 13 Jahren. Etwas mehr als die Hälfte waren Männer. Eine Voraussetzung für die Teilnahme war, dass alle Patienten in der Lage waren, die Atemübungen alleine auszuführen. „Da man auf einer Infektionsstation nicht so einfach Gerätschaften zwischen den Zimmern hin- und hertragen kann, haben wir mit einer App gearbeitet. Denn die meisten Patienten bringen ihr Smartphone ins Krankenhaus mit. Wir entschieden uns für die kosten- und werbefreie App Breath Ball,“ beschreibt Dr. Jarczok das Vorgehen. „Die App ist sehr einfach gehalten. Alle Patient:innen konnten bereits nach einer kurzen Anleitung die Atemübungen selbstständig durchführen.“ Beide Gruppen wurden im punkto Aufklärung und Abwicklung der Studie gleich betreut. Die Kontrollgruppe erfuhr die gleichen Zuwendungen von den Betreuern wie die Interventionsgruppe - mit einem Unterschied: Die Interventionsgruppe sollte zusätzlich dreimal täglich 20 Minuten lang alleine bestimmte Atemübungen ausführen. Im Wesentlichen ging es dabei um langsames Atmen mit einem vorgegebenen Rhythmus. Das Verhältnis für Ein- und Ausatmung lag bei 4 zu 6 Sekunden. „Für ungeübte Menschen ohne Lungenentzündung ist eine Taktung von sechs Atemzügen pro Minute für 20 Minuten oft eine Herausforderung. Im Ruhezustand liegt der Durchschnitt bei etwa 12 bis 18 Atemzügen pro Minute. Bei Patienten mit einer COVID-bedingten Lungenentzündung kommt erschwerend hinzu, dass diese eine erhöhte Atemfrequenz von 20 bis 30 Zügen haben können. Das erfordert Willen und Konzentration, daher wurden die ersten Übungen von uns begleitet, auch, um die Technik zu korrigieren. Im Übereifer atmen manche Patienten zu tief. Das kann zu Schwindel führen. Mit dieser Unterstützung war es für die meisten Teilnehmer kein Problem, dieser Atemtaktung 20 Minuten lang zu folgen. Dieser Teil war einfacher als gedacht. Wir hatten Bedenken, wie gut sich dieses Atemtraining bei diesen Patienten umsetzten lässt. Es hat uns ehrlich gesagt alle erstaunt,“ erzählt der Sozialwissenschaftler. Die Ergebnisse aus der BeatCOVID-Studie Das Interleukin-6 ist der Zielparameter für Komplikationen. Es ist einer der Entzündungsparameter, den Ärzten bei COVID-Patienten im Auge behalten. „Diesen Zusammenhang und die Tatsache, dass das Interleukin-6 täglich bei den Patienten erhoben wird, haben wir für die Wirkung der Atemübungen auf das Krankheitsgeschehen genutzt,“ erklärt Dr. Jarczok. Das statistische Modell, das die Interaktion zwischen Gruppe und Zeit einschloss, ergab laut Preprint zur Studie einen signifikant niedrigeren Verlauf von Interleukin-6 bei der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe (Effektgröße Cohens f2=0,11, LR-Test p=0,040). „Dass viel üben auch viel hilft, zeigt der Vergleich der Intention-to-Treat-Stichprobe mit der Treatment-per-Protocol-Analyse. Bei allen Patienten, egal ob sie sich an unsere zeitlichen Vorgaben bei den Atemübungen hielten, konnten wir Effekte auf das Interleukin-6 beobachten. Erwartungsgemäß war der Effekt bei den Patienten höher, die ein Mindestmaß der vorgesehene Übungszeit erreichten,“ berichtet der Experte. 16 Patienten in der Interventionsgruppe erfüllten mit einem Übungsumfang von mindestens zweimal 20 Minuten täglich die Kriterien für die Treatment-per-Protocol-Analyse (f2=0,15, LR-Test p=0,022). Dr. Jarczok fasst die Ergebnisse zusammen: „Eine explorative Analyse, bei der der Medianwert der Übungszeit zur Vorhersage des Interleukins-6-Wertes am nächsten Morgen herangezogen wurde, ergab eine Dosis-Wirkungs-Beziehung mit positiven Auswirkungen einer Übungszeit von mehr als 45 Minuten pro Tag. D. h., zwei Übungseinheiten täglich zusätzlich zu der Standardbehandlung zeigten sich hier effektiv. Weiter Studien werden zeigen müssen, ob sich dieser Effekt bestätigt. Falls dem so wäre, hätten wir ein unheimlich kostengünstiges Instrument zur IL-6-Senkung hinzugewonnen.“ Studienfazit von Dr. Jarczok „Patienten, die eine langsame Atmung praktizierten, hatten im Beobachtungsverlauf signifikant niedrigere Interleukin-6-Werte als die Kontrollgruppe, mit einer kleinen bis mittleren Effektgröße und ohne relevante Nebenwirkungen. Das ist ein Ergebnis, das wir in dieser Deutlichkeit nicht so erwartet hatten. Derzeit wird das Atemtraining auf der Infektionsstation nicht systematisch angewandt. Vielleicht liegt es daran, dass die Studie noch im Preprint ist und wir alle auf die Veröffentlichung warten. Was man darüber hinaus nicht übersehen darf: Es war eine kleine Studie, die nur an einer einzelnen Klinik durchgeführt und vom Klinikalltag beeinflusst wurde. Auch was den Vagusnerv betrifft, sind noch viele Fragen offen: Es braucht z. B. noch weitere Studien, um besser zu verstehen, wie vagale Signale Zellprozesse steuern. Eine langsame Atmung kostet nichts und kann mit geringem Personalaufwand umgesetzt werden. Für Länder mit einem niedrigen Durchschnittseinkommen sind unsere Ergebnisse eine Therapieoption. Ich hoffe, sie überzeugen auch hierzulande. Die Wirkung der langsamen Atmung übertrifft so manches Medikament, was zur Behandlung bei COVID-19-Patienten zum Einsatz kommt hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Da sollte ein Umdenken stattfinden.“ #### Der Einfluss von Medikamenten Zu den Einflussfaktoren auf die Herzratenvariabilität (HRV) gehören auch Medikamente. Sie verändern teilweise die Geschwindigkeit und die Variabilität des Herzschlags. Das Messergebnis kann also, je nachdem wie Arzneimittel auf das vegetative Nervensystem einwirken, besser oder schlechter ausfallen. Bei der Interpretation von HRV-Werten sollte also ein möglicher medikamentöser Einfluss berücksichtigt werden. Um keine falschen Hoffnung zu wecken, für das Thema Medikamente und HRV kann ich Ihnen keine Patentlösung geben. Studien, die sich nur mit medikamentöser Behandlung und der HRV beschäftigen gibt es fast keine. Alle Erkenntnisse stammen aus klinischen Therapiestudien, bei denen die Wirkung von Medikamenten auf eine bestimmte Symptomatik im Vordergrund stand. Was ich auch beobachten konnte, ist, dass sich die Ergebnisse der Wissenschaftler sogar teilweise widersprechen. Sehr aufschlussreich ist es, zu schauen, wie Medikamente auf den Sympathikus und Parasympathikus jeweils wirken. Unterschieden wird zwischen Medikamenten, die eine stimulierende Wirkung auf einen der beiden Anteile des vegetativen Nervensystems haben und solchen, die einen hemmenden Effekt ausüben. Auf unterschiedlichen Wegen führen beide Wirkweisen letztendlich zu einem ähnlichen Ergebnis. Stimulierende und hemmende Medikamente Parasympathomimetika sind Medikamente, die die Wirkung des Parasympathikus nachahmen. Sie setzen Acetylcholin als Botenstoff ein und führen zu einer Steigerung der parasympathischen Wirkung und einer Hemmung des sympathischen Einflusses. Genau das Gegenteil bewirken Sympathikomimetika. Sie lösen eine ähnliche Reaktion an den Rezeptoren aus, ähnlich wie die körpereigenen Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin. Zu den Sympathikomimetika gehören unter andern auch die trizyklischen Antidepressiva. Über sie finden sich Schlussfolgerungen in der Literatur, dass deren Verabreichung mit einem starken Rückgang der HRV einhergeht. Ein anderes häufig verwendetes Medikament aus dieser Mittelgruppe sind übrigens Nasentropfen, die ein Abschwellen der Nasenschleimhäute bewirken. Nun zur zweiten Gruppen, die über die Hemmung des Gegenspielers ihre Wirkung erzielt: Parasympatholytika und Sympatholytika. Durch die Blockade der Rezeptoren an den Organen wird eine Reizübertragung von Sympathikus und Parasympathikus verhindert. Die Parasympatholytika, auch Anticholinergika genannt, verringern die Aktivität des Parasympathikus. Durch die Blockade des Rezeptors wird die Wirkung des Botenstoffs Aceylcholin unterdrückt. Ein Klassiker aus dieser Mittelgruppe, der uns in vielen HRV-Lehrbüchern begegnet, ist das Atropin. Das Gift aus der Tollkirsche musste schon in etlichen Studien zur Elimination des Parasympathikus herhalten. Von großer Bedeutung sind die Sympatholytika. Sie unterstützen mit ihrer Wirkung den Parasympathikus und verringern so die Aktivität des Sympathikus. Die Rezeptoren an den Erfolgsorganen werden von ihnen blockiert und für die Wirkung der Botenstoffe unempfänglich gemacht beziehungsweise desensibilisiert. Hier noch ein kleines Detail, was vielleicht noch etwas Klarheit zu den verschiedenen Rezeptoren gibt. Es betrifft Sympathikomimetika und Sympatholytika gleichermaßen: Je nachdem an welche Rezeptorart sie sich richten, tauchen in den Mittelnamen "alpha" und "beta" auf, beziehungsweise auch die Untergruppen "alpha-1", "alpha-2" und "beta-1" und "beta-2" auf. Beta-1-Rezeptoren finden sich beispielsweise hauptsächlich am Herzen, aber auch an den Nieren. Aber wieder zurück zu den Sympatholytika. Der bekannteste Vertreter, vor allem im Zusammenhang mit der HRV, ist der Beta-Blocker. Die meisten Medikamenten-Studien gibt es über die Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen. Am häufigsten untersucht wurde die Wirkung der Betablocker. Nach meinen derzeitigen Kenntnisstand kann der Einfluss der Betablocker auf die HRV nicht verallgemeinert werden. Es scheint von Bedeutung zu sein, welche Wirkung der jeweils verabreichte Betablocker, insbesondere dessen Wirkstoff, auf die HRV hat. Mein Fazit: Genaue beziehungsweise generelle Vorhersagen über die Einflussnahme von Medikamenten auf die HRV lassen sich nicht treffen. Auch Rückschlüsse von der Herzfrequenz auf HRV lassen sich nicht ziehen. Etwas Klarheit gibt die Medikamenten-Übersicht von Deborah-Loellgen auf der hrv-24-Website. Als weitere Auskunftsquelle biete sich die Rote Liste an. Bei den Wechselwirkungen kann man nachschlagen, mit was für einem Mittel man es zu tun hat. Von Therapeuten höre und lese ich immer wieder, dass es sich immer lohnt, Messergebnisse zu hinterfragen. Dabei ist nicht nur interessant, wie "echt" (oder von Medikamenten unbeeinflusst) die Werte sind, sondern auch, wie sich der Patient fühlt. Was bringt ein ideales vegetatives Gleichgewicht, wenn der Antrieb im Leben fehlt. #### Der HRV-Coach – ein neues Fortbildungsangebot Die Herzratenvariabilität zu messen, ist meist kein Problem. Aber dann mit den Ergebnissen etwas anzufangen schon. Die Interpretation der HRV-Parameter stellt viele Anwender vor eine große Herausforderung. Professor Kuno Hottenrott führt mit dem HRV-Coach ein neues Fortbildungskonzept ein. Es widmet sich vor allem der praktischen Anwendung der HRV-Analyse. Die Messsysteme werden immer besser. Sie geben auch eine Einschätzung, ob die erhobenen HRV-Parameter gut oder schlecht ausfallen – trotzdem bleiben viele Fragen offen. Welche Schlüsse sich aus den Ergebnissen der Herzratenvariabilität (HRV) für eine Verbesserung der Entspannungsfähigkeit oder für das Training ziehen lassen, ist eine ganz andere Sache. Immer wieder werde ich von Lesern angeschrieben, die mir ihre Ergebnisse präsentieren und von mir eine Beurteilung wünschen. Dazu fühle ich mich nicht in der Lage und so einfach ist es auch nicht. Ähnliche Erfahrungen hat Professor Dr. Kuno Hottenrott vom Institut für Sportwissenschaft in Halle nach der Veröffentlichung seines letzten Buches "Die Geheimnisse des individualisierten Trainings" (Mitautorin ist seine Tochter Laura Hottenrott) gemacht: "Nach der Veröffentlichung unseres Buches erhielten wir viele Nachfragen. Daran haben wir erkannt, dass die Kompetenzen für einen HRV-Experten nicht über ein Buch allein erworben werden können. Insofern haben wir uns dazu entschlossen, eine Ausbildung zum HRV-Coach anzubieten." Der erste Workshop zum HRV-Coach findet am Samstag 17. November 2018 von 10 Uhr bis 17 Uhr in der Deutschen Berufsakademie Sport und Gesundheit (dba) – University of Cooperative Education in Baunatal (in der Nähe von Kassel) statt. Mit der Ausbildung zum HRV-Coach Anfänger-Fehler vermeiden Der Bedarf für eine Ausbildung ist da, denn oft wird in der Messeuphorie vergessen, sich mit den Grundlagen zu beschäftigen. Um die Messergebnisse richtig einzuschätzen zu können, sollte sich jeder Anwender erst einmal mit dem autonomen Nervensystem (ANS) auseinandersetzen. Denn die Palette der Einflüsse auf die Regulation des ANS ist groß. Ohne ihre Beachtung ist ein Messergebnis wertlos. Beides muss immer in einen Zusammenhang gebracht werden. Als die häufigsten Fehler zählt Professor Hottenrott auf: dass man sich nicht genügend Zeit nimmt, die eigene Regulation des autonomen Nervensystems kennenzulernen und seine eigenen Baseline-Werte zu finden, dass man zu früh seine eigenen Werte mit HRV-Parametern von anderen Personen vergleicht, ohne vorher seine eignen Baseline-Werte bestimmt zu haben, dass man keine standardisierten Messungen, also unter immer gleichen Rahmenbedingungen, durchführt, dass man nicht wissenschaftlich evaluierte Systeme zur HRV-Messung nutzt und die Herzfrequenz nicht EKG-genau bestimmt, dass man sich nur auf automatisierte Auswertungen verlässt, ohne sich mal die Rohdaten genauer anzusehen. Was bietet der Workshop zum HRV-Coach? "Ziel des HRV-Workshops ist es, die Teilnehmer zum HRV-Coach zu befähigen. Sie lernen HRV-Analysen bei sich selbst und anderen Menschen durchzuführen", so Professor Hottenrott. Im theoretischen Teil werden die Grundlagen, Methoden und Anwendungsmöglichkeiten der HRV vermittelt. Im praktischen Teil des Workshops werden neuste HRV- und Biofeedback-Systeme sowie Trainingscomputer zur Fremd- und Eigenmessung vorgestellt und gemeinsam ausprobiert. Welche Geräte das sind, möchte Professor Hottenrott noch nicht verraten. Professor Hottenrott verspricht allen Teilnehmer: "Durch diesen Workshop wird die praktische Arbeit mit der HRV enorm erleichtert. Die Teilnehmer lernen, wie sie Messergebnisse interpretieren und daraus entsprechende Schlussfolgerungen ziehen können." Außerdem soll ausreichend Zeit bleiben, persönliche Fragen und Anliegen zu klären. Auch eigene Messsysteme können mitgebracht werden. Wer kann von dem Workshop zum HRV-Coach profitieren? Auf der Website hrv-sport ist zu lesen, dass sich der Workshop an Sportwissenschaftler, Gesundheits-Coaches, (Personal-)Trainer und Physiotherapeuten wendet. Auf meine Frage, ob er auch etwas für jemand ist, der mit gestressten Menschen zu tun hat, antwortet Professor Hottenrott, dass der Workshop "für Sportler sowie für Menschen, die sich mit Stressabbau beschäftigen, sehr gut geeignet ist." Ich bin mir nicht sicher, ob sich der Workshop lohnt, wenn man keine HRV-Vorkenntnisse hat. Laut Professor Hottenrott wäre es aber möglich: "Wir geben eine kurze Einführung zu den Grundlagen der HRV, sodass Vorkenntnisse nicht unbedingt notwendig sind." Bei 179,00 Euro Teilnahmegebühr (inklusive Skript, Snacks und Getränke in den Kaffeepausen) würde ich vorher meine Baseline-Werte machen, um dann im Workshop die richtigen Fragen stellen zu können. Ausbildungs-Zertifikat als Bestätigung Für die Teilnahme am Workshop gibt es ein Zertifikat. Laut Professor Hottenrott soll die Bezeichnung "HRV-Coach" auch als Bezeichnung geschützt werden. #### Der HRV-Geschlechtervergleich Frauen und Männer sind sich ziemlich ähnlich, zumindest was die Herzratenvariabilität angeht. In jungen Jahren ticken ihre Herzen noch verschiedenen, dann passen sie sich mit zunehmendem Alter aneinander an. Trotz des kleinen Unterschieds sollte das Geschlecht immer in die Interpretation einer Messung einbezogen werden. Die wissenschaftlichen Standards zur Messung und Auswertung der Herzratenvariabilität (HRV) lieferte 1996 eine Expertenkommission aus Amerika und Europa. Von der Task Force European Society of Cardiology und der North American Society of Pacing Electrophysiology wurden einige Richtwerte zur Orientierung veröffentlicht. Zum Thema Geschlechtsunterschiede finden sich allerdings keine Referenzwerte. Die Empfehlungen der Task-Force ungeachtet sind sich viele Experten 20 Jahre später einig, dass das Geschlecht bei den Messergebnissen eine Rolle spielt. Die Unterschiede bei Männlein und Weiblein fangen beim Hormonhaushalt an und enden beim Körperbau. Sowohl das Hormone als auch die Herzfrequenz nehmen Einfluss auf die HRV – fraglich ist aber, ob es signifikant geschlechterspezifisch ist. So einfach sich die Geschlechtsunterschiede darstellen lassen, umso komplizierter und unklarer ist die Studienlage. Bei dem Thema Geschlechtsunterschiede driften die Meinungen teilweise weit auseinander (Beispiel: Umetani et al. versus Ramaeckers et al.). Um mich nicht in den Widersprüchen der Wissenschaft zu verfangen, orientiere ich mich bei meinem Beitrag an den Ausführungen der Herren Wittling (siehe Buch Herzschlagvariabilität) und an Doris Eller-Berndl (Herzratenvariabilität, Verlagshaus der Ärzte) Mehr Gesamtpower bei den Männern Die gesamte Aktivität des vegetativen Nervensystems ist in der Männerwelt wohl von Natur aus besser ausgeprägt als in der Damenwelt. Einige Studien belegen diesen Unterschied mit Parametern wie beispielsweise der Root-Mean-Square-of-Successive-Differences (RMSSD), der Standard-Deviation-of-the-NN-Intervall (SDANN) oder auch der Total-Power. Die größten Differenzen zwischen Frauen und Männer finden sich bei den Werten der Gesamtaktivität in der Altersklasse der 20 bis 30jährigen. Mit zunehmendem Alter kommt es immer mehr zu einer Angleichung der Geschlechter. Ab dem fünften Lebensjahrzehnt sind die Unterschiede quasi aufgehoben. Eine gute Übersicht, wie sich die Werte über die Jahre verändern, findet sich in der kostenfrei verfügbaren Studie von Umetani et al. (1998). Junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren scheinen beim Abschalten einen Vorteil gegenüber ihren Altersgenossinnen zu haben. Der Einfluss ihres Parasympathikus ist stärker, dass zeigt sich bei den höheren Werten im High-Frequency-Bereich (HF). In Langzeitmessungen konnte beobachtet werden, dass sich Frauen vor allem in den Abend- und Nachstunden schlechter entspannen konnten als Männer. Vielleicht eine Einrichtung der Natur, die jungen Müttern einen Vorteil bei der Obhut ihres Nachwuchses verschaffen möchte. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer Angleichung Mit den Jahren kommt es zu einer Angleichung. Die etwas höhere Pulsfrequenz der jungen Damen gleicht sich an die männliche an. Die Unterschiede bei der Entspannungs- und Erholungsfähigkeit heben sich zwischen den Geschlechtern mit zunehmendem Alter ganz auf – vorausgesetzt, es finden keine Hormontherapien oder ähnliches statt. Ein ähnlicher Befund findet sich zum Einfluss des Sympathikus. Die Werte der Low-Frequency-Bereich (LF) sind bei Männern zwischen 20 und 50 Jahren höher als bei Frauen. Auch bei diesem Wert kommt es im höheren Lebensalter zu einer Angleichung. Das Verhältnis von Sympathikus und Parasympathikus bzw. LF und HF unterliegt auch dem Alter und Geschlecht. Bei der sympathovagalen Balance (LF/HF) dreht das Verhältnis. In jungen Jahren, zwischen 20 und 30, sind die Unterschiede zwischen den Frauen und Männern noch geringer ausgeprägt, als im fortgeschrittenen Alter (50 bis 60 Jahre). Zusammenfassend halte ich folgende grobe Regel im Normalfall für vertretbar: Frauen unter 30 Jahren haben eine schlechtere HRV als Männer. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden ab dem 30. Lebensjahr geringer und verschwinden nach dem 50. Lebensjahr ganz. #### Der Parasympathikus – im Dienste der Gesundheit Der Parasympathikus bekommt mittlerweile die ihm zustehende Aufmerksamkeit. Seither wurde hauptsächlich der Sympathikus beachtet, wenn es um die Einschätzung eines Krankheitsrisikos ging. Jetzt weiß man, dass vom Parasympathikus unsere Gesundheit mehr abhängt als man lange Zeit dachte. Wie gut sein Schutzmechanismus funktioniert, spiegelt sich in vielen Herzratenvariabilitäts-Werten wider. In einer großen deutschen Publikumszeitschrift wurde der Parasympathikus einmal als das Wellnessprogramm für den Körper bezeichnet. Es stimmt, dass während einer angenehmen Massage der Parasympathikus die entspannende Wirkung im Körper verbreitet, aber das ist nicht alles, was er vermag. Auch der Vergleich mit einer Bremse gefällt mir nicht. Klar, er ist der Gegenspieler des Sympathikus, dem "Gaspedal". Aber die Erklärung, dass er die vom Sympathikus angeregten Prozesse nur wieder verlangsamt, trifft es doch auch nicht ganz. Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf diesen Schutzpatron für die Gesundheit und den Garanten für die körperliche Leistungsfähigkeit werfen. Der Parasympathikus bildet keine so geordnete Struktur mit einem Grenzstrang wie der Sympathikus. Seine Ursprungszentren liegen nicht alle in Rückenmark. Einige befinden sich auch direkt im Gehirn, in den Kernen des Hirnstamms. Was zur Folge hat, dass es zu einer Vermischung mit den Hirnnerven kommt. Hauptakteur: Der Vagus-Nerv Eine besondere Rolle fällt dem Vagus-Nerv zu. Der zehnte Hirnnerv hat neben seinen willkürlichen Funktionen auch parasympathische Aufgaben als Eingeweidenerv. Sein Wirken im Körper macht weit über die Hälfte des parasympathischen Einflusses aus. Ähnlich, aber nicht ganz so einflussreich, sind der dritte, fünfte und neunte Hirnnerv. In ihren Nervenbahnen finden sich ebenfalls parasympathische Fasern. Genauso wie beim Sympathikus müssen die Nervenfasern des Parasympathikus auch ein "Umschaltstadium" durchlaufen, bevor sie ihr Ziel erreichen. Die zuständigen Ganglien liegen jedoch nicht geordnet in einem Grenzstrang, sondern im ganzen Körper verteilt, direkt an den Organen. Besonders engmaschig ist das Nervengeflecht des Parasympathikus im Halsbereich und in der Nähe des Kreuzbeins. Was zur Folge hat, dass die Nervenbahnen teilweise sehr lange Wege zurücklegen müssen. Schnelles Reaktionsvermögen Auch bei der Wirkung der beiden Anteile des vegetativen Nervensystems (VNS) gibt es Unterschiede. Sie wirken nicht nur ganz verschiedenen (anregend oder beruhigend), sondern auch noch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Rasche Veränderungen werden in erster Linie über die Nervenbahnen des Parasympathikus bewirkt. Er ist in der Lage, die Regulationsvorgänge viel schneller vorzunehmen als der Sympathikus. Die Beschaffenheit der Nervenverbindungen ist ein Grund für das unterschiedliche Reaktionsvermögen. Die Ummantelung der Parasympathikus-Fasern bietet eine zehnmal schnellere Weiterleitung von Steuerungssignalen als dies beim Sympathikus der Fall ist. Ein weiterer Grund sind die verschiedenen Überträgersubstanzen. Der Parasympathikus arbeitet ausschließlich mit einem einzigen Neurotransmitter, dem Acetylcholin, was ihm Zeit und Energie bei der Weiterleitung einspart. Innerhalb einer halben Sekunde kann der Parasympathikus reagieren. Vielleicht wird anhand dieser Tatsache verständlich, warum sich der Herzschlag innerhalb von einem Atemzug zum nächsten verändern lässt. Verringert sich die Herzfrequenz beim langsamen Ausatmen, so ist das immer ein sicheres Zeichen, dass der Parasympathikus aktiv ist. Fast genauso schnell, kann er sich übrigens auch wieder zurücknehmen, innerhalb einer Sekunde kann die Reizausübung abklingen. Das schnelle Reaktionsvermögen des Parasympathikus ist wichtig. Mit der Schaffung und Speicherung von Energiereserven macht er es überhaupt möglich, dass der Sympathikus bei anstehenden Herausforderungen auf sie zurückgreifen kann. Die Förderung der ausreichenden Leistungsreserven ist dem Parasympathikus verdanken. Vielleicht könnte man in diesem Zusammenhang die Tätigkeit des Parasympathikus als Erholungsprogramm bezeichnen. Für die Bewältigung der sympathischen Belastungen beschleunigt der Parasympathikus Prozesse im Körper, die die Regeneration fördern und die Kraftspeicher neu auffüllen. Die Verdauungstätigkeit wird wieder aufgenommen. Alles ist bereit für die Nahrungsaufnahme: Die Abgabe von Magensäften wird angeregt, Magen und Darm erhöhen ihre Bewegungsmuster, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase bereiten sich auf ihren Einsatz vor, auch Blase und Niere melden sich zurück. Die Blutversorgung in Haut und Peripherie nimmt wieder zu. Mittlerweile ist auch bekannt, dass der Einfluss des Parasympathikus das Immunsystem bei seiner Arbeit unterstützt. Der beste Schutz vor stressbedingten Krankheiten Erst in den letzten Jahren erkannte man, wie wichtig auch die Schutzfunktion des Parasympathikus vor stressbedingten Krankheiten ist. Lange Zeit ging man davon aus, dass für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko allein eine Überaktivität des Sympathikus verantwortlich ist. Mittlerweile wird dies in Abhängigkeit der parasympathischen Leistung betrachtet. Denn die Verminderung der Leistungsfähigkeit des Parasympathikus geht mit einem weitaus größeren Risiko für eine Krankheitsentstehung einher. Wie wichtig der schützende Mechanismus des Parasympathikus ist, lässt sich am besten mit seiner Wirkung auf das Herz beschreiben. Ohne den Einfluss des vegetativen Nervensystems hat ein gesundes Herz einen Puls von etwa 70 Schlägen pro Minuten. Wird der Parasympathikus aktiv, verringert sich die Pulsrate. Das Herz muss weniger arbeiten. Durch die Reduzierung sinkt der Sauerstoffbedarf, weniger Muskelkraft ist nötig bei gleicher Funktion der Herzkammern. Die Verlangsamung wirkt sich auf die Erregungsleitung aus, was zu einer längeren Überleitzeit für die Erregungsübertragung im Herzen führt. Die Herzkammern bekommen mehr Zeit zur Erholung. Körpereigene Schutzprogramme können besser vor Ablagerungen und Entzündungen bewahren. Eine geringere Herzrate und weniger Schlagvolumen schützen auch vor Bluthochdruck und senken das Risiko für Arrhythmien. Die HRV-Werte für den Parasympathikus Bei der Herzratenvariabilität (HRV) gibt es einige Werte, die die Aktivität des Parasympathikus widerspiegeln. Je nachdem wie sie ausfallen, lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie gut oder schlecht er regulieren kann. RMSSD Quadratwurzel des Mittelwertes der Summe aller quadrierten Differenzen zwischen benachbarten RR-Intervallen Indikator der Kurzzeitvariabilität NN 50 Anzahl der Paare benachbarter RR-Intervalle, die mehr als 50 ms voneinander abweichen Indikator der Spontanvariabilität pNN 50 Prozentsatz aufeinanderfolgender RR-Intervalle, die mehr als 50 ms voneinander abweichen Indikator der Spontanvariabilität HF High frequency power: Leistungsdichtespektrum im Frequenzbereich von 0,15 bis 0,40 Hz Erfassung des Großteils der parasympathisch beeinflussten Variabilität HF% prozentualer HF-Anteil am Gesamtspektrum Erfassung des Großteils der parasympathisch beeinflussten Variabilität HF nu High frequency normalized unit: Entspricht HF / (Total Power – VLF) x 100 Erfassung des Großteils der parasympathisch beeinflussten Variabilität SD1 Standardabweichung der Punktabstände zum Querdurchmesser des Poincaré-Streudiagramms Indikator der Kurzzeitvariabilität Tabelle der parasympathisch beeinflussten HRV-Werte (Quelle: Tabelle 2 aus der Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft) In einige HRV-Werte fließen die Aktivitäten von Sympathikus und Parasympathikus gleichzeitig ein. Wie groß der Anteil des Parasympathikus ist, lässt sich nur ermitteln, wenn bei der Messung die Atmung mit einbezogen wird. Auf diesem Weg lässt sich beispielsweise bei einer Kurzzeitmessung eine respiratorische Sinusarrhythmie (siehe Beitrag Atmung bewegt Herzschlag) nachweisen. Sie ist ein Zeichen für den Einfluss des Parasympathikus. SDNN Standard deviation of RR-intervals: Standardabweichung der RR-Intervalle im Messzeitbereich ohne klare Zuordnung zu Komponenten des VNS TP Total power: Gesamtleistung oder Gesamtspektrum; entspricht Energiedichte im Spektrum von 0,00001 bis 0,4 Hz ohne klare Zuordnung zu Komponenten des VNS LF Low frequency power: Leistungsdichtespektrum im Frequenzbereich von 0,04 bis 0,15 Hz Sympathikus und Parasympathikus, wobei der Anteil des Sympathikus überwiegt LF% prozentualer LF-Anteil am Gesamtspektrum Sympathikus und Parasympathikus, wobei der Anteil des Sympathikus überwiegt LF nu Low frequency normalized unit: entspricht LF / (TP - VLF) x 100 Sympathikus und Parasympathikus, wobei der Anteil des Sympathikus überwiegt LF/HF Quotient der sympatho-vagalen Balance; als Wert des Zusammenspiels von Parasympathikus (HF) und Sympathikus (LF) Sympathikus und Parasympathikus SD2 Standardabweichung der Punktabstände zum Längsdurchmesser des Poincaré-Streudiagramms Sympathikus und Parasympathikus Tabelle der sympathisch und parasympathisch (gemischt) beeinflussten HRV-Werte (Quelle: Tabelle 2 aus der Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft) Man könnte jetzt meinen, dass der Parasympathikus nur Gutes bewirkt und der Sympathikus eher schädigend für den Körper ist. Das wäre falsch! Beginnt der Parasympathikus zu dominieren, schmälert sich der Einfluss des Sympathikus. Und mit dem Schwinden der sympathischen Aktivität nimmt die Fähigkeit der Leistungssteigerung ab. Aber letztlich wird dadurch das Gesamtsystem vor einer dauerhaften Überbelastung geschützt. Dominiert der Parasympathikus jedoch dauerhaft, also in einer krankhaften Weise, dann gestaltet sich der Alltag zu einer erschöpfenden Herausforderung, weil eine Leistungssteigerung durch den Sympathikus ständig "ausgebremst" wird. Mein Fazit Wir brauchen beide Anteile des VNS gleichermaßen für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Meist ist es jedoch der Parasympathikus, der in unserem hektischen Leben bei der Entfaltung seiner Wirkungsweise zu kurz kommt. #### Der Stressindex – das Maß für den Stress Stress lässt sich messen. In den Stressindex fließen verschiedene Werte aus der Herzratenvariabilitäts-Messung ein. Auf einen Blick lässt sich mit ihm einschätzen, wie ausgeglichen das vegetative Nervensystem arbeitet. Seine Höhe gibt an, wie groß der mentale Stress beziehungsweise wie groß der Einfluss des Sympathikus ist, und erlaubt die Beurteilung der Regulationsfähigkeit des vegetativen Nervensystems. Für die Betrachtung des Stressindexes habe ich mir den Heilpraktiker für Psychotherapie Bernd Heiler zur Hilfe geholt. Er hat eine Praxis für integrale Therapie in München und beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Herzratenvariabilität (HRV) und Biofeedback. Wer möchte, kann sich bei ihm auch zu beiden Themen fortbilden. Der Stressindex ist ein Ergebnis aus der russischen Weltraumforschung. Verglichen mit der heutigen Zeit gab es bei ersten Weltraumflügen nur wenige Informationen über das körperliche Befinden der Astronauten. Es wurden lediglich das Elektrogramm und Angaben über den Atem an die Erde übermittelt. Trotz des minimalen Datenflusses versuchte man möglichst viel aus den Informationen zu lernen. Man sah in der extremen Belastung eines Weltraumfluges die Chance, herauszufinden, wie der Körper reagiert. "Man muss einfach wissen, dass es damals noch keine Messmethoden gab, um zu schauen, wie das vegetative Nervensystem unter Stress arbeitet", erklärt Bernd Heiler. Die Erkenntnis aus dieser Zeit war, dass bei extremem Stress, wie er z. B. beim Start und vor der Landung herrscht, die Variabilität der RR-Intervalle abnimmt und dass es während des Fluges jedoch zu einer Angleichung des vegetativen Gleichgewichts kommen kann. Aus diesem Zusammenhang entwickelte der russische Raumfahrtwissenschaftler Professor Roman Baevsky die Formel für den Stressindex (SI). Die Formel für den Stress-Index:  $latex \begin{aligned} \textstyle SI &= \frac{AMo*100\%}{2*Mo*MxDMn}&s=1 \end{aligned} $ Die Formel ist einfach, wenn man mal verstanden hat, welche Werte in die Berechnung einfließen. Bei den einzelnen Formelbestandteilen handelt es sich um verschiedene Parameter, die alle etwas mit den RR-Intervallen zu tun haben: Der Modalwert (Mo) steht für die häufigste gemessene Dauer eines RR-Intervalls. Die Amplitude des Modelwerts (AMo) beschreibt den prozentualen Anteil im Verhältnis zu allen erhobenen RR-Intervallen. Die Variabilitätsbreite (MxDMn) ist die Differenz zwischen dem maximalen und minimalen gemessenen RR-Intervall. "Letztendlich ist der SI nur eine mathematische Beschreibung eines erweiterten Histogramms. Anhand der Anzahl und Länge der Balken kann man eine ähnliche Aussage treffen," so Bernd Heiler. In einem anderen meiner Artikel wird etwas umfangreicher auf die Berechnung des HRV-Parameters SI nach Baevsky eingegangen. Mit dem SI lassen sich Verschiebungen des vegetativen Nervensystems (VNS) beurteilen. Werte von 30 bis 150 Punkten spiegeln ein gutes Gleichwicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wider. Ab 500 Punkten kommt es zu Einschränkungen bei der Anpassungsfähigkeit. Eine ernstzunehmende Situation liegt bei Werten von über 1000 Punkten vor. Der SI muss kein starres Maß sein. Auf ihn lässt sich Einfluss nehmen und er ist situationsabhängig. Ein Beispiel von Bernd Heiler zeigt seine Dynamik: "Bei einem Marathonläufer habe ich mal eine Langzeitmessung während eines Trainingslaufs gemacht. Als er die Zielgerade überschritt, hatte er einen SI über 5000 Punkten. Interessant war nun zu beobachten, wie sich der Körper nach der Belastung wieder normalisiert. Aufgrund des guten Trainingszustandes lag nach wenigen Minuten der SI bei 200 Punkten, nach wenigen Stunden bei circa 50 Punkten." Maßstab für den Erfolg von Entspannungstechniken Aufgrund seiner Veränderlichkeit kann der SI in der Praxis auch als Maßstab für den Behandlungserfolg verwendet werden. Wird vor, während und nach einer Anwendung die HRV gemessen, lassen sich mit Hilfe des SI Rückschlüsse über die Wirkung erzielen. Auch für diesen Zusammenhang hat Bernd Heiler ein Beispiel aus seinem Praxisalltag parat: "Bei einem Mann um die vierzig Jahre war ein SI von 1000 Punkten das Ergebnis einer Kurzzeitmessung. Nach einem kurzen Biofeedback-Training sankt der Wert nach einer erneuten Messung in den Bereich 300-400 Punkte." Das folgende Diagramm zeigt beispielhaft die Wirkung eines Qiu-Biofeedback-Trainings auf den Stressindex: Die Einflussnahme auf den SI ist für Therapeuten und Patienten gleichermaßen interessant. Bernd Heiler: "Für mich ist der SI ein Maßstab, dass meine Begleitung etwas bewirkt. Meinen Patienten kann ich mit den Verbesserungen zeigen, welches Potenzial in ihnen schlummert, das von ihnen nicht genutzt wird. Wichtig ist dabei, den Patienten zu zeigen, dass sie selbst etwas verändern können und so einen Ausstieg aus dem Gefühl der Hilfslosigkeit bekommen." Natürlich gibt es Unterschiede, nicht immer lässt sich gleich eine Verbesserung des SI unmittelbar nach der ersten Sitzung herbeiführen, je nach Gesundheitszustand kann sich dies auch über einen längeren Zeitraum ziehen. Abhängig ist das Ergebnis vom gesundheitlichen und körperlichen Zustand." Bei sportlichen Menschen reagiert das VNS meist schnell auf Veränderung. Eher unsportliche Zeitgenossen brauchen etwas länger, um ihre Selbstregulation zu verbessern. Eingeschränkt sind Patienten mit z. B. einer chronischen Stressbelastung, schweren Depressionen oder Diabetes. An der Veränderung des SI lässt sich auch immer ein bisschen die Geschichte eines Menschen erahnen. Wenn Patienten beispielsweise klagen, dass sie schon lange keine Zeit mehr für Sport haben, lässt sich am SI erkennen, dass das VNS von der Vergangenheit noch profitiert." Verschiedene Systeme, unterschiedliche Werte Der SI wird von verschiedenen Geräten berechnet. Obwohl eine Formel vorliegt, gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Bernd Heiler erklärt, wie es zu einer Differenz von 50 bis 150 Punkten kommt: "Es fängt schon mal damit an, dass einige Hersteller den SI nur in Anlehnung an die Formel von Professor Baevsky berechnen, also nicht 100-prozentig nach seinen Vorgaben. Dann kommt hinzu, dass die Geräte bei ihren HRV-Berechnungen auf unterschiedliche Daten zurückgreifen. Werden beispielsweise das Alter und Geschlecht einbezogen, dann fällt die Betrachtung des SI anders aus als ohne diese Angaben. Wichtig ist natürlich auch der Umgang mit den Einflussgrößen, wie z. B. Mess-Artefakte. Nur wenn diese sorgfältig betrachtet werden, entsprechen die Werte auch annährend der Realität." Der SI ist ein Wert, der das Thema HRV etwas zugänglicher macht. Mit einem Index für den Stress kann jeder Mensch etwas anfangen. Bernd Heiler ist etwas zwiespältig: "Ich wende ihn zwar gerne an, aber eigentlich ist er mir fast zu plakativ. Ähnlich wie beim Wert des biologischen Alters gibt es kaum einen Patienten, der nicht nach seinem Stressindex fragt. Wichtig ist es, diesen immer im Kontext mit den weiteren Parametern der HRV zu betrachten." #### Die HRV am Gaumenbogen ablesen? Ein Blick in den Mund soll ausreichen, um über den Zustand des Selbstheilungsnervs Vagus einen Eindruck zu bekommen. Eine "steile" Aussage, die mich neugierig machte. Wenn sich die Aktivität des Parasympathikus auch ohne komplizierte HRV-Technik beurteilen lässt, wäre das auf alle Fälle einen Versuch wert, es einmal auszuprobieren. Normalerweise ist es der Herzschlag, der Auskunft über die Herzratenvariabilität (HRV) gibt und Rückschlüsse auf die Aktivität des Parasympathikus ermöglicht. Mehr oder weniger komplizierte Mess-Systeme sind dafür nötig, um die Millisekunden zwischen den einzelnen Herzschlägen auszuwerten. Dass für eine schnelle Beurteilung die Stellung des Zäpfchens am Gaumenbogen ausreichen soll, liest sich im ersten Moment als zu simpel, um wahr zu sein. Allerdings habe ich mittlerweile gelernt, dass bei neurologischen Untersuchungen die Beurteilung der Gaumenmuskulatur ein Teil des Standardumfangs ist. Entdeckt habe ich den sogenannten Vagus-Test im Buch "Der Selbstheilungsnerv" von Stanley Rosenberg, einem Körpertherapeut aus Dänemark. Er kam wohl während seiner Cranio-Sacral-Ausbildung bei Alain Gehin mit dieser Testmethode in Berührung. Laut Rosenberg findet man den Vagus-Test in älteren Lehrbüchern für Anatomie und Physiologie, und an medizinischen Hochschulen in Dänemark wird er immer noch gelehrt. Der Vagus-Test Mund auf, Zunge raus! Für den Vagus-Test müssen Sie den weichen Gaumen mit dem Zäpfchen anschauen. Das gelingt am besten, wenn man den Mund weit öffnet und die Zunge etwas heraushängen lässt, bis der hintere Rachenraum sichtbar ist. Eine kleine Taschenlampe oder die Lampenfunktion am Smartphone können bei der Beurteilung hilfreich sein. Für die Überprüfung "ah-ah-ah" sagen und dabei den Gaumenbogen und das Zäpfchen beobachten. Es ist ein gutes Zeichen, wenn das Zäpfchen symmetrisch vom Gaumenbogen nach oben gezogen wird (siehe Bild Zäpfchen 2). Zieht nur eine Seite des Gaumenbogens nach oben (siehe Bild Zäpfchen 3), liegt eine Funktionseinschränkung des Vagus vor. Stanley Rosenberg beschreibt in seinem Buch (Seite 135) noch eine interessante Erfahrung: "Zeigt die Überprüfung eine Fehlfunktion des Muskels, beobachte ich beim Klienten meist auch eine unregelmäßige, etwas schnelle und nicht besonders tiefe Atmung." Zusammenhang zwischen Vagus und Gaumenbogen Der wichtigste Nerv des Parasympathikus ist der Vagus-Nerv, der zehnte Hirnnerv. Weit über die Hälfte der parasympathischen Leistung geht von ihm aus. Der Einfluss des Vagus ist deshalb so groß, weil sich sein Nervengeflecht über weite Teile des Körpers erstreckt, weshalb er auch als Vagabunden-Nerv (lat. vagari: umherschweifen) bezeichnet wird. Seine Verzweigungen bilden Nervengeflechte um Herz, Lunge und große Teile des Bauchraums. Parallel arbeiten seine Äste mit vier anderen Hirnnerven (V, VII, IX und XI) zusammen. Sie besitzen neben motorischen, sensiblen und sensorischen Anteilen auch parasympathische Anteile. Bei dem Vagus-Test wird eine dieser Verzweigungen des Vagus für die Einschätzung genutzt: der Rachenast oder Nervus glosspharyngeus (IX. Hirnnerv). Seine Nervenfasern ziehen zum weichen Gaumen und Rachen. Er ist unter anderem auch für den Gaumensegelheber (Musculus levator veli palatini) zuständig. Eine anatomische Erklärung des Vagus-Tests ist also, dass der Muskel am Gaumensegel auch eine Verbindung zum Vagus hat. Ein paar Hintergründe zum Vagus-Test Regelmäßige Leser und auch Kenner der Polyvagal-Theorie werden sofort erkannt haben, dass es sich bei dem Test um eine Beurteilung des vorderen Vagus-Astes handelt. Er steht für eines der drei Reaktionsmuster, die in der vieldiskutierten Theorie beschrieben werden. Eine gestörte Funktion würde bedeuten, dass vermehrt der Sympathikus oder der hintere Vagus die Steuerung übernimmt. Die Verbindung zu Stephen Porges, dem Begründer der Polyvagal-Theorie, ist offensichtlich. Immer wieder nimmt Stanley Rosenberg darauf Bezug und erzählt von gemeinsamen Erlebnissen. Beispielsweise wie sie den Vagus-Test mit einer großen Gruppe von Psychologen ausprobierten. Er schreibt dazu in seinem Buch (Seite 138): "Sie sollten lernen, vor und nach verbalen Interventionen festzustellen, ob ihre Klienten sozial zugewandt waren oder nicht – das half ihnen eventuell, das Verhalten und den emotionalen Zustand ihres Klienten aus der Sicht der Polyvagal-Theorie besser zu verstehen. Sie konnten auch beurteilen, ob ihre Klienten die Funktion des autonomen Nervensystems verbessern mussten und, ebenso wichtig, ob die Intervention im Sinne der Polyvagal-Theorie erfolgreich war. Die Möglichkeit einer Überprüfung vor und nach einer Sitzung weckte ihr Interesse." Eigene Erfahrungen mit dem Vagus-Test Mit Erfahrungswerten muss ich leider passen. Ich habe ein paar Experten angeschrieben und fast gar nichts zu dem Test in Erfahrung bringen können. Vielleicht habe ich nur nicht die richtigen Ansprechpartner gefunden. Wenn es jemanden da draußen im World-Wide-Web gibt, der Erfahrungen beisteuern kann, würde ich mich über Ergänzungen und Anmerkungen freuen. Mit diesem Beitrag möchte ich auch alle anderen Leser dazu aufrufen, den Test auszuprobieren, und meinen Lesern und mir über die Erfahrungen zu berichten. Am besten einfach die Kommentarfunktion dafür verwenden. #### Die neue Medizin der Emotionen – für einen leichten HRV-Einstieg Depressionen, Zukunftsangst und Stress, die Krankheiten unserer Zeit, sind laut David Servan-Schreiber heilbar – ohne Medikamente und jahrelanger Psychotherapie. Der Neurologe und Psychiater stellt in seinem Buch "Die neue Medizin der Emotionen" sieben wissenschaftlich überprüfte Behandlungsmethoden vor - eine davon zielt auf die Variabilität des Herzschlags. Das Buch von Servan-Schreiber war eines meiner ersten Bücher, die ich zum Thema Herzratenvariabilität (HRV) gelesen habe. Obwohl die HRV nur einen kleinen Teil des Buches ausmacht, war es für mich sehr hilfreich. Die Erklärungen zum "emotionalen Gehirn" und seine Selbstheilungskräfte empfand ich als Bereicherung. Die vielen Patientengeschichten machen es Einsteiger leicht, die Zusammenhänge zu verstehen. Sie lockern die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Informationen so auf, dass sich das Fachbuch (etwa 40 Seiten mit Quellenangaben) fast wie eine Freizeitlektüre liest. Wissenschaft unterhaltsam verpackt David Servan-Schreiber (1961-2011) war Neurowissenschaftler und Psychiater. Etwa 20 Jahre betrieb er Grundlagenforschung in kognitiver Neurowissenschaft an der Universität Pittburgh. Seine akademische Bilderbuchkarriere nahm nach einem Besuch in Indien eine besondere Wendung. Nachdem er die traditionelle tibetische Medizin näher kennenlernte, veränderte er seine Einstellung zur westlichen Medizin. Wenig später beendete er seine wissenschaftliche Karriere. Als Chefpsychiater des Shadyside Hospitals von der Universität Pittsburgh begann er alternative Behandlungsmethoden auf ihre Wirksamkeit zu prüfen. Bereits ein Jahr später wurde er Mitbegründer des Center for Integrative Medicine in Pittburgh, was er bis zuletzt leitete. 2011 erlag David Servan-Schreiber einem Hirntumor. Das Buch liefert Zusammenhänge aus der Neurobiologie. Es gibt ausführliche Erklärungen, warum sich mit bewusstem Denken Gefühle kaum kontrollieren, sondern nur mit allerlei Tricks beeinflussen lassen. Für HRV-Fans sind vor allem die Kapitel "Herz und Vernunft" und "Kohärenz im täglichen Leben" interessant. "Bei Stresszuständen, Angstgefühlen, Depressionen oder Zorn wird der Rhythmus des Pulses ungleichmäßig 'chaotisch'. Wohlbefinden, Mitgefühl und Dankbarkeit führen zu gleichmäßigen Pulsveränderungen, zur 'Kohärenz'; der Wechsel zwischen Beschleunigung und Bremsen verläuft gleichmäßig. Kohärenz maximiert in einer gegebenen Zeit die Veränderung, führt zu größerer Variabilität und ist damit gesünder." (aus "Die neue Medizin der Emotionen", Seite 58) #### Durchblick im HRV-Parameter-Chaos Im Laufe der jahrzehntelangen Forschung über Anwendungsmöglichkeiten der Herzratenvariabilität wurden viele HRV-Parameter entwickelt. Aber: Muss man sie alle bei der Auswertung berücksichtigen? Reicht eine Auswahl oder sind auch schon wenige Parameter aussagekräftig? Verschiedene Ansätze können Ordnung in das HRV-Parameter-Chaos bringen und die Interpretation vereinfachen. Bei manchen HRV-Analysesystemen ist die Liste der HRV-Parameter nach einer Messung lang, andere begnügen sich mit einer Auswahl weniger Parameter oder auch mit nur einem Parameter. Die wesentliche Frage ist doch: Wie viele und welche Parameter braucht man überhaupt für eine Einschätzung der Funktionstüchtigkeit des vegetativen Nervensystems (VNS) und der Erholungsfähigkeit? Die Antwort ergibt sich, wenn man die HRV-Parameter nach Analyseverfahren sortiert, deren physiologischen Bezug zum vegetativen Nervensystem beachtet und deren Korrelation zur Vereinfachung nutzt. Viele HRV-Parameter drücken nur in anderen Zahlen den gleichen Zusammenhang aus – mit anderen Worten: Es besteht eine Korrelation zwischen einigen HRV-Parameter, die man nutzen kann, um mit weniger verwendeten HRV-Parametern trotzdem einen Überblick über die Erholungsfähigkeit des Körpers zu erhalten. Wie die System-Hersteller den Umgang mit HRV-Parametern für die Anwender vereinfachen, fasse ich weiter unten zusammen. Ordnung schaffen mit den Analyseverfahren Die verschiedenen Analyseverfahren zur Erhebung der Herzratenvariabilität (HRV) sollen hier nicht im Vordergrund stehen. Ich möchte Sie nicht damit quälen, wie zeit- oder frequenzbereichsbezogene, lineare oder nicht-lineare Parameter erhoben werden, und auch nicht auf die Vor- und Nachteile dieser Verfahren eingehen. Mir geht es darum, Ihnen Tipps zu geben, wie Sie sich den Umgang mit den vielen HRV-Parametern leichter machen können. In den Analyseverfahren werden zwar unterschiedliche Werte erhoben, aber sie beschreiben die Aktivität der gleichen Teile des VNS. Hierzu ein paar Beispiele: Um das Niveau des gesunkenen Ruhepulses zu beurteilen, reicht es, die durchschnittliche Herzrate anzuschauen. Die mittlere Dauer der RR-Intervalle kann vernachlässigt werden, weil die beiden Parameter direkt ineinander umgerechnet werden können. Um zu sehen, wie gut der Parasympathikus seine Arbeit macht, können Sie sich die Werte der Parameter RMSSD (zeitbezogener Parameter), HF (frequenzbezogener Parameter) oder SD1 (nichtlinearer Parameter) anschauen. Alle drei Parameter drücken das Gleiche aus, nämlich die Aktivierung des Parasympathikus - nur mit anderen Zahlen. Auch die Werte des SDNN (zeitbezogener Parameter) und Total Power (TP, frequenzbezogener Parameter) beschreiben jeweils die Gesamtvariabilität. Auf welches Verfahren und welchen Parameter Sie ihr Augenmerk legen wollen, ist teilweise auch eine Sache der persönlichen Präferenz und des leichteren Verständnisses. Maßgeblich für die Auswahl der HRV-Parameter kann genauso das Untersuchungsziel sein, denn für manche Erkrankungen liegen nur für bestimmte HRV-Parameter Studienergebnisse vor. Tatsache ist, dass auch bloß mit HRV-Parametern aus Zeitbereichsverfahren eine umfassende Aussage über die Regulationsfähigkeit des VNS getroffen werden kann. In den folgenden Tabellen finden Sie eine Auswahl von HRV-Parametern nach Analyseverfahren gelistet, jeweils mit der Zuordnung auf das VNS: Parameter Beschreibung VNS-Zuordnung Analyseverfahren SDNN Standard deviation of RR-intervals: Standardabweichung der RR-Intervalle im Messzeitbereich ohne klare Zuordnung zu Komponenten des VNS Zeitbereich RMSSD Quadratwurzel des Mittelwertes der Summe aller quadrierten Differenzen zwischen benachbarten RR-Intervallen Parasympathikus Zeitbereich NN50 Anzahl der Paare benachbarter RR-Intervalle, die mehr als 50 ms voneinander abweichen Parasympathikus Zeitbereich pNN50 Prozentsatz aufeinanderfolgender RR-Intervalle, die mehr als 50 ms voneinander abweichen Parasympathikus Zeitbereich SD1 Standardabweichung der Punktabstände zum Querdurchmesser des Poincaré-Streudiagramms Parasympathikus Zeitbereich SD2 Standardabweichung der Punktabstände zum Längsdurchmesser des Poincaré-Streudiagramms Sympathikus und Parasympathikus Zeitbereich TP Total power: Gesamtleistung oder Gesamtspektrum; entspricht Energiedichte im Spektrum von 0,00001 bis 0,4 Hz ohne klare Zuordnung zu Komponenten des VNS Frequenzbereich HF High frequency power: Leistungsdichtespektrum im Frequenzbereich von 0,15 bis 0,40 Hz Parasympathikus Frequenzbereich LF Low frequency power: Leistungsdichtespektrum im Frequenzbereich von 0,04 bis 0,15 Hz Sympathikus und Parasympathikus, wobei der Anteil des Sympathikus überwiegt Frequenzbereich LF/HF Quotient der sympatho-vagalen Balance; als Wert des Zusammenspiels von Parasympathikus (HF) und Sympathikus (LF) Sympathikus und Parasympathikus Frequenzbereich (Quelle: Tabelle 2 aus der Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft mit einer Änderung aufgrund der Quelle Reminder: RMSSD and SD1 are identical heart rate variability metrics ) Mehr Klarheit mit den Messmethoden Ich hatte es ja bereits angedeutet: Auch mit den Messmethoden lässt sich in punkto HRV-Parameter für etwas mehr Klarheit sorgen. Ein ganz pragmatischer erster Ansatz ist, die Messdauer als Auswahlkriterium zu nehmen. Wenn Sie nur Kurzzeit-Messungen machen wollen, dann können Sie einige HRV-Parameter komplett ignorieren. Beschäftigen Sie sich nicht mit Parametern, die nur zuverlässig interpretierbar sind, wenn länger als fünf Minuten gemessen wird. Für folgende Werte empfehlen Experten eine längere Messdauer: SDANN empfohlen werden 24 Stunden SDNN-Index empfohlen werden 24 Stunden HF mindestens 5 Minuten LF mindestens 5 Minuten LF/HF mindestens 5 Minuten VLF Messzeit über 5 Minuten ULF empfohlen werden 24 Stunden (Quellen: Buch Herzschlagvariabilität, Werner und Ralf Arne Wittling, Seite 133, und Tabelle 2 aus der Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft) Als zweiter Ansatz hilft der Vergleich der Ergebnisse zweier Messverfahren. Für eine hinreichende Einschätzung des gesundheitlichen Zustandes empfehlen sich immer zwei Messungen: mit Atemvorgabe (RSA-Messung) und ohne Atemvorgabe (Kurzzeitmessung). Denn bei einigen HRV-Parametern fließen die Aktivitäten von Sympathikus und Parasympathikus gleichzeitig ein. Wie groß der Anteil des Parasympathikus ist, lässt sich nur ermitteln, wenn bei der Messung die Atmung miteinbezogen wird. Denn mit Hilfe der respiratorischen Sinusarrhythmie kann der Einfluss des Parasympathikus nachgewiesen werden. Interessant ist der Vergleich beider Messungen immer dann, wenn die Messung ohne Atemvorgabe schlecht ausfällt. Mit der RSA-Messung lässt sich ermitteln, über welche Reserven zur Aktivierung des Parasympathikus der Körper noch verfügt. Fallen die Werte der RSA-Messung besser aus, erlaubt das eine gute Prognose. Die für den Vergleich interessanten HRV-Parameter sind RMSSD, SD1, HF und pNN50. Alle Werte müssen im Idealfall bei der RSA-Messung ansteigen. Im therapeutischen Bereich kann es sinnvoll sein, auch die "gemischten" HRV-Parameter einzubeziehen. In der folgenden Tabelle ist eine Auswahl von HRV-Parametern, die sowohl von der Aktivierung des Sympathikus als auch des Parasympathikus beeinflusst werden. LF Sympathikus und Parasympathikus, wobei der Anteil des Sympathikus überwiegt LF/HF Sympathikus und Parasympathikus SD2 Sympathikus und Parasympathikus Was tun Hersteller gegen das HRV-Parameter-Chaos? Systemanbieter überlegten ebenfalls, welche HRV-Parameter man im Wesentlichen braucht. Sie wollen auch vermeiden, dass der Anwender "den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht". Im Folgenden führe ich fünf Anbieter als Beispiele auf.  Aber mein Eindruck ist, dass zumindest auch bei weiteren Systemen, die ich kenne, eine ähnliche Auswahl der HRV-Parameter vorgenommen wird. Die Firma BioSign GmbH stellt zwar alle erdenklichen HRV-Parameter zur Verfügung. Aber sie hat ein Konzept entwickelt, um anhand von 3 Parametern bei der RSA-Messung bzw. 5 wesentlichen Parametern bei der Kurzzeit-Messung einen Überblick darzustellen: Flexibilität (Variationskoeffizient RR) Tonus (mittlere Herzfrequenz) Dynamik 1 (SD1) und Dynamik 2 (SD2) Stressindex Hierzu gibt es ein gut verständliches Info-Video über das Konzept "Flexibilität, Dynamik, Tonus". Die Firma Commit GmbH heben als Hauptparameter der VNS-Analyse folgende HRV-Parameter hervor: HF (mittlere Herzfrequenz) Alpha1 (ein Ergebnis der trendbereinigten Fluktuationsanalyse) SDNN SI (Stressindex) RMSSD Die Firma Varilytic UG hat sich fast für dieselben HRV-Parameter entschieden: Herzfrequenz Gesamtvariabilität (SDNN) Vagusaktivität (RMSSD) Stressindex (SI) Die Firma VIITA Holding GmbH verwendet für die Analyseergebnisse ihres Systems Vitalmonitor teilweise schon abgeleitete Modellwerte aus SDNN, RMSSD, Verhältnis HF/LF und die Abweichung des aktuellen Ruhepulses vom Durchschnitt für eine individualisierte Längsschnitt-Interpretation: Regeneration Stress (physisch/psychisch) BioAge (biologisches Alter) Ruhepuls Herzraten-Variabilität (angabegemäß SDNN) Die Firma BITsoft wertet die Entspannungsreaktion von Anwendern im Sinne eines bio-psycho-sozialen Modells mit ihrem System Stress Pilot auf zwei Ebenen aus. Sie verwendet spezielle Fragebögen zur Bewertung der psychischen (subjektiv-verbalen) Ebene und zur Bewertung der physiologischen Ebene misst der Stress Pilot in Form einer RSA-Messung die HRV-Parameter mittlere Herzfrequenz RMSSD Könnte man sich auf einen einzelnen HRV-Parameter verlassen? Lassen Sie es mich mit einem Blutbild vergleichen. Mit einzelnen Blut-Werten, wie einem hohen Cholesterinspiegel oder zu vielen weißen Blutkörperchen, lassen sich Teil-Aussagen treffen. Sie können in klaren Fällen als ein Hinweis auf eine Erkrankung oder im Allgemeinen als Anlass für weitere Untersuchungen dienen. Für eine komplette Diagnosestellung reichen einzelne Blutwerte meistens nicht aus. Ganz ähnlich verhält es sich mit einzelnen HRV-Parametern. Mit Hilfe einzelner Parametern wie dem Stressindex, dem RMSSD, der SDNN oder Total Power lässt sich einschätzen, ob das vegetative Nervensystem ausgeglichen arbeitet oder ob sich eine Störung der Regulation abzeichnet. Einzeln verwendete Parameter-Werte erlauben keine vollständige Beurteilung der Regulationsfähigkeit des vegetativen Nervensystems. Nur für eine erste Einschätzung eignen sich einzelne HRV-Parameter. Gesunde Menschen können mit einzelnen HRV-Parametern schauen, wie ausgeschlafen, fit, entspannt oder gestresst sie gerade sind. Für eine Einschätzung von größeren gesundheitlichen Problemen, wie z. B. chronischer Stress, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, reichen sie jedoch nicht aus. Hierfür müssen mehrere geeignete Parameter im Verbund betrachtet werden - am besten von einem erfahrenen Arzt, Therapeuten oder Coach. #### Eine kurze Einführung in die Polyvagal-Theorie Meistens wirkt die Aktivität des Parasympathikus entspannend - zu viel davon kann aber auch alles lahmlegen. Stephen Porges beschäftigte sich mit dieser Doppelrolle des Entspannungsnervs. Mit seiner Polyvagal-Theorie erweiterte er das Verständnis des vegetativen Nervensystems. Auch wenn es in unserem Alltag meistens nicht mehr um das schiere Überleben geht, reagiert unser vegetatives Nervensystem (VNS) noch immer nach dem alten Muster unserer Vorfahren. Es versucht ständig, Anzeichen für Sicherheit oder Gefahren in unseren Alltag zu erkennen, um dann darauf zu reagieren. In den meisten Lehrbüchern werden dem VNS nur zwei Handlungsmuster zugeschrieben: Anspannung und Entspannung. Stephen W. Porges, Professor für Psychiatrie und Biomedizintechnik aus den USA, war nicht nur einer der Pioniere bei der Anwendung der Herzratenvariabilität (HRV) in der Psychophysiologie. Mit seiner Polyvagal-Theorie räumt er dem VNS noch ein drittes Reaktionsmuster ein. Die 3 Reaktionsmuster In der Polyvagal-Theorie werden dem VNS drei Reaktionsmuster zugeschrieben. Im Buch von Deb Dana wird der Begriff der autonomen Leiter verwendet. Ich halte ihn für eine gute Beschreibung, weil die Zustände sich aufeinander auf- und wieder abbauen können. Sie wechseln sich im täglichen Leben ab. Solange der Wechsel stattfindet, ist nicht mit gesundheitlichen Folgen zu rechnen. Bei zunehmender Gefährdung nutzt das VNS die Reaktionsmuster auch für unser Überleben. Wenn wir uns sicher und wohl fühlen, bestimmt das Social-Engagement-System (SES) unser Verhalten. Dieser ventrale (jüngere) parasympathische Ast des Vagus-Nervs ermöglicht uns, dass wir schnell auf unsere Umgebung eingehen und rasch mit anderen Menschen in Beziehung treten können. Er kann die Herzfrequenz schneller regeln als der Sympathikus, was zu einer höheren Herzratenvariabilität (HRV) führt. Die Auswirkungen auf unsere Gesundheit sind hervorragend. Der Wechsel in das nächste Reaktionsmuster geschieht, wenn wir uns in einer Situation angespannt fühlen. Der beruhigende Einfluss des Parasympathikus nimmt ab beziehungsweise wird vom Sympathikus verdrängt. Unser Verhalten verändert sich, wir fühlen uns gefordert bis gestresst. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Atmung wird kurz und flach, der Körper ist bereit zum Kampf oder zur Flucht. Steigert sich die Bedrohung oder Herausforderung soweit, dass sie vom VNS als lebensbedrohlich eingeschätzt wird, wie beispielsweise bei einem traumatischen Erlebnis, legt der dorsale (alte) parasympathische Ast des Vagus-Nervs als letzten Ausweg zur Rettung alles lahm. Dies führt zum Sich-Totstellen, Erstarren, in Ohnmacht fallen. Deb Dana schreibt von einer Art Notabschaltung oder Energiesparmodus von Körper und Geist. Die Doppelrolle des Parasympathikus Wenn Sie noch keine Berührungspunkte mit der Polyvagal-Theorie hatten, werden Sie sich bestimmt über das sehr unterschiedliche Wirken des Parasympathikus wundern. Auch Stephen Porges dachte am Anfang, viel parasympathischer Einfluss kann nur gut sein, bis er mit einem Fall konfrontiert wurde, der ihn zwang, sich intensiver mit dem Parasympathikus auseinanderzusetzen. Für die zwei sehr unterschiedlichen Wirkweisen, fand er vor allem in der Anatomie des Parasympathikus eine Erklärung. Der wichtigste Nerv des Parasympathikus ist der Vagus, der 10. Hirnnerv. Sein großes Verbreitungsgebiet brachte ihm nicht nur den Namen "umherschweifender Nerv" ein, sondern lässt schon erahnen, dass er vielleicht an weit mehr Abläufen im Körper beteiligt ist als die Wissenschaft bis dahin dachte. Stephen Porges unterteilt in seiner Theorie den Vagus-Nerv in einen vorderen (ventralen) und einen hinteren (dorsalen) Ast. Beide entspringen in benachbarten Gebieten im Hirnstamm. Ganz grob kann man sich merken, dass der vordere Ast sich eher nach oben Richtung Kopf bewegt und der hintere eher nach unten. Nur Herz und Lunge, also der Blutkreislauf und die Atmung, werden von beiden beeinflusst. Der vordere Vagus-Ast Die enge, teilweise anatomische Verbindung zu vier Hirnnerven (V, VII, IX und XI) erklärt, auf welche Reaktionsmuster der vordere Vagus-Ast reagiert. Es handelt sich um Informationen, die wir aus unserer unmittelbaren Umgebung mit unseren Sinnen wahrnehmen. Aus den Eindrücken, was wir hören, sehen, riechen und schmecken, kann das VNS abwägen, ob wir uns sicher fühlen können oder in Gefahr befinden. In manchen Büchern wird der vordere Vagus-Ast als "neuer Vagus" bezeichnet. Als Erklärung dient, dass es ihn in der Entwicklungsgeschichte des VNS noch nicht so lange gibt wie den hinteren Vagus-Ast. Der hintere Vagus-Ast Das Haupteinflussgebiet des hinteren Vagus-Asts liegt unterhalb des Zwerchfells. Seine Fasern ziehen zu Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz und zu Teilen des Dickdarms. Im nicht aktivierten Zustand übernimmt er die Steuerung der Verdauung. Die Bezeichnung alter Vagus bezieht sich auf die evolutionäre Entwicklung des VNS, das sich von den Reptilien zu den Säugetieren stufenweise weiterentwickelte. Man kann sich das Reaktionsmuster des hinteren Vagus-Astes als einen Überlebensmechanismus vorstellen. Deb Dana schreibt in ihrem Buch "Die Polyvagal-Theorie in der Therapie" (Seite 36): "Seine Reaktion wirkt schmerzstillend und schützt vor physischem und psychischen Schmerzen." Eine wichtige Schutzmaßnahme des Körpers, wenn es ums Überleben geht. Ständige Anpassung als Schutz Obwohl wir es nicht bewusst mitbekommen, wacht das VNS über unsere Sicherheit, ganz gleich was wir gerade machen. Stephen Porges prägte für dieses Funktionsprinzip den Begriff Neurozeption. Stanley Rosenberg beschreibt es in seinem Buch "Der Selbstheilungsnerv" (Seite 106) als einen guten Wachhund, "der ständig aufpasst und es uns ermöglicht, tief zu schlafen oder uns auf andere Dinge als das Überleben zu konzentrieren, und der uns weckt, wenn Eindringlinge uns gefährden könnten." Das Signal der Neurozeption setzt die drei Reaktionsmuster in Gang: Wenn wir uns wohlfühlen, uns also für das VNS in absoluter Sicherheit befinden, bestimmt das Social-Engagement-System (SES) unser Verhalten. Wird vermehrt Aktivität und Leistung von einer Situation gefordert, übernimmt der Sympathikus die Führung und stellt für die Bewältigung die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung. Erhält das VNS Signale von ernsthafter Gefahr, drosselt der Parasympathikus die Organsteuerung auf ein Minimalniveau. Wenn die drei Bestandteile des VNS sich immer wieder abwechseln, dann fühlen wir uns wohl in unserer Haut. Für Herausforderungen im Beruf oder im Privatleben steht ausreichend Energie zur Verfügung. Die Neurozeption kann auch falsch verlaufen, dann reagieren Menschen in einer sicheren Situation so als wenn sie für sie bedrohlich wäre. Die Gründe für eine falsche Neurozeption können vielfältig sein. Meist gibt einen Auslöser, wie Stanley Rosenberg in seinem Buch (Seite 107) schreibt: "[…] der uns an ein traumatisches Ereignis in der Vergangenheit erinnert – und wir reagieren darauf, als würde es in der Gegenwart stattfinden. Wir mögen gar nicht tatsächlich bedroht oder gefährdet sein, doch unser Nervensystem kann in der Vergangenheit festhängen, bereit beim geringsten Auslöser aus der Umgebung zu kämpfen oder wegzulaufen." Eine Chance für Trauma-Patienten Die Polyvagal-Theorie kann die Erklärung für das "Warum" von Verhaltensweisen liefern. Die Tatsache, dass Handlungen geschehen, ohne dass unser Verstand ihnen einen Sinn zuschreibt, hilft Patienten und Therapeuten gleichermaßen. Betroffene werden entlastet, da sie an ihrem Verhalten nicht selbst schuld sind. Therapeuten liefert die Polyvagal-Theorie die Möglichkeit, ihren Patienten in ein anderes Reaktionsmuster zu führen. Stephen Porges fand in seinen Experimenten mit kranken und traumatisierten Menschen heraus, dass sich das Social-Engagement-System (SES) mit frequenzmodulierter (klanglich angepasster) Musik aktivieren lässt. Zur Art der Musik schreibt Stephen Porges in seinem Buch "Die Polyvagal-Theorie" (Seite 258): "Musik im Frequenzbereich der menschlichen Stimme jedoch aktiviert viszerale und emotionale Zustände, die weder mit drohenden Unheil noch mit einem Gefühl akuter Sorge assoziiert sind." In den Büchern von Deb Dana, Peter Levine und Stanley Rosenberg finden sich viele Übungen und Arbeitsblätter, um körperliche und seelische Belastungen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. HRV-Parameter als Hinweise für ein Trauma? Gleich vorne weg möchte ich festhalten: Mit der Herzratenvariabilität (HRV) können Sie kein Trauma diagnostizieren. Die HRV-Parameter geben wohl ein paar Hinweise, die aber nur zusammen mit psychopathologischen Untersuchungen genutzt werden sollten. Ein Indiz für eine emotionale Übersteuerung des dorsalen Vagus ist sehr viel Aktivität im High Frequency-Bereich. Unterhalb dieses Frequenzbandes, also im LF- und VLF-Bereich, fehlt sie oder ist sehr vermindert. Mehr zur Polyvagal-Theorie erfahren Ich habe fast drei Jahre gebraucht, um mich inhaltlich mit der Polyvagal-Theorie intensiver auseinander zu setzen. Lange Zeit gab es nur ein Standardwerk von Stephen Porges, das es Einsteigern nicht gerade leicht gemacht hat. Die Bücher, die in letzter Zeit erschienen, sind weniger wissenschaftlich und eher verständlicher geschrieben. In den Büchern von Deb Dana und Stanley Rosenberg wird immer wieder auf Schriften von Stephen Porges, aber auch auf persönliche Erlebnisse Bezug genommen. Beide Bücher haben ein Vorwort von Stephen Porges. Die Kritik an den Lehrsätzen der Polyvagaltheorie sind mir zwar aufgefallen, z. B. von Paul Grossman, aber noch habe ich mich nicht richtig damit beschäftigt. Meine Empfehlungen zum Weiterlesen: Die Polyvagal-Theorie in der Therapie von Deb Dana richtet sich vor allem an Trauma-Therapeuten. Fast die Hälfte des Buches besteht aus Arbeitsblätter für die Praxis. Die Polyvagal-Therorie von Stephen Porges ist wohl das Standardwerk auf dem Buchmarkt. Es besteht aus einer Artikelsammlung, die nicht direkt aufeinander aufbauen. Eine gute Zwischenlösung sind die DVDs mit Vorträgen von Stephen Porges, teilweise sogar mit Übersetzung. Der Selbstheilungsnervs von Stanley Rosenberg bietet einen guten Einstieg für alle, die mehr über die Polyvagal-Theorie erfahren möchten. Als Körpertherapeut stellt er auch einige Übungen aus der Praxis vor. Vom Trauma befreien ist das Praxisbuch von Peter Levine. Es handelt zwar nicht direkt von der Polyvagal-Theorie, aber Stephen Porges nimmt in seinen Schriften immer wieder Bezug auf die Arbeit von Peter Levine. #### Fieber und HRV Krankheiten, die mit Entzündungen und Fieber verbunden sind, beeinflussen die Herzratenvariabilität (HRV). Mit der Beobachtung der zeitlichen Verläufe von HRV-Werten wird oft die Möglichkeit von frühzeitigen Diagnosen verbunden. Ob das auch bei Virusinfektionen mit Fieber möglich ist, war für mich eine interessante Frage. Im Folgenden werde ich anhand zweier Beispiele die Veränderungen der wesentlichen HRV-Werte darstellen und die Möglichkeit der Früherkennung diskutieren. Für beide Beispiele stehen Diagramme über den zeitlichen Verlauf der Körpertemperatur, des Ruhepulses sowie der HRV-Werte RMSSD und SDNN während der Krankheitsphase zur Verfügung. Für einige Tage vor und nach der Krankheitsphase können auch Daten ausgewertet werden, weil die betroffene Person regelmäßig morgens nach dem Aufwachen eine HRV-Messung durchführt. Die verwendeten Messungen wurden alle morgens nach dem Aufwachen ungefähr zur selben Zeit im Liegen vorgenommen. Die Verläufe der Durchschnittswerte beziehen sich auf einen viel längeren Zeitraum als die Krankheitsphase und stellen einen personenbezogenen Mehrjahresdurchschnitt dar. Die aufgezeichneten RR-Intervalle können auch als "Poincaré-Kalender" (meine Wortschöpfung) dargestellt werden. Die Poincaré-Diagramme sind pro Tag, jeweils Montag bis Sonntag, mit einer Kennzeichnung der Krankheitsphase angeordnet. Beispiel 1 Die betroffene Person litt im Zeitraum vom 13.03.2020 bis 29.03.2020 unter Symptomen, die von einem Allgemeinmediziner zwar mit einer Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit dokumentiert wurden, aber nicht eindeutig einer Infektion durch Influenza-, Corona- oder Rhinoviren zugeordnet werden konnten. Am ersten Krankheitstag wurde morgens Fieber mit 39 Grad gemessen. In den folgenden Tagen war nur noch eine erhöhte Temperatur festzustellen. Jedoch entwickelte sich unmittelbar ein starker Husten mit weißem Auswurf (Produktiver Husten), der sich nur sehr langsam zurückbildete. Meine Interpretation der Auswertungen von Beispiel 1: Der Ruhepuls stieg, wie es nicht anders zu erwarten war, mit dem Fieber bzw. der erhöhten Körpertemperatur an.Auffällig ist, dass der morgendliche Ruhepuls, nachdem die Körpertemperatur wieder normal war, bis zum Ende der Krankheitsphase über dem Langzeitdurchschnitt blieb. Die RMSSD- und SDNN-Werte wurden mit dem Auftreten des Fiebers deutlich geringer und blieben für die komplette Krankheitsphase unterdurchschnittlich gering. Das Aufkommen einer fiebrigen Erkrankung ist aus den Messungen von den Vortagen nicht klar erkennbar.Wären auch abends HRV-Messungen durchgeführt worden, hätte evtl. bereits am Abend des 12.3.2020 Veränderungen festgestellt werden können. Das Ende der Krankheitsphase ist insbesondere im Poincaré-Diagramm aus der Ausprägung und Lage der Punktwolke erkennbar und nachvollziehbar. Aus den leicht ungewöhnlichen Poincaré-Diagrammen vom 6. und 7.3.2020 auf eine Infektion zu schließen, die sich nach einer entsprechenden Inkubationszeit erst am 13.3.2020 morgens in Form von Fieber mit Husten zeigte, hielte ich für ungesichert und mutmaßend.  Beispiel 2 Die betroffene Person litt im Zeitraum vom 30.01.2017 bis 03.02.2017 unter Symptomen, die von einem Allgemeinmediziner einer Infektion mit Influenzaviren zugeordnet wurde. Am ersten Krankheitstag wurde morgens Fieber mit 40,5 Grad gemessen. Innerhalb der folgenden 3 Tage fiel die Körpertemperatur, begleitet von typischen Erkältungssymptomen, auf Normalwerte zurück. Meine Interpretation der Auswertungen von Beispiel 2: Der Ruhepuls stieg erwartungsgemäß mit dem plötzlich aufgetretenen hohen Fieber auf entsprechend hohe Pulsraten an.Im Gegensatz zu Beispiel 1 sank der morgendliche Ruhepuls mit der Körpertemperatur und blieb nicht über dem Langzeit-Durchschnitt, nachdem die Körpertemperatur wieder normal war. Die RMSSD- und SDNN-Werte wurden mit dem Auftreten des Fiebers eindeutig erkennbar geringer und blieben für die komplette Krankheitsphase unterdurchschnittlich gering. Das Ende der Krankheitsphase ist insbesondere im Poincaré-Diagramm aus der Ausprägung und Lage der Punktwolke, wie im Beispiel 1, eindeutig nachvollziehbar. Die leicht ungewöhnlichen Poincaré-Diagramme vom 22. und 23.01.2017 geben keinen klaren Hinweis auf eine Infektion, die sich nach einer entsprechenden Inkubationszeit erst am 30.01.2017 morgens in Form von hohem Fieber zeigte. Ein Zusammenhang ist auch deshalb schwierig herstellbar, weil wegen der Symptome eine Influenza-Infektion diagnostiziert wurde und hier allgemein eine Inkubationszeit von durchschnittlich nur 1 bis 2 Tagen angenommen wird. Auffällig ist, dass am Vortag der Erkrankung der RMSSD-Wert weit überdurchschnittlich hoch war und der SDNN-Wert ebenfalls über den Durchschnitt lag. Aber: Ist daraus das Aufkommen einer fiebrigen Erkrankung eindeutig erkennbar? Mein Fazit Die oft wahrgenommene Aussage, dass mit der Beobachtung der persönlichen HRV-Werte das Aufkommen von Krankheiten schon lange vor dem Auftreten von Symptomen erkennbar sei, kann ich zumindest anhand der beiden Beispiele von Erkrankungen mit auftretendem Fieber nicht bestätigen. Für andere Krankheiten will ich aber nicht ausschließen, dass regelmäßige HRV-Messungen - in Verbindung mit mehr medizinischem Fachwissen und Erfahrung - doch ein geeignetes Werkzeug zur Früherkennung, Diagnose und Prävention sind. Dies scheint mir insbesondere bei Krankheiten möglich, die sich langsam entwickeln und von Defiziten bei körperlicher und geistiger Entspannung herrühren. Aus diesem Grund halte ich es für sinnvoll, die persönlichen HRV-Parameterwerte regelmäßig, in individuell angepassten Abständen zu messen. Dadurch lassen sich gesundheitliche Veränderungen ergänzend zur subjektiven Einschätzung wahrnehmen. PS: Die ausgewerteten Daten wurden mit der HRV-App EliteHRV und einem Brustgurt Polar H10 Herzfrequenz-Sensor gemessen, exportiert und mit Hilfe der Programmiersprache R von Erich Langenbuch aufbereitet. #### Fitness-Tracker Spire im HRV-Test Der Spire erfasst Atemmuster und gibt Einblicke in den Gemütszustand. Wie genau seine Einschätzung für Anspannung, Konzentration und Entspannung ist, lässt sich mit der Herzratenvariabilität nachprüfen. In einem 24-Stunden-Test wurde das Tagesprotokoll des Spires mit den Werten einer HRV-Langzeitmessung verglichen. Nach meinem Bericht über den Spire kam die Idee auf, die verschiedenen mentalen Zustände mit Hilfe der Herzratenvariabilität (HRV) zu prüfen. Bernd Heiler, Heilpraktiker für Psychotherapie aus München, erklärte sich spontan bereit, mit mir den Vergleichs-Test zu machen. Er stellte das Equipment für die Langzeitmessung zur Verfügung und übernahm die Auswertung. Natürlich ist unser Test nicht ganz fair. Ein Fitness-Tracker tritt mit einem medizinischen Gerät zum Vergleich an. Und auch etwas ungleich. Einmal wird der Atem und das andere Mal der Herzschlag als Grundlage für die Bewertung gewählt. "Eine gewisse Überstimmung erwarteten wir aber schon. Allein schon deshalb, weil sich die Atmung als Messgröße und gleichzeitig auch als Einflussmittel anbietet", beschreibt Bernd Heiler seine Erwartungen. Der Vergleich der physiologischen Zustände Im Spire-Protokoll werden die erfassten Zustände von Anspannung, Konzentration und Entspannung aufgelistet. Es lässt sich so nachvollziehen, wann und wie lange ein Atemmuster und der jeweilige mentale Zustand andauerten. Ganz ähnlich lässt sich der Verlauf einer HRV-Langzeitmessung interpretieren. "Die HRV-Parameter zeigen deutlich, ob gerade Anspannung oder Entspannung im Organismus herrscht. Im Gegensatz zum Spire lassen sich auch alle Übergänge beziehungsweise Zwischenstufen erkennen", berichtet Bernd Heiler. Die Schwierigkeiten des Vergleichs Für unseren Test konnten wir beim Spire nur die Zeiträume zum Vergleich heranziehen, in denen ich mich nicht bewegte. Die Erfassung des Atemmusters funktioniert nur bei bewegungsarmen Tätigkeiten, denn sobald mehr Bewegung ins Spiel kommt, wird der Spire zum Schrittzähler. Eine weitere Schwierigkeit war die Tatsache, dass die einzelnen mentalen Zustände oft nur drei, vier oder fünf Minuten vom Spire erfasst wurden. Diese kurzen Zeitspannen lassen sich nur ungenau in einer HRV-Langzeitmessung zuordnen. Die Ergebnisse aus der Messung Ich verbringe viele Stunde meiner Arbeitszeit vor dem Computer oder am Telefon. Am Testtag fanden sich einige längere Zeiträume eines Gemütszustandes, die wir der Langzeitmessung zuordnen konnten. "Sie stimmten, wenn man die Übergänge im HRV-Verlauf großzügig wertet, annährend mit den gemessenen HRV-Werten überein. Ich würde die Ergebnisse ähnlich einschätzen, wie bei Activity Trackern, die eine Bewertung der Schlafqualität vornehmen. Sie sensibilisieren den Nutzer, sich mit den eigenen Körperfunktionen auseinandersetzen", kommentiert Bernd Heiler. Unser Fazit Für Menschen, die mehr über ihren Geistes- und Gemütszustand wissen wollen, ist der Spire ein guter Alltagsbegleiter. Die Auszeichnung und Auswertung des Atemmusters hilft, sich bewusst mit Verhaltensweisen auseinanderzusetzen. Auf leichtverständliche Art zeigt der Spire, wie sich die Atmung als Einflussmöglichkeit für mehr Entspannung nutzen lässt. "Für die erste Kontaktaufnahme mit unbewussten Vorgängen im Körper eignet sich der Spire gut. Für eine fundierte Einschätzung des Gesundheitszustandes reicht er nicht aus. Das hat auch keiner erwartet und das ist bestimmt auch nicht der Anspruch des Herstellers", bewertet Herr Heiler. "Eine HRV-Messung ist viel genauer und aussagekräftiger. Mit der HRV lässt sich ziemlich genau einschätzen, wie gut die unbewussten Abläufe im Körper funktionieren. Eine Langzeitmessung ist außerdem auch ein guter Gradmesser für den Lebensstil. Anhand des Verlaufs sieht man ziemlich deutlich, wie sich Verhaltensweisen auf den Organismus auswirken", schließt Bernd Heiler unseren kleinen Test ab. Nachtrag Der Test wurde mit einem Firstbeat Bodyguard mit einer Abtastfrequenz von 1000 Hz durchgeführt und mit dem HRV-Scanner von Biosign ausgewertet. Übrigens: Den Spire gibt es jetzt auch als Android-Version und die App im Wesentlichen in deutscher Sprache. #### Garmin Forerunner 630 – Training ohne Stress Manche Pulsuhren führen im Verborgenen einfach und schnell eine Herzratenvariabilitäts-Messung durch, um den Nutzer bei der Trainingsgestaltung zu unterstützen. Mit den HRV-Werten lässt sich der aktuelle Leistungszustand für sportliche Betätigungen bestimmen und ein Eindruck gewinnen, wie klein oder groß die Belastungen des Alltags sind. Die Forerunner 630 von Garmin nutzt für die Funktionen "Leistungszustand" und "Belastungswert" die Herzratenvariabilität (HRV) mit als Grundlage für ihre Berechnungen. Ich laufe gerne und regelmäßig. Große sportliche Ziele verfolge ich mit meiner Lauferei nicht. Eine gute Ausdauerleistung ist mir aber trotzdem wichtig. Ich möchte einerseits nicht zu viel und anderes nicht zu wenig tun. Immer wieder frage ich mich, was ist die optimale Belastung für mein Training. Mit der Forerunner 630 habe ich in den letzten Wochen einige Antworten auf meine Fragen erhalten. Eines möchte ich vorweg schicken: Die Uhr ist ein kleiner Computer mit Touchscreen am Handgelenk und verfügt viele Funktionen, die vor allem für ambitionierte Läufer interessant sind. Sie bietet viele Informationen zur Laufeffizienz, wie z. B. die Bodenkontaktzeit, die durchschnittliche Schrittlänge oder die vertikale Bewegung, sowie zur Leistungsfähigkeit, wie z. B. die Sauerstoffaufnahmekapazität (VO2max), dem Erholungszeit-Ratgeber und die Laktatschwelle. Aus persönlichem Interesse möchte ich jedoch nur die beiden Funktionen beschreiben, die die HRV einbeziehen: Belastungswert und Leistungszustand. Für die Ermittlung des Belastungswertes und des Leistungszustandes braucht man einen Brustgurt, der mit der Forerunner 630 gekoppelt ist. Eine Messung am Handgelenk reicht momentan noch nicht für die Erfassung der HRV aus. Auch ist es hilfreich zu wissen, dass die Algorithmen untereinander von sich "lernen". Je länger man die Uhr in Betrieb hat, umso genauer kann die Software die einzelnen Berechnungen vornehmen. Belastungswert spiegelt die Gesamtbelastung wider In der englischsprachigen Betriebsanleitung wird der Begriff Stress Score verwendet. Was eigentlich ganz anschaulich beschreibt, um was es beim Belastungswert eigentlich geht. Nämlich um das, was wir allgemein als Stress bezeichnen. In einem dreiminütigen Test wird unter Zuhilfenahme der HRV die Gesamtbelastung ermittelt. Auf einer Skala von 1 bis 100 erfährt man, wie sich Training, Schlaf, Ernährung und Alltagsstress auf die Leistung auswirken. 0-34 steht für eine geringe, 35-69 für eine mittlere, 70-89 für eine hohe und 90-100 für sehr hohe Belastung. Wer eine eins als Wert hat, darf es beim Training richtig krachen lassen. Mit einer 90 sollte man es allerdings lieber ruhiger angehen und vielleicht eher nur etwas für die Entspannung tun. Joe Heikes, Garmins Product-Manager, empfiehlt im YouTube-Video Forerunner 630: Determining your Stress Score, den Test täglich zu machen: nach Möglichkeit immer zur selben Zeit, unter den gleichen Rahmenbedingungen und im Stehen. Dies sind eigentlich die üblichen Randbedingungen für HRV-Messungen, bis auf die Empfehlung, im Stehen zu messen. Garmin setzt die Auswertetechnik des Anbieters Firstbeat ein. In deren Unterlagen wird (leider nur kurz) dargestellt, dass das Herz-Kreislaufsystem im Stehen anders gefordert wird als im Liegen. Die durch das Stehen provozierten Reize, wie beispielsweise die Steuerung des Blutdrucks, sollen auch in der Bestimmung des aktuellen Belastungswertes berücksichtigt werden. Ich habe über mehrere Wochen jeden Morgen meinen Belastungswert gemessen und notiert. Interessant sind die Werte, wenn man sie mit seinen sportlichen Aktivitäten, den Wochentagen, dem Stressempfinden und der Schlafqualität in Verbindung setzt. Im Laufe der Zeit konnte ich auch beobachten, wie sich die Werte langsam eingependelten. Aus der Betriebsanleitung erfährt man leider nichts darüber, welche Parameter in die Berechnung des Belastungswertes einfließen. Für die Berechnung wird, wie schon erwähnt, Firstbeat-Technologie genutzt. Aus den White Papers and Publications der finnischen Firma erhält man zwar viele Informationen, aber nicht im Detail, was davon in der Garmin-Uhr steckt. Vielleicht ist es der RMSSD-Wert, der hier genutzt wird. Sicher spielt die VO2max eine Rolle bei der Erfassung. Der Zusammenhang zwischen VO2max und der HRV ist mittlerweile erforscht. Der Gradmesser für Leistungsfähigkeit hat längerfristig auch einen Einfluss auf den Belastungswert. Leistungszustand zeigt in Echtzeit die Fitness an Das halte ich echt für praktisch: Die Anzeige des Leistungszustandes erhält man während des Trainings. Nach sechs bis 20 Minuten zeigt die Forerunner 630 eine Echtzeitbewertung der Leistungsfähigkeit an. Sie reicht von plus zehn für sehr stark bis minus zehn sehr schwach. Der Bereich zwischen +2 und -2 bedeutet in etwa, dass alles normal funktioniert. Interessant zu beobachten ist, wie sich im weiteren Verlauf des Trainings die Werte des Leistungszustandes verändern. Sie sind ein guter Gradmesser, ob Belastung und Dauer in einem guten Verhältnis zu stehen. Eine intensive Einheit fordert den Körper mehr als eine moderate und sollte deshalb viel kürzer ausfallen. Viel hilft bekanntlich nicht immer viel und manchmal bringt weniger mehr. Die Anzeige des Leistungszustandes ist eine gute Unterstützung für die Einschätzung der Kraftreserven. Sie hilft, eine Unter- oder Überforderung zu vermeiden. Damit hat man automatisch eine zweite Meinung - vor allem wichtig, wenn man dazu neigt, die eigene Leistungsfähigkeit zu überschätzen. Die letzten Wochen habe ich mein Training immer nach den Angaben des Leistungswertes ausgerichtet. Ich bin mal schneller und mal langsamer gelaufen, aber immer beim gleichen Minus-Wert umgekehrt. Je nachdem war ich mal kürzer und mal länger unterwegs. Ich hatte dabei immer ein gutes Gefühl und kein schlechtes Gewissen, wenn mich die Uhr mal früher nach Hause schickte. In den acht Wochen mit der Uhr hat sich meine VO2max leicht verbessert. In die Berechnungen des Leistungszustandes fließen neben der Herzratenvariabilität noch die individuelle Pace (Zeit pro gelaufenen Kilometer) und Herzfrequenz ein. Sie werden ins Verhältnis zum persönlichen Fitness-Level gesetzt. Was bedeutet, dass es für die Messung erst einige Trainingseinheiten braucht, um genaue VO2max-Werte als Grundlage zu haben. Leider kann ich auch beim Leistungszustand keine Angaben zu den berücksichtigten HRV-Werten machen. Vom "Garmin Joe" gibt es übrigens auch ein YouTube-Video zum Leistungszustand: Forerunner 630: Analyzing your Performance Condition. Die Bedienung der Forerunner 360 ist einfach. Die meisten Werte lassen sich direkt über die Uhr abfragen. Letztendlich kann die Uhr auch als Activity-Tracker verwendet werden. Was ich sehr schade finde, ist, dass der Belastungswert und der Leistungszustand nicht abgespeichert werden. Weder in der Uhr noch in Garmin-Connect. Die Aufzeichnung und Darstellung der Entwicklung dieser beiden Werte wäre sehr aufschlussreich, um den eignen Körper besser kennenzulernen. P.S.: Die Forerunner 360 wurde mir dankenswerterweise von Garmin für meine Recherche zur Verfügung gestellt. #### Gute Selbstkontrolle = Gute HRV ? Wer die eigenen Gefühle im Griff hat, konzentriert bei einer Sache ist und schnell auf wechselnde Anforderungen reagieren kann, besitzt eine gute Selbstkontrolle. Könnte es sein, dass gleichzeitig auch eine gute Herzratenvariabilität vorliegt? Eine Antwort auf die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Herzratenvariabilität und Selbstkontrolle gibt, findet sich in einer Metaanalyse, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Dr. phil. Daniela Zahn, vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg Universität Mainz, hat die Metaanalyse zusammen mit ihren Mainzer Kollegen veröffentlicht. Ich war mit der Psychologin verabredet. Gleich zu Beginn unseres Gesprächs nahm sie mir meine Hoffnung auf bahnbrechende Ergebnisse. Ich ließ mich von ihr nicht abschrecken und bat sie trotzdem um eine Einschätzung und Interpretation der Ergebnisse. Nichts ist vergebens, irgendeine Erkenntnis gibt es immer. Für die Metaanalyse wurden 26 Studien aus dem In- und Ausland ausgewertet. Sie kamen aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen. Es gab Arbeiten aus dem Sport, der allgemeinen Psychologie oder über das Essverhalten. Bei allen Untersuchungen mussten die Teilnehmer im Labor verschiedene Aufgaben meistern. Sie sollten zeigen, wie gut sie ihre Aufmerksamkeit, aber auch ihre Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen bewusst steuern können. Für die Wissenschaftlerin waren die verschiedenen Aufgabenstellungen eine Herausforderung. Um die Studien miteinander vergleichen zu können, musste sie erst eine geeignete Einteilung finden. Ein Ansatz bei der Auswertung war, die Studien rein nach den Inhalten einzuteilen. "Mit den drei Kategorien Gefühls-, Aufmerksamkeits- und Kognitive-Kontrolle haben wir versucht, die verschiedenen Aufgaben nach der inhaltlichen Ausrichtung zu klassifizieren." Wie lässt sich Selbstkontrolle messen? Interessant ist natürlich, was für Aufgaben die Studienteilnehmer machen mussten. Frau Dr. Zahn hat ein paar Beispiele parat: "Bei der Gefühlskontrolle bekamen die Probanden beispielsweise verschiedene Gesichter gezeigt. Neben unterschiedlichen Gefühlszuständen standen auf den Gesichtern auch immer vier Buchstaben. Die Aufgabe bestand nun darin, zu erkennen, ob es immer die gleichen Buchstaben sind. In diesem Fall mussten also die eigenen Gefühle für eine Lösung unterdrückt werden. Bei anderen Tests stand mehr die Aufmerksamkeit im Vordergrund. Hier wurden den Probanden verschiedene Reize am Computer präsentiert, sie sollten sich aber nur auf einen konzentrieren und die anderen ausblenden. Komplexere Anforderungen der Wahrnehmung waren in der dritten Kategorie, der kognitiven Fähigkeiten gefragt. Die Teilnehmer sollten beispielsweise auf ein bestimmtes Signal hin eine Taste drücken. Während der Ausführung wurden die Instruktionen geändert und es galt dann, auf ein anderes Signal zu reagieren." Die gemessenen HRV-Werte in den Studien Die Herzratenvariabilität (HRV) wurde mit verschiedenen Messgeräten in den Studien erhoben. Zum Einsatz kamen stationäre und ambulante EKG-Geräte, aber auch Pulsuhren. Den Hauptanteil machten jedoch die medizinischen Messgeräte aus. Die Auswertungsmethoden unterlagen den Richtlinien der Task Force European Society of Cardiology und der North American Society of Pacing Electrophysiology. Alle Messungen zeichneten den Ruhepuls auf und dauerten mindestens zwei Minuten an. Betrachtet wurden die Werte der High Frequency (HF), der Root-Mean-Square-of-Successive-Differences (RMSSD) und der Standard-Deviation-of-the-NN-Intervall (SDNN). Die Ergebnisse sind, wie schon angekündigt, eher bescheiden. Frau Dr. Zahn fasst sie zusammen: "Bei der Betrachtung des Gesamt-Mittelwerts lässt sich nur ein kleiner positiver Zusammenhang zwischen HRV und Selbstkontrolle feststellen. Egal ob bei der inhaltlichen Klassifizierung oder bei den exekutiven Funktionen, wenn man die jeweils drei Kategorien untereinander vergleicht, gibt es keine signifikanten Unterschiede. Mittelt man hingegen die Kategorien noch einmal einzeln, so gibt es bei der Gefühlsregulation und der Aufmerksamkeitskontrolle einen Zusammenhang zur HRV. Bei der kognitiven Kontrolle findet sich dieser nicht, aber in diesem Bereich waren die Berechnungen schwieriger, weil nur sehr wenige Studien vorlagen." Bei der Auswertung der Studien wurden mögliche Einflussgrößen, sogenannte Moderatoren, einbezogen. Diese umfassten z. B. die unterschiedlichen Geräte und Auswertungsmethoden, die verschiedenen Handhabungen bei der Atmung oder ganz allgemein die Qualität der Studien. "Wir haben natürlich auch geschaut, ob es einen Unterschied gibt, welcher HRV-Wert verwendet wurde. Es war nicht relevant, ob HF, RMSSD oder SDNN in die Auswertung einbezogen wurden." Erkenntnisse zur Alltagstauglichkeit Frau Dr. Zahn sieht das Ergebnis nicht ganz so negativ, wie es im ersten Augenblick vielleicht erscheinen mag. "Wenn man mal ganz genau hinschaut, dann waren es hauptsächlich Studenten, die an den Studien teilgenommen haben. Sie führten unter Laborbedingungen und für eine Aufwandsentschädigung verschiedene Aufgaben aus. An dieser Stelle sollte man sich die Frage stellen, wie vergleichbar sind die Umstände und Situationen mit dem Alltag. Dieser kleine positive Zusammenhang zwischen HRV und Selbstkontrolle bezieht sich auf künstliche Tests, also Aufgaben, die mit dem normalen Alltag recht wenig zu tun haben. Es ist durchaus vorstellbar, dass der Zusammenhang höher ausfallen würde, wenn eine andere Motivation vorläge als bei bezahlten Studenten." Der hohe Anteil der Studenten in der Metaanalyse zeigt sich im Durchschnittsalter von 22,4 Jahren. Sie spiegeln eine überwiegend gesunde und junge Stichprobe wider. Studien mit älteren Teilnehmern über 65 Jahren sowie mit ganz jungen Menschen (unter 18 Jahren) wurden ausgeschlossen. Das Ergebnis sollte unabhängig von Entwicklung, Wachstum, aber auch Krankheiten sein. Einschätzung der Studienlage Wenn man sich die letztendlich berücksichtigten Studien anschaut, dann variieren sie in ihren Aussagen stark. Es finden sich extrem positive und extrem negative Aussagen, aber auch welche, die gar keine Zusammenhänge zwischen der HRV und Selbstkontrolle feststellen konnten. Für Frau Dr. Zahn besteht Klärungsbedarf: "Auch wenn wir keinen Einfluss von der Art der Aufgabe oder der Messgeräte finden konnten, ist davon auszugehen, dass es andere Einflussgrößen gibt, die die Ursache für die großen Unterschiede in den Studien sind. Welche das sind, müssen wir allerdings erst noch herausfinden." Mit der Berücksichtigung des Publication-Bias wurde noch auf eine weitere Problematik hingewiesen. Frau Dr. Zahn kommentiert sie: "Der Umgang mit Studien, die einen Nullbefund oder Ergebnisse entgegen den Erwartungen aufweisen, ist für alle Wissenschaftler schwierig. Ich gehe davon aus, dass für unser Thema auch einige Studien fehlen. Der Grund, warum sie nicht für eine Veröffentlichung genommen wurden, könnte sein, dass sie vielleicht nur ganz kleine oder negative Zusammenhänge aufwiesen. Auch aufgrund dieser Tatsache enttäuscht mich das Ergebnis nicht, auch wenn ich die Hoffnung hatte, stärkere Effekte zwischen HRV und Selbstkontrolle zu finden." #### HRV und Herzrhythmusstörungen Noch immer glauben viele Menschen, ein gesundes Herz schlägt gleichmäßig. Mal schneller, mal langsamer, aber immer im gleichen Rhythmus und nur abhängig von körperlicher Anstrengung. Stellt man fest, dass es die Zeitabstände zwischen den einzelnen Schlägen verändert, kann das beunruhigen. Meine kurze Erklärung der Zusammenhänge soll für Entwarnung sorgen. Ich erinnere mich noch genau an die Reaktion meiner Mutter, als ich ihr das erste Mal über mein Lieblingsthema Herzratenvariabilität (HRV) erzählte. Ich war mitten drin, ihr zu klären, wie die Intervalle zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen mal kürzer und länger sein können, als sie mich unterbrach: "Leide ich dann unter Herzrhythmusstörungen?". In dem Moment wusste ich zwar, dass sie es nicht tat, aber ich gebe zu, ich konnte es nicht erklären, warum Variabilität eine gesunde Reaktion ist. Dummerweise benutzte ich damals noch gerne den Begriff unregelmäßig. Vermutlich habe ich einige Menschen damit verschreckt, bis mich in einem Interview ein Kardiologe darauf hinwies, doch lieber von einem variablen Herzschlag zu sprechen und in meinem Fall natürlich auch zu schreiben. Also weg von der Unregelmäßigkeit hin zu Veränderlichkeit und Variabilität. Einige Experten sprechen deswegen vielleicht lieber von Herzfrequenzschwankungen. Ein variabler Herzschlag hat überhaupt nichts mit einer krankhaften Störung zu tun. Es ist vielmehr eine ganz natürliche Reaktion und ein Zeichen für ein gut funktionierendes vegetatives Nervensystem. Der Unterschied zwischen normalen Schwankungen und einer Erkrankung zeigt sich dadurch, dass Herzrhythmusstörungen, wie beispielsweise Vorhofflimmern oder Extraschläge (Extrasystolen), durch langsames Ein- und Ausatmen nicht beeinflusst werden können. Je tiefer und bewusster ein- und ausgeatmet wird, umso mehr wird das Herz aus seinem gewöhnlichen Takt gebracht. Bei sechs Atemzügen pro Minute zeigt sich am deutlichsten die Einflussnahme der Atmung auf dem Herzschlag. Übrigens: Das ist eine der wenigen Möglichkeiten, willentlich das vegetative Nervensystem zu beeinflussen. In der Medizin werden die atemabhängigen Schwankungen der Herzfrequenz als respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) bezeichnet. "Respiratio" steht für die Atmung, "Sinus" für den Sinuskonten und "Arrhythmie" für die Ungleichmäßigkeit. Als Einstieg in das Erkennen von krankhaften Herzschlagveränderungen empfehle ich das Buch Der EKG-Knacker (Das Notfall-EKG-Buch) zum Weiterlesen. Es bietet einen guten Überblick und bietet prägnante Darstellungen. HRV-Therapeuten können mit einem Blick auf das EKG-Signal nicht nur die messtechnische Qualität (z. B. hinsichtlich Artefakten) beurteilen. Möglicherweise gibt es auch Hinweise, dass ein Kardiologe aufgesucht werden sollte. #### HRV und Hypoxie-Training Herzratenvariabilität (HRV) und Hypoxie ergänzen sich vielfältig - auch wenn man das erstmal nicht vermuten würde - denn die HRV reagiert auf Sauerstoffmangel. Vor und während des Hypoxie-Trainings hilft sie, die richtige "Dosis" zu finden. Langfristig verbessert sie sich sogar durch den Einfluss der Hypoxie. Dünne Luft kannte ich nur aus den Bergen. Ich selbst wandere gerne in den Bergen, weil ich dort schnell und gut entspannen kann. Dass diese Wirkung auch mit einer Maschine erreicht werden können, wusste ich nicht und war deshalb erstmal skeptisch. Neugierig machte mich, dass der Entspannungseffekt des Trainings nur einer von mehreren ist. Schon nach den ersten Hypoxie-Anwendungen konnte ich bei mir eine Wirkung feststellen. Ein guter Grund, Ihnen diese Therapieform vorzustellen. Mein Beitrag wird sich hauptsächlich mit einem Hypoxie-Training mit Hilfe einer Atemmaske beschäftigen. Ich habe mir verschiedene Geräte angeschaut und teilweise auch ausprobiert. Die Angebote für Hypoxie-Trainingsgeräte unterscheiden sich. Folgende Anbieter standen mir freundlicherweise für schriftliche Interviews zur Verfügung, um einen groben Überblick zu geben: cardioscan GmbH CellAir Construction GmbH Commit GmbH Höhenbalance Marketing und Vertriebs GmbH Luftunterschiede Normalerweise atmen wir ein Gasgemisch ein, dass aus 78,08 Prozent Stickstoff und 20,95 Prozent Sauerstoff sowie 0,93 Prozent Argon und 0,04 Prozent Kohlendioxid besteht. In den Bergen fühlt sich die Luft zwar dünner an, aber der Sauerstoffanteil ist der gleiche. Die Ursache für den Mangel lässt sich mit dem in der Höhe abnehmenden Luftdruck erklären: Mit einem Atemzug können  weniger Sauerstoffmoleküle aufgenommen werden. Die Wirkung von dünnerer Luft kann auch auf normaler Höhe in Unterdruckkammern, hypoxischen Räumen oder an Geräten mit Atemmaske anwendet werden. Der Sauerstoffanteil im Gasgemisch wird je nach Fitness- und Gesundheitszustand reduziert, aber die individuelle Empfindlichkeit sollte auch beachtet werden. "Ist das nicht gefährlich?" Das ist oft die erste Frage, wenn ich von dem Thema erzähle. Bei der Hypoxie ist es ein bisschen wie beim Fasten. Wir brauchen den Sauerstoff so wie die Nahrung zum Leben. Aber hin und wieder ein bisschen weniger ist nicht schlimm, sondern gut für uns. Ein kontrolliertes Absenken des Sauerstoffanteils löst einen ähnlichen Reiz im Körper aus wie das Fasten. Die Mangelsituation veranlasst ihn, seine Energiegewinnung zu verbessern. Angst, dass bei einem Hypoxie-Training etwas kaputt gehen könnte, muss man nicht haben. Während der Anwendung wird die Sauerstoffsättigung im Blut über einen Finger-Clip gemessen. Fällt sie unter einen bestimmten Wert, wird der Sauerstoffanteil automatisch von dem Hypoxie-System erhöht. Zusätzlich wird der Puls aufgezeichnet und bei den meisten Geräten auch gleichzeitig die Herzratenvariabilität (HRV) widergegeben. Die Wirkung der Hypoxie Die erste körperliche Reaktion auf die sauerstoffarme Luft ist wie bei einem Ausflug in die Berge oder einem körperlichen Training. Das Herz schlägt schneller und es wird häufiger und tiefer geatmet. Aus dem Knochenmark und der Milz werden rote Blutkörperchen ausgeschüttet, um mehr Sauerstoffmoleküle aufnehmen und transportieren zu können. Die Gefäße weiten sich und die Durchblutung wird erhöht. Parallel wird ein sogenannter Hypoxie-induzierter Faktor aktiviert, der die Aufgabe hat, den Körper auf einen länger anhaltenden Umgang mit sauerstoffarmer Luft vorzubereiten. Der Hypoxie-induzierte Faktor HIF-1-alpha  liefert die Erklärung für die ganzheitliche Wirkung. Er ist ein Regulationsmolekül, das im Zellkern über 100 Gene aktivieren kann. Am bekanntesten ist die Bildung des Erythropoetins in der Niere und der Leber. Erythropoetin ist ein Wachstumsfaktor, der im Knochenmark aus Stammzellen rote Blutkörperchen bildet. Die Innenwände der Gefäße bilden unter einer Hypoxie nicht nur mehr Stickstoffmonoxid, was unter anderem Anhaftungen von Blutbestandteilen verhindert, sondern auch einen weiteren Wachstumsfaktor, den VEGF-Faktor. Er sorgt für eine Kapillarisierung, also einer Bildung neuer, kleiner Blutgefäße. Dadurch verbessert sich die Mikrozirkulation, die etwa 74 Prozent des Blutkreislaufs ausmacht. Auch die Mitochondrien, die in den Zellen für die Energiegewinnung zuständig sind, bleiben vom Einfluss der Hypoxie nicht verschont. Für die Verbrennung der anlieferten Nahrungsbestandteile benötigen sie Sauerstoff. Erhalten sie zu wenig, schwellen sie an und teilen sich. Alte und geschwächte Mitochondrien werden durch die gleichzeitig einsetzende Mitoptose (eine Form des programmierten Zelltods) eliminiert. Anhand der vielschichtigen Wirkung der Hypoxie wird klar, dass sie nicht zur Leistungssteigerung von Sportlern taugt, sondern auch zur Prävention und Behandlung von z. B. koronaren Herzkrankheiten, Bluthochdruck oder Stoffwechselstörungen (Diabetes Typ 2). Einen Überblick über die Chancen der intermittierenden Hypoxie-Anwendung gibt z. B. eine wissenschaftliche Veröffentlichung mit einer praktischen Analyse von Methoden und Geräten. Wenn Sie bei Wikipedia schauen, wie viele Krankheiten in Verbindung mit geschädigten und geschwächten Mitochondrien gebracht werden, dann können Sie das Potenzial der Hypoxie in etwa abschätzen. Es sind über 50 Krankheiten (Mitochondriopathien). Tests vor dem Hypoxie-Training Wie sensibel Menschen auf die sauerstoffreduzierte Luft reagieren, kann sehr unterschiedlich sein. Der allgemeine Fitness-Zustand ist nicht immer ausschlaggebend für eine Einschätzung. Vor einer Anwendung ist es deshalb sinnvoll, Tests durchzuführen. Alle von mir betrachteten Geräte bieten eine Art Belastungs-Test an. Sie variieren in der Herangehensweise und Dauer, verfolgen aber alle ein ähnliches Ziel. Für eine Einschätzung wird der Sauerstoffanteil der Atemluft schrittweise gesenkt und ins Verhältnis zur Sauerstoffsättigung im Blut gesetzt. Die HRV wird auch für eine Einschätzung der Empfindlichkeit von Hypoxie-Anwendern genutzt. Bei einigen Hypoxie-Geräten wird die HRV direkt mitgemessen, andere verwenden externe HRV-Messgeräte. Für die Einschätzung sind die HRV-Parameter RMSSD oder Stressindex besonders interessant. Hinweise auf die Hypoxie-Empfindlichkeit gibt auch der Body-Oxygen-Level-Test (BOLT) oder der Control-Pause-Test: Es wird zwei bis drei Mal normal ein- und wieder ausgeatmet und dann nicht mehr einatmet. Die Zeit, bis sich die ersten Anzeichen eines Lufthungers einstellen, wird gemessen. Ideal wären 40 Sekunden. Die meisten Erwachsenen schnappen allerdings schon nach 20 Sekunden wieder nach Luft. Bei Ergebnissen unter 20 Sekunden sollten die Einstellungen für ein Hypoxie-Training mit Bedacht gewählt werden. Ablauf eines Trainings Ein Hypoxie-Training dauert zwischen 30 und 45 Minuten. Am Anfang ist es sinnvoll, das Training in Ruhe durchzuführen. Empfohlen wird es im Sitzen oder in einer halb-liegenden Position. Die sauerstoffreduzierte Luft wird über eine Atemmaske eingeatmet. Ein Finger-Clip misst über die gesamte Dauer den Puls und die Sauerstoffsättigung im Blut. Bei Geräten, die während der Anwendung die HRV auswerten, wird zusätzlich noch ein Brustgurt getragen. Es wird in Intervallen trainiert. Die Geräte wechseln zwischen sauerstoffarmer und sauerstoffreicher oder normaler Luft hin und her. Die Dauer und die Sauerstoffabsenkung der einzelnen Intervalle richten nach dem Fitness- und Gesundheitszustand. Die Einstiegs-Tests und die eigene Einschätzung helfen bei der Festlegung der Intervalllängen. Leichter zu bewältigen ist das Training, wenn die sauerstoffarme Luft kürzer oder gleichlang wie sauerstoffreiche Luft eingeatmet wird. Anstrengender wird es, wenn sauerstoffarme Luft länger als sauerstoffreiche Luft eingeatmet wird. Die Reduzierung des Sauerstoffanteils der Atemluft richtet sich auch danach, wie schnell sich die Sauerstoffsättigung im Blut verändert. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Manche reagieren schneller auf die sauerstoffarme Luft, andere langsamer. Am besten beginnen und aufmerksam beobachten. Die normale Sauerstoffsättigung im Blut liegt bei 97 bis 99 Prozent. In einem Seminar von Cellgym lernte ich, dass ein guter Einstieg ungefähr 85 Prozent Sauerstoffsättigung im Blut ist. In der Hypoxie-Phase wird der Sauerstoffanteil der Atemluft reduziert. Die meisten Menschen trainieren mit einem Anteil von 10 bis 12 Prozent. Um danach die Wiederherstellung der normalen Sauerstoffsättigung im Blut schneller zu erreichen, wird bei manchen Geräten statt in einer Normoxie-Phase (mit unveränderter Atemluft) in eine Hyperoxie-Phase mit auf bis 36 Prozent angereicherten Sauerstoffanteil gewechselt. Die beiden Verfahren werden mit den Bezeichnungen IHT (Intervall-Hypoxie-Training) und IHHT (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training) unterschieden. Die Rolle der HRV Die HRV gibt Auskunft, wie entspannungsfähig jemand ist. Für ein Hypoxie-Training ist diese Einschätzung wichtig. Ähnlich wie im Sport kann auch hier die passende Intensität dementsprechend ausgewählt werden. In diesem Fall wird das Training über die Sauerstoffreduzierung der Atemluft gesteuert bzw. von der Wirkung auf die Sauerstoffsättigung im Blut. Ein anstrengendes Training dominiert der Sympathikus. Am Ende ist die HRV eher schlechter als besser. Für eine Leistungssteigerung kann es durchaus sinnvoll sein, diese Belastung zu nutzen. Kranke und gestresste Menschen würden allerdings weniger davon profitieren. Bei chronisch-kranken Menschen sollte der Entspannungseffekt von einer sanften Hypoxie-Anwendung nicht unterschätzt werden. Bei ihnen sind die Messungen vor einem Training besonders wichtig, um die richtige Dosierung zu ermitteln. An den HRV-Parametern lässt im Laufe des Behandlungszyklus auch erkennen, ob die parasympathische Aktivität zunimmt. Das Training kann dann langsam gesteigert werden. Dass sich die HRV langfristig mit einem Hypoxie-Training verbessern lässt, zeigt eine Studie aus Neuseeland (PDF) . Untersucht wurde genau die Zielgruppe, die den meisten Nutzen von der Hypoxie haben kann: Eher inaktive Menschen zwischen 45 und 60 Jahren. Die Ergebnisse machen ebenfalls deutlich, wie von der Hypoxie auch ohne körperliches Training profitiert werden kann. Meine Erfahrungen Für diesen Beitrag hat mir die Firma Cellgym dankenswerterweise kostenlos einen Cellair Gecko ausgeliehen. Ich habe es am Anfang noch sehr vorsichtig bei meiner Familie und bei mir selbst ausprobiert. Nachdem die Rückmeldungen immer sehr positiv ausfielen, bin ich mutiger geworden und habe meine Testkandidaten und mich "auf die höchsten Gipfel geschickt". Auch als die Hypoxie-Sitzungen anstrengender wurden, waren alle Beteiligten bereit, weiterzumachen. Sie berichteten mir, dass sie besser schlafen würden und entspannter wären. Körperlich und im Kopf fitter, waren ebenfalls Feststellungen. Auch auf der Waage gab es Erfolge zu verzeichnen. Beobachten konnte ich, wie die Pulsrate und der Stress-Index sanken. Da wir alle gesund sind, gibt es nichts in punkto Krankheiten zu berichten. Ein Cellair Gecko sieht wie ein schickes Möbelstück aus. Er hat die Größe eines Beistelltisches und man vermutet nicht gleich, dass sich darin eine "Beatmungsmaschine" versteckt. Es ist relativ einfach über einen Tablet-PC zu bedienen. Für mich war es kein Problem, schnell und sicher damit umzugehen. Die grafische Darstellung wirkt modern, vielleicht etwas zu dunkel. An der einen oder anderen Stelle würde ich mir eine etwas klarere Aufbereitung der Messparameter wünschen. Gefallen hat mir, dass man mit dem Cellair Gecko HRV-Kurzzeitmessungen durchführen kann und am Ende eines Hypoxie-Trainings auch HRV-Parameter in der Auswertung dargestellt werden. Live erlebt habe ich das Gerät Mitovit der Firma Commit. Im Rahmen eines Vortrags bestand die Möglichkeit, es kennenzulernen und auszuprobieren. Mitovit ist wie ein Stehpult groß und wirkt sehr "medizinisch". Ich habe es nicht selbst bedient, es erschien mir aber sehr einfach in der Handhabung. Etwas übersichtlicher fand ich die grafische Darstellung der verschiedenen Ansichten bei Mitovit. Leider wird der RMSSD nur während der Hypoxie-Anwendung gemessen. Eine einzelne Messung und Bewertung gibt es nicht, dafür ist vom Hersteller das HRV-Messsystem VNS Analyse vorgesehen. Interviews mit Anbietern von Hypoxie-Trainingssystemen Für diesen Beitrag habe ich verschiedene Anbieter angeschrieben und sie gebeten, mir ein paar Fragen zu beantworten. Erst wollte ich aus den Antworten eine vergleichende Tabelle machen. Da teilweise sehr ausführlich geantwortet wurde, habe mich entschlossen, die vier Interviews ungekürzt wiederzugeben. cardioscan GmbH Cardioscan hat sich auf Test- und Trainingssysteme für Fitness-Studios spezialisiert. Die Airzone ist Teil eines Konzeptes, zu dem auch das Testcenter cardioscan gehört. Zum Interview mit cardioscan CellAir Construction GmbH Cellgym-Geräte werden in Deutschland entwickelt und produziert. Der wissenschaftliche Leiter Dr. med. Egor Egorov wird von renommierten Hypoxie-Wissenschaftlern unterstützt. Zum Interview mit CellAir Commit GmbH Die Firma Commit wurde mit ihrem HRV-Messsystem bekannt. Sie kombiniert die VNS Analyse mit ihrem neuen Hypoxie-Produkt. Mitovit ist relativ neues Gerät auf dem Markt, das in Deutschland hergestellt wird. Zum Interview mit Commit Höhenbalance Marketing und Vertriebs GmbH Höhenbalance bietet Trainings- und Therapiekonzepte. Als einer der ersten hat Geschäftsführer Harry Mutschler Geräte aus den USA nach Deutschland importiert. Zum Interview mit Höhenbalance Interview mit cardioscan GmbH Für welche Anwender ist die airzone vorgesehen? cardioscan: Die airzone ist für jedermann geeignet: für Sportler, die ihre Regeneration beschleunigen möchten, für Personen, die unter Übergewicht, Stress, Konzentrationsschwäche oder Gefäßerkrankungen (geht oft einher mit falscher Ernährung, Bewegungsmangel) leiden, aber auch besonders für Personen, die mit Burn-out oder chronischer Erschöpfung zu kämpfen haben. Die airzone findet Anwendung in den Bereichen: Spa / Wellness, BGM, Gesundheitsstudios, oder bei Privatpersonen (Sportler) Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beruht die Ausrichtung von der airzone? cardioscan: Die Ausgangsstruktur und Basis aller Entwicklungen bilden die wissenschaftlichen Publikationen von der Forschungsgruppe rund um Tatiana V. Serebrovskaya aus der Ukraine sowie Studien, die die positiven Effekte von Hypoxie-Exposition auf unterschiedlichste Parameter untersucht haben, wie z. B. CA Lizamore, J. Geiser oder Montero und Lundby. Welche Sauerstoffeinstellungen (welche Bereiche) sind möglich? cardioscan: Es kann eine Höhe von 800 m bis 6500 m simuliert werden. Unter Verwendung von Umgebungsluft werden 21 % Sauerstoff zugegeben, die minimale Sauerstoffzufuhr liegt auf 6500 m bei unter 10 %. Welche wissenschaftliche Grundlage diente zur Festlegung der einzelnen Bereiche? cardioscan: Ebenfalls die Publikationen und Richtwerte von Tatiana V. Serebrovskaya aus der Ukraine. Welche Trainingsarten sind möglich (Intervall-Hypoxie-Normoxie, Intervall-Hypoxie-Hyperoxie, Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Normoxie)? cardioscan: Hinter der Methode verbirgt sich ein Intervall-Höhenlufttraining in Normoxie – sprich: ein Intervall-Hypoxie-Normoxie-Training. Wie wird die Einstellung der Sauerstoffkonzentration vor dem ersten Training ermittelt? cardioscan: Mit Hilfe eines Höhenanpassungs-Test. Dieser dauert max. 7 Minuten und wird in Anwesenheit eines Trainers in einer spezifischen Höhe durchgeführt, um den jeweils individuell daraus resultierenden Höhentypen ermitteln zu können. Wie wird die HRV gemessen? cardioscan: Mit Hilfe des cardioscan CS3-effekts werden sämtliche HRV-Parameter vor und nach einer airzone-Anwendung gemessen. Es wird keine HRV während der Anwendungen gemessen. Über einen Pulsoximeter werden SpO2 und Puls getrackt. Mit welchen Studienergebnissen werden die HRV-Ergebnisse verglichen? cardioscan: Mit den Studien von Prof. Kuno Hottenrott. Basierend auf den ermittelten HRV-Daten wird ein Stress-Index ausgegeben, der die aktuelle Stressbelastung des Organismus (basierend auf den Anpassungen des vegetativen Nervensystems) bestimmt. Welche Personendaten werden in die HRV-Auswertung einbezogen? cardioscan: Größe, Gewicht, Alter, Geschlecht. Welche HRV-Werte werden vor und nach dem Training gemessen? cardioscan: Mit Hilfe des cardioscan CS3-effekts werden sämtliche HRV Parameter vor und nach einer airzone-Anwendung gemessen. Die Werte werden ebenfalls bildlich mit Hilfe eines Rhythmogramms, Histogramms, der Spektralanalyse, dem Streudiagramm und den Diagrammen für pNN100 und pNN50 ausgewertet. Welche HRV-Werte werden in Echtzeit während des Trainings dargestellt? cardioscan: Keine, die Analyse erfolgt im Nachgang über eine zweite Software. Wird die Atemluft angefeuchtet? cardioscan: Die Atemluft wird während der Sitzung nicht zusätzlich angefeuchtet. Wie wird die Sauerstoffsättigung (SpO2) überwacht? cardioscan: Mit Hilfe eines Pulsoximeters. Über welchen Sicherheitsmechanismus verfügt das Gerät bei unangemessener versehentlicher Absenkung der SpO2? cardioscan: Wird eine SpO2 von weniger als 80 % gemessen, reagiert der Generator automatisch mit der Zufuhr von Umgebungsluft, die über 21 % Sauerstoff verfügt, so lange, bis sich der Kunde von dem Reiz erholt hat und die Sättigung wieder angestiegen ist. Welche Speicherungsmöglichkeiten von Patientendaten und Trainingseinheiten bietet die airzone? cardioscan: Die Software verfügt über eine lokale Datenbank. Alle erhobenen Werte werden lediglich auf diesem PC gespeichert und verwaltet. Nach Wunsch kann die Zusammenfassung der Sitzung als PDF gedruckt oder exportiert werden. Wie hoch ist der Geräuschpegel während des Trainings? cardioscan: Der Geräuschpegel liegt bei einer Lautstärke von 48 dB. Während der Anwendung kann allerdings auch gerne nach Belieben des Kunden sanfte Musik gespielt werden, sodass die Geräusche des Generators kaum noch wahrnehmbar sind. Durch einen immer wiederkehrenden Rhythmus verleitet die Geräuschkulisse sogar eher in einen Dämmerzustand. Wie ist die airzone einsetzbar (in Ruhe und bei körperlicher Belastung)? cardioscan: Die airzone ist primär als passives IHT konzipiert. In der Software ist jedoch ebenfalls ein Protokoll hinterlegt, das eine aktive Sitzung erlaubt. Dies ist allerdings als sekundäre Anwendungsform zu betrachten. Welche räumliche Entfernung ist zwischen Therapeuten und Klient während des Trainings möglich? cardioscan: Der Therapeut muss während der Sitzung nicht im Raum anwesend sein. Es besteht die Möglichkeit, über einen zweiten Rechner per Remote-Zugriff den Bildschirm der airzone einzusehen und zu steuern. Als Anforderung hierfür müssen beide Rechner lediglich im selben Netzwerk sein, eine räumliche Distanz ist daher unbegrenzt. Ist mit der airzone ein Biofeedback-Training möglich? cardioscan: Über ein externes Programm ja, in der eigenen Software kann bisher kein Biofeedback durchgeführt werden. Ist ein Austausch der Sauerstoffflaschen nötig? cardioscan: Nein, da es keine Sauerstoffflaschen gibt. Die Sauerstoffreduktion wird mittels eines Granulats durchgeführt. Ist die airzone als Medizinprodukt zugelassen? cardioscan: Nein. Wie schwer ist die airzone, kann es leicht transportiert werden? cardioscan: Der Generator ist in einen Rollschrank eingelassen. Zum Anheben werden jedoch mindestens 2 Personen benötigt. Das Gesamtgewicht liegt bei ca. 55 kg. Wie wird die Wartung durchgeführt (vor Ort?) und welche Kosten fallen an? cardioscan: Eine regelmäßige Wartung ist nicht verpflichtend. Eine Serviceleistung wird erst dann fällig, wenn ein Defekt vorliegt. Die Reparatur findet je nach Aufwand vor Ort oder in der cardioscan-Zentrale statt. Wie standhaft und ausfallsicher ist die airzone? cardioscan: Software-Probleme können per Fernwartung angegangen werden, Hardwarefehler kommen selten vor und werden kundenspezifisch gelöst (z. B. Versand eines neuen Pulsoximeters oder Schlauchs). Wie schnell wird eine Reparatur oder Wartung durchgeführt? cardioscan: Je nach Problem ca. 1 Woche, da der Versand von Ersatzware ca. 3 bis 4 Werktage in Anspruch nimmt. Gibt es einen Online-Kundensupport? cardioscan: Selbstverständlich. Es gibt einen telefonischen Kundensupport, der von montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr zur Verfügung steht. Welche Schulungsangebote werden bei Erwerb der airzone angeboten? cardioscan: Je nach Vertragspartnerschaft findet entweder eine reine Ein-Tages-Produktschulung statt oder eine Produktschulung, ein Konzeptworkshop sowie eine Kick-off-Veranstaltung für Endkunden. Zusätzlich finden 2 bis 4 Coachingtage pro Jahr statt. Kann die airzone auch geleast werden? cardioscan: Ja – es gibt interessante Leasingangebote. Bei einer Laufzeit von 48 Monate, mit einem Restwert von 10 %, liegt die Rate z. B. bei 333 Euro monatlich. Durch den Verkauf von 10er-Karten à 249 € hat sich die monatliche Rate bereits nach 2 Verkäufen amortisiert. Wie werden Ärzte und Therapeuten bei Fragen zu aktuellen Fällen betreut? cardioscan: Durch das cardioscan Schulungsteam bestehend aus wissenschaftlichen Mitarbeitern und einem Sportmediziner Gibt es eine Therapeuten-/Studio-Suche für interessierte Patienten und Kunden? cardioscan: Auf der cardioscan Homepage kann der Checkfinder zur Suche genutzt werden: https://www.cardioscan.de/check-finder/ Bietet die Firma cardioscan neben der airzone noch weitere Systeme für ein Hypoxie-Training an? cardioscan: Die airzone ist momentan (Juni 2019) das einzige cardioscan-Produkt im Bereich des Hypoxie-Trainings. Welche Besonderheit hat die airzone? cardioscan: Individualisierte Hypoxie-Anwendung durch Höhenanpassungs-Test. In verschiedenen Ausführungsvarianten (mobiles Terminal oder Festinstallation) erhältlich. Wie sehen Sie die Zukunft der Hypoxie-Therapie, werden sich die Systeme in Zukunft noch weiterentwickeln? cardioscan: Definitiv besonders in Bezug auf das HRV-Monitoring, aber auch bei den Erweiterungen der Anwendungsfelder. Interview mit CellAir Construction GmbH Für welche Anwender ist der CellAir Gecko vorgesehen? CellAir: Für den professionellen Einsatz haben wir 5 verschiedene CellAir Systeme, die wir je nachdem was benötigt wird, unseren Kunden/Anwendern anbieten: Der CellAir Gecko med wird bei Ärzten, Heilpraktikern und Therapeuten empfohlen und eingesetzt. Der CellAir Gecko med befindet sich aktuell in der Zulassung zum Medizinprodukt in der Klasse IIa. Der CellAir Gecko Plus ist unser Trainingssystem, das für den professionellen Einsatz als 2. System bei Ärzten und in Praxen dient, sowie für gewerbetreibende Einrichtungen, die Trainings anbieten. Der CellAir Gecko Plus ist als Trainingsgerät klassifiziert und verfügt daher über eine CE-Kennzeichnung. Der CellAir Gecko Home ist unser Heimsystem, das von unseren Professoren mit einem speziellen Arbeitsbereich so ausgestattet wurde, dass der Privatanwender das optimalste Training für sich erzielen kann. Der CellAir Gecko Home ist als Trainingsgerät klassifiziert und verfügt daher über eine CE-Kennzeichnung Unsere CellAir LS Anlagen sind professionelle Mehrplatzlösungen, die in Hotelbetrieben und größeren Praxislösungen eingesetzt werden. Die CellAir LS Anlagen arbeiten nahezu geräuschlos, da der oder die Kompressoren dezentral in einem anderen Raum im Gebäude untergebracht werden. Die CellAir LS Anlagen werden nach Wunsch auch mittels einer zentralen Software ausgestattet, die es erlaubt, alle Stationen über ein PC-Terminal zu steuern und zu monitoren. Der CellAir One war unser erstes Medizinprodukt, das wir in Deutschland in 2014 auf dem Markt etabliert haben. Der CellAir One wird von uns gerade überarbeitet und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Wir werden es im Laufe von 2020 wieder als Medizinprodukt an den Markt bringen. Er hat eine integrierte Bildschirmeinheit und ist ansonsten der Technik des CellAir Gecko ähnlich. Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beruht die Ausrichtung des CellAir Geckos? Die CellAir-Gerätereihe ist konzipiert, um ein individuell angepasstes Intervall-Hypoxie-Training zu ermöglichen. Der Grund dafür ist eine physikalische Wirkung der Atemluft mit einer herabgesetzter Sauerstoffkonzentration, also ein gezielt zugeführter kurzzeitiger Sauerstoffmangel. Wissenschaftlich erforscht wird dieses Phänomen seit der Mitte der 1930-er Jahre, zuerst in der ehemaligen Sowjetunion und jetzt in der ganzen Welt. Während dieser Jahrzehnte wurden unzählige wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt und diese Ergebnisse weltweit publiziert. Durch unseren 7-köpfigen wissenschaftlichen Beirat haben wir den direkten Kontakt zu diesen Forschungsergebnissen. Dr. med Egorov leitet unser wissenschaftliches Forschungsteam. Er spricht 3 Sprachen; das macht es einfach die internationalen Fachkapazitäten zu vereinen. Welche Sauerstoffeinstellungen (welche Bereiche) sind möglich? CellAir: Unsere Systeme ermöglichen je nach Typ eine einstellbare Hypoxie von 7,5 % bis 16 % und einen Hyperoxie Bereich von 28 % bis 36 %. Welche wissenschaftliche Grundlage diente zur Festlegung der einzelnen Bereiche? CellAir: Im Laufe der Zeit wurden unterschiedliche Einstellungsmodi – Protokolle – getestet, was zur Festlegung einzelner Bereiche geführt hat. Frau Prof. Serebrovska aus dem Bogomolez-Institut für Physiologie in Kiev, Ukraine, und Prof. Lei Xi von der Virginia Commonwealth University, USA, haben darüber zusammen ein Review verfasst. Unsere Professoren bestimmen genau, welches CellAir System welchen Bereich abdecken darf, um für den bestimmten Einsatzbereich die besten Erfolge zu erzeugen und dabei für die Sicherheit des Anwenders zu sorgen. Welche Trainingsarten sind möglich (z. B. Intervall-Hypoxie-Normoxie, Intervall-Hypoxie-Hyperoxie, Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Normoxie)? CellAir: Alle genannten, zusätzlich ist es möglich unsere Systeme im Invers-Modus zu betreiben. Das bedeutet, dass das Training oder die Therapie mit der hyperoxischen Phase begonnen wird. Wie wird die Einstellung der Sauerstoffkonzentration vor dem ersten Training ermittelt? CellAir: Um die individuell benötigte Sauerstoffkonzentration für das Training zu ermitteln, wird ein Hypoxischer-Test angewendet. Er ist in allen CellAir Geräten einprogrammiert. Wie wird die HRV gemessen? CellAir: Über einen Polar-H10-Zweipunkt-Brustgurt. Mit welchen Studienergebnissen werden die HRV-Ergebnisse verglichen? CellAir: Die Daten werden nach allgemein bekannten Formeln errechnet. Die Einordnung der Ergebnisse geschieht auf der Grundlage des Durchschnitts von publizierten wissenschaftlichen Daten. Welche Personendaten werden in die HRV-Auswertung einbezogen? CellAir: Alter und Geschlecht. Welche HRV-Werte werden vor und nach dem Training gemessen? CellAir: SI und RMSSD. Welche HRV-Werte werden in Echtzeit während des Trainings dargestellt? CellAir: SI, RMSSD sowie ein erstmals von uns initiierten Realtime-Histogramm. Wird die Atemluft angefeuchtet? CellAir: Über einen Molekular-Befeuchter, die Atemluft ist mindestens so angenehm zu atmen wie die Raumluft. Wir haben immer eine Grundfeuchte im Raum. Diese müssen wir, bevor Sie im Kompressor verdichtet wird, entfeuchten. Nachdem wir die Luft zum Einatmen aufbereitet haben, wird wieder befeuchtet. Wie wird die Sauerstoffsättigung (SpO2) überwacht? CellAir: Über einen medizinisch zugelassenen integrierten SpO2-Finger-Sensor, diese Qualität verbauen wir in allen CellAir Systemen. Über welchen Sicherheitsmechanismus verfügt das Gerät bei unangemessener versehentlicher Absenkung der Sp02? CellAir: Sollten die vom Anwender vorgegebenen Untergrenzen unterschritten werden, schaltet der CellAir Gecko auf Hyperoxie um und bringt den Kunden wieder sicher in den vorbestimmten Bereich. Ebenso verfährt der CellAir Gecko bei Herabrutschen des Finger-Clips oder anderen Situationen, die es erforderlich machen, den Trainierenden in eine sichere Situation zu führen. Welche Speicherungsmöglichkeiten von Patientendaten und Trainingseinheiten bietet der CellAir Gecko? CellAir: Nahezu unbegrenzt. Unsere Anwender können selbst wählen, wo genau sie die Session-Daten und Trainingsergebnisse abspeichern möchten: ob auf dem Tablet, auf dem PC oder auch im persönlichen Smartphone. Maximale Flexibilität ist unser Anspruch. Wie hoch ist der Geräuschpegel während des Trainings? CellAir: Zwischen 30 dB und 56 dB, je nachdem wo das Gerät steht. Für Lokalitäten wie unsere Hotelpartner und große Praxen haben wir Systeme mit dezentraler Kompressoreinheit, dann arbeiten unsere Systeme fast geräuschlos. Das wird gerne in Bereichen eingesetzt, wo mehr Ruhe benötiget wird, oder eben auch in Räumen, in denen 2, 3, 4 oder auch mehr Maschinen zum Einsatz kommen sollen. Wie ist der CellAir Gecko einsetzbar (in Ruhe und bei körperlicher Belastung)? CellAir: Sowohl als auch. Welche räumliche Entfernung ist zwischen Therapeuten und Klient während des Trainings möglich? CellAir: Mit der WLAN- oder wahlweise auch LAN-Anbindung können sich unsere Anwender im gesamten Empfangsbereich bewegen und jederzeit sehen, was der Trainierende macht. Über unsere PC-Software können Sie zudem an jedem Arbeitsplatz, an dem diese installiert ist, bequem ein Monitoring durchführen. Unsere Technik erfüllt hierbei die höchsten Sicherheitsanforderungen. Würde zum Beispiel während der Session das Tablet verloren gehen oder es verschwindet aus dem Empfangsbereich, spielt das für die laufende Session keine Rolle, denn nach dem Festlegen des Session-Protokolls für den Kunden/Patienten wird es an den CellAir Gecko geschickt und dort im eingebauten Speicher abgearbeitet. So wird die Session strikt verfolgt. Sollte also, warum auch immer, der Kontakt zwischen Tablet-PC und CellAir Gecko einmal getrennt sein, dann erfüllt der CellAir Gecko dennoch seine Aufgabe bis zum Schluss der Session. Ist mit dem CellAir Gecko ein Biofeedback-Training möglich? CellAir: Ja, der CellAir Gecko verfügt über einen Automatikmodus. Ist ein Austausch der Sauerstoffflaschen nötig? CellAir: Nein, der CellAir Gecko benötigt keine. Ist der CellAir Gecko als Medizinprodukt zugelassen? CellAir: Der CellAir Gecko med ist im Moment (September 2019) in der Zulassungsphase (Klasse IIa) und wird in den nächsten Monaten zertifiziert erhältlich sein. Wie schwer ist der CellAir Gecko, kann er leicht transportiert werden? CellAir: Der CellAir Gecko wiegt 41 kg, mit speziellen Griffen kann er sehr bequem getragen werden. Wie wird die Wartung durchgeführt (vor Ort?) und welche Kosten fallen an? CellAir: Der CellAir Gecko ist wartungsarm, es muss nur alle 2 bis 3 Jahre ein Sauerstoffsensor ausgetauscht werden. Man kann es entweder von einem Techniker vor Ort machen lassen oder bei uns im Werk, ganz nach Belieben des Kunden. Die Kosten belaufen sich auf 100 bis 300 Euro alle 2 bis 3 Jahre. Der CellAir Gecko med unterliegt den gesetzlichen Wartungsintervallen für Medizinprodukte und er muss somit spätestens alle 24 Monate gewartet und geprüft werden. Wie standhaft und ausfallsicher ist der CellAir Gecko? CellAir: Der CellAir Gecko ist nun das 3. Jahr auf dem Markt und ist ein sehr ausgereiftes und ausfallsicheres Produkt. Unsere Ausfallquote unter allen am Markt laufenden CellAir Gecko Systemen liegt unter 3 %. Damit sind wir sehr zufrieden. Wie schnell wird eine Reparatur oder Wartung durchgeführt? CellAir: In der Regel müssen unsere Anwender im Falle einer Wartung oder auch im eher seltenen Fall einer Reparatur 2 Tage für den Transport einrechnen und 1 Tage für die Wartung. Im besten Fall haben Sie also nach 3 Tagen Ihren CellAir Gecko wieder bei sich in der Praxis (Das gilt im Gebiet Deutschland, nach Österreich muss mit 2 Tagen mehr gerechnet werden und in der Schweiz unter Umständen mit noch ein paar Tage mehr). Manche unserer Kunden lassen sich von uns vorab einen CellAir Gecko schicken; das ist nicht umsonst, jedoch durchaus sinnvoll. Viele unserer Anwender haben jeden Tag 5 bis 8 Kunden/Patienten an ihren Systemen, somit sind 3 Tage Ausfallzeit unter Umständen ungünstig für die Kunden/Patienten. Wir suchen stets mit unseren Kunden nach der effektivsten Lösung und finden diese auch immer. Gibt es einen Online-Kundensupport? CellAir: Ja, wir haben dafür alle Möglichkeiten für eine bequeme Kontaktaufnahme für unsere Kunden geschaffen. Unser jüngster Mitarbeiter Niklas Tausend ist hier der „Held“ für unsere Kunden und hat schon so manche Situation im Handumdrehen aus der Ferne gelöst. Welche Schulungsangebote werden bei Erwerb des CellAir Geckos angeboten? CellAir: Unsere Anwender erhalten bei der INTERHYPOX - Internationale Hypoxi-Hyperoxie Gesellschaft e.V. - eine fundierte mehrstufige Ausbildung vom Cellgym-Basic-Expert-Anwender bis zum Cellgym-Master-Expert-Anwender. Die CellAir Construction GmbH ist Industrie-Sponsor des Vereins und unsere Kunden und Anwender bekommen spezielle Preise, um die gewünschten Ausbildungen zu absolvieren. Die Einstiegsausbildung beginnt bei 99 Euro brutto (Basis-Expert) und kann mit dem Master für 800 Euro abgeschlossen werden. Jede der 3 Stufen wird durch eine Prüfung abgeschlossen. Dr. Egorov führte in 2019 erstmals in Deutschland Ausbildungsrichtlinien für unsere Anwender ein und legte dazu den Grundstein für eine fundierte Ausbildung für Ärzte und Therapeuten. Die Interhypox ist ein eingetragener Verein, dessen Einnahmen komplett an die Forschung im Bereich Hypoxie gespendet wird. Zudem hilft die Interhypox bei sozialen Projekten, die im Kern mit der Hypoxie zu tun haben, wie zum Beispiel Kindereinrichtungen, um auch den sozial schwächer Gestellten die Möglichkeit zu geben, von der Kraft der Anwendung zu profitieren. Kann der CellAir Gecko auch geleast werden? CellAir: Ja, unser Leasingpartner bietet dies zu besonderen Konditionen an. Wir empfehlen unseren Anwendern immer eine niedrige Rate, da wir nach Ablauf der Leasingzeit unsere Systeme gerne zurücknehmen und unseren Anwendern die dann aktuelle Technik zur Verfügung stellen. Daher raten wir immer zu 30 % Restwert im Leasing. Sollte es der Wunsch des Kunden sein, lieber 10 % oder auch nur 5 % Restwert haben zu wollen, so bekommt er das natürlich auch von uns. Die Systeme sind Werkzeuge in den Praxen, daher ist es wichtig, immer technisch auf dem neuesten Stand zu sein. Unsere Kunden sind das mit unserem Leasingmodell. Wie werden Ärzte und Therapeuten bei Fragen zu aktuellen Fällen betreut? CellAir: Durch Dr. Egorov und unsere Mitglieder des 7-köpfigen wissenschaftlichen Beirates der CellAir Construction GmbH. Dr. Egorov steht in ständigem Kontakt mit unseren Professoren und hält nach Bedarf Rücksprache zu aktuellen Fällen unserer Kunden. Gibt es eine Therapeuten-/Studio-Suche für interessierte Patienten und Kunden? CellAir: Das gib es ab Winter wieder bei uns. Aufgrund der neuen Datenschutzverordnung haben wir unsere Seite in diesem Punkt komplett neu aufgebaut. Die Datensicherheit für unsere Anwender hat bei uns oberste Priorität. Aktuell gehen täglich Anfragen von Kunden und Patienten ein, die wir natürlich sehr sorgsam an unsere Ärzte und Therapeuten weitervermitteln. Bietet Firma CellAir Construction neben dem CellAir Gecko noch weitere Systeme für ein Hypoxie-Training an? CellAir: Unsere CellAir Produktreihe umfasst folgende Systeme: CellAir Gecko Home, CellAir Gecko Plus, CellAir Gecko med, CellAir Gecko LS. Unser CellAir® One ist auf einer anderen Basis als der CellAir Gecko gebaut und wird im Moment komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Der Relaunch wird in 2020 erfolgen. Um Ihre Frage zu beantworten: Wir haben insgesamt 5 unterschiedliche Systeme. Welche Besonderheit hat der CellAir Gecko? CellAir: Davon hat er eine ganze Menge: Die Steuerung über Tablet gibt eine maximale Flexibilität für den Anwender. So wird der Kunde nicht gestört und dennoch weiß der Arzt, Therapeut oder Coach jederzeit mit einem kurzen Blick auf das Tablet, wie es dem Trainierenden geht. Es ist sogar möglich die Trainingsdaten auf dem eigenen Smartphone zu haben, wenn der Kunde/Patient das gerne so haben möchte. Besonders stolz sind wir natürlich darauf, dass er absolut schnell und auf 0,1 % genau den gewünschten Sauerstoffgehalt ansteuert und auch hält. Unsere Technik ist stabil und wir haben eine sehr niedrige Ausfallquote unter 2,9 %. Er braucht sehr wenig Platz und ist durch seine leichte Bauweise gut zu transportieren. Unsere „Optische Phasenkontrolle“ (LED-Lichtring an den Stationen ermöglicht über große Distanz einen visuellen Check. Es ist schnell erkennbar, in welcher Phase der Therapie die laufende Session sich befindet, so wird der Kunde nicht durch Geräusche gestört). Atemanhalte-Test integriert, mit Verlaufskontrolle. Videoschulung für Mitarbeiter jederzeit abrufbar, direkt auf den Tablets. Teilnamekontrolle der Schulungsvideos, so weiß jeder, den die Schulungen betreffen, wie weit er jeweils mit den Videos voran gekommen war. Es kann bei einer Unterbrechung der Schulung genau da weiter gemacht werden, wo man aufgehört hat. Er kann auf Wunsch in jeder Farbe passend zur Praxis oder Geschäftsausstattung gebaut werden. Ab 2020 erhalten die Cellgym CellAir Systeme eine intelligente Trainingssteuerung. Bei der Oxygen Itelligence® handelt es sich um eine konsequente Weiterentwicklung der adaptiven Hyperoxie, mit der wir in 2015 schon Versuche durchgeführt haben. Wie sehen Sie die Zukunft der Hypoxie-Therapie, werden sich die Systeme in Zukunft noch weiterentwickeln? CellAir: Natürlich werden diese sich weiter entwickeln, das liegt in der Natur der Sache. Wir sind gerade am Anfang. Die Zukunft der Hypoxie-Bewegung kann ich Ihnen nicht voraussagen, jedoch werden wir sie mitbestimmen. Wir arbeiten heute schon an der Methode und den Systemen, die in der 3. Generation auf den Markt kommen werden. Wir entwickeln die Cellgym Methode konsequent weiter und das umfasst weitaus mehr als die Hypoxie. Wir haben unsere 10-Jahresplanung in der Technik. Es ist noch vieles möglich und wir werden unsere Technik immer auf dem Laufenden halten und weiterentwickeln. Meine persönliche Meinung ist, dass wir in den Möglichkeiten der Methode gerade die ersten 10 % ausgeschöpft haben. Wir haben mit Cellgym vor 10 Jahren begonnen, Hypoxie für die Medizin und auch für alle anderen interessant zu machen und ans Licht zu bringen. Wir haben viel gelernt und viel erlebt. Unser Team der CellAir Group ist sich in einem sicher: die nächsten 10 Jahre werden nicht weniger spannend. Wir werden unsere gesamte Schaffenskraft der Weiterentwicklung der Cellgym-Methode und somit auch der Hypoxie widmen. Interview mit Commit GmbH Für welche Anwender ist Mitovit vorgesehen? Commit: Für Ärzte, Kliniken, Heilpraktiker, Physiotherapeuten u. ä. Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beruht die Ausrichtung von Mitovit? Commit: Die wissenschaftliche Grundlage ist das langbewährte Höhentraining. Welche Sauerstoffeinstellungen (welche Bereiche) sind möglich? Commit: Hypoxie: 18 % bis 9 %,   Normoxie: 21 %,   Hyperoxie: 30 % Welche wissenschaftliche Grundlage diente zur Festlegung der einzelnen Bereiche? Commit: Diverse Studien zeigen, dass eine Sauerstoffkonzentration unter 9 % zu einem zu schnellen Absinken des Sauerstoffpartialdrucks führt und somit zu einer nur sehr schwer kontrollierbaren Anwendung, die bis zu Zellschäden führen kann. Daher haben wir als maximalen Hypoxiewert 9 % O2. Die meisten Studien wurden mit der Hypoxie- / Normoxie-Einstellung durchgeführt, weshalb wir diese Einstellung ebenfalls anbieten. Es ist hinlänglich bekannt, dass zu hohe Sauerstoffkonzentrationen zu vermehrten freien Radikale führen und schädigende Wirkung auf den Organismus haben. Daher haben wir eine milde Hyperoxie mit 30 % O2, die man risikolos auch längere Zeit atmen könnte. Die Adaptive Hyperoxie ist aus Erfahrungen in Praxen entstanden, die festgestellt haben, dass eine reine Hyperoxie in der Erholungsphase das Erreichen des Trainingsbereichs in der nächsten Hypoxiephase verzögert. Daher bieten wir die adaptive Hyperoxie an, die erst Hyperoxie gibt, um eine schnelle Aufsättigung an Sauerstoff im Blut und den Zellen zu gewährleisten und dann den Patienten mit Normoxie versorgt, um die anschließende Hypoxiephase optimal nutzen zu können. Welche Trainingsarten sind möglich (Intervall-Hypoxie-Normoxie, Intervall-Hypoxie-Hyperoxie, Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Normoxie)? Intervall-Hypoxie-Normoxie Intervall-Hypoxie-Hyperoxie Intervall-Hypoxie-Adaptive Hyperoxie Wie wird die Einstellung der Sauerstoffkonzentration vor dem ersten Training ermittelt? Commit: Es findet ein vollautomatisierter Hypoxietest statt. Standardmäßig erfolgt der Start des Hypoxietests mit einer Sauerstoffkonzentration von 15 %. Alle 2 1/2 Minuten erfolgt dann eine Reduktion des Sauerstoffgehaltes um 0,5 %. Dies geschieht so lange, bis eine Sauerstoffsättigung im Blut von 85 % erreicht worden ist. MITOVIT® speichert diesen Wert im Hintergrund ab und führt für die restliche Zeit eine Biofeedback-Sitzung durch. Somit ist auch die erste Hypoxie-Session ein Training. Wie wird die HRV gemessen? Commit: Die HRV wird über einen Brustgurt gemessen. Die im MITOVIT® verwendeten Algorithmen sind die der VNS Analyse. Mit welchen Studienergebnissen werden die HRV-Ergebnisse verglichen? Commit: Die Klassifizierung von Normbereichen erfolgt evidenzbasiert auf Studienbasis der letzten 20 Jahre. Ausgehend von einer Meta-Analyse zur Normwerterstellung bei gesunden Erwachsenen mittleren Alters mit mehr als 20.000 Personen werden dabei zusätzlich weitere Referenz-, Reliabilitäts- und Verteilungsdaten, Befunde zur Altersabhängigkeit und zur evidenzbasierten klinischen Bedeutung von absoluten und relativen Risiko-Cut-Off-Werten der Hauptparameter bei unterschiedlichen kardiovaskulären Erkrankungen, Lebensstilfaktoren und körperlicher Leistungsfähigkeit einbezogen. Welche Personendaten werden in die HRV-Auswertung einbezogen? Commit: Alter Welche HRV-Werte werden vor und nach dem Training gemessen? Commit: Das MITOVIT® System zeigt das Rhythmogramm und den Echtzeit-RMSSD. Für die Vorher-Nachher Messungen empfehlen wir die VNS Analyse. Welche HRV-Werte werden in Echtzeit während des Trainings dargestellt? Commit: Der RMSSD. Wird die Atemluft angefeuchtet? Commit: Ja, um ein angenehmes Atmen zu gewährleisten. Wie wird die Sauerstoffsättigung (SpO2) überwacht? Commit: Ja, parallel über zwei sich abgleichende Pulsoximeter, um die höchste Patientensicherheit zu gewährleisten. Über welchen Sicherheitsmechanismus verfügt das Gerät bei unangemessener versehentlicher Absenkung der SpO2? Commit: Bei Unterschreitung des vorab eingestellten Sicherheitswertes wird automatisch Raumluft oder Hyperoxie gegeben bis die Sättigung wieder oberhalb des Sicherheitswertes liegt. Welche Speicherungsmöglichkeiten von Patientendaten und Trainingseinheiten bietet Mitovit? Commit: MITOVIT® bietet nahezu unbegrenzte Speichermöglichkeiten von Patienten und Trainingseinheiten aufgrund des großen Datenträgers. Wie hoch ist der Geräuschpegel während des Trainings? Commit: Der Geräuschpegel während des Trainings ist höchstwahrscheinlich der geringste aller sich auf dem Markt befindlichen Hypoxietrainingsgeräten, da dies eine der Hauptkriterien bei der Entwicklung war. Wie ist Mitovit einsetzbar (in Ruhe und bei körperlicher Belastung)? Commit: Aufgrund der hohen geförderten Luftmenge kann MITOVIT® in Ruhe aber auch während der Belastung eingesetzt werden. Welche räumliche Entfernung ist zwischen Therapeuten und Klient während des Trainings möglich? Commit: Die räumliche Entfernung ist nahezu unbegrenzt, da der Patient während des Hypoxietrainings problemlos allein bleiben kann aufgrund der vorher genannten Sicherheitsfeatures. MITOVIT® ist ein All-in-One-Gerät, sodass mögliche Verbindungsabbrüche und damit Unsicherheiten für den Patienten vermieden werden können. Ist mit dem Mitovit ein Biofeedback-Training möglich? Commit: Ja, ein Biofeedback ist möglich. Der individuelle Startwert wird vorab im Hypoxietest ermittelt. MITOVIT® passt automatisch die Sauerstoffkonzentration dem SpO2-Gehalt des Patienten an, um ihn in einem sicherem Trainingsbereich zu halten. Ist ein Austausch der Sauerstoffflaschen nötig? Commit: Nein. MITOVIT® arbeitet mit einem Sauerstoffkonzentrator, der verschiedene Sauerstoffkonzentrationen aus der vorhandenen Raumluft herstellt. Ist Mitovit als Medizinprodukt zugelassen? Commit: MITOVIT® befindet sich momentan (Juli 2019) in der Zulassung zum Medizinprodukt der Klasse 2a. Wie schwer ist Mitovit, kann es leicht transportiert werden? Commit: MITOVIT® wiegt ca. 60 kg, kann jedoch bequem aufgrund der vorhandenen Rollen von Raum zu Raum geschoben werden. Wie wird die Wartung durchgeführt (vor Ort?) und welche Kosten fallen an? Commit: Die Wartung findet alle 24 Monate vor Ort in der Praxis statt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 600 € bis 700 € inklusive Teile, Arbeitszeit und An- und Abfahrt. Wie standhaft und ausfallsicher ist Mitovit? Commit: MITOVIT® wurde ausgiebig auf Herz und Nieren getestet und wird nach höchsten Medizinprodukt-Richtlinien in Deutschland produziert, um eine langjährige Lebensdauer garantieren zu können. Wie schnell wird eine Reparatur oder Wartung durchgeführt? Commit: Uns als Familienunternehmen in zweiter Generation ist ein hervorragender Kundenservice enorm wichtig. Deshalb sind wir stets bestrebt, unseren über 1.200 Kunden den besten Service zu bieten. Ein Wartungstermin findet daher nach vorheriger Terminabsprache statt, sodass es zu keinem Ausfall des Praxisbetriebs kommen kann. Bei Ausfall eines Systems sollte ein Ersatzsystem der Praxis innerhalb von 72 Stunden zur Verfügung stehen. Gibt es einen Online-Kundensupport? Commit: Wie schon vorab erwähnt, ist uns der Service und vor allem der persönliche Kontakt zu unseren Kunden enorm wichtig. Daher ist unser Support eher auf telefonischem oder persönlichem Wege üblich, aber natürlich auch gern per E-Mail. Welche Schulungsangebote werden bei Erwerb des Mitovits angeboten? Commit: Eine dreistündige Einweisung für das gesamte Praxispersonal ist im Kaufpreis inbegriffen. Wir passen uns bei den Schulungen stets an die Bedürfnisse des Kunden an. Weiterhin stehen kostenpflichtige Schulungs- und Workshop-Angebote im Rahmen des von uns gegründeten Vereins IGAF (Internationale Gesellschaft für autonome Funktionsdiagnostik und Regulationsmedizin) zur Verfügung. In naher Zukunft sind zudem Webinare geplant. Kann Mitovit auch geleast werden? Commit: MITOVIT® kann bequem über unseren langjährigen Partner Archimedes Leasing geleast werden. Dort stehen verschiedene Laufzeiten mit oder ohne Anzahlung/Restwert zur Verfügung. Wie werden Ärzte und Therapeuten bei Fragen zu aktuellen Fällen betreut? Commit: Gern betreuen wir unsere Kunden persönlich am Telefon oder vernetzen diese mit erfahrenden Anwendern des Hypoxietrainings, falls ein therapeutischer Austausch gewünscht sein sollte. Gibt es eine Therapeuten-/Studio-Suche für interessierte Patienten und Kunden? Commit: Ja. Jeder Kunde kann, wenn er möchte, kostenlos bei unserer Therapeutensuche gelistet werden. Bietet Firma Commit neben Mitovit noch weitere Systeme für ein Hypoxie-Training an? Commit: MITOVIT® ist bislang das einzige Hypoxietrainingssystem von uns. Wir wollen aber mal abwarten, was die Zeit noch so bringt. Welche Besonderheit hat Mitovit? -  in Zulassung zum Medizinprodukt -  neuste Technologie -  leise, aufgrund bester Gehäusedämmung -  effizienteres Training aufgrund der einzigartigen adaptiven Hyperoxie -  vollautomatischer Hypoxietest -  integrierte Echtzeit-HRV mit Anzeige des RMSSD -  hohe Luftfördermenge - Hypoxie unter Belastung möglich -  intuitive Bedienoberfläche mit kapazitivem Touchdisplay -  modernes Design -  höchste Patientensicherheit aufgrund zwei Pulsoximeter -  Angabe der Sauerstoffmenge auch in Höhenmeter, für eine erhöhte Patientenkommunikation und -compliance -  beste Serviceleistung aufgrund des Familienunternehmen Wie sehen Sie die Zukunft der Hypoxie-Therapie, werden sich die Systeme in Zukunft noch weiter entwickeln? Commit: Wir haben bereits viele spannende Ideen, auf die sich unsere Kunden freuen dürfen, und blicken sehr positiv in Zukunft. Interview mit Höhenbalance Marketing und Vertriebs GmbH Für welche Anwender ist der airPoint professional vorgesehen? Höhenbalance: Das System ist für den Einsatz in einer Arzt-, Heilpraktiker-, Physio- oder Medicalfitness-Einrichtung konzipiert. Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beruht die Ausrichtung der airPoint professional? Höhenbalance: Basierend auf unsere über 14-jährigen Erfahrung und zahlreichen Studienkooperationen im Hypoxietrainingsbereich wurde das airPoint System vor 6 Jahren entwickelt. Die zahlreichen Programme für Therapie, Stoffwechselaktivierung, Performance und Alpinistik basieren auf den Ergebnissen dieser Studien. Welche Sauerstoffeinstellungen (welche Bereiche) sind möglich? Höhenbalance: Das System kann stufenlos von 9,5 bis 85 % O2 geschaltet werden. Welche wissenschaftliche Grundlage diente zur Festlegung der einzelnen Bereiche? Höhenbalance: Die Bereiche 9,5 bis 16 % sind Bereiche, die in zahlreichen wissenschaftlichen Studien erfolgreich eingesetzt wurden. Die Höhe der Hyperoxie in der Pause ist derzeit wissenschaftlich wenig evaluiert, sodass wir uns hier an der gängigen Höhe des O2-Gehaltes der O2-Therapie angelehnt haben, die mit Patienten schon lange durchgeführt wird. Welche Trainingsarten sind möglich (Intervall-Hypoxie-Normoxie, Intervall-Hypoxie-Hyperoxie, Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Normoxie)? Höhenbalance: Alle. Wie wird die Einstellung der Sauerstoffkonzentration vor dem ersten Training ermittelt? Höhenbalance: Vor dem ersten Training wird ein sogenannter Hypoxietoleranz-Test durchgeführt. Dieser folgt einem stufenförmigen Belastungsprotokoll und startet bei 2500 m (15,5 %) und endet bei 4000 m (13,2 %). Hierbei werden sowohl die Sauerstoffsättigung als auch der Puls im Ein-Sekunden-Intervall aufgezeichnet und ausgewertet. Nach dem Test erhält der Therapeut einen Vorschlag der einzustellenden Höhe für die ersten Trainings und für die Art der Intervalle. Wie wird die HRV gemessen? Höhenbalance: Die HRV wird mit dem BioSign HRV-Scanner bestimmt. Hierbei ist eine wissenschaftlich evaluierte Auswertung der HRV-Parameter gewährleistet. Mit welchen Studienergebnissen werden die HRV-Ergebnisse verglichen? Höhenbalance: Da BioSign einer der Pioniere in der HRV-Analyse ist, werden hier nur evaluierte und wissenschaftlich fundierte Referenztabellen eingesetzt. Welche Personendaten werden in die HRV-Auswertung einbezogen? Höhenbalance: Alter, Geschlecht Welche HRV-Werte werden vor und nach dem Training gemessen? Höhenbalance: Alle relevanten Daten der HRV (Zeitreihen und Frequenzanalysen) werden vor der Aufnahme des Hypoxietrainings bestimmt. Nach dem Training wird keine separate HRV-Messung durchgeführt, da es dazu derzeit keine wissenschaftlich fundierten Studien bzw. Ergebnisse gibt. Das gleiche gilt auch für Echtzeitmessungen während der Hypoxiesitzung. Welche HRV-Werte werden in Echtzeit während des Trainings dargestellt? Höhenbalance: Es können grundsätzlich auch hier alle gängigen Parameter bereitgestellt werden – jedoch haben diese derzeit keine Relevanz für die Einstellung des Hypoxie-/Hyperoxiegrades bei IHT- oder IHHT-Sitzungen. Wird die Atemluft angefeuchtet? Höhenbalance: Nein, da dies aus bakteriologischer Sicht nicht ganz unproblematisch ist. Die Luft des airPoints ist aufgrund seiner bewährten Technik nicht trockener als die Raumluft. Wie wird die Sauerstoffsättigung (SpO2) überwacht? Höhenbalance: Mit einem Pulsoximeter, der über USB mit dem Rechner/der Software verbunden ist. Über welchen Sicherheitsmechanismus verfügt das Gerät bei unangemessener versehentlicher Absenkung der SpO2? Höhenbalance: Sollte der SpO2 unter den individuell eingestellten Grenzen sinken, wird entweder angereicherte oder Umgebungsluft zugeführt, bis der gewünschte Wert wieder erreicht wird. Welche Speicherungsmöglichkeiten von Patientendaten und Trainingseinheiten bietet der airPoint professional? Höhenbalance: Alle Daten, die beim Training/bei der Therapie erhoben/aufgezeichnet werden, sind in der checkPoint Software abgespeichert: SpO2, Puls, Höhe, Mittelwerte in den Hypoxiephasen, Mittelwerte in den Pausen, Minimumwerte, Datum, Uhrzeit und die dazugehörige Verlaufsgraphik. Wie hoch ist der Geräuschpegel während des Trainings? Höhenbalance: 43 dB. Es ist damit eines der leisesten und gleichzeitig leistungsfähigsten Systeme im Markt. Wie ist der airPoint professional einsetzbar (in Ruhe und bei körperlicher Belastung)? Höhenbalance: Durch die Bereitstellung von über 100 Liter Luft pro Minute ist der airPoint sowohl für Aktiv- als auch für Passivtraining geeignet. Welche räumliche Entfernung ist zwischen Therapeuten und Klient während des Trainings möglich? Höhenbalance: Der Therapeut kann sich überall auf der Welt befinden und die Behandlung per Remote Control kontrollieren und steuern, also keine Begrenzung. Ist mit dem airPoint professional ein Biofeedback-Training möglich? Höhenbalance: Mit der HRV-Software, die im checkPoint integriert ist, ja. Ist ein Austausch der Sauerstoffflaschen nötig? Höhenbalance: Nein. Ist der airPoint professional als Medizinprodukt zugelassen? Höhenbalance: Hierfür gibt es den airPoint medical. Dieses System ist ein Medizinprodukt und wird komplett in Deutschland produziert. Wie schwer ist der airPoint professional, kann es leicht transportiert werden? Höhenbalance: Ca. 32 kg. Es hat einen Tragegriff, an dem es getragen werden kann. Zusätzlich verfügt es über 4 Transportrollen. Wie wird die Wartung durchgeführt (vor Ort?) und welche Kosten fallen an? Höhenbalance: Es muss lediglich einmal pro Jahr ein externer Filter, der vom Betreiber selbst getauscht werden kann, gewechselt werden. Kosten: 100,00 €. Beim airPoint medical gibt es die Möglichkeit, auf ein bundesweit agierendes Servicetechniker-Netzwerk zurückzugreifen. Wie standhaft und ausfallsicher ist der airPoint professional? Höhenbalance: Da wir die Basistechnologie schon über 12 Jahre in allen möglichen Bereichen (Militär, Polizei, Universitäten, Leistungssport etc.) einsetzen und wir hierbei auf eine bewährte und sichere Basistechnologie setzen, die die weltweit führenden Medizinproduktehersteller verwenden, gibt es wenige Servicefälle. Unser Budget hierfür liegt bei unter 1 %. Wie schnell wird eine Reparatur oder Wartung durchgeführt? Höhenbalance: Wie bieten einen 48-Stunden-Geräteaustausch-Service für unsere Geräte an. Manchmal schaffen wir das aber auch schon in 24 Stunden! Gibt es einen Online-Kundensupport? Höhenbalance: Ja, sowohl per Team Viewer als auch telefonisch. Welche Schulungsangebote werden bei Erwerb des airPoint professionals angeboten? Höhenbalance: Grundsätzlich wird jedes System von einem Experten ausgeliefert und der Kunde erhält eine kostenlose ca. 4-stündige Einweisung vor Ort. Es gibt darüber hinaus sowohl Wochenend- als auch Tagesschulungen. Zusätzlich kann auch eine Tagesschulung inhouse gebucht werden. Diese Angebote sind dann kostenpflichtig. Kann der airPoint professional auch geleast werden? Höhenbalance: Ja klar, die mtl. Kosten belaufen sich dabei auf ca. 320,00 € netto bei einer Laufzeit von 48 Monaten und einem sehr geringen Restwert von nur 10 %. Wie werden Ärzte und Therapeuten bei Fragen zu aktuellen Fällen betreut? Höhenbalance: Per Telefon und per Team Viewer Gibt es eine Therapeuten-/Studio-Suche für interessierte Patienten und Kunden? Höhenbalance: Ja, auf unserer Website. Bietet Firma Höhenbalance Marketing und Vertriebs GmbH neben dem airPoint professional noch weitere Systeme für ein Hypoxie-Training an? Höhenbalance: Ja, zahlreiche unterschiedliche Modelle, abhängig vom Einsatzbereich. Ab 11/2019 wird es einen komplett gesteuerten airPoint als Privatgerät für unter 7.000,00 € geben. Welche Besonderheit hat airPoint professional? Höhenbalance: Es ist eines der leistungsstärksten und dabei leisesten Systeme im Markt. Die Software bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Kundenergebnisse sinnvoll und vollständig darzustellen und zu dokumentieren. Auch Patientenausdrucke können direkt (ohne Umwege über USB o. ä.) erstellt werden. Mit der checkPoint Software bieten wir als einer der wenigen Anbieter eine sehr offene Plattform, auf der unterschiedlichste Systeme und deren Auswertungen integriert werden und somit den Arbeitsablauf sehr erleichtern. Es können sowohl Atemgasanalysesysteme, HRV-Messung, Körperanalyse und Befindlichkeitsfragebogen einfach integriert werden. Wie sehen Sie die Zukunft der Hypoxie-Therapie, werden sich die Systeme in Zukunft noch weiterentwickeln? Höhenbalance: Ja, ab 11/2019 wird es einen komplett gesteuerten airPoint als Privatgerät für unter 7.000,00 € geben. #### HRV und Schlafqualität Die Herzratenvariabilität während des Schlafs zu messen, hilft dabei, mehr über den gesundheitlichen Zustand zu erfahren. Diese Messungen lassen Rückschlüsse zu, wie gut sich der Körper erholen kann. Darüber hinaus verraten die HRV-Parameter viel über den Lebensstil, geben Hinweise auf Krankheiten und eine Einschätzung des Trainingszustands. Während wir schlafen, passiert viel in unserem Körper. Mit genau abstimmten Abläufen sorgen Hormon- und Nervensystem dafür, dass der Mensch am Morgen wieder erholt in den Tag starten kann. Weil während wir schlafen so viel im Körper abläuft und unser Schlaf so kompliziert ist, habe ich mich an einen Experten gewendet: Dr. med. Lutz Graumann ist Sportmediziner aus Rosenheim mit den Arbeitsschwerpunkten Förderung und Steigerung der individuellen Leistungsfähigkeit. Um Enttäuschungen vorzubeugen, sei gleich zu Anfang erwähnt, dass Aussagen über die Herzratenvariabilität (HRV) in der Nacht nur mit Langzeitmessungen und mit entsprechenden Messgeräten möglich sind. Hinsichtlich der Abtastrate bei der Pulsmessung zieht Dr. Graumann eine untere Grenze bei 250 Messungen pro Sekunde, besser wären 500. Alles was darunter liegt, liefert keine verlässlichen Daten. Auch warnt Dr. Graumann davor, sich bei der Bewertung des Schlafs nur auf die HRV zu konzentrieren. "Für eine sinnvolle Aussage darüber, was in der Nacht passiert, müssen auch die Veränderungen von Puls, Atmung und Bewegung in Betracht gezogen werden", erläutert Dr. Graumann. "Nur aus dem Zusammenspiel von mehreren Markern lassen sich aussagekräftige Erkenntnisse über die Schlafqualität gewinnen." Bewertung der HRV Vor allem die Aktivität des Parasympathikus während des Schlafs verspricht Erholung. Kann er überwiegend die Führung übernehmen, wird es eine gute Nacht. Sein Wirken ist erkennbar, wenn HRV-Parameter wie High Frequency (HF) und Total Power im Schlaf ansteigen. Auch beim pNN50 verhält es sich so: Sein Wert sollte deutlich höher ausfallen als am Tag. Ist das nicht Fall, ist es ein Anzeichen für Erschöpfung. Für Anspannung steht auch, wenn die Total Power in der Nacht sinkt und der LF-Parameter ansteigt. Übrigens: Die Herzfrequenz und die HRV-Parameter SDNN, RMSSD, HF und LF folgen einen Tag-Nacht-Rhythmus, wie Vanderwelle und seine Kollegen in ihrer Studie feststellen. Zwischen 5 und 7 Uhr in der Früh sind die vier HRV-Parameter am höchsten. Grob geschätzt, könnte das bei den meisten Menschen die letzte Tiefschlafphase sein. Bewertung der Pulskurve Im Verlauf des Schlafs sollte die Pulskurve abfallen. Je mehr sie das tut, umso besser. "Im Idealfall erreicht der Puls im ersten Drittel der Nacht, also nach etwa drei Stunden, seinen ersten Tiefpunkt. Kommt es zu keiner Absenkung, muss man betrachten, mit was der Körper noch beschäftigt ist. Meist sind Alkohol und Koffein im Spiel", so Dr. Graumann. Sportler, die ihren Ruhepuls kennen, können noch mehr Erkenntnisse aus der Verlaufskurve während der Nacht ziehen. "Ich rate allen meinen Sportlern zur regelmäßigen Messung des Ruhepulses, weil er uns so viel über das Befinden verrät", berichtet Dr. Graumann. "Ernährungssünden und Unverträglichkeiten lassen sich an einer Erhöhung von fünf bis sechs Schlägen pro Minute erkennen. Mit zehn Schlägen mehr können sich eine Krankheit oder ein Übertraining ankündigen. Ab einer Steigerung um die 15 Schläge muss man aufpassen, dass jemand nicht ernsthaft krank wird." Schlafphasen - kurz und knapp Schlaf ist kein einheitlicher Zustand, vielmehr wechseln sich verschiedene Schlafphasen mit mehr oder weniger Ruhe und Aktivität ab. Nach einer Einschlafphase, in der sich Hirnstromaktivität, Herzfrequenz und Körpertemperatur verringern, beginnt die erste Tiefschlafphase. Sie wird als sehr erholsam bewertet. Danach kommt es zur so genannten REM-Phase (REM: rapid eye movement), die sich durch ruckartige, schnelle Augenbewegungen auszeichnet. Diese Phase wird auch als "Traumschlaf" bezeichnet, hier sind nicht nur die Großhirnrinde aktiv, sondern auch andere Hirnbereiche. Im Laufe einer Nacht wird der Tiefschlaf etwa alle 90 Minuten durch vier bis fünf Traumphasen unterbrochen. Schlafphasen in der Auswertung bestimmen Nur Tief- und Traumschlaf können ohne die aufwendige, in Schlaflaboren übliche Technik anhand von Atmung, Puls und HRV erkannt werden. Kennzeichen für Tiefschlaf "In dieser Phase ist der Körper völlig entspannt. Es gibt nur leichte Bewegungen und Lagewechsel. Besonders erholsam wird der Tiefschlaf, wenn sich Atmung und Puls in einem Verhältnis von 1:4 synchronisieren", beschreibt Dr. Graumann. "Bei den HRV-Parametern verringern sich LF und VLF." Kennzeichen für Traumschlaf "Der Körper ist fast regungslos. Die Muskeln scheinen wie gelähmt. Nur die Augen bewegen sich unter den Lidern in alle Richtungen. Es kommt zu einer Zunahme von Herz- und Atemfrequenz. Auch ein Anstieg von den HRV-Parametern LF und VLF kann normal sein", so Dr. Graumann. Bewertung der Schlafphasen Für eine Bewertung ist die Länge der einzelnen Tiefschlafphasen und der Wechsel mit dem Traumschlaf interessant. "Ein gutes Zeichen ist schon, wenn sich fünf Traumschlafphasen und vier Tiefschlafphasen im Diagramm erkennen lassen. Bestenfalls wird am Morgen von einem Traumschlaf in einen leichteren Schlaf gewechselt. Dann fühlt man sich nach der Nacht meist frisch und erholt", erläutert Dr. Graumann. Wie erholsam der Schlaf war, lässt sich auch an der Tiefschlafphase erkennen. Normalweise ist sie in den ersten Schlafzyklen am längsten und intensivsten. Auch die Verteilung der Schlafphasen liefert Informationen. "In einer erholsamen Nacht sollte die Tiefschlafphase bei Erwachsen etwa 15 Prozent ausmachen", gibt Dr. Graumann an. "Bei Sportlern liegt der Anteil eher bei 20 bis 25 Prozent, natürlich ist er abhängig von der Intensität des Trainings. Ganz ähnlich verhält es sich bei Menschen, die in eine Erschöpfung steuern. Bei ihnen verlängert sich die Tiefschlafphase, weil der Körper zunehmend mit Regenerationsprozessen beschäftigt ist." Risikopatienten erkennen Mehrere Messungen sind sinnvoll, vor allem wenn es um eine Einschätzung von gesundheitlichen Risiken geht. "Meist entdecken wir schon in der ersten Nacht unsere Risikokandidaten", berichtet Dr. Graumann. "Atmung, Herzfrequenz und HRV geben uns die Hinweise, die wir dann weiter diagnostisch abgeklären." In der Arbeitsmedizin ist die frühzeitige Erkennung von überlasteten und dauergestressten Menschen von großer Bedeutung. Langzeitmessungen liefern für eine Gefährdung wertvolle Hinweise: "Etwa 15 Minuten nach Schlafbeginn sollte die erste Tiefschlafphase einsetzen. Dauert der Beginn länger, muss man unbedingt nach weiteren Zeichen für eine einschränkte Erholungsfähigkeit in der Auswertung schauen," erläutert Dr. Graumann. "Hier sollte man auch immer schauen, wie intakt die Schlafarchitektur ist. Wie gut lassen sich die einzelnen Schlafphasen im Diagramm erkennen?" Etwas komplizierter wird die Abgrenzung einer erhöhten Atemfrequenz. "20 Atemzüge mehr in der Minute können ein Indiz für einen Diabetes, aber auch für zu späten und zu intensiven Sport sein. Eine Schlafapnoe muss ebenfalls in Betracht gezogen werden, sie zeichnet sich zusätzlich im Diagramm durch das typische Sägeblatt-Muster im EKG aus." Wie der Tag die Nacht beeinflusst Tag und Nacht wechseln sich ab. Auf Wachsein folgt der Schlaf. Sie ergänzen sich und gleichzeitig beeinflussen sie sich gegenseitig. Während des Schlafs regeneriert sich der Körper vom Tag. Die Vorbereitungen für eine erholsame Nacht beginnen bereits am Tag. Läuft der Körper auf Hochtouren, braucht er zwischen den Belastungen Ruhezeiten, um sich zu erholen. Finden sie während des Tages nicht statt, wird die Nacht zum Tag. Das nächtliche Erholungsprogramm kann nicht starten, solange der Körper auf Leistung ausgerichtet ist. Bei Stress wird vermehrt das Hormon Kortisol ausgeschüttet. Das Stresshormon ist in seiner Wirkung der Feind der erholsamen Nacht. Wird es nicht abgebaut, summiert es sich bei anhaltender Anspannung weiter auf. "Mit regelmäßigen Pausen am Tag lässt sich erholsamer Schlaf vorbereiten", empfiehlt Dr. Graumann. "In einer Langzeitmessung kann ziemlich genau nachvollzogen werden, wie der Tag gestaltet wird. Deshalb ist uns wichtig, dass an verschiedenen Tagen gemessen wird. Optimal sind ein Tag am Wochenende, ein normaler und ein stressiger Arbeitstag. Da entdecken wir dann auch, dass es oft Unwissenheit darüber besteht, was die Schlafqualität mindert: z. B. intensiver Sport am Abend, späte und üppige Mahlzeiten sowie zu viel Alkohol." Natürlich muss man in seine Betrachtung auch einbeziehen, ob eher eine körperliche oder geistige Tätigkeit am Tag überwiegt. Menschen, die mehr geistig als körperlich arbeiten, haben eine kürzere Tiefschlafphase. Fazit von Dr. Graumann "Guter Schlaf ist wertvoll. Ausgeschlafene Menschen sind nicht nur fit und munter am Tag, sondern auch schlauer, kreativer und schöner. Mit den Erkenntnissen aus Atmung, Bewegung, HRV und Puls lässt sich viel für eine bessere Schlafqualität anfangen." #### HRV zur Trainingssteuerung im Karate Für Michaela Rein waren die Voraussetzungen, deutsche Meisterin im Karate zu werden, neun Monate vor dem entscheidenden Sieg denkbar ungünstig. Nach einer Operation am Sprunggelenk war es fraglich, ob sie überhaupt am Wettkampf teilnehmen könnte. Mit Hilfe der Herzratenvariabilität und Biofeedback-Übungen bereitete sie sich erfolgreich auf die Meisterschaft vor. Acht Wochen lang musste Michaela Rein nach der Operation eines Knorpelschadens an Krücken gehen. Danach wurde ihr empfohlen, sechs bis neun Monate überhaupt keinen Sport zu treiben. Für die junge Sportlerin war das eine Situation, die sie seelisch und körperlich sehr mitnahm. Doch sie hatte ein klares Ziel vor Augen: So schnell wie möglich mit dem Training beginnen, um wieder ein Teil der Nationalmannschaft zu werden. Seit 2007 ist Michaela Rein Mitglied der deutschen Nationalmannschaft des DJKB (Fachverband für traditionelles japanisches Shôtôkan-Karate). Bis zu ihrer Operation konnte sie einige Titel, wie den Mannschafts-Europameistertitel und die deutsche Meisterschaft der Junioren, gewinnen. Bereits zwei Monate nach der Operation begann Michaela Rein ihr Training unter Beachtung der Herzratenvariabilität (HRV) wieder aufzunehmen. Die Steuerung des Trainings leitete der Heilpraktiker Punito Michael Aisenpreis, mit Praxis in München und Murnau. Grundlagen für HRV-Trainingssteuerung Mit einer 24-Stunden-HRV-Langzeitmessung begannen die Vorbereitungen für das sportliche Comeback. "Eine Messung über mehrere Stunden vermittelt einen guten Gesamteindruck, wie das vegetative Nervensystem auf verschiedene Alltagssituationen reagiert", erklärt Punito Aisenpreis sein Vorgehen. "Oft lassen sich schon mit dieser Auswertung Empfehlungen für allgemeine Verhaltensweisen wie z. B. Schlaf-, Essens- und Trainingszeiten ableiten." Eine weitere Grundlage für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit sind HRV-Kurzzeit-Messungen und RSA-Messungen. "Beide Messarten werden eine Woche lang täglich vorgenommen, um eine sogenannte Baseline zu bestimmen. Im besten Fall geschieht die Bestimmung in einer trainingsfreien Woche oder in einer Woche mit nur geringer Belastung." HRV-Werte für die Baseline Für die Trainingssteuerung von Michaela Rein nutzte Punito Aisenpreis sowohl HRV-Werte aus den Zeit- als auch Frequenzbereichsverfahren. Wie sich HRV-Werte für eine Trainingssteuerung umsetzen lassen, zeigen folgende Werte: schnelle Anpassungsfähigkeit: SD1 und RMSSD Belastungsfähigkeit: E-I Regenerationsfähigkeit: Total Power und HF mentale Belastung: Stressindex Mit HRV-Werten trainieren Während der Wettkampfvorbereitungen hat Michaela Rein täglich ihre HRV mit einer Kurz- und RSA-Messung bestimmt. "Durch das tägliche Training verändern sich die Werte. Je nachdem was und wie trainiert wird, reagieren sie. Aber nicht nur die Dauer, Intensität und Art des Trainings nehmen Einfluss. Auch das Ernährungsverhalten, die Schlafqualität und der emotionale Zustand spiegeln sich in den HRV-Werten wider und müssen auch in die Betrachtung einbezogen werden," erklärt Punito Aisenpreis. "Mit der Zeit entwickelt sich aus den HRV-Werten eine Art Trainingsgerüst. Die Werte SD1, E-I und HF habe ich dabei immer Blick. Sinken SD1 und HF, dann verringert sich auch die Regenerationsfähigkeit. War das Training im Umfang und in der Intensität hoch, dann bleiben sie bis zu zwei Tage niedrig. Die Total Power verändert sich bei einer Sportlerin wie Michaela hingegen erst deutlich nach fünf Tagen Training ohne Pause. Ein Übertraining und damit auch gleich eine Übersäuerung zeichnen sich mit einer Verschlechterung der VLF ab. Bei der Veränderung der VLF muss man außer an Übersäuerung gleichzeitig auch an Entzündungen durch die hohe sympathische Aktivierung denken." Mentale Stärke für den Wettkampf Ein fester Bestandteil des Trainings waren auch Biofeedback-Übungen. Mit 20-minütigen Einheiten lernte Michaela Rein bewusst zu entspannen. Sie erzählt, dass sie so den Stress einfach 'wegatmen' konnte. "Ich merkte einen deutlichen Unterschied, vor allem in meiner Einstellung zu mir selbst und zum Training. Ich wurde ruhiger und zufriedener, habe mich weniger schnell über Kleinigkeiten aufgeregt und war generell besser gelaunt." Was sich auch an den Werten ihres Stressindex zeigte, er nahm ab. Mentale Stärke zeigte Michaela Rein auch im Wettkampf: "Unmittelbar vor den Kämpfen war ich sehr motiviert und nicht, wie ich es schon manchmal erlebt hatte, übermäßig nervös. Früher kreisten meine Gedanken vor Kämpfen meist nur darum, wie stark meine Gegnerin ist und was wäre, wenn sie mich besiegt. Siege bedeuteten für mich deshalb eher Erleichterung, es geschafft zu haben, als Freude und Stolz zu empfinden. Bei der deutschen Meisterschaft Anfang Mai dachte ich nur an meine Stärke und daran, dass ich diesen Kampf gewinnen werde, weil ich mich gut fühle." Fazit von Michaela Rein "Als ich wieder einigermaßen regelmäßig trainieren konnte, merkte ich den Unterschied zu meiner Trainingszeit ohne HRV-Unterstützung. Ich habe mich oft motivierter gefühlt und war positiv eingestellt. Ich wollte unbedingt wieder richtig Karate trainieren und hatte auch das Gefühl, dass ich es bestimmt schaffen werde – trotz der Rückschläge, die nach so einer Verletzung zum Sportler-Leben dazugehören. In den letzten zwei Monaten vor der Meisterschaft halfen mir besonders die HRV-Messungen und das Biofeedback-Training, motivierter und selbstbewusster zu trainieren und auch über manche Schmerzen hinwegzukommen, die mir mein Fuß noch bereitete. Ich fühlte mich im Training oft genauso gut wie vor der Operation, oder sogar noch besser. Letztendlich konnte ich neun Monate nach meiner sehr schweren Operation den deutschen Meistertitel sowohl in der Einzel- als auch in der Mannschaftskategorie gewinnen. Dabei besiegte ich auch meine Teamkollegin aus der Nationalmannschaft im direkten Vergleich, die einen Monat zuvor den Europameisterschaftstitel gewonnen hatte." #### HRV-Analyse mit dem Tablet-PC Mehr Unabhängigkeit und Mobilität bietet ein Tablet-PC auch bei HRV-Messungen. Ohne viele Kabel können sie überall eingesetzt werden und sind meist einfacher in der Bedienung. Welche HRV-Systeme für Tablet-PCs angeboten werden und wie sie sich unterscheiden, wird im folgenden Beitrag vorgestellt. Vier Messsysteme wurden hierfür ausgewählt. Wer meine Beiträge regelmäßig liest oder mich nach einer Empfehlung fragt, kennt meine Einstellung zur Auswahl von Messsystemen: Es ist wie bei Autos - mit allen kann man fahren. Ganz ähnlich sieht es bei Messsystemen auf Tablet-PCs aus: Mit allen lässt sich die Herzratenvariabilität (HRV) verlässlich messen. Auch hier sind es persönliche Ansprüche und Vorstellungen, die die Wahl bestimmen. Vier Messsysteme im Überblick In meiner Betrachtung beziehe ich mich auf vier Messsysteme meiner Wahl. An die Hersteller habe ich einen Fragenbogen verschickt. Alle haben innerhalb kürzester Zeit geantwortet. Vielen Dank dafür. HRV-Scanner lite bietet im Prinzip die umfassenden Möglichkeiten des langjährig etablierten HRV-Scanners standard als Windows-Tablet-Version. Varilytic HRV ist ein System von Praktiker für Praktiker und relativ frisch als Android-Version am Markt gestartet. Vitalmonitor ist für tägliche Messungen, die der Endanwender eigenständig vornimmt, und eine individualisierte Längsschnittinterpretation ausgelegt. VNS Analyse habe ich als Vorreiter von Tablet-PC-Systemen wahrgenommen. Charakteristisch empfand ich die Konzentration auf wenige HRV-Parameter. Von den Systemen kenne und nutze ich den Vitalmonitor und VNS Analyse sowie den HRV-Scanner standard. Normwerte der HRV-Parameter für den Quervergleich Als Anwender von HRV-Analysesystemen will man nicht nur die Werte der HRV-Parameter (siehe unten) wissen, sondern auch eine Bewertung, wie gut oder schlecht sie im Vergleich zu gesunden Menschen sind. Deshalb ist der Quervergleich von HRV-Parametern letztendlich das Herzstück eines jeden HRV-Systems. Welche Normwerte bei den HRV-Parametern hinterlegt sind, ist wie bei allen Mess-Systemen natürlich auch bei Tablet-PC-Versionen ein brennendes Thema. Gut finde ich, dass die von mir angeschriebenen Hersteller für die Tablet-Versionen denselben hohen Qualitätsanspruch für HRV-Normwerte wie bei Desktop-Versionen haben. HRV-Normwerte beruhen auf Studienergebnisse. Etwas problematisch finde ich, dass die Messsysteme nicht dieselben Studien für die Interpretation ihrer Ergebnisse nutzen. Dadurch ist die statistische Bewertung und Interpretation von HRV-Parametern zwischen den HRV-Systemen nur mit Vorsicht vergleichbar. Nicht bei allen HRV-Systemen werden die Referenzstudien offengelegt. Teilweise ist es schon verständlich, dass die Anbieter ein kleineres oder größeres Betriebsgeheimnis daraus machen. Denn schließlich sind nicht alle Studien zu HRV-Normwerten mit öffentlichen Geldern finanziert worden und es erfordert Aufwand, die verfügbaren Studienergebnisse mit der erforderlichen Qualität auszuwählen und aufzubereiten. Erfreulich war bei meiner Befragung, dass alle Hersteller auf meine Frage nach den hinterlegten Studien geantwortet haben. Teilweise sogar sehr ausführlich mit konkretem Bezug auf einzelne Studien, wie z. B. die Hersteller von VNS Analyse und von Varilytic HRV. Da die hinterlegten Studien wahrscheinlich alle Leser am meisten interessieren, möchte ich die erhaltenen Informationen nicht vorenthalten. Hier die Original-Antworten von den vier Herstellern: HRV-Scanner lite: "Eigene Normwertstudien an deutschen Universitäten. Veröffentlichungen sind auf Anfrage verfügbar." Varilytic HRV: "Voss A, Schroeder R, Heitmann A, Peters A, Perz S (2015) Short-Term Heart Rate Variability— Influence of Gender and Age in Healthy Subjects. PLoS ONE 10(3): e0118308. doi:10.1371/journal. pone.0118308" Vitalmonitor: "Wir verwenden ausschließlich einen individualisierten Längsschnitt." VNS Analyse: "Die Klassifizierung von Normbereichen erfolgt evidenzbasiert auf Studienbasis der letzten 20 Jahre. Ausgehend von einer Meta-Analyse zur Normwerterstellung bei gesunden Erwachsenen mittleren Alters mit mehr als 20.000 Personen (Nunan et al., 2010) werden dabei zusätzlich weitere Referenz-, Reliabilitäts- und Verteilungsdaten (Pikkujamsa et al., 2001; Kleiger et al., 2005; Sandercock et al., 2005; Sandercock, 2007, Buchheit, 2014), Befunde zur Altersabhängigkeit (Antelmi et al, 2004; De Meersman & Stein, 2007) und zur evidenzbasierten klinischen Bedeutung von absoluten und relativen Risiko-Cut-Off-Werten der Hauptparameter bei unterschiedlichen kardiovaskulären Erkrankungen, Lebensstilfaktoren und körperlicher Leistungsfähigkeit (Kuperi et al., 1993; Liao et al., 1996, 2002; Aubert et al., 2003; Schroeder et al, 2003, Buchheit et al., 2005; Thayer et al., 2007, 2010; Sandercock et al., 2008; Pivatelli et al., 2012) einbezogen, sodass die Normwerte für ein breites Anwendungsfeld herangezogen werden können. Zusätzlich enthält die VNS Analyse studienbasierte Normwerte für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren." Ermittelte HRV-Parameter In folgender Tabelle werden die HRV-Parameter, die von den HRV-Systemen als Analyseergebnisse bereitgestellt werden, gegenübergestellt: HRV-Scanner lite Varilytic HRV Vitalmonitor VNS Analyse Standardparameter wie z. B. SDNN, pNN50, pNN20, RMSSD, SD1, SD2, SD2/SD1, SI, HF, LF, VLF, E-I, E/I, MCR, biologisches HRV-Alter RMSSD, SDNN, SI, pNN50, Alpha1 HRV-Parameter werden individuell interpretiert in Regeneration, Stress, biologisches HRV-Alter RMSSD, SDNN, SI, Alpha 1 Möglichkeiten der Messverfahren Alle vier Messsysteme bieten HRV-Kurzzeitmessungen und RSA-Messungen mit kleinen Unterschieden an: Bei VNS Analyse wird die Messdauer nicht wie bei den anderen Systemen in Minuten angeben, sondern von einer gewählten Anzahl von Herzschlägen bestimmt. Eine Sonderstellung nimmt der Vitalmonitor ein. Er bietet nur ein einziges Messverfahren an: Eine Kombination aus Kurzzeit- und RSA-Messung. Im Gegensatz zu anderen Systemen lässt sich bei ihm die Frequenz der Atemführung und die Messdauer nicht verändern. In diesem Fall ist dies sinnvoll, weil damit unterstützt wird, immer unter denselben Bedingungen zu messen. Neben Kurzzeit- und RSA-Messungen bieten alle Geräte (außer Vitalmonitor) auch eine therapiebegleitende Messung, also eine Echtzeitmessung, über einen längeren Zeitraum an. Dies kann z. B. bei Akupunkturbehandlungen, Entspannungsverfahren oder Hypnosesitzungen angewendet werden. Mit dem HRV-Scanner lite und VNS Analyse können Orthostase-Tests gemacht werden. Langzeitmessungen sind teilweise nur in Verbindung mit anderen Geräten und Systemen möglich. Unterstützte Mess-Sensoren Um den Tablet-PC die Daten für die Messung der RR-Intervalle zuzuführen, ist selbstverständlich zusätzliche Sensorik notwendig: HRV-Scanner lite Varilytic HRV Vitalmonitor VNS Analyse EKG (Klammern oder Klebeelektroden), Ohr-Clip für Pulswelle BLE-Brustgurt (empfohlen: Polar H7 und H10) Vitalmonitor 500 Hz 1-Kanal-EKG BLE-Brustgurt (z. B. Brustgurt Sigma R1) Einbeziehung von Alter und Geschlecht Eigentlich wären die Angaben zur Person, die in die Auswertung einfließen, auch ein Fall für eine Vergleichs-Tabelle. Da es aber bei dem Thema immer wieder zu Missverständnissen und Falschinformationen kommt, möchte ich ihm etwas mehr Platz widmen. Das Lebensalter führt wohl zu den größten natürlichen Veränderungen der HRV. In Studien wurde festgestellt, dass die HRV ab dem 30. Lebensjahr kontinuierlich abnimmt. Dass das Alter in die Auswertung einer Messung einbezogen wird, ist also wichtig. Beim HRV-Scanner lite, Varilytic HRV und VNS Analyse fließt das Alter in die Auswertung der Messung ein. Keine so große Rolle spielt das Geschlecht bei der HRV . In jungen Jahren ticken die Herzen von Frauen und Männer noch verschiedenen, passen sie sich aber mit zunehmendem Alter aneinander an. Nur bei Varilytic HRV wird auf den kleinen Unterschied der Geschlechter im Messergebnis eingegangen. Eine Ausnahme macht der Vitalmonitor: Nach etwa 60 Messungen steht die Grundlage für die individualisierte Längsschnittinterpretation. Da sich ein Anwender nur mit seinen eigenen Werten vergleicht, sind Alter und Geschlecht nicht von Bedeutung. Aufbereitung der Daten Ein Schaubild ist meistens leichter zu erfassen als Listen oder Tabellen mit Zahlen. Eine geeignete Grafik macht es leichter, Ergebnisse zu verstehen oder zu kommunizieren und für Durchblick im HRV-Parameter-Chaos zu sorgen. Daher wurde bei allen Anbietern in die graphische Aufbereitung der HRV-Parameter investiert: HRV-Scanner lite Varilytic HRV Vitalmonitor VNS Analyse Rang-Diagramm, Histogramm, Poincaré-Diagramm, Verlauf, Spektralanalyse Farbcodiertes graphische Darstellung (rot/gelb/grün), Histogramm, Poincaré-Diagramm, Vergleichsansicht (2-3 Messungen) mittels Balkendiagramm, direkter Tachogramm- Histogramm- und Poincaré-Vergleich Verlaufskurven der einzelnen, berechneten Parameter Histogramm,. Poincaré-Diagramm Balkendiagramm mit Vergleichsansicht von mehreren Messungen Biofeedback-Training Mit der Biofeedback-Methode lässt sich die HRV verbessern. Sowohl für Therapeuten als auch für Patienten ist das Atemtraining also eine wichtige Anwendung. Ein integriertes Biofeedback-Training bieten der HRV-Scanner lite, Varilytic HRV und der Vitalmonitor an. Beim HRV-Scanner lite und Varilytic HRV können der Schwierigkeitsgrad und die Dauer gewählt sowie individuelle Einstellungen (z. B. Musik, graphische Darstellung) vorgenommen werden. Für das Training zuhause bieten die Hersteller des HRV-Scanner lite den Qiu und der VNS Analyse die Atemtrainer-App Vagusvit (iOS und Android) an. Datenaustausch Die Messdaten oder Analyseergebnisse auszutauschen, wird dann interessant, wenn man mit einem Coach, einem Therapeuten oder mit einer Forschungsgruppe zusammenarbeiten will. Bei diesem Punkt verfolgen die Hersteller der vier vorgestellten Mess-Systeme ganz unterschiedliche Ansätze. Meine Frage diesbezüglich lautete: "Werden Cloud-Speicher oder Web-Portale für den Datenaustausch verwendet?" HRV-Scanner lite: "Ja, auf der myQiu Plattform." Varilytic HRV: "Ja, verschlüsselte Cloud-Speicherung ist möglich." Vitalmonitor: "Über die Website können mit aktiver Erlaubnis des Klienten die Daten für einen Therapeuten oder Coach einsichtig gemacht werden. Sie werden in einer Cloud gespeichert." VNS Analyse: "Aus Datenschutzgründen, bleiben die Messdaten lokal auf dem iPad gespeichert. Diese können bei Bedarf jedoch über eine Cloud gesichert beziehungsweise exportiert werden." Datenimport wie z. B. RR-Werte von einer Pulsuhr HRV-Scanner lite Varilytic HRV Vitalmonitor VNS Analyse Nur in der Standardversion Nicht möglich Nicht möglich Momentan noch nicht möglich Datenexport wie z. B. RR-Wertelisten oder Rohdaten (Samples) HRV-Scanner lite Varilytic HRV Vitalmonitor VNS Analyse Nur in der Standardversion Kein Standard, nur auf Anfrage CSV-Datei möglich Rohdaten sind möglich Besonderheiten der Systeme Alle besprochene HRV-Mess- und ‑Analyse-Systeme decken eine breiten Anwendungsbereich ab. Auf ein paar Besonderheiten und Unterschiede möchte ich abschließend noch eingehen: HRV-Scanner lite: Die Tablet-Version des HRV-Scanner standard macht das Angebot der Firma BioSign komplett. Die Tablet-Nutzer profitieren eindeutig von den "großen" Mess-Systemen des Herstellers. Denn die meisten Funktionen und Anwendungen sind auch mit der Tablet-Version möglich, wie z. B. die große Auswahl der HRV-Parameter, Korrekturmöglichkeiten auf Basis des EKG-und/oder Ohrclip-Signals, die Filterung von Artefakten oder Herzrhythmusstörungen auf Poincaré-Basis sowie die Darstellung alterskorrigierter Werte in einem Rang-Diagramm. Für manche Anwendungsfälle ist die Netzwerkfähigkeit mit anderen BioSign-Systemen und Biofeedback-Geräten ein großes Plus. Varilytic HRV: Das Konzept für Varilytic HRV basiert auf den Praxiserfahrungen von Dr. med. Kathrin de Beer. Seit vielen Jahren behandelt die Internistin und Psychotherapeutin chronisch kranke Menschen. Nach dem Motto „von Praktiker für Praktiker“ waren ihr bei der Entwicklung neben der automatischen Korrekturfunktion mit einstellbaren Schwellenwerten auch der manuelle Eingriff zur einfachen Korrektur von Extrasystolen und Artefakten wichtig. Die Ärztin unterstützt auch Einsteiger bei der Auswertung der Messergebnisse. Für Nachfragen kann die gesamte Messung in anonymisierter Form an den Varilytic-Support per E-Mail geschickt werden. Vitalmonitor: Während die drei anderen Mess-Systeme sich überwiegend an Ärzte, Therapeuten und Coaches richten, kann der Vitalmonitor auch von End-Verbrauchern (Laien) verwendet werden. Alle Mess-Ergebnisse werden gleich interpretiert, lange Zahlkolonen gibt es nicht. Ein Balkendiagramm mit verschiedenen Farbabschnitten gibt Auskunft über die Regenerationsfähigkeit, den physischen und psychischen Stress. Nach einer Freischaltung der Daten können Ärzte, Therapeuten und Coaches den Verlauf mitverfolgen und so zur Entwicklung beitragen. Die Ausbildung zum Vitalmonitor-Trainer ist übrigens kostenlos. VNS Analyse: Die Commit GmbH war der Hersteller, der sich sehr früh und von Anfang an auf ein Mess-System mit Tablet-PC konzentriert hat und sich bewusst nur für eine Auswahl an HRV-Parametern entschieden hat. Für viele Anwender ist die Reduzierung auf vier Parameter und Herzfrequenz vollkommen ausreichend. Auch wird die übersichtliche Darstellung in einem Balkendiagramm als eine große Erleichterung im Praxis-Alltag empfunden. Auffallend ist, dass dem Alpha1-Parameter eine größere Bedeutung zugeschrieben wird. Top für die Anwender ist die Zusage, dass alle zukünftigen Updates kostenfrei sind. Letzte Entscheidungshilfe Die meisten Menschen schwören auf ein einziges PC-Betriebssystem, weil sie es gewöhnt sind und keinen Umgewöhnungsaufwand für einen Tablet-PC haben möchten. Zudem will man evtl. einen schon vorhanden Tablet-PC weiterverwenden. Da die Mess-Software der vorgestellten Anbieter nicht auf allen Betriebssystemen funktioniert, könnte eine Entscheidung auch davon abhängen. Betriebssysteme HRV-Scanner lite Varilytic Vitalmonitor VNS Analyse Windows Android iOS, Android sowohl Tablet-PC als auch Smartphone iOS #### HRV-Experten-Treffen in Halle Dieses Jahr ist es wieder soweit: Am 4. März 2017 findet das 7. Internationale Symposium Herzfrequenzvariabilität in Halle (Saale) statt. Für Interessierte ist es eine gute Gelegenheit, sich über die rasant fortschreitende Entwicklung der Methoden und Anwendungen in der Sportwissenschaft, Arbeits- und Intensivmedizin sowie Kardiologie zu informieren. Initiator ist, wie bei den letzten Symposien auch, Professor Dr. Kuno Hottenrott vom Institut für Sportwissenschaft in Halle. In Deutschland zählt er wohl zu den bekanntesten Experten für Herzratenvariabilität (HRV). Da ich in diesem Jahr das erste Mal das Symposium besuchen werde, war ich neugierig, was mich erwarten wird. Deshalb habe ich mit Professor Hottenrott Kontakt aufgenommen und nachgefragt. Rückblick: Die letzten drei Jahre 2013 fand das letzte Symposium statt. In mehr als drei Jahren kann viel passieren. 2015 wurde die HRV-Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie aktualisiert. In ihr werden erstmals die klinischen Aspekte von abgeleiteten nichtlinearen Parametern genau charakterisiert. Veränderungen sieht Professor Hottenrott auch bei der Anwendung: "In den Anfängen hat man sehr viele unterschiedliche Parameter analysiert. Heute konzentriert man sich auf wenige, und dabei stehen vor allem die vagalen HRV-Parameter im Fokus (z. B. RMSSD, HF)." Laut Professor Hottenrott ist auch das allgemeine Interesse an der HRV größer geworden. Er beobachtet es im Sport und in der ärztlichen Praxis sowie im Bereich der Stressdiagnose und Stressbehandlung (z. B. kontrolliertes Atemtraining mit HRV). "Neben dem Anstieg der Anwendungen sind in letzten drei Jahren auch weitere Messsysteme auf den Markt gekommen. Viele Neuerungen werden auf dem HRV-Symposium vorgestellt." Sie erwartet: Vorträge und Industrieausstellung Insgesamt sind mehr als 20 wissenschaftliche Vorträge und Posterbeiträge geplant. Dem Programm lassen sich folgende Schwerpunkte entnehmen: Die HRV in der Arbeitsmedizin und in der betrieblichen Gesundheitsförderung, im sportlichen Einsatz (Trainingssteuerung) und bei der autonomen Kontrolle im klinischen Bereich (Intensivmedizin und Kardiologe). Die Methoden und Referenzwerte der HRV-Analyse sind natürlich auch in diesem Jahr ein Thema. Es wird Anwendungssysteme mit praktischen Beispielen aus ganz unterschiedlichen Bereichen geben. Zusätzlich zum wissenschaftlichen Programm ist eine Industrieausstellung geplant. Auch hier sind neben der Produktpräsentation von einzelnen Firmen kleine Vorträge vorgesehen. Auf der Website der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo auch das Symposium stattfindet, kann man die Sponsoren-Liste bereits einsehen. Für wen lohnt sich das Symposium? Die Antwort auf meine letzte Frage an Professor Hottenrott soll allen HRV-Einsteigern Mut machen: "Erfahrene Anwender und Einsteiger können vom Kongress profitieren. Das Themenspektrum ist breit, es sind für jeden interessante Beiträge dabei." Weitere HRV-Angebote zum Kennenlernen Wer nicht zum Symposium kommen möchte und sich erst einmal mit den Grundlagen der HRV beschäftigen will, findet bei folgenden Experten und Firmen Vorträge und Schulungen zur HRV: Bernd Heiler hat eine Praxis für integrale Therapie und Coaching in München. Seine HRV- und Biofeedback-Kurse sind herstellerunabhängig. Punito Micheal Aisenpreis hat eine Praxis für somatische Integration in München und Murnau. Über seine ACT-Akademie bietet er verschiedene mehrtägige HRV-Aufbaukurse an. Vereinzelt veranstaltet auch die Deutsche Gesellschaft für Biofeedback e.V Fortbildungen zur HRV. In Kooperation mit dem Human Research Institut und der Medizinischen Universität Graz unter der Leitung von Professor Maximilian Moser bietet die Salzburg Academy Einführungsseminare und Lehrgänge zu den Grundlagen der Herzratenvariabilitätsanalyse an. Die Commit GmbH bietet deutschlandweit viele Vorträge zum Thema VNS/HRV-Analyse an. Die aufgeführten Schulungen stellen nur eine Auswahl dar. Bestimmt gibt es noch viele weitere Fortbildungen zum Thema HRV in Deutschland, Österreich und vielleicht auch in der Schweiz. Ihre Ergänzungen sind willkommen und können über die Kommentarfunktion für alle Leser des Blogs gerne zugänglich gemacht werden. #### HRV-Gesundheitsprogramm im Urlaub Den Urlaub genießen und sich nebenher einen Überblick über die Gesundheit verschaffen - für manch einen wäre das sinnvoll. Die Herzratenvariabilität eignet sich für so ein Ferienprogramm besonders gut. Nach der Messung können die Urlauber gleich damit beginnen, mehr auf ihre körperliche und geistige Balance zu achten. Einige Hotels haben diesen Trend in ihren Gesundheitsprogrammen bereits aufgriffen. Ich möchte von meinen HRV-Test-Tagen im Alpenresort Schwarz in Mieming berichten. Ausprobiert habe ich das ME Body & Mind-Programm, bei dem die Herzratenvariabilität (HRV) ein wesentlicher Bestandteil ist. Durch das Programm begleitete mich Dr. univ. med. Kurt Öhler. Der Plastische Chirurg und Notfallmediziner leitet die hoteleigene Privatklinik. Zusammen mit den Hoteleignern, Familie Pirktl, war er maßgeblich an der Entwicklung des Gesundheitsprogramms beteiligt. ME-Programme unter ärztlicher Leitung ME steht für Mehr Energie. Von den drei verschiedenen ME-Programmen suchte ich mir für meinen Kurzaufenthalt das Body & Mind-Programm aus. Allzu gerne hätte ich natürlich auch meine Energie gefördert (ME Energie) oder an meiner wahrnehmbaren Schönheit (ME Ästhetik) gearbeitet. Alle drei Programme beinhalten eine HRV-Messung. Für das Body & Mind-Programm entschied ich mich, weil es neben der Messung noch andere Anwendungen auf Basis der HRV beinhaltet. Dass es bei den Gesundheitsprogrammen nicht bloß um ein paar Wellness-Anwendungen geht, zeigt das zugrundeliegende Konzept. Alle Gäste, die die ME-Programme buchen, werden von Dr. Öhler betreut. Er übernimmt nicht nur den medizinischen Part, sondern koordiniert auch die Zusammenarbeit mit allen anderen Bereiche im Haus, die an den Programmen beteiligt sind. Hand in Hand arbeitet er mit den Therapeuten, die für die Bewegungs- und Entspannungseinheiten zuständig sind, aber auch mit der Küche. Die vitalstoffreiche Ernährung wird nach den Bedürfnissen, aber auch nach den Wünschen des Gastes täglich geplant. Dr. Öhler beeinflusst also auch den Speiseplan während des Aufenthalts. Kleiner Überblick ME Body & Mind Das auf sieben Tage ausgelegte Programm enthält 15 Leistungen, die teilweise aufeinander aufbauen. Wie der Name schon beschreibt, geht es um den Körper, aber auch um die geistigen Funktionen und das Bewusstsein. Die Verbindung zwischen diesen Bereichen wird bei den unterschiedlichen Untersuchungen für die Feststellung des gesundheitlichen Zustands genutzt. Mit dem Bewegungsprogramm und den verschiedenen Entspannungstrainings soll die Einflussnahme auf die eigene Gesundheit erlernt werden. Untersuchungen zusätzlich zur HRV Bevor ich mich auf den Weg zum Mieminger Sonnenplateau in Österreich machte, erhielt ich einen umfassenden Fragebogen. Man wollte so allerlei von mir wissen, nicht nur über meinen gesundheitlichen Zustand und meine Lebensgewohnheiten, auch meine Wünsche und Ziele waren von Interesse. Nach 13 Fragen mit vielen Unterfragen könnte man meinen, dass alles von mir bekannt sein sollte. Trotzdem startete mein Aufenthalt in Mieming mit einem ausführlichen Gespräch mit Dr. Öhler. "Bitte mal frei machen", hieß es im Anschluss. Während Dr. Öhler zur Tat schritt, um sich auch ein konkretes Bild über meinen körperlichen Zustand zu verschaffen, überlegte ich, wann ich das letzte Mal so gründlich untersucht wurde. Ich konnte mich nur an Teilbereiche erinnern. Mal war es das Knie oder der Rücken, aber schon sehr lange nicht mehr mein Körper als Ganzes. Zweimal wurde mir Blut gekonnt "abgezapft". Eine größere Menge für das Blutlabor und eine wesentlich kleinere für die Messung des oxidativen Stresses. Und natürlich wurde ich auch auf eine Waage gestellt. Der Alptraum jeder Frau ist wohl eine Inbody-Körperanalyse. Danach weiß man alles, auch das was man eigentlich nicht wissen wollte: Muskel-, Fett- und Wasseranteil und gemeinerweise auch die Verteilung im Körper. Die Herzschlagdiagnosen In zwei Tests des Body & Mind-Programms geht es darum, wie gut sich das Herz an unterschiedliche Bedingungen anpassen kann. Wie reagiert es auf Anstrengung und wie auf Entspannung? Je nachdem, wie sich der Herzschlag verändert, lassen sich Rückschlüsse auf die Leistungs- aber auch Entspannungsfähigkeit und damit auf den allgemeinen gesundheitlichen Zustand ziehen. Auf dem Fahrrad-Ergometer wird geschaut, was mein Herz alles leisten kann. Verkabelt und mit einem wachsamen Betreuer an meiner Seite ging es ganz locker los. Alle paar Minuten wurde der Widerstand erhöht, was für mich bedeutete, dass es immer anstrengender wurde und ich immer mehr in die Pedale treten musste. Mein Herz schlug immer schneller und hoffentlich auch gleichmäßiger. Die Anstrengung war gewollt, denn nur so lässt sich mein Sympathikus herausfordern, denn er ist für die Leistungsfähigkeit unter Belastung verantwortlich. Natürlich war ich richtig gespannt, wie im Ferienresort eine HRV-Messung abläuft. Im Urlaub möchte man es sich schließlich gut gehen lassen und nicht Verzicht üben. Verbote werden natürlich nicht ausgesprochen, aber man wird unauffällig gelenkt. Zum Frühstück wurde mir mit einer Selbstverständlichkeit Ingwer-Tee serviert. Auch an der Bar wäre ich, laut Dr. Öhler, chancenlos gewesen, an größere Mengen Alkohol zu kommen. Ich hoffe, die Kommunikation klappt immer so gut bei 120 Zimmern und Suiten. Der medizinische Touch, der einer HRV-Messung gerne anhaftet, wird im ME-Programm vermieden. Ein Analysesystem, das eher an eine angenehme Wellness-Behandlung erinnert, liefert gleichzeitig Fakten: insbesondere, wie gut der Parasympathikus reguliert. Mit den Ergebnissen kann die allgemeine Entspannungsfähigkeit des Körpers bewertet werden. Für viele Gäste ist dieses Verfahren bestimmt einfacher und angenehmer, weil sie nur relativ wenige Vorgaben für diese Messung beachten müssen. Entsprechende Werte für eine Einschätzung der Funktion des Parasympathikus lassen sich so trotzdem erreichen. Für die Messung wurde ich wie für ein EKG verkabelt und dann hieß es für mich, nur noch zu entspannen. Meine Aufregung, die es mir anfangs schwer machte, in den "Entspannungsmodus" zu wechseln, war schnell verflogen. Das angewendete Messsystem erleichterte mir den Einstieg, loszulassen. Denn mit dem Start der Messung wurde mein Herzschlag zeitgleich in Farben und Klänge umgewandelt. Ich war sofort fasziniert, lauschte meinem Herzen, beobachtete das Farbspiel und vergaß dabei alles um mich herum. Vom Herz Entspannung lernen Die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse und der Umgang mit ihnen bilden quasi den zweiten Teil des ME Body & Mind-Programms. Für die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse werden während des Aufenthaltes verschiedene Methoden und Techniken geübt, um sie später im Alltag weiter anwenden zu können. Das Herz und die HRV spielen auch hier wieder eine zentrale Rolle. Von meinem Herzschlag kann ich also auch lernen, wie Entspannen geht. Mit dem Sportwissenschaftler und Entspannungs-Therapeut Klaus Unterberger probierte ich einige Entspannungsübungen aus. Schon während seiner Zeit als Konditions- und Mental-Trainer beim österreichischen Ski-Nationalteam (Welt- und Europa-Cup) wendete er bereits verschiedene Mental-Coachings an und entwickelte sie weiter. Bei der Herz-Kohärenz-Übung steht das Herz aber auch die Atmung im Mittelpunkt. Im ersten Moment erinnerte mich die Übung an eine Meditation. Unter Anleitung atmete ich langsam und tief ein und aus. Die Atmung hilft dem Herz, seinen Rhythmus zu ändern. Um Millisekunden beginnt es die Abstände zwischen den Schlägen zu variieren, was einen wohltuenden Effekt auf den ganzen Körper hat, weil der Parasympathikus am Werk ist. Das Mental-Coaching wendete Klaus Unterberger schon bei Spitzensportlern an, um sie zum Erfolg zu führen. Es soll entspannen und für positive Lebensenergie sorgen. Auch bei diesem Training wird für die Kontaktaufnahme mit dem Körper das Bewusstsein auf die Atmung gelenkt. Denn nur mit einer bewussten Hinwendung lassen sich Anspannung und Stress im Körper auflösen. Die bildliche Vorstellung einzelner Körperregionen reicht meist schon aus, um sich leichter und losgelöster zu fühlen. Toll fand ich, dass man die Sitzungen für Zuhause aufzeichnen konnte, um dort mit Klaus Unterberger im Ohr weiterüben zu können. Ein Biofeedback-Training gehört natürlich auch zum Gesundheitsprogramm. Wer jetzt an fliegende Ballons oder Schmetterlinge denkt, liegt im Alpenresort Schwarz falsch. Farben und Klänge kamen ein zweites Mal zur Anwendung. Gemeinsam mit Klaus Unterberger "komponiere" ich meine Herzmusik. Auf einem USB-Stick geladen, bekomme ich sie für Zuhause mit. Erkenntnisse aus den Untersuchungsergebnissen Meine Test-Zeit im Alpenresort Schwarz endete mit einem abschließenden Gespräch bei Dr. Öhler. Mittlerweile lagen ihm auch meine Blutergebnisse vor. Zusammen mit den vorangegangenen Untersuchungen hatte er nun ein detailliertes Bild von meinem gesundheitlichen Zustand. So konnte er mir genaue Empfehlungen geben, was ich noch verbessern kann. Gemeinsam gingen wir meine Laborwerte durch. Hätte ich gewusst, was er alles mit meinem Blut abklärt, hätte ich vermutlich nachts nicht schlafen können. Anhand der Werte besprachen wir meine Ernährung und optimierten sie. Wir schauten, ob sich irgendwo ein Risiko anbahnen könnte. Irgendwann verließen wir diese "organische" Ebene und widmeten uns den Regulationsmöglichkeiten meines Körpers. Die Werte der oxidativen Stress-Messung waren für Dr. Öhler ein wichtiger Anhaltspunkt, wie meine Belastungssituation ist. Dabei interessierten ihn weniger Stresswerte (Oxidantien) in meinem Blutserum, sondern eher meine körperlichen Möglichkeiten (Antioxidantien) darauf zu reagieren beziehungsweise sie auszugleichen. Solange ein Gleichgewicht zwischen ihnen herrscht, solange ist Stress kein Problem. Einblicke, wie gut die verschiedenen Prozesse in meinem Körper ablaufen, erhielt der Arzt von der HRV-Messung. Anhand der Werte konnte er ablesen, ob alles reibungslos funktioniert und wie gut es um meine Energiereserven bestellt ist. Für Dr. Öhler dient die HRV als ein sehr frühes Warnsignal für die Entstehung von Krankheiten. Die HRV-Werte verschlechtern sich bereits, bevor klare Symptome wahrgenommen werden. Mein Fazit Beim ME Body & Mind-Programm wird viel untersucht. Das ist aber auch sinnvoll. Denn je früher auf Veränderungen reagiert wird, umso leichter lassen gesundheitliche Folgen noch abwenden. Die HRV bietet sich als zusätzliche Diagnosemethode besonders gut an. Meist reichen bereits kleine Veränderungen des Lebensstils zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation aus. Herauszufinden, was das im Einzelnen für jeden sein kann, ist ein Ziel des ME Body & Mind-Programms. PS: Dankenswerterweise wurde ich vom Alpenresort Schwarz für meine 2,5 Tage dauernde Recherche eingeladen. #### HRV-Kurzzeitmessung – 5 Minuten für die Gesundheit  Die HRV-Kurzzeitmessung liefert innerhalb kurzer Zeit eine Einschätzung, wie es um es um die Leistungsfähigkeit des vegetativen Nervensystems steht. Deshalb ist sie bei Therapeuten sehr beliebt. Dieser klinisch erprobte Test hat sich neben der RSA-Messung zur Beurteilung der Herzratenvariabilität bewährt. Die Kurzzeitmessung sollte bei der Gesundheitsvorsorge und Behandlung von Krankheiten ein Standard werden. Der Aufwand ist überschaubar, der Erkenntnisgewinn hingegen ist enorm. Aus dem Messergebnissen lässt sich bereits so viel herauslesen, dass viele Therapeuten teilweise nur mit der Kurzzeitmessung arbeiten. Mit ihr lässt sich die Herzratenvariabilität (HRV) als Frühwarnsignal nutzen. Gar nichts tun, einfach nur entspannen, das ist der wesentliche Bestandteil der Messung. Ohne Angaben und Vorgaben soll geschaut werden, wie das vegetative Nervensystem (VNS) auf die selbst herbeigeführte Entspannung reagiert. Im Prinzip geht es bei der Messung darum, wie es um die eigene Erholungsfähigkeit bestellt ist. Kann der Parasympathikus ohne Hilfe von außen aus eigener Kraft aktiviert werden? Die eigene Entspannungsfähigkeit im Test Auch wenn die Kurzzeitmessung für alle Beteiligten einfach und leicht durchführbar ist, bedarf sie einer sorgfältigen Vorbereitung. Alles, was das Messergebnis beeinflussen könnte, sollte vorher abgeklärt werden. Medikamente und aktuelle Krankheiten sind Einflussfaktoren, aber auch starke körperliche Anstrengungen Tage zuvor. Alkohol, Kaffee und Nikotin kurz vor der Messung wirken sich ebenfalls auf die HRV-Werte aus. Während der Messung sind jegliche Art von Bewegung, auch sprechen, räuspern oder schniefen, Störfaktoren, die nach Möglichkeit vermieden werden sollten. Für eine möglichst realistische Einschätzung der Werte sollte mit der Messung erst begonnen werden, wenn sich der Ruhepuls langsam eingependelt hat. Meist braucht es ein paar Minuten, um die nötige Ruhe zu finden. Eine Zeit, die sich jeder nehmen sollte. Körperhaltung als Einflussgröße Die Kurzzeitmessung kann im Liegen oder Sitzen vorgenommen werden. Die Empfehlung, sie im Liegen durchzuführen, verfolgt den Vorteil, dass die orthostatische Belastung wegfällt. Das Herz wird entlastet und kann noch freier regulieren. Ein anderer Grund sind die hinterlegten Referenzdaten für die Berechnung der Parameter. Wurden sie in einer liegenden Körperhaltung erhoben, was bei den meisten Studien der Fall ist, dann fallen die Ergebnisse bei einer Messung im Sitzen etwas schlechter aus. Auch wenn das Herz das Blut zumindest teilweise von unten nach oben pumpen muss, ist es kein großer Fehler im Sitzen zu messen. In den Leitlinien zur Nutzung der HRV in der Arbeitsmedizin und Arbeitswissenschaft wird der sitzenden Haltung sogar der Vorzug gegeben. Hintergrund ist hier vermutlich der praktische Aspekt bei der Durchführung und die Vergleichbarkeit zur Körperhaltung bei der Arbeit. Schon die Messsysteme machen einen Unterschied aus Von den einzelnen Messsystemen ist abhängig, wie die Messung vorgenommen wird, also welches "Werkzeug" und welcher Sensor für die Puls-Erfassung zum Einsatz kommen. Die System-Palette fängt bei verschiedenen EKG-Ausführungen an, geht über unterschiedliche Brustgurt-Modelle und endet bei Ohr-Clips oder auch Smartphone-Kameras. Um zu verstehen, was den Unterschied ausmacht, muss man sich mit der Erfassung des auszuwertenden Signals vertraut machen. Grob betrachtet geht es darum, die Abstände zwischen den einzelnen Herzschlägen zu messen. Der feine Unterschied ist, wie das geschieht. EKG-Geräte erfassen sekundenweise sehr viele Messwerte. Brustgurte hingegen stellen in der Regel nur die einzelnen Werte der Herzfrequenz bereit. Den Unterschied macht die sogenannte Abtastrate aus. Je höher sie ist, umso genauer fällt das Ergebnis aus. Wird alle ein bis zwei Millisekunden gemessen, kann sozusagen nichts verloren gehen oder übersehen werden. Die R-Zacken werden punktgenau erfasst. Aber auch "Ausreißer" fließen in die Aufzeichnung mit ein. EKG-Geräte und einige wenige Brustgurte bieten eine hohe Abtastrate. Der Verlauf des Herzschlags kann völlig transparent aufgezeichnet werden. Die meisten Brustgurte messen die Herzrate jedoch in größeren Abständen, was Ungenauigkeiten mit sich bringt. Es ist meist nicht durchschaubar, wie die gemessenen Werte zustande kommen. Falsche Werte aufgrund von Störungen können nicht unterschiedenen werden. Messungen mit Ohrclip oder Smartphone-Kamera nutzen die Lichtdurchlässigkeit der Haut und erfassen die Schwankungen des durchfließenden Blutes, die sogenannte Pulswelle. Die Regulation der Gefäßstrecke mischt sich also hier in die Ergebnisse ein. Die Qualität hängt vom Umgang mit den Störfaktoren ab Eine hohe Abtastrate ermöglicht, dass "falsche" Schläge, sogenannte Artefakte erkannt werden. Sie beeinflussen vor allem die Werte im Frequenzbereich wie z. B. Low Frequency (LF) und High Frequency (HF). Was bei Langzeitmessungen nicht von allzu großer Bedeutung ist, weil nur kurze Abschnitte betroffen sind, kann bei Kurzzeitmessungen zu verfälschten Ergebnissen führen. Eine Extrasystole beispielsweise hat nichts mit der HRV zu tun, beeinflusst aber die Messergebnisse. Ähnlich zu werten sind Artefakte, die beispielsweise durch Bewegungen bei der Messung ausgelöst wurden. Ein Aspekt, der auch bei den verschiedenen Messsystemen den Unterschied macht, ist der Umgang mit den Störfaktoren. Neben der Erfassung und Erkennung ist auch deren Ausschluss von Bedeutung. Dr. med. Doris Eller-Brendl schreibt in ihrem Buch Herzratenvariabilität: "Als Grundregel gilt: Je kürzer der beobachtete Zeitraum ist, desto wichtiger ist die Artefaktfreiheit dieses Zeitraums, um reale Ergebnisse zu erhalten." Systeme mit einer automatischen Bereinigung beseitigen mit einem Tastenklick kurz mal alle Auffälligkeiten. Das kann im Praxisalltag eine große Hilfe sein, es kann einen aber auch um wertvolle Erkenntnisse bringen. Eine manuelle Bearbeitung kostet zwar etwas mehr Zeit, schützt aber vor Fehlinterpretationen. Zudem haben Fehler, die von den Autokorrekturen eingebracht werden, keine Chance. Die Auswertung der Werte kann sich von System zu System unterscheiden. Je nachdem welche Normwerte und Personenangaben in die Berechnung einfließen, kann es zu Abweichungen kommen. In diesem Zusammenhang ist vor allem die Bewertung der "gemischten" Werte interessant. Also jener Parameter, die von Sympathikus und Parasympathikus gleichermaßen beeinflusst werden können, wie z. B. LF oder SD2. Mehr Erkenntnisse durch die Einbeziehung der Atmung Welcher Anteil des VNS hauptsächlich Einfluss nimmt, lässt sich nur unter Einbeziehung der Atmung genau klären. Kommt es während der Ruhemessung zu einer respiratorischen Sinusarrhythmie (siehe Beitrag Atmung bewegt Herzschlag), ist dies ein Zeichen für den Einfluss des Parasympathikus Die Einbeziehung der Atmung in die Kurzzeitmessung kann Missverständnissen vorbeugen. Schlechte Werte müssen nicht zwangsläufig eine parasympathische Regulationsstörungen sein. Bei abweichenden Ergebnissen der Kurzzeitmessung zur RSA-Messung kann der Einfluss der Atmung die Erklärung sein. Anhand der R-Zackenhöhe lässt sich die Herzfrequenz mit der Atmung ins Verhältnis setzen, eine andere Möglichkeit sind Brustgurte mit Dehnungsstreifen. Üblicherweise wird die Kurzzeitmessung nach genau fünf Minuten abgeschlossen und bereits wenige Minuten später liegen die Ergebnisse vor. Neben der zeitlich reglementierten Erfassung gibt es auch den Ansatz, die Messung von der Anzahl der Herzschläge abhängig zu machen. Beispielsweise werden exakt 520 Herzschläge erfasst und im Anschluss ausgewertet. Je nach Herzschlag dauert diese Art der Messung zwischen fünf bis zehn Minuten. Im Vergleich zur RSA-Messung, die eher die verfügbaren VNS-Ressourcen aufzeigt, spiegelt die Kurzzeitmessung den momentanen Zustand wider. Sie vermittelt eine Einschätzung über die gesundheitliche Situation. #### HRV-Langzeitmessungen als Alltags-Check Bei einer Langzeitmessung erhält man Einblicke über die Balance von Stress und Entspannung im Alltag. Im Gegensatz zu Kurzzeit-Messungen können verschiedene, typische Belastungen in Einem ausgewertet werden. Die Auswertung offenbart, was entspannt und was stresst. Langzeitmessungen können Einblick und Überblick bieten. Für viele Menschen ist es eine Herausforderung, die richtige Ausgewogenheit zwischen Belastung und Entspannung im Alltag zu finden. Fragen, auf die eine Langzeitmessung der Herzratenvariabilität (HRV) eine Antwort liefern kann, sind: Erhält der Körper genügend Erholungsphasen? Sind die Pausen richtig gestaltet und bieten sie tatsächlich Erholung? Welche Belastungen sollten verringert oder vermieden werden? Langzeitmessungen kurz beschrieben Gemessen wird mit einem kleinen Gerät, das mit Elektroden auf die Brust geklebt wird. Es wird während der gesamten Messung Tag und Nacht getragen und in den meisten Fällen nur zum Duschen ablegt (wasserfeste Geräte gibt es auch). Parallel zur Messung wird ein Ereignis- oder Aktivitäts-Protokoll geführt. Alle Aktivitäten im Laufe des Tages und die Schlafzeiten werden festgehalten, um ihnen später Veränderungen in den Messergebnissen zuzuordnen. In Verbindung mit der Messung gibt es meist auch einen kleinen Fragenkatalog zu beantworten. Für die Einschätzung der Messergebnisse sind nicht nur Alter und Geschlecht wichtig, sondern auch z. B. Angaben zum Allgemeinbefinden, zur Schlafqualität, zu bestehenden Krankheiten, zur Einnahme von Medikamenten, zum Umfang vom wöchentlichen Sportprogramm oder zum Alkohol- und Zigarettenkonsum. Die Angebote für Langzeitmessungen unterscheiden sich. Folgende Anbieter standen mir freundlicherweise für schriftliche Interviews zur Verfügung, um einen groben Überblick zu geben: Autonom Health Firstbeat mesana Was bei einer Langzeitmessung zu beachten ist Langzeitmessungen verleiten dazu, während der Messung außergewöhnliche Dinge zu tun. Die Aussicht, zu erfahren, wie der Körper auf extreme Situationen reagiert, ist eine Verlockung – ihr nachzugeben aber nicht sinnvoll. Weil einzelne Werte, wie z. B. der SDNN, auf Belastungen reagieren, sollten nur typische Belastungen und Alltagssituationen während der Messung geschehen. Um zu erfahren, wie das Wechselspiel von Anspannung und Entspannung beziehungsweise von Sympathikus und Parasympathikus stattfindet, sollte die Messung an einem ganz normalen Tag gemacht werden. Bei längeren Messungen empfiehlt sich, an freien Tagen und Arbeitstagen zu messen. Dies ist insbesondere wichtig, wenn Erholung bei Arbeitseinsätzen und Dienstplänen nur knapp eingeplant ist und auf das Wochenende verschoben wird. Die Auswertung von Langzeitmessungen Je nach Anbieter oder Gerät für Langzeitmessungen wird die HRV unterschiedlich dargestellt. Beispielsweise wird mit zwei Farben gearbeitet, die für die Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus stehen, oder mit verschiedenen farbigen "Flammen", die mit ihrer Höhe die HRV darstellen sollen. Die Darstellungen zeigen in Verbindung mit dem geführten Protokoll, wie sich Stress, Erholung und körperliche Aktivität auf die HRV auswirken. Die grafische Darstellung (hier als Beispiel die Farb-FFT) ist beeindruckend: An ihr lässt sich ablesen, was im Alltag entspannt und was stresst. Sie ist ein guter Gradmesser, um zu erfahren, ob sich eine Entspannungseinheit in der Mittagspause gelohnt hat, der Tag tatsächlich so anstrengend oder die Sporteinheit wirklich effektiv war und die Nacht trotz spätem Abendessen und Alkohol für Erholung sorgte. Was bringt eine Langzeitmessung? Da wir eher glauben, was wir sehen, ist eine Langzeitmessung eine gute Sache. Für manch einen kann sie einen Impuls für Veränderung geben. Dafür braucht es einen konkreten Plan, denn ohne Hilfestellung verpufft der gute Vorsatz ganz schnell wieder und alles bleibt beim Alten. Meines Erachtens ist eine Veränderung des Lebensstils in den meisten Fällen nur mit einer entsprechenden therapeutischen Begleitung möglich. Mein Tipp: Bei den Angeboten für eine Langzeitmessung immer auf eine individuelle Beratung achten. Anbieter für eine Langzeitmessung finden Es gibt Ärzte, Heilpraktiker und verschiedene Therapeuten, die neben Kurzzeitmessungen auch Messungen über mehrere Stunden und Tage anbieten. Sie werten die Daten selbst aus und führen ein persönliches Gespräch im Anschluss. Ihr Vorteil: Sie können die weiteren Maßnahmen begleiten. Dadurch, dass sie die Messungen selbst vornehmen, können sie den Erfolg einer Behandlung, die Umstellung eines Trainingsplans oder eine Veränderung des Lebensstils jederzeit zwischendurch auch mit Kurzzeitmessungen überprüfen. Da das Mess-Equipment einfach anzulegen ist, bieten einige Therapeuten an, alles Nötige per Post zu schicken und die Beratung am Telefon oder via Skype durchzuführen. Auch wenn ich oft gefragt werde, wie man einen guten HRV-Experten für eine Langzeitmessung findet, kann ich keinen guten Tipp geben. Beispielsweise gibt es auf der BioSign-Website eine Therapeutensuche. Es wäre einen Versuch wert, mit den Therapeuten Kontakt aufzunehmen und nachzufragen, ob von ihnen auch Auswertungen von Langzeitmessungen angeboten werden. Ähnlich scheint es auch bei anderen Geräteherstellern zu sein. Ich möchte an dieser Stelle Therapeuten ermutigen, die Kommentarfunktion dieses Blogs zu nutzen und auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Für die Auswertung einer Langzeitmessung sind Erfahrung und Zeit nötig. Einige Firmen bieten deshalb Langzeitmessungen und deren Auswertung an. Ärzte, Heilpraktiker, verschiedene Therapeuten und Fitnesstrainer nutzen diese Dienstleistungsangebote gerne. Denn bei dieser Variante entfällt für sie der Aufwand für die Auswertung der Messdaten. Auf Basis der gelieferten Messergebnisse führen sie ihre Beratung und Behandlung durch. Ihr Vorteil: Die mitgelieferten mehrseitigen Auswertungsberichte mit Erklärungen helfen Patienten und Klienten, sich später die Ergebnisse noch einmal in Erinnerung zu rufen. Interviews mit Anbietern für Durchführung und Auswertung von Langzeitmessungen Für diesen Beitrag habe ich verschiedene Anbieter angeschrieben und sie gebeten, mir ein paar Fragen zu beantworten. Ich wollte beispielsweise wissen, welche Studien für die Auswertung der Messdaten hinterlegt sind oder ob die Rohdaten nach der Messung zur Verfügung gestellt werden können. Erst wollte ich aus den Antworten eine vergleichende Tabelle machen. Da teilweise sehr ausführlich geantwortet wurde, habe mich entschlossen, die drei Interviews ungekürzt wiederzugeben. Autonom Health Dr. med. Alfred Lohninger gründet 2005 die Autonom Health Gesundheitsbildungs GmbH Wien. Die von ihm entwickelte Analysesoftware ist Teil eines umfassendes diagnostisch-therapeutischen Konzepts. Zum Interview mit Autonom Health Firstbeat Das finnische Unternehmen gehört zu den führenden Anbietern für physiologische Analysen in den Bereichen Sport, Fitness und Wellness. Zum Interview mit Firstbeat mesana corvolution ist ein MedTech-Startup aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Es erforscht, entwickelt und vertreibt Produkte und Dienstleistungen im Bereich Herz-Kreislauf-Prävention und -Diagnostik. Zum Interview mit mesana Interview mit Autonom Health Wie viele Autonom Health Therapeuten gibt es Deutschland, Österreich und der Schweiz? Autonom Health: Wir bilden seit mehr als 15 Jahren Ärzte, Psychologen, Coaches, Sportwissenschaftler, Ernährungsexperten, Heilpraktiker sowie alle, die sich mit Gesundheit beschäftigen zum zertifizierten HRV-Professional by Autonom Health aus. Mittlerweise gibt es über 1100 Absolventen unserer Ausbildungsreihe in Deutschland, Österreich und Schweiz. Im Moment arbeiten mehr als 600 Partner und Professionals im DACH-Raum aktiv mit unserer HRV-Methode. Welche Qualifikation haben die Autonom Health Therapeuten? AH: Sie haben alle 4 Module unserer HRV-Ausbildungsreihe (Grundlagen, e-learning, Umsetzung in Theorie und Praxis) absolviert und die Prüfung zum zertifizierten HRV-Professional erfolgreich abgeschlossen. Wie finde ich einen Autonom Health Therapeuten? AH: Eine Übersicht über unsere zertifizierten Professionals und Partner findet sich in unserer Partnerliste unter community.autonomhealth.com/partner. Ist ein Praxisbesuch für die Messung notwendig? AH: Nein. Das Mess-Equipment kann per Post zugeschickt werden, ein Coaching-Gespräch ist neben einem persönlichen Gespräch auch per Skype oder Telefon möglich. Wie viele Stunden dauert eine Autonom Health-Messung? AH: Wir bieten Kurzzeitmessungen zwischen 5 und 30 Minuten sowie Langzeitmessungen ab 30 Minuten bis zu mehreren Tagen an. Die Auswertungen sind auf 24 Stunden normiert. Empfohlen werden ca. 24 Stunden, es kann nach Wunsch auch länger gemessen werden. Mit welchen Geräten wird die Messung vorgenommen? AH: Jedes Gerät, das saubere, unverschlüsselte RR-Daten liefert, kann in unser Analyseportal eingespielt werden. Dazu zählen diverse HRV-Rekorder und Brustgurte. Was kostet eine Autonom Health Messung ungefähr? AH: Wir haben zwei Geschäftsfelder, zwischen denen unterschieden werden muss: Messungen über unsere Professionals werden individuell bepreist. Wir empfehlen einen unverbindlichen Preis ab 70 EUR. Für gesundheitsbewusste Menschen haben wir die „My Autonom Health“ Do-it-yourself-Software entwickelt. Dabei kann sich jeder ab 19,90 EUR monatlich so oft selbst messen, wie er möchte. Wie umfangreich ist der Bericht von der Auswertung? AH: Wir bieten unterschiedlichste Reports in unserem Programm an. Zwischen einem ein-seitigen Übersichtsblatt und einer 15-seitigen Auswertung wird unterschieden. Mehr als 30 Seiten Berichts-PDF als schriftliche Expertise zur Messung beschreiben alle wichtigen Mess-Ergebnisse. Zudem erhält jeder Gemessene online Zugang zu seinen Ergebnissen im Analyseportal. Ist ein Gespräch über die Auswertung im Preis inbegriffen? Falls ja, wie lange dauert es in etwa? AH: Gespräche werden individuell vereinbart. Preis und Umfang des Coaching-Gesprächs sind vom Professional bzw. Partner und KlientInnen abhängig. Mit welchen Studienergebnissen werden die individuellen HRV-Ergebnisse verglichen? AH: Mit jenen mehreren hundert Standard- und rezenten Arbeiten, wie in der Literaturliste im „HRV-Praxis-Lehrbuch“ (A. Lohninger, 2017) angegeben. Im Lehrbuch finden sich neben den Richtwerten zu allen wesentlichen HRV-Parametern auch die Vergleiche zu den Daten im „Task-Force-Paper“. Ist es möglich, von der Messung die Rohdaten zu erhalten? AH: Das ist selbstverständlich per Mausklick möglich. Interview mit Firstbeat Wieviel Firstbeat-Therapeuten gibt es Deutschland, Österreich und der Schweiz? Firstbeat: Im deutschsprachigen Raum haben wir im Moment etwa 80 ausgebildete Firstbeat Serviceanbieter, die das Lifestyle-Assessment in einem therapeutischen Kontext oder im Coaching-Bereich anbieten. Hinzu kommen Universitäten, private Forschungseinrichtungen und Kliniken, die das Firstbeat Lifestyle Assessment einsetzen. Weltweit – vor allem in Skandinavien und Großbritannien – arbeiten etwa 700 Anbieter mit dem Firstbeat Lifestyle Assessment, Tendenz steigend. Über unsere 15-jährige Firmengeschichte hinweg wurden so Millionen von Herzen analysiert. Welche Qualifikation haben die Firstbeat-Therapeuten? Fb: Jeder neue Serviceanbieter durchläuft ein internetbasiertes Benutzertraining, welches die physiologischen Hintergründe der HRV im Allgemeinen und des Lifestyle Assessments im Speziellen erklärt. Genaues Augenmerk wird auf Inhalt des Analyseberichtes, mögliche Auswirkungen von Krankheit, Medikamenten und anderer Substanzen auf die HRV sowie mögliche Interpretationsansätze und Schlussfolgerungen gelegt. Da das Lifestyle Assessment und die verbundenen Berichte an sich keine direkte Interpretation geben, sondern lediglich die analysierten, objektiven HRV- und HF-Daten zusammenfassen und graphisch widerspiegeln, ist eine kontextgebende Auswertung gemeinsam mit dem Klienten von Vorteil. Diese Dinge werden als Teil des Trainings in persönlichen Gesprächen mit Firstbeat-Spezialisten und Physiologen besprochen. Der Großteil unserer Nutzer kommt dabei aus unterschiedlichen therapeutischen Feldern, bei denen die HRV-Analyse von Firstbeat als zusätzliches Tool Verwendung findet. Wie finde ich einen Firstbeat-Therapeuten? Fb: Die meisten unserer Serviceanbieter bewerben das Lifestyle Assessment auf ihrer Internetseite. Darüber hinaus wird im Moment auf unserer eigenen Internetseite ein Register für zertifizierte Lifestyle Assessment Serviceanbieter eingerichtet, unter welchem in naher Zukunft alle Anbieter gefunden werden können. Es ist außerdem möglich, ein Lifestyle Assessment direkt über Firstbeat zu bestellen. Ist ein Praxisbesuch für die Messung notwendig? Fb: Nicht unbedingt. Das Messgerät kann via Post zum und vom Klienten gesendet werden, die Messung ist unkompliziert durchzuführen und bedarf keines technischen Hintergrundwissens. Die Auswertung kann gemeinsam mit dem Klienten über Telefon oder in einem Online-Meeting stattfinden. Hierzu wird zuvor der Messbericht per E-Mail oder Post an den Klienten geschickt, sodass die Auswertung problemlos auch ortsunabhängig durchgeführt werden kann. Wie viele Stunden dauert eine Firstbeat-Messung? Fb: In der Regel 72 Stunden. Diese sollten im Idealfall zwei Arbeitstage und einen freien Tag beinhalten, sodass ein möglichst breites Bild der physiologischen Reaktionen des Körpers in unterschiedlichen und natürlichen Alltagsituationen wiedergegeben werden kann. Die Messung lässt sich je nach Bedarf jedoch auch über einen kürzeren Zeitraum und bis zu 6 Tage lang durchführen. Mit welchen Geräten wird die Messung vorgenommen? Fb: Wir nutzen unseren eigenen Firstbeat Bodyguard2, ein extrem genauer HRV-Monitor, der speziell für die Langzeitaufzeichnung der HRV entwickelt wurde. Er wird über zwei Einweg-Elektroden am Oberkörper angebracht, ist äußerst leicht und geeignet für sämtliche alltäglichen und sportlichen Aktivitäten. Die Aufzeichnungsqualität kommt dem eines EKG nahe und ein integrierter Beschleunigungsmesser zeichnet Bewegungsdaten für die Berechnung physischer Aktivitäten auf. Was kostet eine Firstbeat-Messung in etwa? Fb: Wir selbst bieten Einzelmessung für 200,00 EUR an. Darin ist die Messung, Auswertung sowie ein Feedback-Gespräch mit einem Firstbeat-Spezialisten via Telefon enthalten. Die Kosten bei den Serviceanbietern variieren und hängen stark von der jeweiligen Integration in das eigene Service- und Therapiemodell ab. Wie umfangreich ist der Bericht von der Auswertung? Fb: Jeder Messtag wird auf einer separaten Seite dargestellt, die verschiedene Grafiken und Punkt-Scores beinhaltet. Eine Gesamtgrafik zeigt die Herzfrequenz, farbkodiert die Reaktion des Nervensystems (Sympathikus-Parasympathikus) und die persönlichen Tagebucheintragungen, die durch den Klienten während der Messung gemacht wurden. Zusätzlich gibt es Punkt-Scores von 0-100 zu den drei großen Hauptbereichen: Stress- und Erholung, Schlafqualität/Regeneration während des Schlafes und körperliche Aktivität. Außerdem werden die Schrittzahl und der Kalorienverbrauch für jeden Tag aufgezeigt. Alle Messtage werden zum Ende des Berichtes auf einer Seite zusammengefasst. So lassen sich erste Trends bspw. die Balance von Stress und Erholung erkennen sowie durch die Punkte sehen, welche Bereiche gut und welche noch ausbaufähig sind. Zuletzt kommt eine Seite für die persönliche Zielsetzung, um erhaltenen Informationen in tatsächliche Veränderung und Verbesserung des Lifestyles umzuwandeln. Der Bericht macht also den Ist-Zustand grafisch sichtbar, hilft bei der Zielsetzung und gibt in Nachfolgemessungen die Möglichkeit, den Effekt der Veränderungen messbar zu machen. Ist ein Gespräch über die Auswertung im Preis inbegriffen? Falls ja, wie lange dauert es ungefähr? Fb: Das Feedback- oder Auswertungsgespräch ist ein zentraler Teil des Lifestyle Assessments und dauert in der Regel eine halbe Stunde. Da die Interpretation der Daten nicht automatisiert durchgeführt werden kann – es gibt zu viele individuelle Variablen in Lifestyle, Physiologie und momentaner Situation für jeden einzelnen Teilnehmer – ist eine Auswertung gemeinsam mit dem Klienten extrem aufschlussreich und für den Teilnehmer eine große Hilfe. Mit welchen Studienergebnissen werden die individuellen HRV-Ergebnisse verglichen? Fb: Firstbeat hat seine Wurzeln in der Sportwissenschaft der Universität Jyväskylä in Finnland und die im Lifestyle Assessment genutzten Analysen stützen sich auf zehntausende Labormesswerte, die unter anderem im Olympischen Trainingsinstitut KIHU in Jyväskylä durchgeführt wurden und immer noch werden. Zahlreiche internationale Studien in den vergangenen Jahrzehnten tragen dabei zur steten Neuevaluierung und Validierung der von uns verwendeten Analysen und mathematischen Modellierungen bei. So bleiben unsere Analysen nicht nur auf dem neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern wir tragen auch unseren Teil zur internationalen physiologischen Forschung in diesem Bereich weiter aktiv bei. Eine Auswahl von Papers und Publikationen mit einem Bezug zu Firstbeat und unseren Analysen finden Sie hier: firstbeat.com/de/wissenschaft/white-paper-und-veroffentlichungen Ist es möglich, von der Messung die Rohdaten zu erhalten? Fb: Die Rohdaten zu Herzfrequenz und vom Beschleunigungsmesser des Bodyguards können für jede Messung über das Firstbeat Datenexport-Feature heruntergeladen werden. Interview mit mesana Welche Qualifikation haben die mesana-Therapeuten? mesana: mesana ist als Telescreening konzipiert. D. h., der mesana-Nutzer wird entweder nach der Messung telefonisch (z. B. wenn er sein mesana-Ergebnis über seinen Arbeitgeber erhalten hat) oder von einem Kooperationspartner (Arzt/Betriebsarzt, Psychologe, Physiotherapeut, Coach) betreut. Wir schulen alle Personen, die mit mesana beraten möchten, vorab. Wieviel mesana-Therapeuten gibt es Deutschland, Österreich und der Schweiz? Mesana Callcenter: 5 Tage die Woche besetzt, 10 Berater Partner-Firmen, die mesana einsetzen und beraten: Bisher 860 Ärzte und Psychologen (z. B. Arbeitsmedizinische Dienste des TÜV-Rheinland) Physiotherapeuten und Coaches: 8 in Deutschland, 1 Coach in der Schweiz  Wie finde ich einen mesana-Therapeuten? Im Setting für Privatpersonen ist das Callcenter aktiv. Jeder Nutzer kann dort kostenlos anrufen. Die Beratungsdauer ist nicht limitiert. Eine Suche ist daher nicht erforderlich. Ist ein Praxisbesuch für die Messung notwendig? Im Setting für Privatpersonen ist das Callcenter aktiv. Eine Suche ist nicht erforderlich. Wie viele Stunden dauert eine mesana-Messung? 48 Stunden. Ab 2019 gibt es auch eine Messung über 7 Tage, damit wir auch zirkadiane Rhythmik auflösen können. Mit welchen Geräten wird die Messung vorgenommen? Eigene Entwicklung namens CM220, 1 kHz Abtastrate, 2-Kanal-EKG (bei 7-Tage Checkup 6 Kanäle), morphologische Betrachtung der Herzschläge zur verlässlichen Filterung von Rhythmusstörungen, Thorax-Impedanzmessung für solide Atmungsmessung, Barometer und Gyroskop für Energieumsatz- und Aktivitätsmessung. Was kostet eine mesana-Messung ungefähr? Für Privatpersonen kostet ein Checkup ca. 150 EUR brutto. Für Berater gibt es Staffelpreise. 10 Checkups: 75 EUR netto. Wie umfangreich ist der Bericht von der Auswertung? 16 Seiten Gemessen werden zudem: Vorerkrankungen Lebensstilfaktoren: Schlaf (-Erholung, -Qualität, Unruhe im Schlaf, Schnarchen), Alltagsaktivität und Fitness, Risiko-Scores für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes Befragt wird: Subjektive, validierte Skalen zu Stress (Perceived Stress-Scale) und Schlaf (Phillipsburg Sleep-Quality Index PSQI) Vorerkrankungen, Medikamente mit Einfluss auf HRV Ist ein Gespräch über die Auswertung im Preis inbegriffen? Falls ja, wie lange dauert es in etwa? Für Privatpersonen (mesana-Hotline) ist das Gespräch nicht inbegriffen. Wird mesana von Coaches eingesetzt, so wird nach Zusendung des Klienten-Berichts das Coaching-Gespräch angeregt. Im Unternehmens-Kontext ist das Gespräch inklusive. Das Gespräch dauert im Mittel 35 Minuten. Mit welchen Studienergebnissen werden die individuellen HRV-Ergebnisse verglichen? Bisher: Martin GJ, Magid NM, Myers G, Barnett PS, Schaad JW, Weiss JS, Lesch M, Singer DH: Heart Rate Variability and Sudden Death Secondary to Coronary Artery Disease During Ambulatory Electrocar-diographic Monitoring. American Journal of Cardiology, 60(1): S. 86-9; 1987 Umetani K, Singer DH, McCraty R, Atkinson M: Twenty-Four Hour Time Domain Heart Rate Variabil-ity and Heart Rate: Relations to Age and Gender Over Nine Decades. Journal of the American Col-lege of Cardiology, 31(3): S. 593-601; 1998. Und diverse weitere Publikationen. Seit diesem Jahr eigene Peer-Groups. Aus eigener Datenbasis (2.900 48h-mesana-Checkups annotiert mit Vorerkrankungen, Medikamenten, Berufsgruppen usw.). Ist es möglich von der Messung die Rohdaten zu erhalten? Grundsätzlich nein. In Einzelfällen nach Absprache möglich. Hervorgehoben wurde noch: Mesana hat im Coaching den Vorteil, dass die 2-Tages-Messung vor dem Coaching-Kontakt erfolgen kann, weil der Checkup zum Klienten nach Hause geschickt wird. Der Coach muss erst Kontakt zum Klienten haben, wenn die Messung durchgeführt wurde. #### HRV-Parameter HF – die Aktivität des Parasympathikus Entspannungsphasen werden von den HRV-Parametern High Frequency und RMSSD widergespiegelt. Der RMSSD-Wert ist sehr bekannt. Der High Frequency-Wert ist sein Pendant aus den frequenzanalytischen HRV-Parametern. Mit der High Frequency können ebenfalls das Wohlbefinden bewertet, das Erkrankungsrisiko einschätzt und die Phasen der Entspannung bewertet werden. Wenn ich an den HRV-Parameter High Frequency (HF) denke, dann habe ich sofort das Bild eines Spektrogramms vor Augen: Je nachdem wie farbig und hoch "die Flammen züngeln" oder "die Wellen rollen", kann man ablesen, wie gut das vegetative Nervensystem (VNS) arbeitet. Der gestrichelt eingerahmte Ausschnitt ist der sogenannte HF-Bereich. "Der Farbverlauf, je nach Mess-System, von blau über rot und gelb bis grau gibt einen schnellen Überblick. Vor allem bei Langzeitmessungen schätze ich die Parameter der Frequenzanalyse", erzählt Bernd Heiler, Heilpraktiker für Psychotherapie, mit Praxis in München. Der HRV-Parameter HF ist nicht einfach erklärbar Das Spektrogramm ist einfach zu erfassen. Die Erklärung, wie der HRV-Parameter HF zustande kommt, ist leider kompliziert. "In meinen Schulungen ist die Verwirrung immer groß, wenn es um die Parameter der Frequenzanalyse geht. Während bei den Zeitbereichsparametern, wie z. B. RMSSD oder SDNN, eine noch eher nachvollziehbare mathematische Formel zugrunde liegt, ist es bei HF komplizierter. Das liegt daran, dass Schwingungsanteile aus dem Verlauf der RR-Intervalle errechnet werden und, zu einem Spektrum zusammengesetzt, beurteilt werden", erklärt Bernd Heiler. Man sollte sich vorstellen, dass das Spektrogramm in folgenden Schritten zustande kommt: Der Zeitverlauf von RR-Intervallen wird in einzelne, gleichlange Zeitausschnitte unterteilt und von diesen wird dann jeweils ein Frequenzspektrum errechnet. Die einzelnen Frequenzspektren werden dann so aneinandergereiht, dass man eine quasi dreidimensionale Darstellung erhält. Mit einer Achse des Spektrogramms wird der Zeitverlauf dargestellt, damit ersichtlich bleibt, auf welchen Zeitabschnitt sich das jeweilige Frequenzspektrum bezieht. Zusammen mit dem geführten Protokoll lassen sich so die Auswirkungen z. B. von sportlichen Aktivitäten und Entspannungseinheiten auf den Körper zuordnen. Auf der anderen Achse des Spektrogramms wird die Frequenzhöhe in Hertz (Hz) angegeben Einen Hinweis zur Intensität der Schwingungsanteile (Variabilität) gibt die Amplitude. Sie bringt die Farbe in das Spektrogramm. Als Farbcode, also mit Hilfe einer Zuordnung von unterschiedlich intensiven Farben (oder Grautönen), werden die jeweiligen Amplituden (Signalintensität) unterscheidbar gemacht. Der HF-Wert ist nur ein Ausschnitt aus dem Spektrogramm. Im oben abgebildeten Spektrogramm ist der Ausschnitt gestrichelt eingerahmt. Der HF-Wert wird ermittelt, indem die Amplituden der Frequenzspektren zwischen 0,15 und 0,4 Hz zusammengefasst werden. So erhält man einen Einzelwert, der die Schwingungsleistung, die von der Aktivität des Parasympathikus im RR-Intervallverlauf erzeugt wird, darstellt. Je höher er ist, desto aktiver war der Parasympathikus. Mit dem HRV-Parameter HF wird nicht die gesamte Aktivität des Parasympathikus erfasst: Unterhalb des Frequenzbereichs von 0,15 bis 0,4 Hz (HF-Bereich) trägt der Parasympathikus auch zur Spektrumsamplitude bei. Weil sich aber im Frequenzbereich von 0,04 bis 0,15 Hz (LF-Bereich) die Aktivitäten des Parasympathikus und des Sympathikus vermischen und das Frequenzbereichsverfahren keine Auftrennung ermöglicht, wird bei der Erfassung des HF-Wertes nur der HF-Bereich berücksichtigt und auf den Anteil im LF-Bereich verfahrensbedingt verzichtet. High Frequency zeigt die Entspannungsfähigkeit - und eventuell noch einen RSA-Anteil "Der HF-Bereich ist der Frequenzbereich, der allein vom Parasympathikus beeinflusst wird", berichtet Bernd Heiler. Deshalb drückt sich im HF-Bereich über die Aktivität des Parasympathikus die Entspannungsfähigkeit für therapeutische Zwecke eindeutig genug aus. Die Schwingungen im HF-Bereich sind relativ schnell: 0,15 bis 0,4 Hertz (Hz). Das entspricht einer Periodendauer von 2,5 bis 6,7 Sekunden, also von neun bis 24 Schwingungen pro Minute. "Weil im HF-Bereich die Parasympathikus-Aktivität dargestellt wird, kann der HRV-Parameter HF zusätzlich von der Atmung abhängig sein. Denn der große Entspannungsnerv ist immer dann am Werk, wenn eine sogenannte respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) vorliegt, also eine vom Atem abhängige Schwankung der Herzfrequenz. Beim Einatmen schlägt das Herz schneller und beim Ausatmen wieder langsamer. Provozieren lässt sich die RSA mit einem Atemprovokations-Test, auch RSA-Test genannt", erläutert Bernd Heiler. Laut einer Studie über RSA und Atemfrequenz bildet sich die RSA bei den meisten Menschen am deutlichsten zwischen sechs und acht Atemzügen pro Minute aus. Bei einem regulären RSA-Test (mit Atemführung) würde also bei sechs Atemzyklen pro Minute ein Schwingungsanteil bei 0,1 Hz unterhalb des HF-Bereichs entstehen. "Bei gut trainierten Klienten wird der Herzschlag beim RSA-Test während des Einatmens beispielsweise innerhalb von mehreren Herzschlägen beschleunigt und beim Ausatmen innerhalb von sehr wenigen Herzschlägen verlangsamt," erklärt Bernd Heiler. Aufgrund dieser Asymmetrie und Abweichung von sinusförmigen Schwankungen werden vom RSA-Effekt nicht nur Amplitudenanteile bei den üblichen 0,1 Hz (unterhalb des HF-Bereichs) erfasst. Es werden wegen der Schwingungsaufteilung (Frequenzanalyse) auch Amplitudenanteile bei ganzzahlig-vielfachen Frequenzen, also 0,2 und 0,3 Hz, im HF-Bereich erfasst. Diese Anteile sind normalerweise so gering, dass sie den HF-Wert zwar beeinflussen, aber nicht bestimmen und nicht für therapeutische Zwecke unbrauchbar machen. Bei fehlender Atemführung eines RSA-Tests, also bei der normalen Atemfrequenz gesunder Menschen von 12 bis 21 Atemzügen pro Minute, tritt ein RSA-Effekt im Frequenzbereich zwischen 0,2 und 0,3 Hz auf. "Natürlich spielen bei der RSA neben der Atemfrequenz auch das Atemvolumen eine Rolle", ergänzt Bernd Heiler. Wie verändert sich die HF, wenn wir schneller, langsamer oder tiefer atmen? Wenn die Atemfrequenz erhöht wird, erhöht sich die Frequenz der RSA und die Amplitude der RSA vermindert sich. "Ein extremes, aber leider häufiges Beispiel aus meiner Praxis, sind Angst-Patienten. Sie atmen bei den 5-Minuten-Ruhemessungen (HRV-Kurzzeitmessungen) teilweise so schnell, dass man im Spektrogramm wenig bis gar nichts an Farben sieht", erzählt Bernd Heiler aus seinem Praxisalltag. Bei verlangsamter Atmung sinkt die RSA-Frequenz und Amplitude der RSA verstärkt sich. "Wer mitrechnet, bemerkt, dass wir ab einer bestimmten Anzahl von Atemzügen den HF-Bereich verlassen und im Frequenzbereich der Low Frequency (0,04-0,15 Hz) landen. Für mich ein klarer Beweis, dass die Low Frequency vom Sympathikus und Parasympathikus beeinflusst wird. Das heißt aber nicht, dass wir bei gesunden Menschen keinen HF-Anteil im Spektrogramm sehen. Die Leistung im HF-Bereich ist neben der Atmung vom Parasympathikus abhängig", so Bernd Heiler. Eine besonders tiefe Atmung hat nur eine geringe Auswirkung auf die Amplitude. "In meiner Praxis ist mir wichtig, dass meine Patienten so normal wie möglich bei den 5-Minuten-Messungen atmen." Schlechte HF: Was steckt dahinter Egal, ob am Tag oder in der Nacht, mit dem Alter verschlechtern sich die HF-Werte. "Leider gehört die HF auch zu den Parametern, die sich als erstes verschlechtern", ergänzt Experte Heiler. "Auch das Verhältnis von Tag und Nacht verändert sich. Bei gesunden, jungen Menschen ist die HF im Schlaf deutlich höher als während des Tages." "Wenn die HF plötzlich wegbricht, dann ist das oft ein Zeichen für eine beginnende Erkrankung, wie z. B. ein akuter Infekt. Versierte Sportler können an der Reduzierung der HF auch sehen, wie intensiv das letzte Training für den Körper war. Ein langfristig verminderter HF-Wert wird bei kardiologischen Erkrankungen gefunden und bei Menschen mit Erschöpfungssymptomen, Angststörungen, Depressionen und Panikattacken", zählt Herr Heiler auf. Eine gute HF richtig bewerten "Der HF-Parameter ist immer dann gut, wenn auch andere Parameter das gute Ergebnis widerspiegeln. Ein dominanter HF-Wert und wenig Amplitude in anderen Frequenzbereichen, sollte jeden Anwender misstrauisch machen. Eine emotionale Übersteuerung, wie sie bei traumatischen Erlebnissen, Erschöpfung und geistiger Ohnmacht auftritt, könnte der Grund sein. Weitere Untersuchungen sind in diesem Fall dringend notwendig", erläutert Bernd Heiler. HF – sinnvoll für die Praxis Auch wenn es viele Fans für die Zeitbereichsparameter gibt, hat die HF einen festen Platz im Praxis-Alltag. "High und Low Frequency finde ich wichtig. Sie bilden noch etwas genauer ab, welche Anteile des vegetativen Nervensystems in welcher Intensität aktiv sind. Gerade für Therapeuten, die viele Langzeitmessungen machen, erlauben sie einen schnellen Überblick," urteilt Bernd Heiler. #### HRV-Schulungen 2019 Die HRV-Systeme werden besser und besser. Doch trotz einfacher Handhabung, schicker Grafiken und ausführlichen Interpretationen, bleibt der Bedarf an HRV-Wissen unverändert groß. Schulungen bieten die Möglichkeit, von Experten zu lernen und von ihren Erfahrungen zu profitieren. Man könnte meinen, bei dem Thema Herzratenvariabilität (HRV) bewegt sich was. Neue Produkte drängen auf den Markt. Die bestehenden Systeme halten mit neuen Softwareversionen und Angebotserweiterungen dagegen. Immer mehr rückt auch der Endverbraucher in den Fokus der HRV-Anbieter. Wo sich aber in letzter Zeit wenig getan hat, ist beim allgemeinen Informationsangebot. Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache: All die tollen Geräte und Systeme bringen wenig, wenn es am Grundverständnis der HRV mangelt. Ohne solides Wissen über die physiologischen Vorgänge im Körper, die Einflussfaktoren, Grenzen und Möglichkeiten werden viele Anwender von der HRV bald enttäuscht werden. Was bringt ihnen ein toll aufbereitetes Messergebnis, wenn sie nicht wissen, wie sie es für sich selbst, ihre Behandlung oder ihr Coaching nutzen können? Dass der Bedarf da ist, sehe ich an der Hitliste meiner Blogbeiträge. Neben den Beiträgen über einzelne Parameter sind die Artikel über das vegetative Nervensystem und die Atmung besonders gefragt. Um dazu beizutragen, die bestehenden Wissenslücken zu schließen, möchte ich auch in diesem Jahr wieder auf die Angebote von HRV-Fortbildungen hinweisen. Kleiner Veranstaltungskalender Die aufgeführten Schulungen stellen nur eine Auswahl dar. Bestimmt gibt es noch viele interessante weitere Fortbildungen zum Thema HRV in Deutschland, Österreich und vielleicht auch in der Schweiz. Weitere Angebote sind willkommen und können über die Kommentarfunktion für alle Leser des Blogs gerne zugänglich gemacht werden. Schulungen von HRV-Experten Auch in diesem Jahr findet wieder das Fortbildungsseminar von Professor Kuno Hottenrott und Professor Olaf Hoss statt. Es wird am 29. März von 10 bis 17 Uhr für einen kleinen Kreis von 15 Personen an der Universität Würzburg angeboten. Für HRV-Einsteiger ist das Tagesseminar nichts, eher für Anwender, die tiefer in die wissenschaftlichen Anwendungsfelder einsteigen wollen. Beide Referenten gehören zu den führenden HRV-Wissenschaftlern in Deutschland. Aus dem Programm: "Unser Ziel ist es, Sie zum wissenschaftlichen Arbeiten mit der HRV zu befähigen, Sie bei Ihren Fragen zur Planung, Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Studien mit der HRV zu beraten. Dabei werden auch Ihre Fragen zur Diagnostik, Standardisierung, zur Interpretation der verschiedenen HRV-Parameter (z. B. RMSSD, SD1, SD2, DFA Alpha 1 und 2) sowie deren Interdependenzen beantwortet." Aufgrund der großen Nachfrage zum HRV-Coach-Seminar in 2018, gibt es nun weitere Termine. Die Referenten Professor Kuno Hottenrott, Laura Hottenrott und Punito Aisenpreis sind die selben, nur die Inhalte wurden an die Erfahrungen aus dem ersten Seminar angepasst. Um besser auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen zu können, wird es in 2019 drei verschiedene Workshops geben. HRV Grundlagenseminar Referenten: Professor Kuno Hottenrott, Punito Aisenrpeis 29. Juni 2019: Baunatal 2. November 2019: Murnau HRV-Coach: Monitoring und Training Referenten: Professor Kuno, Laura Hottenrott 4. Mai 2019: Baunatal Zertifikat über die Teilnahme am Workshop zur Ausbildung zum HRV-Coach HRV-Coach: Biofeedback und Therapie Referenten: Professor Kuno Hottenrott, Punito Aisenrpeis 6. Juli 2019: Murnau Zertifikat über die Teilnahme am Workshop zur Ausbildung zum HRV-Coach Bernd Heiler ist Heilpraktiker für Psychotherapie und hat eine Praxis für integrale Therapie in München. In Schulungen gibt er sein praktisches HRV-Wissen weiter. Er bietet Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene mit maximal 4 bis 5 Teilnehmer an. Folgende Termine sind in München geplant:   7. bis 8. März 2019 27. bis 28. Juni 2019 24. bis 25. Oktober 2019 Seine Schulungen sind herstellerunabhängig. Zur Demonstration und für die praktischen Übungen werden der HRV-Scanner von BioSign, NeXus-10 und BioTrace+ von MindMedia sowie Kubios HRV eingesetzt. Schulungen von Gesellschaften Die Deutsche Gesellschaft für Biofeedback bietet in ihrem umfangreichen Fortbildungsprogramm hin und wieder auch HRV-Biofeedback-Kurse an wie z. B. vom 6. bis 7. April 2019 sowie 23. bis 24. November jeweils in Prien am Chiemsee. Schulungen von Firmen Schulungen zum HRV-Scanner und Qiu bietet die Firma BioSign entweder individuell vor Ort oder in Ganztagesseminaren für Gruppen. Möglich ist auch eine Einweisung in die technische Anwendung über TeamViewer. Das Ausbildungsprogramm von HearthMath Deutschland zur emWave-Technologie richtet sich an Interessenten mit und ohne medizinischer Vorbildung. Verschiedene Lehrgänge zum ChronoCord bietet die Firma Joysys. Sie ist eine Partnerfirma vom Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung, HUMAN RESEARCH Weiz, unter der Leitung von Professor Max Moser. Die Firma Commit hält mehrmals monatlich in ganz Deutschland Vorträge über die VNS-Analyse. Für Anwender des Vitalmonitors gibt die Firma Pulse7 verschiedene Einführungs-Webinare sowie Ausbildungskurse vor Ort für Trainer und Interessierte. Die AUTONOM HEALTH GesundheitsbildungsGmbH hat umfangreiche Ausbildungsmodule im Angebot. #### HRV-Schulungen – von Experten mehr erfahren Die Herzratenvariabilität zu messen, scheint relativ einfach zu sein. Auch die Auswertung liegt nach ein paar Tastenklicks vor. Wie verlässlich die Ergebnisse sind, hängt vom Können des Therapeuten ab. Um aus den Zahlenkolonnen und Diagrammen die richtigen Rückschlüsse auf die gesundheitliche Situation zu ziehen, braucht man Erfahrung - oder eine Schulung. Immer wieder erhalte ich Anfragen nach Schulungsangeboten. Viele wünschen sich eine qualifizierte Schulung, ohne sich gleich an ein Gerät binden zu müssen. Es ist schwierig, hier eine Empfehlung auszusprechen. Denn es ist ein bisschen wie mit Autos. Es gibt viele gute Autos, fahren können sie alle. Die Entscheidung wird nach Einsatz, Vorlieben, Familienstand und Portemonnaie gefällt. Ganz ähnlich lässt sich auch das Thema Herzratenvariabilität (HRV) in punkto Schulungen und Hersteller angehen. Um das richtige Schulungsangebot zu finden, muss man sich ein paar Gedanken machen: Welche Vorkenntnisse sind über Biologie, Mess- und Auswertetechnik vorhanden? Wie will man die HRV-Analyse nutzen? Sollen Themen zur HRV allgemein behandelt werden oder soll die Anwendung eines Analysesystems anhand von Beispielen trainiert werden? Soll der Schwerpunkt auf die korrekte HRV-Messung gelegt werden oder soll eher ein Überblick über die Interpretation von HRV-Werten vermittelt werden? Letztlich stellt sich die Frage, ob die HRV-Schulung herstellerunabhängig sein soll. Aber ganz ohne Beschäftigung mit Geräteherstellern wird es auch nicht funktionieren. Warum sich Schulungen lohnen Der entscheidende Vorteil einer Schulung ist der Erfahrungsschatz der Experten. Aus den Zahlenkolonnen und Diagrammen lassen sich nur Rückschlüsse auf den gesundheitlichen Zustand ziehen und Behandlungsansätze finden, wenn sie nicht einzeln betrachtet, sondern im Zusammenhang betrachtet werden. Um den "richtigen Blick" für eine Auswertung zu bekommen, braucht man Training. Anhand von Beispielen lernt man am einfachsten, welche Werte-Konstellationen die Vorboten für einen sich anbahnenden Krankheitsprozess oder Belege für bereits bestehende Beschwerden sind. HRV-Messungen liefern keine Diagnosen auf Knopfdruck. Das mag für einige Anwender anfangs eine große Enttäuschung sein. Viele Krankheiten "fallen nicht vom Himmel", sie entwickeln sich meist unbemerkt. Meines Erachtens liegt das große Potenzial der HRV darin, frühzeitig auf die allerersten Anzeichen hingewiesen zu werden. Diesen Spürsinn kann man lernen, am besten von einem Profi. Von der Gemeinschaft lernen In Schulungen oder Workshops lernt man nicht nur etwas, sondern trifft auch auf Menschen, die ähnliche Ziele verfolgen. Nicht zu unterschätzen ist der Austausch über gemachte Erfahrungen. Oft lassen sich auch Lösungen, zumindest ansatzweise, für Probleme finden. Auch wenn etwas Planung und Aufwand zu Fortbildungen dazugehören - machen Sie es! Kleiner Veranstaltungskalender 2018 Die aufgeführten Schulungen stellen nur eine Auswahl dar. Bestimmt gibt es noch viele interessante weitere Fortbildungen zum Thema HRV in Deutschland, Österreich und vielleicht auch in der Schweiz. Weitere Angebote sind willkommen und können über die Kommentarfunktion für alle Leser des Blogs gerne zugänglich gemacht werden. Schulungen von HRV-Experten Ein echter Klassiker sind die Fortbildungsseminare von Professor Kuno Hottenrott und Privatdozent Dr. Olaf Hoss. Sie finden in einem kleinen Kreis von 15 Personen an der Uni Würzburg statt. Für HRV-Einsteiger ist das Tagesseminar nichts, eher für Anwender, die tiefer in die wissenschaftlichen Anwendungsfelder einsteigen wollen. Beide Referenten gehören zu den führenden HRV-Wissenschaftlern in Deutschland. Dieses Jahr findet das Seminar am 20. April von 10 bis 17 Uhr statt. Aus dem Programm: "Es werden verschiedene HRV-Systeme für unterschiedliche Anwendungsbereiche praktisch vorgestellt. Jeder Teilnehmer erhält ein umfassendes Skript sowie ein wissenschaftlich-fundiertes HRV-Programm zur sofortigen Analyse von HRV-Datensätzen, die wir zur Verfügung stellen." Das Seminar ist auch deshalb so beliebt, weil es neben den wissenschaftlichen Vorträgen auch immer ausreichend Zeit für anregende und interessante Diskussionen gibt. Bernd Heiler ist Heilpraktiker für Psychotherapie und hat eine Praxis in München. In verschiedenen Schulungen gibt er sein praktisches Wissen weiter. Er bietet Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene zur HRV, Biofeedback und Sound of Soul an. Punito Aisenpreis ist Heilpraktiker mit Praxisräumen in München und Murnau. Auf seiner Website wird auf ein Schulungsangebot hingewiesen, nur gibt es aktuell noch eine HRV-Termine für 2018. Schulungen von Gesellschaften Die Deutsche Gesellschaft für Biofeedback bietet in ihrem umfangreichen Fortbildungsprogramm hin und wieder auch HRV-Biofeedback-Kurse an. Schulungen von Firmen Schulungen zum HRV-Scanner und Qiu bietet die Firma BioSign entweder individuell vor Ort oder in Ganztagesseminaren für Gruppen. Möglich ist auch eine Einweisung in die technische Anwendung über TeamViewer. Verschiedene Lehrgänge zum ChronoCord bietet die Firma Joysys. Sie ist eine Partnerfirma vom Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung, HUMAN RESEARCH Weiz, unter der Leitung von Professor Max Moser. Die Firma Commit hält mehrmals monatlich in ganz Deutschland Vorträge über die VNS-Analyse. Für Anwender des Vitalmonitors gibt die Firma Pulse7 verschiedene Einführungs-Webinare sowie Ausbildungskurse vor Ort für Trainer und Interessierte. Die AUTONOM HEALTH GesundheitsbildungsGmbH hat umfangreiche Ausbildungsmodule im Angebot. #### HRV-Symposium in Halle – eindrucksvoll und informativ Das 7. Internationale Symposium fand am 4. März 2017 in Halle an der Saale statt. Professor Kuno Hottenrott vom Institut für Sportwissenschaft übernahm auch diesmal die Kongressleitung. "Seine" Uni, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, war auch der Veranstaltungsort. Ich möchte in diesem Beitrag all jenen, die nicht nach Halle an der Saale kommen konnten, von meinen Eindrücken und Erkenntnissen erzählen. Vorwegnehmen möchte ich, dass ich nicht auf alle Vorträge eingehen werde. Gerne lasse ich mir nachsagen, dass meine Ausführungen von meinen Interessen geprägt seien. Wer mit meiner Auswahl nicht zufrieden ist oder mehr wissen möchte, empfehle ich die Vortragsübersicht des Symposiums. Der erste Blick ins Programm offenbarte, dass man sich für die acht Stunden im Audimax der Uni viel vorgenommen hatte. Was positiv auffiel: Es gab keine parallelen Veranstaltungen. Man musste sich also nicht für den einen oder gegen einen interessanten Vortrag entscheiden. Im 20-Minuten-Takt, manchmal auch schneller, wechselten sich die Vortragenden am Mikrophon und Beamer ab. Je nachdem wie gut sich die Redner ihre Zeit einteilten, konnten im Anschluss noch Fragen gestellt werden. Selbst in der Mittagspause gab es noch ein Programm: Mit einem Brötchen in der Hand konnte man sich durch die Poster-Ausstellung führen lassen. Der erste Satz im Abstractband beschreibt das breite Themen-Spektrum: "Das 7. Symposium zur Herzratenvariabilität (HRV) und autonomen Funktionen gibt ein aktuellen Überblick zur rasant fortschreitenden Entwicklung in Methoden und Anwendungen der HRV in Sportwissenschaft, Arbeits- und Intensivmedizin sowie Kardiologie." Im Nachhinein wurde deutlich, dass die Erweiterung der Symposium-Reihe um das Gebiet der Arbeitsmedizin eine gute Idee war. HRV - ein Werkzeug in der Arbeitsmedizin Nach der Begrüßung durch Professor Hottenrott eröffnete Professorin Irina Böckelmann von der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg mit ihrem Beitrag das Symposium. Bis zu diesem Symposium kannte ich die Arbeitsmediziner nur durch ihre Veröffentlichungen im Internet. Ich nutze und verlinke sie gerne. Sehr aufschlussreich, auch für HRV-Anfänger, ist z. B. die Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzratenvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft. Hier ist Professorin Böckelmann Co-Autorin. Professorin Böckelmann gab in ihrem Vortrag einen Überblick über die Forschungslage und den praktischen Einsatz der HRV in der Arbeitsmedizin: "Die HRV ist gut geeignet, um die objektive Beanspruchung bei der Beurteilung der Belastung am Arbeitsplatz einzuschätzen. Außerdem wird die HRV für die Bewertung der Beanspruchung z. B. im Verlauf einer Arbeitsphase, eines Arbeitstages beziehungsweise die Beurteilung bei Einführung neuer Arbeitsmittel und neuer Technologien am Arbeitsplatz eingesetzt. Die HRV eignet sich in dem präventiv ausgerichteten Fach Arbeitsmedizin insbesondere für Fragestellungen zur Prävention der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, als zusätzlicher Indikator zum Gesundheitszustand der Beschäftigten und zur Evaluierung von Präventionsmaßnahmen in den Betrieben. Die Ergebnisse der Literaturrecherche zeigen, dass die arbeitsmedizinische Forschung sich weiter auf Fragen der sympathischen und parasympathischen Aktivität des autonomen Nervensystems konzentrieren sollte, um unter anderem die (Fehl-)Beanspruchung frühzeitig zu erkennen und zu minimieren, und somit die Herz-Kreislauf-Gefährdung zu vermeiden beziehungsweise präventiv auf das Herz-Kreislauf-System zu wirken." Dass Arbeitsmedizin auch bei der Bundeswehr von Bedeutung ist, wurde mit dem Vortrag von Dr. Stefan Sammito, Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, und insbesondere aus der anschließenden Fragerunde vermittelt. Sein Sachgebiet ist die Gesundheitsförderung, Sport- und Ernährungsmedizin. Seine Forschungsprojekte finden im Bereich Arbeitsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg statt. Auf dem Symposium berichtete Dr. Sammito von der MIGA-Heart-Study, bei der der Einfluss von Alter und Geschlecht auf die HRV untersucht wurde. Die Details können im Abstractband nachgelesen werden. Das Ergebnis bestätigt, das Alter und Geschlecht in HRV-Untersuchungen einzubeziehen: "Es zeigte sich durchgängig eine Reduzierung der HRV mit dem Alter und eine Geschlechtsabhängigkeit der HRV-Parameter." Er präsentierte eine Übersicht von Studien, die zu HRV-Referenzwerten nach Geschlechter- und Alterseinteilung führten. Aus Sicht des Flottillenarztes sollten Referenzwerte aus vorangegangenen Studien mit Bedacht gehandhabt werden, weil bislang nur eingeschränkt eine prognostische Bedeutung von bestimmten Referenzwerten vorliegt. Er räumt noch einen deutlichen Forschungsbedarf ein. Aus der Arbeitsmedizin gab es noch weitere interessante Vorträge: Die HRV wurde zur Beurteilung neuer Informationstechnologien genutzt. Die Belastung von Werkzeugassistenzsystemen mit unterschiedlicher Visualisierungstechnik (Head-Mounted-Displays mit Augmented-Reality-Technik) wurde an Modellarbeitsplätzen untersucht. Eine Untersuchung zur Arbeitsbelastung von Finanzangestellten lieferte Hinweise, dass es deutliche Zusammenhänge zwischen der subjektiven Einschätzung der Arbeitsbelastung und der autonomen Regulationsfähigkeit gibt. Das Befinden von Langzeitarbeitslosen wurde mit der HRV untersucht, mit folgendem Ergebnis: Die Dauer der Arbeitslosigkeit scheint mit Veränderungen der autonomen Funktions- und Regulationsfähigkeit in Zusammenhang zu stehen. Von Spechten, Regentropfen und Herzschlägen "Wenn das Herz so regelmäßig wie das Klopfen eines Spechtes oder das Tröpfeln des Regens auf dem Dach wird, wird der Patient innerhalb von vier Tagen sterben." Wer kennt dieses Zitat von Wang-Shu-He nicht? Gerne wird es zur einfachen Erklärung der HRV herangezogen. Professor Johannes Mockenhaupt von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nahm in seinem Vortrag das Zitat unter seine wissenschaftliche Lupe. Zum Klopfen des Spechtes und dem Tröpfeln des Regens führte der Professor für Medizininformatik eine Signalanalyse durch und verglich diese mit dem Herzschlag. Nachdem er die Hürden der unterschiedlichen Signalquellen überwunden hatte, kam er zum Ergebnis, dass sich das Klopfen von Spechten und Regentropfen als Prognose für die Lebenserwartung von Patienten nicht eignen. Da der im Zitat von Wang-Shu-He vorgenommene Vergleich nicht verifiziert werden konnte und wegen der immer fehlenden exakten Quellenangabe, sah sich Professor Mockenhaupt zu einer genaueren Literatur-Recherche veranlasst. Er besorgte sich eine Kopie des Originalwerks von Wang Shu-He und suchte in ihm vergeblich die zum Zitat passenden chinesischen Zeichen, beispielsweise für den Specht. Aber das will nichts heißen, bewertete er am Ende seines Vortrags die vermutlich falsche oder stark interpretierende Übersetzung. Vielleicht findet sich ja irgendwo noch eine klare Quellenangabe für dieses Zitat. Übrigens: Wer sie dem Professor nennen kann, dem stellt sein Dekan einen Preis in Aussicht. Was das sein wird, hat er in Halle leider nicht erwähnt. HRV im Sport, schon lange ein Thema Das Interesse an der HRV im Sport ist groß, weil sich anhand der Werte die aktuelle Tagesform und Belastungsfähigkeit eines Sportlers einschätzen lässt. Die Messungen dienen bereits seit langer Zeit als eine Grundlage für die Trainingssteuerung. Mit dem Ergebnis kann schnell und unkompliziert beurteilt werden, wie der aktuelle Leistungszustand ist. Meist reichen für die Bestimmung hochwertige Pulsuhren aus. Bei den Vorträgen zur Sportmedizin machte Professor Hottenrott den Anfang. Sein Thema war die Optimierung von Training und Regeneration. Die Schwierigkeit ist, im Sport immer das richtige Maß zwischen Leistungssteigerung und Überlastung zu finden. Wir erfahren von dem Sportwissenschaftler: "Ein systematisches Review (Bellenger et al, 2016a) kommt zu dem Ergebnis, dass sich die vagalassoziierte autonome Regulation erhöht, wenn ein mehrwöchiges Ausdauertraining zur Leistungssteigerung führt. Bei einer Leistungsstagnation oder Leistungsabnahme sind die Befunde nicht so einheitlich." Das Problem liegt in der Unterscheidung von einem Übertraining (Overload) und einem Overreaching, einer Trainingsform, die kurzfristig zu einer Leistungsminderung, aber nach einer Erholungsphase zur Leistungssteigerung führt. Die Ausführungen von Professor Hottenrott: "Ein Overloadtraining von wenigen Wochen kann bei vorrübergehender Leistungsabnahme auch mit einer Erhöhung der vagalen HRV-Parameter einhergehen, wie in der Studie von Le Meur et al. (2013) gezeigt wurde. Bei einem funktionellen Overreaching erhöht sich die Leistungsfähigkeit nach einer ein- bis zweiwöchigen Regenerationsphase über das Ausgangsniveau. Bei einem nicht funktionalen Overreaching ist die vagale Aktivität im Liegen erniedrigt und die Leistungsfähigkeit ist auch nach einer längeren Entlastungsphase nicht wieder hergestellt (Plews et al 2012)." Im Trainingsalltag ist entscheidend, ob das aktuelle Training positive oder negative Anpassungen auslöst. Die Empfehlung von Professor Hottenrott: "Um diese Frage zu beantworten, ist ein Test erforderlich, der mehrere Herzfrequenz- und HRV-Parameter sensibel erfasst. Nach derzeitigem Erkenntnisstand scheint dies mit dem Orthostatic-Test beziehungsweise mit den Lagewechsel-Test möglich zu sein." Während seines Vortrags zeigte Professor Hottenrott eine Folie mit verschiedenen Kurvenverläufen eines Orthostatic-Tests. Je nachdem wie das Niveau im Liegen und anschließend im Stehen ausfällt, kann bereits ein geschulter Blick erfassen, welche Wirkung das Training aufgelöst hat. Praktische Erfahrungen mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen ihres Vaters lieferte Laura Hottenrott in ihrem Vortrag. Sie studiert an der Deutschen Sporthochschule in Köln und ist erfolgreiche Mittel- und Langstreckenläuferin. Sie erläuterte, wie sie jeden Morgen mit der V800-Sportuhr von Polar einen Orthastatic-Test macht. "Die Testauswertung erfolgt mit dem Programm Polar Flow. Analysiert werden die RMSSD-Werte im Liegen und Stehen, die Herzfrequenz im Liegen und Stehen und der RMSSD-Wert unmittelbar nach dem aktiven Aufstehen." Wesentliche Erkenntnisse von Laura Hottenrott sind: "Nach einem mehrtägigen sehr hohem aeroben Umfangstraining steigt der RMSSD-Parameter im Stehen deutlich über die persönlichen Referenzwerte an und die Herzfrequenz im Stehen ist deutlich niedriger als normal. Teilweise ist die Herzfrequenz im Stehen nicht höher als die Herzfrequenz im Liegen. Völlig anders ist der Herzfrequenz-Verlauf beim Orthostatic-Test nach einer mehrtägigen intensiven Ausdauertrainingsphase mit einem hohen Anteil der Trainingsbelastung in beziehungsweise über der individuellen anaeroben Schwelle. Die Herzfrequenz-Werte sind unmittelbar nach dem Aufstehen und im Stehen im Vergleich zu den eigenen Referenzwerten deutliche erhöht und der RMSSD ist im Stehen geringer." Die Leistungssportlerin empfiehlt den Lagewechsel-Test vor allem während intensiver und umfangreicher Trainingsphasen, um ein funktionales beziehungsweise nicht funktionales Overreaching frühzeitig zu erkennen und Übertraining zu vermeiden. Natürlich waren das nicht die einzigen Beiträge aus der Sportwissenschaft: Es wurde eine interessante Studie über den Einfluss von Kraft- und Ausdauersport auf die Blutdruckentwicklung und die HRV vorgestellt. Keine Neuigkeit ist, dass bei beiden Trainingsformen nach 12 Stunden noch geringe günstige Veränderungen des Blutdrucks nachweisbar sind. Einen Unterschied gab es jedoch bei den HRV-Werten. Im Gegensatz zum Ausdauertraining zeigten die Veränderungen der HRV-Werte nach Krafttraining einen dauerhaften günstigen Effekt auf die autonome kardiale Kontrolle. Ein Anstieg der kardialen vagalen Aktivität konnte selbst 12 Stunden nach dem Krafttraining noch gemessen werden. In einem weiteren Vortrag wurde auf die Bedeutung der HRV bei der Beurteilung der vegetativen Regulationsprozesse hingewiesen. Nach einer erschöpfenden Ausdauerbelastung, wie z. B. einem Halbmarathon, reicht es nicht aus, allein die Herzfrequenz zu beobachten. Nur mit Hilfe der HRV wird die mehrtägige sympathikoton dominierte Steuerung des Herz-Kreislauf-Systems sichtbar. Für die planvolle Gestaltung des individuellen Regenerationsprozesses ist HRV also ein wertvoller Beitrag. HRV zur Risikoeinschätzung in Kardiologie und Intensivmedizin Die HRV ist ein sensibler Parameter. Veränderungen werden gerne auch als Frühwarnsignal für Folgekrankheiten verwendet. Bei den Vorträgen zur Kardiologie und Intensivmedizin ging es in erster Linie darum, schwerkranke Patienten vor schlimmeren Erkrankungen zu bewahren. Im ersten Vortrag wurde die Zuhörerschaft von Professor Hendrik Schmidt von der Medizinischen Fakultät der Otto von Guericke Universität Magdeburg über MODS aufgeklärt. Das Multiple Organ-Dysfunktions-Syndrom steht für das Versagen mehrerer Organe. Auf internistischen Intensivstationen ist das MODS für kritisch kranke Patienten der Auslöser für einen kardiogenen oder septischen Schock - und leider oft ein Todesurteil. Was über Leben und Tod entscheidet, beschreibt Professor Schmidt: "MODS-Patienten mit einer Herzfrequenz (Hoke et al.2012) 90/min haben ein 2,3-fach höheres Risiko innerhalb von 28 Tagen zu versterben als MODS-Patienten mit einer Herzfrequenz unter 90/min (Hoke et al.2012). Für diese inadäquat hohe Herzfrequenz des MODS-Patienten sind viele Faktoren verantwortlich; wesentliche Faktoren dürften die bei MODS vorliegende kardiale autonome Dysfunktion mit Überwiegen des Sympathikus, die Sympathikus-Sensibilisierung des HCN-Herzschrittmacherkanals durch Endotoxin (Ebelt et al.2015) und die partielle Entkoppelung des Schrittmacherkanals von der Parasympathikus-Kontrolle (Gholami et al.2015) sein." Um die Vermeidung des MODS ging es noch in weiteren Beiträgen. Die HRV wird immer wieder als Prädiktor, also zur Vorhersage, herangezogen. Auch bei Schlaganfall-Patienten ist sie ein früher Indikator für die häufigste Komplikation, die Lungenentzündung. HRV bestätigt beruhigende Wirkung von Melissengeist Wer an der Wirksamkeit von Melissengeist gezweifelt hat, der sollte sich die Untersuchung von Professor Wilfried Dimpfel von Justus-Liebig Universität Giessen anschauen. Sie hatte zum Ziel, die in früheren Experimenten beobachtete Wirkung auf das autonome Nervensystem im Schlaf auch am Tag zu bestätigen. Diese Wirkung konnte nun auch drei Stunden nach der Gabe im Vergleich zu einem Placebo in statistisch signifikanter Weise in Ruhe gemessen werden. Mein Fazit Das Symposium hat mal wieder gezeigt, wie vielfältig die HRV anwendbar ist. Auch gibt es allen Anwendern die Hoffnung, dass immer weitergeforscht wird, um noch mehr wertvolle Erkenntnisse von diesem faszinierenden Signal zu erhalten. Dankenswerterweise hatte ich die Möglichkeit, kostenlos an dem Symposium teilzunehmen. Wie Professor Hottenrott in seiner Eingangsrede betonte, sind solche Veranstaltung trotz Kongressgebühr nur mit der Hilfe von Förderern und Sponsoren möglich. Deshalb möchte ich es nicht versäumen, auch die unterstützenden Firmen aufzuführen: movisens GmbH, AMEDTEC Medizintechnik Aue GmbH, BioSign GmbH, Commit GmbH, Firstbeat Technologies Oy, MEWICON CATEEM-Tec GmbH, Polar Electro GmbH, Varilytic UG #### HRV-Wissen - von Experten mehr erfahren Die Herzratenvariabilität zu messen, ist relativ einfach. Auch die Auswertung liegt nach ein paar Klicks vor. Was zunächst so kinderleicht erscheint, wird dann doch zur Herausforderung, wenn die Herzratenvariabilität als Diagnosewerkzeug verstanden wird. Erfolgsversprechend lässt sich das Herzsignal nur nutzen, wenn die eigene Bewertung über Textbausteine einer Software hinausgeht. Wer für jahrelanges Sammeln von Erfahrungen keine Zeit hat, sollte sich für eine Schulung bei Experten entscheiden. Für diesen Beitrag habe ich mich entschlossen, weil ich selbst erlebt habe, was eine Schulung bei einem Experten bringen kann. Man kann sich das Wissen über Herzratenvariabilität (HRV) im Selbststudium aneignen. Ich traue das fast jedem zu. Es gibt anwendungsfreundliche Messgeräte mit ausgereifter Auswerte-Software. HRV-Werte zu erzeugen, erscheint einfach, birgt aber Fallstricke gemäß dem Motto: Garbage in, garbage out. Wenn Sie die HRV richtig ausnutzen wollen, wird Sie die bloße Anwendung von Messtechnik auf lange Sicht nicht zufrieden und auch nicht erfolgreich machen. Die richtige Interpretation der HRV-Werte und deren Einordnung in die medizinische Praxis bringen erst den erhofften Nutzen. Zeit sparen und Grundlagen im Kurs lernen Technik und Theorie sind wichtig. Die Bedienung der Messgeräte will gelernt sein. Um die Zusammenhänge zwischen Herzsignal und vegetativen Nervensystem (VNS) besser zu verstehen, ist es lohnenswert, sich die Theorie anzueignen beziehungsweise sie auffrischen. Da die meisten Menschen das Lesen von Handbüchern als ermüdend empfinden und sie ihre Nase für trockene Anatomie nur ungern in ein Buch stecken, könnte man sich mit einer Schulung schon mal viel Zeit sparen. Warum lohnt sich eine Schulung überhaupt Der entscheidende Vorteil einer Schulung ist der Erfahrungsschatz der Experten. Aus den Zahlenkolonnen und Diagrammen lassen sich nur Rückschlüsse auf den gesundheitlichen Zustand ziehen und Behandlungsansätze finden, wenn sie nicht einzeln betrachtet, sondern zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Um den "richtigen Blick" für eine Auswertung zu bekommen, braucht man Training. Anhand von Beispielen lernt man am einfachsten, welche Werte-Konstellationen die Vorboten für einen sich anbahnenden Krankheitsprozess oder Belege für bereits bestehende Beschwerden sind. HRV-Messungen liefern keine Diagnosen auf Knopfdruck. Das mag für einige Anwender anfangs eine große Enttäuschung sein. Viele Krankheiten "fallen nicht vom Himmel", sie entwickeln sich meist unbemerkt. Meines Erachtens liegt das große Potenzial der HRV darin, frühzeitig auf die allerersten Anzeichen hingewiesen zu werden. Diesen Spürsinn kann man lernen, am besten von einem Profi. Von der Gemeinschaft lernen In Schulungen oder Workshops lernt man nicht nur etwas, sondern trifft auch auf Menschen, die ähnliche Ziele verfolgen. Nicht zu unterschätzen ist der Austausch von Erfahrungen. Oft lassen sich auch Lösungen, zumindest ansatzweise, für Probleme finden. Auch wenn etwas Planung und Aufwand zu Fortbildungen dazugehören - machen Sie es! Kleine Auswahl von Schulungsangeboten Wer nicht zum Symposium kommen möchte und sich erst einmal mit den Grundlagen der HRV beschäftigen möchte, findet bei folgenden Experten und Firmen Vorträge und Schulungen zur HRV: Bernd Heiler hat eine Praxis für integrale Therapie und Coaching in München. Seine HRV- und Biofeedback-Kurse sind herstellerunabhängig. Punito Micheal Aisenpreis hat eine Praxis für somatische Integration in München und Murnau. Über seine ACT-Akademie bietet er verschiedene mehrtägige HRV-Aufbaukurse in Murnau an. In Kooperation mit dem Human Research Institut und der Medizinischen Universität Graz unter der Leitung von Univ. Prof. Maximilian Moser bietet die Salzburg Academy Einführungsseminare und Lehrgänge zu den Grundlagen der Herzratenvariabilitätsanalyse an. Die Commit GmbH bietet deutschlandweit viele Vorträge zum Thema VNS/HRV-Analyse an. Die aufgeführten Schulungen stellen nur eine Auswahl dar. Bestimmt gibt es noch viele weitere Fortbildungen zum Thema HRV in Deutschland, Österreich und vielleicht auch in der Schweiz. Ihre Ergänzungen sind willkommen und können über die Kommentarfunktion für alle Leser des Blogs gerne zugänglich gemacht werden.   #### Koffein beeinflusst die HRV Koffein weckt die Lebensgeister. Es wirkt schnell. Innerhalb kurzer Zeit verteilt es sich über das Blut im ganzen Körper. Auch die HRV steht unter dem Einfluss der milden Stimulanz. Aber nicht nur kurzfristig - in eigenen Studien zeigte sich, dass Koffein auch langfristig positiv auf die HRV wirken kann. Eigentlich wollte ich nur über einen weiteren Einflussfaktor auf die Herzratenvariabilität (HRV) schreiben: dem Koffein. Neben Alkohol und Nikotin verändert auch Koffein das Messergebnis. Bei meiner Recherche bin ich jedoch auf verschiedene Studien gestoßen, die dem Koffein ganz neue Wege in der Gesundheitsprävention eröffnen. Diese Entdeckung möchte Ihnen im weiteren Verlauf des Beitrags nicht vorenthalten. Ich habe aber auch viel Verwirrendes und Widersprüchliches zum Thema Koffein gefunden. Einzelne Studien bescheinigen dem Koffein eine positive Wirkung auf die HRV, andere eine negative oder gar keine. Das wissenschaftliche Dilemma wird in der Übersichtsarbeit von Julian König deutlich. Über 68 Arbeiten hat er mit seinen Kollegen gesichtet, 13 davon fließen in seine Gegenüberstellung ein. Am Ende kann auch er keine eindeutige Aussage über den Einfluss von Koffein auf die HRV treffen. Die Studien waren zu unterschiedlich gestaltet und die Studienergebnisse zeigten sich sehr empfindlich. Ein paar Tendenzen lassen sich jedoch erkennen: Dass die Herzfrequenz steigt, ist am besten belegt. Der Anstieg der High Frequency (HF) ist eine weitere Erkenntnis des Studienvergleichs. In sechs der 13 Arbeiten wurde eine deutliche Erhöhung beobachtet. Wenn man sich von dem wissenschaftlichen Durcheinander löst und nur einzelne Studien betrachtet, könnte Koffein vor allem bei Menschen mit einer schlechten HRV eine positive Wirkung haben. Koffein - Schutz für Diabetiker Diabetiker haben häufig eine verminderte HRV, was bedeutet, dass sie ein erhöhtes Risiko haben, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. In der Studie von Richardson und Kollegen wurde die Wirkung des Koffeins auf die HRV bei Typ-1-Diabetikern und gesunden Teilnehmern untersucht. Beide Gruppen nahmen über zwei Wochen zweimal täglich 250 Milligramm Koffein in Tablettenform ein – was etwa drei bis vier Tassen Filterkaffee pro Tag entspricht. Die HRV wurde nach zwei Wochen gemessen. Bei beiden Gruppen hatte sich die HRV positiv verändert. Bei den Diabetikern war der sNN50 (spiegelt ähnlich wie der pNN50 die Aktivität des Parasympathikus wider) um 103 Prozent angestiegen und bei den gesunden Teilnehmer um 38 Prozent. Ähnlich positiv waren die Ergebnisse bei den Parametern der Frequenzanalyse. Der HF-Parameter war höher und der LF-Parameter niedriger als vor dem regelmäßigen Koffeinkonsum. Ist der Morgenkaffee gut für HRV? Ohne die morgendliche Dosis Koffein können die meisten von uns nur schwer in den Tag starten. Sie weckt die Lebensgeister. Eine bessere HRV wäre eine schöne Nebenwirkung. Jedoch lässt sich eine eindeutige Aussage nicht treffen. Es gibt Studien, die für den Konsum von Koffein sprechen und Studien, die ihm keine große Wirkung bescheinigen. Julian König und seine Kollegen kommen in ihrer Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass Koffein eher den Parasympathikus als den Sympathikus anregt. Er merkt in seinem Bericht an, dass die Wirkung wohl auch vom gesundheitlichen Zustand des Konsumenten abhängt. Aber nicht nur davon. In der Studie von Monda und seinen Kollegen wurde die Koffeinwirkung (75 Milligramm) bei den Teilnehmern in sitzender und liegender Körperhaltung untersucht. Sein Ergebnis spricht eindeutig für den Kaffee im Bett. Für alle, die sich jetzt gefreut haben, morgens länger liegen bleiben können, gibt es auch Gegenargumente. In einigen Studien konnte eine Wirkung nur während sportlicher Aktivitäten festgestellt werden. Die Wirkung im Körper Egal, ob Sympathikus oder Parasympathikus reagieren, Koffein macht etwas mit unserem Körper. Auf das vegetative Nervensystem (VNS) wirkt das Koffein wie eine milde Stimulanz: Das Herz schlägt schneller, der Puls erhöht sich, der Blutdruck steigt an, die Bronchien und Blutgefäße weiten sich. Unter dem Einfluss des Koffeins wird der gesamte Körper aktiviert. Aber nicht nur körperlich profitieren wir von dem Muntermacher, auch geistig hilft er uns: Stimmung, Leistungs-und Konzentrationsfähigkeit verbessern sich. Die belebende Wirkung des Koffeins entsteht, weil es den Neuromodulator Adenosin bei seiner Arbeit im Gehirn behindert. Aktivierende Neurotransmitter wie z. B. Dopamin können durch die Schwächung des Adenosins vermehrt ausgeschüttet werden, was an den Synapsen zu einer verbesserten Erregungsweiterleitung von Impulsen führt. Vor der HRV-Messung keinen Kaffee trinken Die Wirkung auf das vegetative Nervensystem macht deutlich, warum Koffein nicht vor einer HRV-Messung konsumiert werden sollte. Am besten ist es, Klienten oder Patienten schon im Vorfeld auf den Zusammenhang aufmerksam zu machen. Aber bitte nicht vergessen, dass Koffein nicht nur im Kaffee (50 bis 100 mg pro 150 ml) enthalten ist, sondern auch im schwarzen oder grünen Tee (20 bis 60 mg pro 150 ml), Cola (32 bis 60 mg Koffein in 330 ml), Energy Drinks (ca. 80 mg pro 250 ml) und Halbbitterschokolade (ca.75 mg pro 100 g). Auch wenn entkoffeinierter Kaffee fast kein Koffein enthält, gibt es eine Studie, die ihm eine kurzfristige Steigerung der parasympathischen Aktivität bescheinigt. In der Studie wurden Espressos mit und ohne Koffein sowie heißes Wasser gereicht. Eine positive Wirkung konnte bei allen Teilnehmern (auch bei den Wassertrinkern) beobachtet werden. Bei regelmäßigen Kaffeetrinkern war die Steigerung bei entkoffeiniertem Espresso allerdings geringer. Wirkungsdauer des Koffeins Für die Bewertung der HRV-Parameter ist es sinnvoll, die Wirkungsdauer des Koffeins zu berücksichtigen. Daran lässt sich in etwa abschätzen, wie die Messergebnisse von der verstrichenen Zeit nach der Koffeineinnahme abhängig sind. Innerhalb von 45 Minuten wird das Koffein über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Die höchsten Konzentrationen im Blutplasma sind nach 15 bis 120 Minuten erreicht. Die Blut-Hirn-Schranke passiert das Koffein nahezu ungehindert. Bei der Einschätzung, wie lange die Koffeinwirkung anhält, hilft die Halbwertszeit des Koffeins. Die Verweildauer im Blut hängt stark vom Alter ab. 2,5 bis 5 Stunden beträgt die Halbwertszeit bei Jugendlichen und Erwachsenen, bei Säuglingen und Kleinkindern liegt sie bei bis zu 100 Stunden. Bei Rauchern verkürzt sie sich um 30 bis 50 Prozent. Verdoppeln kann sich die Halbwertszeit bei Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen. Auch bei Schwangeren wird Koffein langsamer abgebaut. In Bezug auf die HRV-Parameter gibt es von wissenschaftlicher Seite wieder ganz unterschiedliche Erkenntnisse. Sie reichen von keiner Veränderung auf die HRV bei regelmäßigen Kaffeetrinkern bis zu einer deutlichen Einflussnahme bei allen Konsumenten. In einer indischen Studie mussten 35 gesunde Studenten auf nüchternen Magen gesüßten Instantkaffee mit 1,3 Milligramm Koffein trinken. Nach 30 Minuten war ihr High Frequency-Parameter erhöht, nach einer Stunde war der Koffein-Zauber schon wieder vorbei. Vielleicht lag es an der geringen Koffeinmenge, dass die Wirkung nur so kurz anhielt. In der bereits erwähnten Übersichtarbeit von Julian König und seinen Kollegen kann man sich auf "Table 3" die Mess-Details von den betrachteten Studien anschauen. In welchen zeitlichen Abständen die HRV gemessen wurde, hilft vielleicht auch bei der eigenen Einschätzung der Wirkung weiter. In der Studie von Monda und Kollegen beispielsweise wurde Espresso gereicht und nach 150 Minuten die HRV gemessen. Wieviel Koffein ist gut für die HRV? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schätzt für gesunde Erwachsene bis zu 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis als unbedenklich ein. Das sind, je nach Röstung und Zubereitung, zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag. Kaffee-Junkies sollten über den Tag verteilt nicht mehr als 400 Milligramm zu sich nehmen. Ganz ähnliche Erkenntnisse gibt es auch in Bezug auf die HRV-Parameter. In einer brasilianischen Kohortenstudie wurde der Einfluss des Koffeins auf die HRV bei über 15.000 Beamten mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren untersucht. In der Studie war alles vertreten: von kein Kaffee bis ganz viel am Tag. Beobachtet wurden die Staatsdiener über 12 Monate. Das Ergebnis für die Viel-Kaffeetrinker (drei oder mehr Tassen am Tag) mag im ersten Moment erschrecken: Der RMSSD-Parameter war um vier Prozent niedriger als bei den Teilnehmern, die wenig bis gar keinen Kaffee tranken. Da in der Studie auch andere Gewohnheiten abgefragt wurden, konnte bei den starken Kaffeetrinkern auch ein vermehrter Alkohol- und Nikotinkonsum festgestellt werden. Das ist jedoch keine Entwarnung für Abstinenzler und Nichtraucher. Der Trend zu einer schlechten HRV bleibt, wenn zu viel Kaffee getrunken wird. #### Mit dem Alter ändern sich die HRV-Werte Die Herzratenvariabilität verändert sich im Laufe des Lebens. Das Altern hat vermutlich den größten Einfluss auf die HRV-Parameter. Aus Normwert-Tabellen lässt sich entnehmen, dass die Verschlechterungen schon mit Anfang 20 beginnen und die einzelnen HRV-Parameter unterschiedlich "altern". Auch wenn Langzeitstudien belegen, dass die Lebensqualität und Lebenserwartung mit einer guten Herzratenvariabilität (HRV) steigen: Das Altern lässt sich nicht aufhalten. Ein Rentner wird wohl kaum bessere HRV-Parameter vorweisen können als ein Teenager, egal wie fit und entspannt der Senior ist. In Studien wurde festgestellt, dass die HRV etwa ab dem frühen Erwachsenenalter kontinuierlich abnimmt. Aus dem Übersichtsartikel zu altersbezogenen HRV-Effektgrößen von Matthias Fenzl und Christian Schlegel geht hervor, dass auch ein gesunder Lebensstil den Abwärtstrend nicht aufhalten kann. Schlechtere HRV-Parameter bedeuten, dass die Entspannungsfähigkeit des vegetativen Nervensystems (VNS) abnimmt. Der Rückgang bezieht sich auf beide Anteile des VNS, auf die Aktivität des Sympathikus und des Parasympathikus. Beide sind gleichermaßen von den Veränderungen, die das Alter mit sich bringt, betroffen - wobei der Parasympathikus etwas mehr "leidet". Im Buch Herzschlagvariabilität von Werner und Ralf Arne Wittling befindet sich auf Seite 212 sowie auf deren Website eine Abbildung, die verdeutlicht, wie die Aktivität des Parasympathikus mit dem Alter abnimmt. Aus dem Tagesverlauf ist außerdem als Besonderheit erkennbar: Nachts wirkt sich die Verschlechterung der HRV bei höherem Alter stärker aus. HRV-Normwerte je nach Alter Im Folgenden gehe ich auf eine allgemein verfügbare Studie zu altersabhängigen Veränderungen der HRV-Parameter ein: die altersbezogenen Normwerte von Ken Umetani und Kollegen. Ich bitte alle Leser, sie nur als Orientierung zu nehmen, weil die Abweichung der persönlichen HRV-Werte von diesen Mittelwerten individuell gedeutet werden muss. Die Wissenschaftler aus Kalifornien haben die HRV-Veränderungen von gesunden Studienteilnehmern im Alter von 10 bis 99 Jahren gemessen. Die HRV wurde bei 112 Männer und 148 Frauen mit einer 24-Stunden-Messung ermittelt. Wegen dieser großen Alterspanne ist verständlich, dass alle Altersgruppen über 60 Jahren schwach repräsentiert waren. Für die letzten drei Altersdekaden ließen sich nur noch 25 gesunde Männer und 37 gesunde Frauen finden. Alter SDNN SDANN SDNN Index RMSSD pNN50 Herzrate [Jahre] [ms] [ms] [ms] [ms] [%] [Schläge/min.] 10 - 19 176 ± 38 159 ± 35 81 ± 20 53 ± 17 25 ± 13 80 ± 10 20 - 29 153 ± 44 137 ± 43 72 ± 22 43 ± 9 18 ± 13 79 ± 10 30 - 39 143 ± 32 130 ± 33 64 ± 15 35 ± 11 13 ± 9 78 ± 7 40 - 49 132 ± 30 116 ± 31 60 ± 13 31 ± 11 10 ± 9 78 ± 7 50 - 59 121 ± 27 106 ± 27 52 ± 15 25 ± 9 6 ± 6 76 ± 9 60 - 69 121 ± 32 111 ± 31 42 ± 13 22 ± 6 4 ± 5 77 ± 9 70 - 79 124 ± 22 114 ± 20 43 ± 11 24 ± 7 4 ± 5 72 ± 9 80 - 99 106 ± 23 95 ± 24 37 ± 12 21 ± 6 3 ± 3 73 ± 10 Abbildung 1: Alterseffekte aus 24-Stunden-HRV-Messungen (Mittelwert und Standardabweichung) je Altersdekade (Quelle: Tabelle 2 in https://doi.org/10.1016/S0735-1097(97)00554-8) Die altersabhängigen HRV-Normwerte wurden unter der Annahme einer Normalverteilung für einen Vertrauensbereich (Konfidenzintervall) von 95 % für bestimmte Altersstufen bestimmt. HRV-Parameterwerte, die außerhalb dieser Wertebereiche liegen, stellen offensichtliche Ausreißer von der Norm dar. 95%-Konfidenzintervalle Alter SDNN SDANN SDNN Index RMSSD pNN50 HR [ms] [ms] [ms] [ms] [%] [Schläge/min.] 10 101 - 279 85 - 261 48 - 113 25 - 103 4 - 137 57 - 105 20 93 - 257 79 - 241 42 - 107 21 - 87 3 - 97 56 - 104 30 86 - 237 73 - 223 36 - 100 18 - 74 2 - 68 55 - 103 40 79 - 219 67 - 206 30 - 94 15 - 63 1 - 48 54 - 102 50 73 - 202 63 - 190 24 - 88 13 - 53 1 - 34 53 - 100 60 68 - 186 58 - 176 18 - 82 11 - 45 1 - 24 52 - 99 70 62 - 172 53 - 163 11 - 77 9 - 38 1 - 17 51 - 98 80 57 - 159 49 - 151 5 - 70 8 - 32 0 - 12 49 - 97 90 53 - 147 45 - 140 0 - 58 7 - 28 0 - 9 48 - 96 Abbildung 2: 95%-Konfidenzintervalle altersabhängiger HRV-Parameter aus 24-Stunden-HRV-Messungen (Quelle: Tabelle 3 in https://doi.org/10.1016/S0735-1097(97)00554-8) Altersunterschiede bei den HRV-Parametern Auch wenn wir es nicht bewusst mitbekommen, der biologische Alterungsprozess beginnt schon in jungen Jahren. In dem Übersichtsartikel zu den altersbezogenen HRV-Effektgrößen von Matthias Fenzl und Christian Schlegel ist zu lesen, dass die deutlichsten Abnahmen zwischen der 2. und 4. Lebensdekade stattfinden. Nach der 6. Lebensdekade verlangsamt sich der Abwärtstrend. Alle HRV-Parameter sind betroffen, egal ob SDNN, RMSSD oder Total Power. Beim SDNN fällt auf, dass er sich am langsamsten reduziert. Wenn wir die Tabelle von Ken Umetani zugrunde legen, werden in der 10. Lebensdekade noch 60 Prozent von der 2. Dekade erreicht. Die größten Einbußen gibt es bei den Parametern des Parasympathikus. Der RMSSD reduziert sich auf 47 Prozent und der pNN50 erreicht in der 6. Lebensdekade sogar nur noch 24 Prozent im Vergleich zur 2. Dekade. Danach kommt es zu einer Stabilisierung. Im Buch Herzratenvariabilität von Doris Eller-Berndl gibt es zum Thema Senioren und altersbezogene HRV-Parameter einen interessanten Hinweis für Praktiker: "Bei Menschen über 65 Jahre sind pNN50% und RMSSD nicht zur Risikostratifizierung hinsichtlich Mortalität geeignet, da beide über dem Alter von 60 Jahren relativ stabil bleiben. SDNN, LF und HF sind jedoch sensible Parameter." Ohne Altersbezug: Tipps für Selbstanwender Es geht auch ohne Altersbezug und Quervergleiche mit anderen Menschen. Wer täglich nach Möglichkeit immer unter gleichen Bedingungen misst, kann aus den Werten Rückschlüsse für sein eigenes Befinden ziehen. Am besten gelingt es, wenn man sich zu HRV-Werten ein paar Angaben, wie z. B. zur Schlafqualität, Arbeitspensum oder Trainingsumfang, notiert. Nach einiger Zeit wird man zum Experten für sich selbst und kann anhand der sogenannten Baseline-Werte einschätzen, was der Körper gerade braucht oder verträgt. Wem das zu kompliziert ist, der kann sich mit Mess-Systemen helfen, die mit einer sogenannten Längsschnittinterpretation arbeiten. Sie nutzen eine festgelegte Anzahl von Messungen für die Interpretation der HRV-Parameter. Da man sich nur mit den eigenen Werten vergleicht, ist das Alter Nebensache. Sinn oder Unsinn? Das biologische Alter Jeder, der einmal vom biologischen Alter als HRV-Parameter gehört hat, will es nach einer HRV-Messung wissen. Jeder meint, mit dieser Angabe etwas anfangen zu können - und fühlt sich, je nach Ergebnis, sofort etwas besser oder auch ein bisschen schlechter. Nach den Ausführungen zur altersbedingten Abnahme der HRV-Parameter könnte man meinen, dass sich das biologische Alter mit HRV-Analysen genauer bestimmen lässt. Leider ist es nicht ganz so einfach, weil sich gesunde Menschen gleichen Alters genetisch stark in ihrer HRV unterscheiden. Kommen Krankheiten, wie z. B. Asthma, oder Medikamente hinzu, dann wird das biologische Alter das kalendarische Alter wahrscheinlich nie toppen können. #### Mit einfachen Übungen die HRV verbessern Die Entspannungsfähigkeit lässt sich mit Hilfe der HRV feststellen. Aber was tun, wenn die HRV-Werte schlecht ausfallen? Es gibt einige einfache Übungen, mit denen die HRV verbessert werden kann. Wenn ich von Lesern gefragt werde, wie sie ihre Herzratenvariabilität (HRV) verbessern können, kann ich meist keine einfache Antwort geben. Denn der Parasympathikus lässt sich ganz unterschiedlich aktivieren. Deswegen habe ich mich für diesen Beitrag entschieden. Zusammen mit dem Heilpraktiker für Psychotherapie Bernd Heiler will ich praxiserprobte Übungen zur Verbesserung der HRV vorstellen. Bevor wir auf die verschiedenen Möglichkeiten eingehen, möchten wir noch erwähnen, dass wir uns bewusst nur für Übungen entschieden haben, die nichts oder fast nichts kosten und keinerlei technische Ausrüstung, wie z. B. den Qiu, den Stress Pilot oder den Spire, benötigen. Das hat gute Gründe: Wir möchten, dass Sie gleich loslegen können und von nichts abhängig sind. Fühlen Sie einfach mal selbst, was passiert! Parameter einer guten HRV Um die HRV zu verbessern, muss der Parasympathikus gestärkt werden – oder wie die Wissenschaftler es ausdrücken: Die Aktivierung des Parasympathikus muss erhöht werden. Eine besondere Rolle hat hier der Vagus-Nerv. Sein Wirken im Körper macht weit über die Hälfte des parasympathischen Einflusses aus. Ähnlich, aber nicht ganz so einflussreich, sind der dritte, fünfte und neunte Hirnnerv. In ihren Nervenbahnen finden sich ebenfalls parasympathische Fasern. Bei der HRV-Messung gibt es einige Parameter wie z. B. RMSSD oder SD1, die die Aktivität des Parasympathikus widerspiegeln. Je nachdem wie sie ausfallen, lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie gut oder schlecht er regulieren kann. Eine übersichtliche Darstellung der Ergebnisse einer Kurzzeit-HRV-Messung bietet das Spiderweb- / Rang-Diagramm des HRV-Scanners der Firma BioSign GmbH. Die Ohrmuschel-Massage "Über den Tragus können Ausläufer des Vagus stimuliert werden", erklärt Bernd Heiler. "Es ist die kleine knorpelige Erhebung vor dem Eingang des Gehörgangs, die gerne von jungen Damen mit einem Piercing geschmückt wird. Zwischen Daumen und Zeigefinger wird der Tragus mindestens 3 bis 5 Minuten zweimal täglich massiert." Die Erklärung, warum es wirkt, liefert die Polyvagal-Theorie. Mundwinkel hoch Lachen hat an sich schon einmal eine gute Wirkung auf den Parasympathikus, aber nicht immer ist die Situation dafür gegeben. Das innere Lächeln anzuknipsen, funktioniert eigentlich immer, auch wenn einem nicht danach ist. Bernd Heiler beschreibt die Übung: "Denken Sie an eine liebe Person oder an eine Situation, die Ihnen Freude bereitet hat. Wenn Ihnen das schwer fällt, dann können sie sich auch ein Bild oder ein Foto anschauen, das Ihnen besonders gut gefällt. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Person oder die Situation und Sie werden bemerken, dass sich Ihre Mundwinkel von alleine etwas nach oben ziehen. In meiner Sprechstunde wende ich die Übung sehr gerne an. Um meine Klienten davon zu überzeugen, dass sie wirkt, zeige ich ihnen bei der HRV-Messung, wie sich im Online-Spektrum Ihre HRV-Werte ändern." Eiswassertauchen Das Waschbecken oder eine Schale mit eiskaltem Wasser fühlen. Etwa 4 Grad sollte es haben, was mit Eiswürfeln möglich ist. Das Gesicht wird mehrmals für 30 Sekunden eingetaucht und die Luft angehalten. Erst beim Auftauchen wird ausgeatmet. Die Wirksamkeit wurde beispielsweise in einer Studie von Kinoshita und Kollegen untersucht. "Menschen mit Augenproblemen, wie z. B. einem zu hohen Augeninnendruck, sollten die Übung allerdings nicht ausprobieren", warnt Bernd Heiler. Hier bietet sich aus einer Sammlung von Tipps die Alternative, die Hände unter warmes Wasser zu halten. Gedichte aufsagen Ein Hexameter ist ein antikes Sechser-Versmaß, bei dem sich lange und kurze Silben abwechseln. Es findet sich z. B. in Homers Ilias oder Odyssee, aber auch deutsche Dichter wie Goethe, Schiller oder Mörike verwendeten es. "Das Besondere am Hexametersprechen ist, dass sich das Zusammenspiel von Herzschlag und Atmung verbessern lässt, weil es mit etwa sechs Atemzügen pro Minute einhergeht", beschreibt Bernd Heiler. "Dieser optimale Atemrhythmus ist auch bei Mantras oder bei Gebeten möglich." Powernapping Beim Nickerchen zwischendurch ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt zum Aufstehen abzupassen, weil es sonst eher das Gegenteil bewirkt. "Wird zu lange geruht, fühlen wir uns danach eher gerädert als erfrischt", so Bernd Heiler. "Den optimalen Zeitpunkt können Sie ganz einfach herausfinden: Bevor Sie die Augen schließen, nehmen Sie einen Schlüssel in die Hand und legen Sie ihren Arm locker auf einer Armlehne ab. Wenn Sie den Zeitpunkt der optimalen Entspannung erreicht haben, fällt Ihnen der Schlüssel aus der Hand. Dann ist das Powernapping abgeschlossen." Musikalisch ausatmen "Singen Sie, egal was und wie, es wird wirken. Es hilft, den Parasympathikus zu stärken. Er wird beim kurzen Einatmen und längeren Ausatmen aktiviert, was automatisch beim Singen und Musizieren geschieht", empfiehlt Bernd Heiler. "Wenn Sie Ihre Stimme nicht hören wollen, kaufen Sie sich im Spielzeugladen ein Kazoo. Das kleine Membranophon weckt Kindheitserinnerungen und macht auch großen Spaß." Stimm- und Körpervibrationen lösen auch das Mantra-Singen aus, wie z. B. das klassische Om (oder auch Aum). Auch hier lässt sich laut Bernd Heiler die Wirkung mit der Polyvagal-Theorie erklären. Atmen, aber richtig Atmen und entspannen ist nicht schwer, man muss nur wissen wie es geht. Bernd Heiler erklärt die Atemtechnik: "Man atmet kürzer ein und länger wieder aus. Zwischen ein- und ausatmen, macht man eine kurze Pause. Der Entspannungseffekt setzt beim längeren Ausatmen ein. Eingeatmet wird durch die Nase. Sie reinigt und erwärmt die Luft. Beim Ausatmen scheiden sich die Geister, ob es nun durch Mund oder Nase besser ist. Anfängern empfehle ich, bei Atemübungen immer durch den Mund auszuatmen. Meist fällt es ihnen leichter, die Luft hinausströmen zu lassen. Auch hilft das Umschalten zwischen Mund und Nase, sich noch bewusster auf die Atmung einzulassen." Folgende Übung empfiehlt Bernd Heiler für Anfänger: "Setzen Sie aufrecht auf einen Stuhl, mit beiden Füßen auf dem Boden. Legen Sie sich eine Hand auf den unteren Bauch und fühlen Sie, wie sich beim Einatmen die Bauchdecke hebt und beim Ausatmen senkt. Achten Sie bewusst darauf, dass Sie länger Ausatmen als Einatmen. Wichtig ist auch, dass der Atem ganz natürlich hinein- und herausfließt. Nach einiger Zeit werden Sie bemerken, dass sich ihr Herzschlag verlangsamt. Wenn Sie länger üben, werden Sie auch feststellen, dass das Herz beim Einatmen schneller und beim Ausatmen langsamer schlägt. Dieses Wechselspiel zeigt den Einfluss der Atmung auf das vegetative Nervensystem." Die Wirkung lässt sich hier, wie auch beim Singen und Gedichte aufsagen, mit dem RSA-Effekt erklären. Aktive Meditation Diese Art der Meditation wird auch Kundalini, bewegte Meditation, genannt. Sie dauert eine Stunde und folgt einem festen Programm. Es teilt sich in vier Phasen, wechselt also alle 15 Minuten. Es beginnt mit einer Viertelstunde schütteln, gefolgt von tanzen, sich hinsetzen und still liegen. Wer mit aktiver Meditation nicht vertraut ist, wird vielleicht erst einmal skeptisch sein, aber sie wirkt und für den Ablauf hat Bernd Heiler auch eine Erklärung: "Wird eine Gazelle von einer Hyäne gejagt, dann hat sie Stress. Wenn sie ihr entkommen kann, dann wird sie sich danach erst einmal schütteln, um all die angesammelten Stresshormone loszuwerden. Die wenigsten Menschen können sofort auf den Punkt entspannen. Die bewegte Meditation ermöglicht einen einfacheren Zugang zur Ruhe und letztendlich zur Entspannung." Die Aussichten auf bessere Entspannung Bernd Heiler macht Hoffnungen: "Die HRV kann jederzeit verbessert werden. Die Möglichkeiten der Verbesserungen hängen von Alter, Fitness- und Gesundheitszustand ab. Je nach Ausgangssituation kann es länger oder kürzer dauern, bis sich die HRV-Werte verbessern." Nach jeder Übung können sich bereits kleine Veränderungen zeigen, aber für länger anhaltende Verbesserungen braucht es Durchhaltevermögen und Geduld. Die größten Erfolgsaussichten haben all jene, die gleichzeitig auch etwas an ihrem Lebensstil ändern, wie z. B. mehr Bewegung und Pausen in ihren Alltag einbauen, für genügend Schlaf sorgen, weniger Alkohol trinken oder mit dem Rauchen aufhören. Auch das sind Maßnahmen, die den Parasympathikus stärken", schließt Bernd Heiler. #### Mit Sympathikus und Parasympathikus durch Tag und Nacht Das vegetative Nervensystem begleitet den Menschen durch Tag und Nacht. Mit seinen beiden Anteilen, dem Sympathikus und Parasympathikus, stellt es den Körper auf die alltäglichen Anforderungen ein. Beide folgen einem natürlichen Tages- und Nachtrhythmus. Wer ihn berücksichtigt, kann Kraftquellen besser für sich nutzen und gibt Energieräubern keine Chance mehr. Die Aktivitäten von Sympathikus und Parasympathikus darf man sich nicht wie ein Art Schichtwechsel vorstellen: Der eine hat seine Arbeit erledigt, dann übernimmt der andere und macht weiter. Das hätte vielleicht ein paar Vorteile, wie z. B. auf Knopfdruck in Tiefschlaf fallen zu können, aber wohl eher viele Nachteile, weil nicht auf die Abstufungen der alltäglichen Anforderungen eingegangen werden könnte. Besser passt vielleicht das Bild einer gleichberechtigen Partnerschaft. Gemeinsam begleiten sie uns durch Tag und Nacht, mal überwiegt die Wirkung des Sympathikus, mal die des Parasympathikus. Beide haben ihren eigenen Tagesrhythmus, der leider gerne von uns durchkreuzt wird. Was Sympathikus und Parasympathikus Tag und Nacht so treiben, lässt sich am besten mit einer Langzeitmessung der Herzratenvariabilität (HRV) beobachten. Möglich ist das, weil die HRV genauso wie viele andere Vorgänge im Körper einer sogenannten zirkadianen Rhythmik folgt. Sie wird wie viele Organe von einem Tag-Nacht-Wechsel beeinflusst. Überblick zu Tages- und Nachtaktivitäten Der Tag startet unter der Regie des Sympathikus. Bereits in den frühen Morgenstunden übernimmt er die Leitung und behält sie bis zum Mittag. Der Parasympathikus ist immer mit von der Partie. Langsam und kontinuierlich steigert er seine Aktivität von den Morgenstunden an bis zum Abend. Dann übernimmt er die Oberhand und sorgt für entspannende Abendstunden und eine erholsame Nacht (wenn man ihn lässt). Mit ersten Vorbereitungen für den Tag lässt sein Einfluss frühmorgens langsam nach und der Sympathikus übernimmt wieder das Steuer. Auch wenn es schwer vorstellbar ist: Es sind immer beide Anteile des vegetativen Nervensystems aktiv, nur mit unterschiedlicher Intensität. Die Veränderung der HRV-Werte innerhalb 24 Stunden Mit den High Frequency-Werten (HF) lassen sich die Aktivitäten des Parasympathikus beobachten. Etwa ab 8 Uhr morgens steigert er sich erst langsam, aber stetig. In den Abendstunden, gegen 21 Uhr, steigt seine Wirkung rasant an und erreicht ihren Höhepunkt etwa um 4 Uhr morgens. Ein extrem starker Rückgang der parasympathischen Aktivität vollzieht sich in den frühen Morgenstunden bis 8 Uhr. Nicht ganz so eindeutig kann die Einflussnahme des Sympathikus mit den Werten der Low Frequency (LF) verfolgt werden. Das liegt daran, dass der LF-Parameter kein reines sympathisches Maß ist, sondern auch vom Parasympathikus beeinflusst wird. Der Sympathikus übernimmt die Führung immer dann, wenn die Aktivität des Parasympathikus abnimmt. Die LF-Werte steigen nach Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden an, um im Verlauf des Vor- und Nachmittags sehr langsam wieder zu sinken Das Verhältnis von LF und HF, die sympathovagale Balance (LF/HF), spiegelt auch den Verlauf der beiden Anteile des vegetativen Nervensystems (VNS) wider. Es zeigt ab der Mittagszeit bis in die Nachtstunden eine Verschiebung des Gleichgewichts in Richtung eines stärkeren parasympathischen Einflusses. Die verstärkte Aktivität des Sympathikus in den Morgenstunden sorgt wieder für eine Rückverschiebung der sympathovagalen Balance. Auch die Gesamtaktivierung, wie beispielsweise der Wert Total Power (TP), unterliegt einem leichten Einfluss des Tag-Nacht-Rhythmus. Die niedrigsten Werte finden sich um Mitternacht und die höchsten am frühen Morgen. Gegen den Rhythmus leben Was das VNS mit Sympathikus und Parasympathikus Tag und Nacht leistet, nehmen wir, wenn überhaupt, nur begrenzt wahr. Vieles geschieht im Verborgenen, außerhalb unserer bewussten Wahrnehmung. Die unklare Vorstellung von den inneren Abläufen erschwert es, Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Die fehlende Einsicht kann zu einer trügerischen Sicherheit führen. Die Auswertung der Herzratenvariabilitäts-Werte lässt wahrnehmen, was in der Nacht geschieht. Eindrucksvoll lässt sich zeigen, wie spätes Essen und Alkoholgenuss am Abend, den Körper um einige Stunden erholsamen Schlaf bringen. Seine Vorbereitungen für die Nacht werden durchkreuzt, das Mahl und die Promille müssen verarbeitet werden. Die HRV-Auswertung verdeutlich, wie viele Stunden der Körper für die Normalisierung braucht, um wieder zu seinem Nachtprogramm zurückzukehren. Nur wegen einer Planung, die den Tag-Nacht-Rhythmus nicht berücksichtigt, gehen kostenbare Stunden Schlaf verloren. Recht anschaulich lässt sich bei Langzeitmessungen auch zeigen, was für Folgen eine hochintensive Sporteinheit haben kann. Ein übersteigertes Training endet für den Körper nicht unter der Dusche. Je nach Verausgabung ist der Organismus mehrere Stunden mit der Verarbeitung beschäftigt. Wurde der Zeitpunkt zusätzlich noch falsch gewählt, kann der Regenerationsprozess auch bis in die Nacht dauern, und an erholsamen Schlaf ist dann nicht zu denken. Mein Fazit Mit unserem Lebensstil stören wir das natürliche Wirken des VNS. Stimmt die Intensität der Lebensweise nicht mit dem Leistungsvermögen überein, beziehungsweise wird dem Körper viel abverlangt (bemerkbar durch überwiegende Aktivität des Sympathikus) und nicht für ausreichende Regeneration gesorgt (also der Parasympathikus unterdrückt), tritt eine allmähliche Schädigung ein. Herzratenvariabilitäts-Werte, die sich aus einer verminderten Aktivität des Parasympathikus ergeben, signalisieren schon früh das Defizit bei Entspannungsphasen. Je länger die Überforderung andauert, umso mehr werden die Regulationssysteme im Körper geschwächt. Bei anhaltender Überlastung wird die Erholungsfähigkeit durch den Parasympathikus als erstes in Mitleidenschaft gezogen. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer kompletten Leistungsminderung des vegetativen Nervensystems. #### Musik aus Schwankungen des Herz-Rhythmus Der Mensch macht Musik, aber Musik macht auch etwas mit dem Menschen. Die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Musik lassen sich mit Hilfe der Herzratenvariabilität sowohl aufzeigen als auch therapeutisch nutzen. Der Herzschlag reagiert auf Musik, aber es geht auch andersherum: Er "komponiert" Musik. Klänge und Musik können beim Menschen eine innere Harmonie und Ordnung herstellen. Um zu klären, was da genau passiert, habe ich mir Bernd Heiler zu Hilfe geholt. Er ist Heilpraktiker für Psychotherapie und hat eine Praxis für integrale Therapie in München. Seit vielen Jahren beschäftigt sich er schon mit Herzratenvariabilität (HRV) und Biofeedback. Die Wirkung der Musik auf den Körper Die Bedeutung der Musik für den Menschen spiegelt sich in vielen Redewendungen wider: Musik beschwingt, Musik gibt den Rhythmus (bei dem jeder mit muss), Musik reißt uns mit – oder wir kommen aus dem Takt. An unseren Mitmenschen kann uns Taktlosigkeit oder ein falscher Ton stören. Die Erkenntnis, dass Klänge und Musik den Menschen positiv beeinflussen können, ist nicht neu. Schon seit Urzeiten wird Musik in verschiedenen Kulturen eingesetzt, um Körper und Seele in Einklang zu bringen. Wahrscheinlich haben Menschen schon eine Art Musik gemacht, bevor sich die Sprache entwickelte. Mit Musik wurden Götter angebetet, bevor es in den Kampf ging. Sie erklang, um Kontakt zu den Ahnen aufzunehmen oder wurde natürlich auch gespielt, um Kranke zu heilen. Im Wesentlichen wurde mit Musik schon immer Stimmung ausgedrückt und Stimmung erzeugt. Unsere Vorfahren folgten noch ihrem Gespür für den therapeutischen Gebrauch von Musik. Das aus ihrer Intuition und Erfahrung stammende Wissen wurde mittlerweile in klinischen Experimenten wissenschaftlich bestätigt. Heute weiß man um die Wirkung, die Musik auslösen kann. "Es gibt Studien zur Senkung des Blutdrucks, Verringerung der Stresshormone und Verbesserung der Schlafqualität. Aber auch Schmerzen, Burn-out-Symptome und Stimmungstiefs lassen sich mit Musik reduzieren", erklärt Bernd Heiler. Mensch und Musik im Gleichklang "Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem – die Heilung eine musikalische Auflösung", wusste schon Novalis. Musik erzeugt bestimmte Schallmuster, die die Atmung, den Herzschlag, den Blutdruck und sogar den Muskeltonus sowie die Körperhaltung über das Gehör und auch über die Haut beeinflussen können. "Mensch und Musik schwingen, teilweise sogar im gleichen Frequenzbereich und in einem ähnlichen Rhythmus", ergänzt Bernd Heiler. "Wie alles im Körper schwingt, lässt sich am leichtesten am Herzen erklären", erläutert Bernd Heiler. "Es schlägt niemals ganz regelmäßig, sondern variiert um einen Mittelwert. Mal sind die Abstände zwischen den einzelnen Herzschlägen etwas länger, mal etwas kürzer. Insbesondere in Erholungsphasen lässt sich dieses Phänomen der HRV beobachten. Heutzutage lässt es sich auch relativ leicht messtechnisch dokumentieren. Das Herz ist weitaus mehr, als eine Blutpumpe. Es ist der Dirigent eines Orchesters, das unzählige Rhythmen im Körper zu einer 'vegetativen' Ordnung zusammenfinden lassen kann, um gesund zu bleiben." Das Herz verrät, was dem Körper gut tut Das Herz besitzt etwa 40.000 Neuronen und kommuniziert über sie auf verschiedene Weise mit dem menschlichen Gehirn und dem übrigen Körper. Das ist der Grund, warum eine Messung des Herzschlags die Wirkung der Musik auf den Körper zeigen kann. "Das Herz fungiert quasi als Beziehungsorgan zu uns selbst und zu unserer Umwelt. Am Herzschlag kann man ablesen, wie sich etwas auf gesamten Organismus auswirkt. Deshalb ist die HRV ein gutes Mittel, um zu schauen, wie etwas auf den Körper wirkt und was ihm gut tut." Der Unterschied von klassischer Musik und Heavy Metal Nach allem was bis jetzt bekannt ist, besitzt klassische Musik die größte Heilkraft. Eine besonders gute Wirkung haben die Werte von Komponisten wie z. B. Bach, Mozart, Haydn oder Beethoven. Der symmetrische Aufbau ihrer Werke und der nahezu völlige Verzicht auf dissonante Klänge scheinen besser auf Körper und Seele zu wirken als Musikrichtungen mit Dissonanzen und chaotischen Kompositionen. Es gibt einige Studien, die mit der HRV die Wirkung verschiedener Musikrichtungen untersucht haben. Sehr interessant sind beispielsweise Vergleiche zwischen klassischer Musik und Heavy Metal, wie z. B. in der Studie Acute Auditory Stimulation with Different Styles of Music Influences Cardiac Autonomic Regulation in Men. "Der Extremvergleich der Musikrichtungen verdeutlich die Auswirkungen auf das vegetativen Nervensystems (VNS) und warum sich mit klassischer Musik Heilungseffekte erzielen lassen", so Bernd Heiler. Beim Hören von Heavy Metal-Musik finden sich in einigen Studien Hinweise, dass sich die generelle Aktivität des VNS verringert. Insbesondere unter dem Einfluss von "Bang-Bang-Musik" kommt es beim Parasympathikus zu einer Abnahme seiner Aktivität. Bei klassischer Musik deuten einige Werte daraufhin, dass der Einfluss des Sympathikus abnimmt und der des Parasympathikus zunimmt. Argumente gegen klassische Musik Wegen der wissenschaftlich bestätigten Wirkung auf das VNS befindet sich in der musikalischen Apotheke hauptsächlich klassische Musik. "Es gibt Musik-Empfehlungen gegen Ängste, depressive Verstimmungen, Herzbeschwerden, zur Stärkung des Immunsystems, für ein besseres Gedächtnis, mehr Tatendrang und gesunderen Schlaf", führt Bernd Heiler aus. Kritiker könnten an dieser Stelle anführen, dass Musik Geschmacksache sei. Nicht alle Menschen hören gerne klassische Musik. Deren heilsame Wirkung könnte bei Abneigung ausbleiben. Auch könnte es sich als hinderlich herausstellen, wenn einzelne Musikstücke mit positiven oder negativen Erinnerungen verbunden werden. Für Bernd Heiler lässt sich das Problem ganz einfach umgehen, nämlich mit der eigenen Musik. Mit der HRV Musik machen "Mit der HRV kann man nicht nur die Musikwirkung auf das VNS nachweisen, sondern auch Musik gestalten. Mit Unterstützung einer speziellen Hard- und Software ist es möglich, die HRV in Klänge umzuwandeln. Die Umwandlung geschieht auf der Grundlage der RR-Intervalle. Die Aufteilung in verschiedene Segmente ermöglicht eine Zuordnung von Instrumenten oder auch Naturgeräuschen. Je nachdem wie lange ein RR-Intervall andauert, wird das ausgewählte Instrument oder Naturgeräusch angespielt, oder eben nicht. Auf Basis der Frequenzen eines jeden RR-Intervalls lässt sich dann auch die Tonhöhe berechnen." Der Mensch kann mit dem eigenen Herzschlag seine Musik komponieren. "Aus diesem Grund empfinden wir unsere eigene Herzmusik auch als so angenehm, da sie Ausdruck von uns selbst ist. Hört ein Mensch seine eigene Musik, so kann sich die vegetative Regulation über die Resonanz mit den Klängen in Einklang bringen", beschreibt Bernd Heiler die Wirkung. Reaktionen auf die eigene Herzmusik Von Platon stammt das Zitat: "Musik und Rhythmus findet ihren Weg zu den geheimsten Plätzen der Seele". Ganz ähnlich kann man sich Wirkung vorstellen, wenn man die Musik des eigenen Herzen zu hören bekommt. Bernd Heiler beschreibt die Reaktionen: "Interessant zu beobachten, ist, was passiert, wenn die Herzmusik in Echtzeit abgespielt wird, also keine 'Nachvertonung' von ausgezeichneten HRV-Daten. Häufig steigt der Stressindex (SI) erst einmal an, bis dann eine 'Entladung' im VNS geschieht. Der Psychologe Dr. Peter Levine beschreibt dieses Phänomen auch in seinen Büchern über Somatic Experiencing (Traumatherapie). Gerade in dieser Phase (wenn der SI ansteigt) können sich beim Klienten Emotionen zeigen, die sich über längere Zeit im Körper aufgestaut haben, ohne dass eine mögliche Retraumatisierung stattfindet." Man muss sich die Wirkung um ein Vielfaches größer vorstellen als bei einer herkömmlichen Entspannungsübung. Bernd Heiler sagt dazu: "Ich behaupte, es passiert weitaus mehr als nur Entspannung. Es geht vor allem darum, mit sich selbst wieder in Kontakt und Resonanz zu kommen. Die Herzmusik vergleiche ich häufig zum besseren Verständnis mit einem Katalysator." Ein Erklärungsversuch, wie die Herzmusik wirkt Mit dem Metronom-Versuch versucht Bernd Heiler zu erklären, was im Körper beim Hören der Herzmusik geschieht: "Zu Beginn schlagen die Metronome nicht synchron. Jedes schwingt wie ein unabhängiges Pendel – sie sind nicht gekoppelt. Sobald sie alle auf einer mitschwingenden Grundlage stehen, erfahren sie eine Synchronizität und gleichen ihre Rhythmen als ein verbundenes Schwingungssystem aneinander an. Die Herzmusik ist für mich der Katalysator, der für Harmonie und Ausgeglichenheit sorgen kann." Mein Fazit Aus eigener, wenn auch bislang nur einmaliger Erfahrung kann ich bestätigen, dass eine Entspannungssitzung mit Herzmusik sehr wohltuend ist. Aber ich war froh, dass mich ein Therapeut dabei begleitete, weil die Herzmusik zunächst irritierend war und wie ein spezielles Biofeedback wirkt. Sobald wie möglich möchte ich wieder Herzmusik machen. #### Qiu – Die Entspannungs-Kugel Mit dem Qiu haben Sie Ihre Entspannung - im wahrsten Sinne des Wortes - selbst in der Hand. Mit der kleinen Kugel lässt sich die Entspannungsfähigkeit trainieren. Der Qiu des Herstellers Biosign ist ein mobiles Biofeedback-Gerät, das die Herzratenvariabilität misst und während des Trainings Auskunft über den momentanen Zustand gibt: Leuchtet er grün, wirkt das Erholungsprogramm des Parasympathikus. Ich bin ein großer Fan des Qius. Da ich fast den ganzen Tag am Computer sitze, bin ich froh, wenn ich ihn mal nicht brauche und davon wegkomme. Mit dem Qiu ist das möglich. Er funktioniert unabhängig von irgendwelchen Gerätschaften. Er braucht zwei Batterien, deren komplette Entladung rechtzeitig gemeldet wird. Ich kann ihn überall mit hinnehmen und er sieht auch noch schick aus – was nicht bei allen Medizinprodukten der Fall ist. Im ersten Moment wirkt der Qiu ein bisschen wie eine Zauberkugel. Mal leuchtet seine Halbkugel knallrot, dann verändert sie sich über viele Zwischentöne, bis sie in apfelgrün erstrahlt. Mit Esoterik hat das Farbspiel überhaupt nichts zu tun, allein die Messung der Herzratenvariabilität (HRV) bestimmt den Wechsel. Rot steht für die vorherrschende Aktivität des Sympathikus und grün für den überwiegenden Einfluss des Parasympathikus. Durch die Veränderung der Farben lässt sich klar mitverfolgen, welcher Anteil des vegetativen Nervensystems (VNS) gerade vorherrscht. Hintergrund des Farbspektakels ist wieder, wie variabel das Herz zu schlagen vermag. Die Berechnung des Rhythmisierungsgrads ist der ganze Zauber bei der kleinen Kugel. Er bewertet die Qualität und Quantität der respiratorischen Sinusarrhythmie (RSA). Bei der Quantität geht es um die Größe (Amplitude) der respiratorischen Sinusarrhythmie. Die Qualität drückt aus, ob es neben der respiratorischen Sinusarrhythmie noch weitere Regelprozesse gibt, die den Herzschlag beeinflussen. Das Geheimnis des Qius und aller anderen HRV-Biofeedback-Verfahren ist also der Rhythmisierungsgrad. Er lässt sich gezielt trainieren. Anzustreben ist große respiratorische Sinusarrhythmie und wenig sonstige Regelprozesse. Anwendung überall und ohne PC möglich Wie bei allen Biofeedback-Geräten ist die Basis für die Messung der Puls. Am Qiu ist ein optisches Sensorfeld direkt im Gerät eingebaut. Es erfasst auf leichten Druck die Pulswelle an der Hand beziehungsweise an den Fingern. Wer eher zu kalten Händen oder niedrigem Blutdruck neigt, sollte lieber alternativ den Ohr-Clip verwenden. Auch bietet er die Möglichkeit einer bequemeren Körperhaltung während der Trainings. Bei der Verwendung des Pulssensors am Ohr muss nur beachtet werden, dass er vor dem Einschalten des Qius eingestöpselt wird. Der Qiu beginnt im Rhythmus des Herzschlags blau zu pulsieren, sobald er den Puls messen kann. Nach einigen Sekunden beginnt das Farbspiel. Je nachdem wie stark sich die Herzfrequenz im Takt der Atmung verändert, wechseln die Farben von Rot nach Grün. Eine bewusste Atmung ist quasi der Schlüssel des Biofeedback-Trainings. Am Qiu geben kleine LED-Lämpchen einen Atemrhythmus vor. Sie leuchten nacheinander auf und verhelfen so zu einer ruhigen und gleichmäßigen Ein- und Ausatmung. Sie dienen nur zur Orientierung, denn in erster Linie soll die Atmung leichtfallen, also ohne Stress und Atemnot. Aus diesem Grund lässt sich die Atmen-Anzeige auch individuell einstellen. Einstellungsmöglichkeiten am Gerät oder PC Eine langsame und ruhige Atmung ist das Ziel jeder Qiu-Übung. Dann ist der Einfluss auf das Herz groß und der Parasympathikus aktiv. Der Qiu leuchtet grün. Bei einer schnelleren Atmung verliert sich der günstige Einfluss. Der Sympathikus übernimmt die Kontrolle über das Herz und der Qiu wird rot. Bei einer erfolgreichen Sitzung leuchtet der Qiu 50 bis 80 Prozent der Übungszeit grün. Ist es weniger oder mehr der Fall, sollte der Vorgabewert entsprechend verändert werden. Das Biofeedback-Training soll nicht nur eine direkte Rückmeldung über das eigene Tun geben, sondern auch ein gutes Gefühl vermitteln. Deshalb ist die richtige Einstellung des Vorgabewerts wichtig, denn nur so lässt sich die eigene Wahrnehmung verbessern. Ist er zu gering oder zu hoch eingestellt, also mehr als 80 beziehungsweise weniger als 50 Prozent der Übungszeit grün, dann kann der Qiu das feine Zusammenspiel von Psyche und Herz nicht zurückmelden. Alle Einstellungen wie Übungszeit, Atemrhythmus, Vorgabewert und Helligkeit der Farben lassen sich am Gerät selbst – etwas kompliziert, aber möglich, wenn man den Menü-Aufbau mal verstanden hat – oder sehr einfach mit Hilfe eines kleinen Windows-Programms (Download über die Website des Herstellers) vornehmen. Hier lässt sich auch ein Signal-Check vornehmen, um die richtige Übungs- und Halteposition für den Qiu in der Hand zu finden. Der Qiu speichert 500 Übungseinheiten mit Datum und Übungszeit in einem internen Speicher ab. Mit der Software können die Daten für die Auswertung und Weiterleitung an einen Therapeuten auf den PC übertragen werden. Den Qiu können Endverbraucher nur über einen Therapeuten kaufen und oder für eine bestimmte Zeit mieten. Der Kontakt zu einem Therapeuten ist dem Hersteller wichtig, um am Anfang die richtige Anwendung zu gewährleisten. Die weitere Anwendung kann in Eigenregie erfolgen. Auch fallen keine Software-Lizenzkosten nach dem Erwerb des Qius an. Das Grundprinzip der Anwendung steht auch als Video zur Verfügung. Auch beim Üben mit dem Qiu braucht man Geduld - wie bei allen Biofeedback-Geräten. Für Veränderungen braucht es Zeit und Regelmäßigkeit. Betrachten Sie ihn als Hilfsmittel, das Ihnen den achtsamen Umgang mit sich selbst erleichtert. In dem kleinen Qiu-Büchlein (im Lieferumfang enthalten oder einzeln erhältlich im Buchhandel oder bei Biosign) wird empfohlen, täglich 20 bis 30 Minuten zu trainieren, aufteilbar in dreimal 10 Minuten. Ich bin kein gutes Vorbild: 10 Minuten Biofeedback-Training gelingen mir nicht jeden Tag, obwohl ich es nötig hätte. Ich gebe zu, dass ich manchmal in der zweiten Hälfte kurz einnicke. Das ist nicht sehr achtsam, aber interessant ist, wie die Qiu reagiert. P.S.: Ein Qiu wurde mir dankenswerterweise von Biosign für meine Recherche zur Verfügung gestellt. #### Rauchen und HRV "Eine Zigarette ist quasi keine Zigarette." Das haben Sie bestimmt als Nichtraucher schon öfters gehört, wenn mal wieder eine Raucherpause eingelegt werden musste. Raucher reden sich gerne etwas ein, das einfach so nicht stimmt. Von einer Zigarette bekommt man zwar keinen Krebs, aber sie reicht, um den Parasympathikus für 30 Minuten in seiner Aktivität zu hemmen. An dieser Stelle können wir auch gleich mit der nächsten falschen Annahme aufräumen: "Bei einer Zigarette kann ich so gut entspannen". Nein, auch das trifft nicht zu, denn parallel zum Abfall der parasympathischen Aktivität kommt es einem Anstieg der sympathischen. Das Gleichgewicht zwischen Entspannung und Anspannung verschiebt sich zu Ungunsten der Erholungsfähigkeit. Bei Rauchern kann noch ein weiterer Effekt beobachtet werden: Bittet man Raucher innerhalb von 30 Minuten mehrere Zigaretten zu rauchen, so steigt die Aktivität des Sympathikus erst an, fällt dann aber unter das Ausgangsniveau. Als Erklärung wird vermutet, dass der Gewöhnungseffekt an das Nikotin für das Absinken sorgt. Nikotin hemmt den Parasympathikus Bei langjährigen Rauchern kommt es also nicht nur zu einer Reduzierung der parasympathischen Aktivität, sondern auch zu einer Einschränkung der sympathischen. Während die Aktivität des Parasympathikus mit jeder Zigarette gehemmt wird, ist die Reduzierung des Sympathikus offenbar abhängig von der Intensität und Dauer des Rauchens. In wissenschaftlichen Berichten liest man (siehe Kupari et al., 1993), dass es bei mehr als 10 Zigaretten am Tag zu der Einschränkung kommt (bezogen auf LF-Power). Vater und Sohn Wittling schreiben in ihrem Werk Herzschlagvariabilität: Frühwarnsystem, Stress- und Fitnessindikator (Eichsfeld Verlag) zu der langfristigen Wirkung des Zigarettenkonsums: "Wir fanden bei regelmäßigen Rauchern einen deutlichen Rückgang des Gesamtniveaus der autonomen Regulation (Total-Power, SDRR), verbunden mit einem noch stärkeren Rückgang der parasympathischen Innervation von Herz und Körperorganen (HFms2, RMSSD)." Raucher haben generell ein deutlich niedrigeres Aktivitätsniveau von Sympathikus und Parasympathikus, was auf eine komplette Beeinträchtigung des vegetativen Nervensystems hinweist. Doch für Raucher besteht Hoffnung. In verschieden Studien wurden die Auswirkungen einer Raucherentwöhnung untersucht (siehe Yotsukura et al., 1998). Bereits nach 7 Tagen kommt es wieder zu einem deutlichen Anstieg der parasympathischen Aktivität (siehe Minami et al., 1999). Auch die Anwendung von Nikotin-Ersatzpräparaten, wie beispielsweise die Verwendung eines Nikotin-Pflasters, sorgen für bessere Herzratenvariabilitätswerte. Neben dem oben erwähnten Buch der Herren Wittling empfehle ich die Dissertation Zusammenhang von gesundheitsrelevantem Verhalten und autonomer Funktion des Herzens – Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Querschnittsstudie von Alexander Kluttig für einen tieferen Einstieg in die Zusammenhänge. #### Regenerations-Kleidung im HRV-Test Kann Kleidung aus einer speziellen Textilfaser helfen, sich leichter zu erholen? Dies wurde mit Hilfe der Herzratenvariabilität (HRV) versucht zu messen. Studien mit HRV-Analysen belegen zwar nicht eindeutig den entspannenden Effekt der Regenerationskleidung. Aber es gibt Hinweise auf eine positive Wirkung der innovativen Textilie. Neugierig habe ich einen Selbstversuch gemacht. Eine schöne Vorstellung: Zum Entspannen einfach die Kleidung wechseln. Für viele Menschen mag der legere Hausanzug oder die bequeme Jogging-Hose diesen Zweck bereits erfüllen. Allein der Gedanke daran, wirkt oft schon entspannend. Aber geht vielleicht noch mehr? Die Regenerationsbekleidung von der japanischen Firma Venex soll die Aktivität des Parasympathikus anregen und so die Erholungsfähigkeit verbessern. Manche Spitzensportler nutzen die Bekleidung bereits, um nach Trainingsphasen und Wettkämpfen schneller wieder fit zu werden. Einige Studien, auch von deutschen Hochschulen, bestätigen die positive Wirkung nach sportlichen Belastungen. Die besondere Textilie ist aber nicht nur für Sportler gedacht: Auch all jene, die Stress verarbeiten, schneller entspannen und besser schlafen wollen, sollen von ihr profitieren können. Was löst im Kleidungsstoff die entspannende Wirkung aus? Bevor ich auf meine eigenen Erfahrungen eingehe, will ich Ihnen zuerst erzählen, was in der Venex-Kleidung den Entspannungseffekt auslöst. Wahrscheinlich können sich nur Insider etwas unter der Bezeichnung DPV576-F vorstellen. Es handelt sich um eine synthetische Faser mit Zutaten, die eine vage Vorstellung davon vermitteln, was das Besondere der Kleidung ausmacht. Für die patentierte Regenerationsfaser werden feinstverteilte Mineralien (in manchen Quellen auch als Nano-Diamanten oder Industriediamanten bezeichnet) und Platin (als Nano-Kolloid) in eine Polyester-Faser eingebracht. Die Details des Herstellungsverfahrens sind wohl ein Betriebsgeheimnis. Die Sorge, dass einem das Shirt wegen der "Nano-Diamanten" vom Leib gerissen wird, muss man nicht haben. Es funkelt und glitzert nichts. Durch den aufwendigen Herstellungsprozess sind die "Steinchen" und das Edelmetall am Ende als fest integrierte Nanoteilchen ein Bestandteil eines äußerlich unauffälligen Textilgewebes (DPV576-C bzw. V-Tex). Die Trageeigenschaften unterscheiden sich jedoch spürbar von gewöhnlichen Textilien. Dass die Fasermischung aus Japan stammt, ist kein Zufall. Der Inselstaat ist bei der Entwicklung von Funktionsfasern führend. Schon vor mehr als 12 Jahren wurde mit Platin in Verbindung mit verschiedenen Mineralien geforscht. An der Faser DPV576 hat Firmengründer Hideki Katano drei Jahre entwickelt. In Japan brachte er bereits 2009 die erste Regenerationskleidung von Venex auf den Markt. Über die Haut entspannen Die Wirkung der "Wunderfaser" setzt ein, wenn sie mit der Haut in Kontakt kommt. Ein Wärme-Rezeptor-Typ in der Haut reagiert auf sie. Warum er das tut, ist bis jetzt noch nicht geklärt. Aber das, was der Wärme-Rezeptor auslöst, ist bekannt (Zinke, Bakenecker, Hahn 2017): Er leitet das Signal an das Gehirn weiter, das über den Parasympathikus darauf reagiert. Die Blutgefäße werden weitgestellt und die Durchblutung erhöht. Das entspannt die Muskeln, was wiederum für eine bessere Schlafqualität und für eine Stärkung des Immunsystems sorgt. Sobald der Kontakt unterbrochen wird, lässt die Wirkung nach. Mit der Tatsache, dass es keinen länger anhaltenden Effekt gibt, geht Venex offen um. Die Firma sieht ihre Bekleidung als einen möglichen Baustein für eine bessere Stressbewältigung. Die Folgen eines schlechten Lebensstils lassen sich allein mit dem Tragen der Bekleidung nicht ausgleichen. Kleiner Test zur Wirkung auf die Muskeln Wie schnell die Faser wirken kann und wie gut sich mit ihr die Muskeln entspannen können, lässt sich in paar Minuten am eigenen Leib testen. Für den Muskelentspannungs-Test setzt man sich auf einen Stuhl und breitet die Arme seitlich aus. Eine zweite Person zieht die Arme sanft soweit wie möglich nach hinten. Für die nächsten zwei Minuten (bei muskulösen Menschen eher 10 Minuten) legt man sich ein Venex-Kleidungstück in den Nacken und wiederholt dann den Funktionstest noch einmal. Die Arme können nun weiter hinter dem Rücken gedehnt werden. Sehr bewegliche Personen schaffen es, laut Produktbroschüre, sogar ihre Handfläche zu berühren. Die Studienlage zur Regenerationsfaser DPV576 Neben dem kleinen Selbst-Test gibt es auch einige interessante Studien zur Wirkung der Regenerationsbekleidung bzw. von DPV576. Zur Wirkung von Mischungen aus Nano-Diamanten und Nano-Platin gibt es Studien aus Amerika, Australien und Japan an Mäusen und mit menschlichen Hautzellen, z. B. Ghoneum M, Pan D, Katano H (2014). Immer wieder kamen Forscher zum Ergebnis, dass DPV576 einen positiven Einfluss auf das Immunsystem haben kann. Auf der Venex-Website befinden sich einige Statements von Professoren und Ärzten zu ihren Studienergebnissen, wie z. B. von Professor Mamdooh Ghoneum: "Die durchgeführten Studien bestätigen, dass durch die Nutzung von Recovery-Wear (Regenerationsbekleidung) die Immunität gesteigert wird. Darüber hinaus bestätigen wir, dass das Material die Keratinozyten der Haut anregt, was einen Teil des Mechanismus erklärt. Ich erachte dieses Material als äußert interessant!" Dass Mischungen aus Nano-Diamanten und Nano-Platin eine Wirkung auslösen können, scheint unbestritten. Welche Voraussetzungen notwendig sind, dass die Fasern aus DPV576 den Entspannungsnerv Parasympathikus anregen, scheint mir noch nicht lückenlos erforscht zu sein. Immer wieder wird von Studienteilnehmer die Wärmereaktion wahrgenommen und der Schlaf als erholsamer beschrieben. Professor Daniel Hahn und seine Kollegen von der Ruhr-Universität Bochum ziehen nach ihrer Studie ein ähnliches Fazit. Sie ließen Sportstudenten an einem Tag zwei hochintensive Krafttrainings absolvieren und beobachteten den Regenerationsprozess über drei Tage. Keiner der Teilnehmer wusste, ob er in den Genuss einer Venex-Textilie kam. Bei verschiedenen Tests zur Leistungseinschätzung zeigten sich keine großen Unterschiede zwischen den Gruppen vor und nach den Trainingseinheiten. Nur bei der subjektiven Einschätzung räumt Professor Hahn einen "einheitlichen Trend mit starkem Effekt" ein, wie im Statement auf der Venex-Website zu lesen ist. Aus der Sportärztezeitung (Ausgabe 03-2018, S. 68) erfährt man von Professor Hahn noch ein bisschen mehr über dieses subjektive Empfinden: "So wurde die Schmerzintensität 24 Stunden nach Beendigung des Trainings nach Tragen der Regenerationsbekleidung mit einer Effektstärke von 0,8 als geringer empfunden. Die beobachtete Effektstärke von 0,8 gibt an, dass ein zufällig ausgewählter Studienteilnehmer mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 70 Prozent nach Tragen der Regenerationskleidung weniger Schmerz empfindet als nach dem Tragen des Placebo-Produktes. Ähnlich verhielt es sich mit dem subjektiv empfundenen Erholungszustand 24 und 48 Stunden nach dem Training und ebenso mit der Schlafqualität in der dritten Nacht nach dem Trainingstag." Für Professor Hahn sprechen diese ersten Ergebnisse dafür, dass die Regenerationsbekleidung von Venex die Erholungsprozesse nach Belastung unterstützen kann, wie er auf der Firmenwebsite zitiert wird. Selbstverständlich ist die Herzratenvariabilität (HRV) dafür prädestiniert, die Wirkung der Regerationskleidung auf den Parasympathikus mit ihren Parametern darzustellen. Leider fallen die Nachweise mit Hilfe der HRV nicht eindeutig aus. Eine Studie mit Fußballspielern aus Japan zeigt mit Hilfe der HRV recht deutlich die Vorher-Nachher-Unterschiede. Sportler, die während der Untersuchung Kleidung mit DPV576-F trugen, hatten eine höhere parasympathische Aktivität als die Teilnehmer mit normaler Bekleidung. Ein etwas anderes Ergebnis zeigt eine weitere Untersuchung von Professor Daniel Hahn und seinen Kollegen von der Ruhr-Universität Bochum . In einer Art von Feldversuch sollte untersucht werden, ob Hochleistungsschwimmer von der Regernationskleidung profitieren könnten. Neben verschiedenen Leistungstests wurde auch die HRV gemessen. Auch hier konnten aus den Leistungs- und HRV-Parametern keine eindeutigen Ergebnisse abgeleitet werden. Allerdings wird auch auf die "bekannten Problematiken bei Feldmessungen mit Spitzenathleten" hingewiesen, die zu methodischen Schwachpunkten beitragen. Eine Studie mit Basketball-Spielern aus 2018 führte ebenfalls zum Ergebnis, dass durch das Tragen von Regenerationsbekleidung aus DPV576-C während der Nacht die subjektive Wahrnehmung (das Befinden) beeinflusst wurde. Nutzer der DPV576-C-Kleidung waren während der Trainingsperiode weniger von Stimmungsverschlechterungen betroffen. Zudem sank die Konzentration des Stresshormon Cortisol im Speichel bei den DPV576-C-Anwendern. Trotz der nicht durchgängig übereinstimmenden Studienergebnisse habe ich den Eindruck, dass eine Wirkung der Regenerationsbekleidung aufgrund des beeinflussten Wärmeempfindens feststellbar ist. Wobei dies im Wesentlichen nicht mit HRV-Analysen nachvollziehbar ist, sondern auf den Auswertungen von subjektiven Rückmeldungen beruht. Die Kollektion der Entspannungsmode Die Kleidungsstücke von Venex sehen schick aus und fühlen sich gut an. Es gibt lang- und kurzärmelige Oberteile, enge und weite Hosen, Arm- und Nackenwärmer sowie Tücher für Therapeuten und Nacktschläfer. Dass es sich um Nachtbekleidung handelt, sieht man den Stücken nicht an. Gemäß dem Etikett ist der Stoff aus 65 Prozent Lyocell (Tencel), 27 Prozent Polyester (mit der Platin-Mineral-Mischung) und 8 Prozent Elastan zusammensetzt. Meine eigenen Erfahrungen Meine ersten Erfahrungen habe ich im letzten Sommer gesammelt. Vielleicht war das nicht der allerbeste Zeitpunkt für mich, da es mir im Bett ohnehin relativ schnell zu warm wird - auch mit normaler Nachtbekleidung. Warme Sommernächte und ein aktivierter Wärmerezeptor haben meiner Begeisterung erst einmal einen Dämpfer versetzt. Ich bin hartnäckig geblieben und habe drei Wochen durchgehalten, wie es im Infomaterial von Venex empfohlen wird. Es wurde besser, aber erst in kühleren Nächten wurde es gut. Die Venex-Bekleidung trägt sich sehr angenehm. Auch bei der Wärmeentwicklung juckt und kratzt sie nicht, sondern fühlt sich glatt und weich an. Ich hatte mit ihr richtig erholsame Nächte, aber auch einige, in denen ich häufig aufgewacht bin und nur schwer wieder einschlafen konnte. Beide Arten von Schlafverhalten kenne ich auch ohne besonderes Nachtgewand. Für einen HRV-Langzeit-Test konnte ich Firma corvolution gewinnen. Wir führten zwei mesana-Messungen durch: einmal mit normalem Schlafanzug aus Baumwolle, einmal mit einem Venex-Regenerations-Langarmhemd. Die Messungen liefen jeweils zwei Tage in aufeinanderfolgenden Wochen. Um möglichst ähnliche Bedingungen zu schaffen, haben wir immer an den selben Wochentagen gemessen. Bis auf kleine Unterschiede waren meine Tagesaktivitäten an den Mess-Tagen also gleich. Richtig gut geschlafen habe ich in keiner Nacht während den Messungen. Vielleicht lag es an der Aufregung oder an dem Rekorder. Er sitzt seitlich unter dem Herz, was für mich als Seitenschläfer, mit Vorliebe für die linke Seite, etwas störend war. Die Testergebnisse von beiden Messungen zeigen keine großen Unterschiede. Eine deutliche Veränderung der HRV-Parameter konnte ich nicht erkennen. Vielleicht habe ich zu viel erwartet. Wahrscheinlich bin ich der falsche Kandidat für diese besondere Bekleidung, weil ich an sich mit meiner Schlafqualität zufrieden bin. Die Möglichkeit, bei mir eine Regenerationswirkung zu beobachten, war vielleicht wegen des allgemein guten Befindens zu gering. Dass die Faser DPV576 auch bei mir wirken kann, zeigte der kleine Muskeldehnungs-Test. Mein Fazit Die Regenerationskleidung von Venex kann die Erholung nach Belastungsphasen und die Entspannung unterstützen. Dabei hängt viel von der persönlichen Ausgangslage und der subjektiven Wahrnehmung ab. Zur Erholung kann es schon einfach nur deshalb kommen, weil die Kleidung sich in ein Ritual zum Aufbau einer entspannenden Situation einbauen lässt, indem die Gelegenheit geschaffen wird, mal wieder "abzuschalten". Für wichtig halte ich noch: Für das Tragen der Kleidung sind keinerlei Nebenwirkungen bekannt. Wer Probleme mit dem Schlaf hat, kann einen Versuch wagen. P. S.: Das von mir getestete Regenerations-Langarm-Shirt wurde mir dankenswerterweise von der Firma VENEX EUROPE GmbH kostenlos für diese Recherche zur Verfügung gestellt. #### RMSSD – der HRV-Wert für die Erholungsfähigkeit Ein wichtiger und beliebter HRV-Wert ist der RMSSD. Er spiegelt die Erholungsfähigkeit des Körpers wider. Da er sich sehr schnell bestimmen lässt, wird er gerne für die Bewertung der parasympathischen Aktivität herangezogen. Besonders ausschlussreich ist der Vergleich der RMSSD-Werte aus einer RSA- und Kurzzeitmessung. Er lässt Rückschlüsse auf die Stressbelastung zu. Ich gebe zu, ich habe lange gebraucht, bis mir "RMSSD" flüssig über die Lippen kam. Dabei ist es der bekannteste und wohl auch bewährteste Wert der Herzratenvariabilität (HRV). Er gilt als Standardmaß für die parasympathische Herzregulation, was nichts anderes bedeutet, als dass sich an seinen Werten ablesen lässt, wie gut der Parasympathikus im Körper für Erholung und Regeneration sorgen kann. Bernd Heiler, Heilpraktiker für Psychotherapie aus München unterstützt mich bei diesem Beitrag mit seinem Wissen aus der Praxis. Kurze Beschreibung und Einordnung Die Abkürzung RMSSD steht für Root Mean Square of Successive Differences. Aus dem englischen Namen lässt sich bereits entnehmen, dass es sich um einen Wert der Analyse im Zeitbereich handelt. Das bedeutet, dass der RMSSD mit einer mathematischen Formel errechnet wird, mit der die zeitlichen Differenzen zwischen den aufeinanderfolgenden Herzschlägen ausgewertet werden. Anhand der Veränderungen der Herzschlaggeschwindigkeit lässt sich ablesen, wie gut der Körper zwischen Belastung und Entspannung hin und her wechseln kann. Vergleich zwischen RMSSD und pNN50 Bernd Heiler spricht im Zusammenhang mit den RMSSD auch von Reaktionsfähigkeit. "Der Wert zeigt mir, wie schnell der Körper auf Belastung reagieren kann. In meinen Schulungen mache ich oft den Vergleich mit einer Autobremse. Von ihr hängt ab, wie schnell ein Auto zum Stehen kommt. Der RMSSD zeigt die Zeitspanne an, wie lange es vom Drücken der Bremse braucht, bis sie greift. Ein hoher RMSSD-Wert steht für eine gute Bremskraft. Der Körper kann gut mit dem Wechsel von Belastung und Entspannung umgehen." Mit diesem Beispiel lässt sich auch anschaulich der Unterschied zum pNN50 erklären, der ebenfalls als zeitanalytischer Wert über die Veränderlichkeit der Herzfrequenz Auskunft gibt. Er ist der prozentuale Anteil aufeinanderfolgender RR-Intervalle, die mehr als 50 ms voneinander abweichen. "In unserem Beispiel würde der pNN50 die Qualität der Bremsen beschreiben. Wie hoch ist die Bremskraft und wie gut sind die Bremsbeläge. Der pNN50 ist nachhaltiger, er steht mehr für die generellen Kraftreserven. Erste Verschlechterungen lassen sich an ihm schneller ablesen." Vergleichbare HRV-Werte mit ähnlicher Aussage Die Analyseverfahren liefern nicht nur den RMSSD als Wert, der die Aktivität des Parasympathikus widerspiegelt. Neben dem bereits kurz beschriebenen pNN50 können der High Frequency- (HF) und der SD1-Wert für die Bewertung der parasympathischen Regulationsfähigkeit ebenfalls herangezogen werden. Der RMSSD in RSA- und Kurzzeitmessung An dieser Stelle wollen wir für alle HRV-Einsteiger noch einmal kurz erklären, warum sich der RMSSD-Wert bei einer RSA- und Kurzzeitmessung verändert. Bei der Kurzzeitmessung soll während des Messzeitraums ohne Vorgaben (Atemführung) versucht werden, Körper und Geist zu entspannen. Die RSA-Messung hingegen nutzt den Einfluss der Atmung auf das Herz. Mit einem vorgegebenen Atemrhythmus von sechs Atemzügen pro Minute lässt sich die maximale Leistungsfähigkeit des vegetativen Nervensystems feststellen. Beim Einatmen schlägt das Herz schneller und beim Ausatmen verlangsam es sich wieder. Bei gesunden Menschen ist der RMSSD-Wert bei der RSA-Messung deutlich höher als bei einer Kurzzeitmessung. Der Körper wird durch die Atemvorgabe gefordert und reagiert normalerweise entsprechend. Aus der Veränderlichkeit Rückschlüsse ziehen In die Praxis von Bernd Heiler kommen viele Menschen, die über innere Unruhe, häufige Erschöpfung und Schlafstörungen klagen. Bei der Kurzzeitmessung ist der RMSSD-Wert bei diesen Patienten meist erniedrigt. Je nach Stress-Ausmaß fällt er bei der RSA-Messung etwas besser oder gleich schlecht aus. "Die Differenz zwischen den beiden Werten zeigt, wie gut die Regulationsfähigkeit des Körpers ist. Nähern sich die Werte immer weiter aneinander an, bedeutet das, dass der Organismus zunehmend schlechter auf Stress reagieren kann, bis er irgendwann nicht mehr gegensteuern kann; dann ist keine Erholungsfähigkeit mehr vorhanden", erklärt Bernd Heiler. Auf eine bestimmte Differenz zwischen den Werten der RSA- und Kurzzeitmessung möchte sich Bernd Heiler nicht festlegen lassen. "Es gibt keine Differenz, von der man sagen könnte, ab jetzt wird es kritisch. In meiner Praxis erlebe ich immer wieder Patienten, die bei Belastung noch gut gegensteuern können. Das sind Menschen, die sehr viel arbeiten und sich nur wenig bis gar keine Zeit für sich selbst nehmen. Bei RSA-Messung zeigt sich ihr 'antrainierter' Umgang mit Belastung. Da erreichen sie RMSSD-Werte wie beispielweise 40 ms. In welchen katastrophalen Zustand sie sich bereits befinden, zeigt sich nur bei der Kurzzeitmessung ohne Atemvorgabe. RMSSD-Werte, wie zum Beispiel 8 ms, weisen darauf hin, dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, sich ausreichend zu erholen." RMSSD in der Langzeitmessung Pulsuhren und Apps nutzen den RMSSD gerne, weil er sich bereits innerhalb von einer Minute ausreichend bestimmen lässt. Aber auch in Langzeitmessungen bietet er sich zur Beobachtung an. Zunehmend etabliert er sich als aussagekräftiger Wert für die circadiane Rhythmik. Bei gesunden Menschen sprechen gute Werte am Morgen für eine erholsame Nacht. Im Laufe des Mittags und Nachmittags sinken die Werte, um dann langsam wieder zu steigen, bis sie in der Nacht ihren höchsten Punkt erreichen. Auch wenn sich im Tages- und Nachverlauf der Einfluss von Sympathikus  und Parasympathikus immer wieder abwechseln, bedeutet ein guter RMSSD-Wert, dass der Organismus zu jeder Zeit mit Belastungen gut umgehen kann. Bernd Heiler beschreibt es mit "parasympathischer Widerstandskraft." Messerfehler erkennen und vermeiden Ähnlich wie beim Stressindex wird die Formel für den RMSSD-Wert von den einzelnen HRV-Mess-Systemen unterschiedlich umgesetzt. Bernd Heiler empfiehlt: "Werte nur innerhalb eines Systems vergleichen". Auch das Alter spielt beim RMSSD-Wert eine Rolle. Mit den Jahren verändern sich die Werte, sie nehmen stetig ab, sowohl bei der RSA- als auch bei der Kurzzeitmessung. "Bei der Bewertung und den Vergleichen muss also auch das Alter immer einbezogen werden", rät Bernd Heiler. Gegen die oft beklagte Anfälligkeit für Artefakte (Ausreißer und Messfehler) hat Bernd Heiler noch einen Tipp: "Ein hoher RMSSD-Wert, eine niedriger Standardabweichung und ein niedriger Variationsquotient sind ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt." Unser Fazit Der RMSSD-Wert ist einer der wichtigen HRV-Werte. Auch wenn er gerne in Pulsuhren und Apps verwendet wird, sind es vor allem die Erkenntnisse aus der RSA- und der Kurzzeitmessung, deren verwertbare Auskunft den RMSSD-Wert so interessant macht. "Vereinfacht könnte man sagen: Der RMSSD-Wert aus der Kurzzeitmessung zeigt eher die chronische Belastung an und der aus der RSA-Messung zeigt, wie gut der Umgang mit Stress aktuell noch funktioniert. Dieses Wissen ist für mich in der Praxis von großer Bedeutung. Meine Behandlung richte ich ganz danach aus, wie gut oder schlecht der Stress noch weggesteckt werden kann", fasst Bernd Heiler zusammen. #### RR – eine Abkürzung, zwei Bedeutungen Die Abkürzung "RR" kann für Missverständnisse sorgen. Im medizinischen Alltag steht das Kürzel im Zusammenhang mit dem Blutdruck und in EKG-Ableitungen für den Abstand zwischen zwei Herzschlägen. Ich gebe zu, ich habe anfangs auch kurz gestutzt. Vielleicht lag es daran, dass ich mich damals noch nicht allzu viel mit EKG-Ableitungen beschäftigt hatte. Für mich stand "RR" für die Blutdruckmessung am Arm nach Riva-Rocci. 1896 kam der italienische Arzt auf die Idee, mit einem Fahrradschlauch als Oberarm-Manschette, einem Gummiballon zum Aufblasen und einem Quecksilberbarometer den Druck in den Adern zu messen. Auch wenn er damals in Medizinerkreisen erst einmal Ablehnung erfuhr, ist sein Messprinzip heute noch die Grundlage der modernen Blutdruckmessgeräte. Riva-Rocci hat nichts mit RR-Intervallen zu tun Wer sich mit der Herzratenvariabilität beschäftigt, wird früh über den Begriff RR-Intervall stolpern. Er beschreibt den Abstand zwischen zwei sogenannte R-Zacken des gemessenen EKG-Signals und hat überhaupt nichts mit Herrn Scipione Riva-Rocci zu tun. In der EKG-Ableitung ist die R-Zacke eine der auffälligsten Ausschläge. Meist ist sie schmal und hoch sowie (bei richtiger Verdrahtung) positiv. Sie ist ein Teil des QRS-Komplexes, der Auskunft über die Erregungsausbreitung in den Herzkammern gib. Die einzelnen Abstände zwischen zwei Herzschlägen sind im Regelfall nicht gleich lang. Ganz genau lassen sich die zeitlichen Schwankungen mit Hilfe der RR-Intervalle mit einem EKG messen. Denn es ermöglicht eine Peak-to-Peak-Messung, also von R-Zackenspitze zu R-Zackenspitze. Wer die Möglichkeit hat, sollte nach der Messung noch einmal einen Blick in die EKG-Ableitung werfen, um Messfehler auszuschließen. Manchmal werden bei der Messung nicht alle R-Zacken erfasst oder versehentlich eine nachfolgende Welle erwischt. Für gute Ergebnisse braucht es eine gute Messqualität. Nachtrag: Im Beitrag Berechnung von RR-Intervallen und Herzschlagrate gehe ich auf den technischen Hintergrund ein. #### RSA-Messung – Leistungstest fürs Nervensystem Gestresste Menschen sollten eine RSA-Messung machen. Dadurch können sie mehr über ihre Entspannungsfähigkeit erfahren. Ob ihr vegetatives Nervensystem beziehungsweise ihr Parasympathikus noch zur Entspannung betragen kann, weiß man nach einer Minute. Der RSA-Test ist die perfekte Ergänzung zur HRV-Kurzzeitmessung, weil er darstellt, welches Potenzial für eine Verbesserung des Gesundheitszustandes vorliegt und ob man stressmäßig wegen verringerter Entspannungsfähigkeit schon in einem Teufelskreis steckt. Bei der RSA-Messung ist Mitarbeit gefragt. Geführt von einer Computergraphik wird im Sitzen sechsmal pro Minute langsam ein- und wieder ausgeatmet. Diese Atemführung ist für viele Menschen erst einmal gewöhnungsbedürftig. Meine Beobachtungen bei diesem Test reichen von "peinlich berührt", so schnaufen zu müssen, bis "gestresst", nicht mithalten zu können. Eigentlich hilft da nur eines: Etwas Ruhe einkehren lassen und erst wenn sich die Aufregung gelegt hat, mit der Messung beginnen. Alternativ bieten manche Messsysteme eine vom Standard abweichende Atemführung an. Sechsmal pro Minute atmen hat einen Sinn Für die RSA-Messung gibt es, wie auch bei der HRV-Kurzzeitmessung, eine wissenschaftliche Grundlage, die man zur Vergleichbarkeit von HRV-Werten einhalten sollte. Für Atemfrequenz und Messdauer liegen wissenschaftliche Untersuchungen vor, die als Vorgabe dienen. Demnach lösen sechs Atemzüge pro Minute bei den meisten Menschen die höchste rhythmische Schwankung der Herzfrequenz aus. Mit dem einminütigen Test wird die individuell beste Herzratenvariabilität (HRV) ausgelöst. Was nichts anderes bedeutet, als zu schauen, wie gut der Parasympathikus arbeitet. Durch die Vorgabe des Atemrhythmus wird das Herz aus seinem gewöhnlichen Takt gebracht. Die tiefe Atmung führt bei einem gesunden Menschen dazu, dass sich der Herzschlag beim Einatmen erhöht und beim Ausatmen absenkt. Das Herz muss auf das tiefe Luftholen mit einer Erhöhung der Herzfrequenz reagieren, um einen Abfall des Blutdrucks zu verhindern. Eine Anpassung und Rhythmisierung von Atmung und Herzschlag tritt im Zustand der Entspannung ein. Dieses ganz natürliche anatomische Phänomen wird respiratorische Sinusarrhythmie, kurz RSA, genannt. Atmen nach Vorgabe leichtgemacht Der Atemrhythmus spielt eine wichtige Rolle bei der RSA-Messung. Die meisten Messsysteme geben den richtigen Takt mit einer Art Balken vor, der länger oder kürzer wird. Für eine bessere Vergleichbarkeit von verschiedenen Messungen, sollte eine Messung immer an einer definierten Stelle im Atemzyklus beginnen. Atemzyklus und Herzschlagkurve erzählen viel Es lohnt sich immer, einen Blick auf den zeitlichen Verlauf der Herzfrequenz zu werfen, nicht nur um die Messqualität zu prüfen und Artefakte (chaotische Sprünge der Herzfrequenz) auszuschließen, sondern auch für eine erste Einschätzung der RSA. Je nach Regulationsfähigkeit des vegetativen Nervensystems (VNS) sind die rhythmischen Schwankungen größer oder kleiner. Eine hohe Schwankungs-Amplitude signalisiert eine gute HRV, ein flacherer Verlauf der Herzfrequenz deutet auf eine geringere HRV hin. Aus dieser Herzfrequenzkurve werden mit die wichtigsten Werte für die RSA-Messung berechnet: die Expirations-Inspirations-Differenz (E-I) beziehungsweise der Expirations-Inspirations -Quotient (E/I). Sie sind die direkten Maßzahlen der RSA. Ermittelt werden sie aus der jeweils höchsten und niedrigsten Herzfrequenz von jedem Atemteilzyklus. Gründe für schlechte Werte Menschen mit einem niedrigen Ruhepuls, wie ihn zum Beispiel Ausdauersportler haben, können bei der RSA-Messung schlechter abschneiden. Der Spielraum für das Herz, noch langsamer zu schlagen, wird durch den AV-Knoten begrenzt. Die Schwankungsamplitude fällt also kleiner beziehungsweise die Werte E-I und E/I sind beeinträchtigt. Vorübergehend fallen die Ergebnisse schlecht aus, wenn beispielsweise ein grippaler Infekt im Anflug oder in Aktion ist, aber auch große körperliche oder seelische Belastungen (z. B. nach einem Marathonlauf) können für eine Verschlechterung sorgen. Als Ursache kommen auch Störfaktoren wie Alkohol, Koffein, und Nikotin in Frage. Für eine gesicherte Aussage ist eine weitere Messung empfehlenswert. Oft liegen ein paar Tage später bereits wieder bessere Werte vor. Anhaltende schlechte Werte können beispielsweise bei Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Übergewicht, chronische Überbelastung, seelische Erkrankungen (z. B. Depressionen), bestimmten Medikamenten sowie bei Stoffwechselkrankheiten (z. B. Diabetes) auftreten. RSA- und Kurzzeitmessung lohnen sich Die Kombination von RSA- und Kurzzeitmessung ist meist sehr aufschlussreich. Während die Kurzzeitmessung wegen der fehlenden Atemstimulation eher den Normalzustand widerspiegelt, zeigt die RSA-Messung die Möglichkeiten auf, über die der Körper verfügt. Fällt die Kurzzeitmessung schlecht und die RSA-Messung gut aus, bestehen noch Reserven: Das VNS ist noch in der Lage, zu regulieren. Ein struktureller Schaden liegt bereits vor, wenn beide Messungen schlecht ausfallen. Die Leistungs- und Entspannungsfähigkeit des Körpers kommt immer mehr zum Erliegen. Das Risiko für eine chronische Erkrankung steigt mit dem Nachlassen der vegetativen Aktivität. Bleibt die Stress-Belastung gleich und wird die verringerte Entspannungsfähigkeit nicht entdeckt, führt dies in einen Teufelskreis. Eine HRV-Kurzzeitmessung zeigt den Belastungszustand (z. B. als Stress-Index). Mit dem RSA-Test können die Chancen einer Therapie aufgezeigt werden. In den Fällen, bei denen die Leistungsfähigkeit des Parasympathikus bereits eingeschränkt ist, muss dringend die Stressbelastung verringert werden. Anhang Grundlagen für gute Messergebnisse In meinem Beitrag über die Kurzzeitmessung bin ich bereits auf verschiedene Messsysteme und den Umgang mit Störfaktoren eingegangen. Im Prinzip gelten für die RSA-Messung die gleichen Regeln und Umstände. Die Qualität einer RSA-Messung hängt auch von ein paar Feinheiten ab. Ohne meine regelmäßigen Leser langweilen zu wollen, wiederhole ich diesen Part im Folgenden für neue Leser, da ich es für wichtig halte, die Messqualität einschätzen zu können und ein spezieller Blog-Beitrag hierzu noch fehlt. Schon die Messsysteme machen einen Unterschied aus Von den einzelnen Messsystemen ist abhängig, wie die Messung vorgenommen wird, also welches "Werkzeug" und welcher Sensor für die Puls-Erfassung zum Einsatz kommen. Die System-Palette fängt bei verschiedenen EKG-Ausführungen an, geht über unterschiedliche Brustgurt-Modelle und endet bei Ohr-Clips oder auch Smartphone-Kameras. Um zu verstehen, was den Unterschied ausmacht, muss man sich mit der Erfassung des auszuwertenden Signals vertraut machen. Grob betrachtet geht es darum, die Abstände zwischen den einzelnen Herzschlägen zu messen. Der feine Unterschied ist, wie das geschieht. EKG-Geräte erfassen sekundenweise sehr viele Messwerte. Brustgurte hingegen stellen in der Regel nur die einzelnen Werte der Herzfrequenz bereit. Den Unterschied macht die sogenannte Abtastrate aus. Je höher sie ist, umso genauer fällt das Ergebnis aus. Wird alle ein bis zwei Millisekunden gemessen, kann sozusagen nichts verloren gehen oder übersehen werden. Die R-Zacken werden punktgenau erfasst. Aber auch "Ausreißer" fließen in die Aufzeichnung mit ein. EKG-Geräte und einige wenige Brustgurte bieten eine hohe Abtastrate. Der Verlauf des Herzschlags kann völlig transparent aufgezeichnet werden. Die meisten Brustgurte messen die Herzrate jedoch in größeren Abständen, was Ungenauigkeiten mit sich bringt. Es ist meist nicht durchschaubar, wie die gemessenen Werte zustande kommen. Falsche Werte aufgrund von Störungen können nicht unterschiedenen werden. Messungen mit Ohrclip oder Smartphone-Kamera nutzen die Lichtdurchlässigkeit der Haut und erfassen die Schwankungen des durchfließenden Blutes, die sogenannte Pulswelle. Die Regulation der Gefäßstrecke mischt sich also hier in die Ergebnisse ein. Die Qualität hängt vom Umgang mit den Störfaktoren ab Eine hohe Abtastrate ermöglicht, dass "falsche" Schläge, sogenannte Artefakte erkannt werden. Was bei Langzeitmessungen nicht von allzu großer Bedeutung ist, weil nur kurze Abschnitte betroffen sind, kann bei kurzen Messungen zu verfälschten Ergebnissen führen. Ein Aspekt, der auch bei den verschiedenen Messsystemen den Unterschied macht, ist der Umgang mit den Störfaktoren. Neben der Erfassung und Erkennung ist auch deren Ausschluss von Bedeutung. Dr. med. Doris Eller-Brendl schreibt in ihrem Buch Herzratenvariabilität: "Als Grundregel gilt: Je kürzer der beobachtete Zeitraum ist, desto wichtiger ist die Artefaktfreiheit dieses Zeitraums, um reale Ergebnisse zu erhalten." Systeme mit einer automatischen Bereinigung beseitigen mit einem Tastenklick kurz mal alle Auffälligkeiten. Das kann im Praxisalltag eine große Hilfe sein, es kann einen aber auch um wertvolle Erkenntnisse bringen. Eine manuelle Bearbeitung kostet zwar etwas mehr Zeit, schützt aber vor Fehlinterpretationen. Zudem haben dann Fehler, die von den Autokorrekturen eingebracht werden, keine Chance. Die Auswertung der Werte kann sich von System zu System unterscheiden. Je nachdem welche Normwerte und Personenangaben in die Berechnung einfließen, kann es zu Abweichungen kommen. Auf die Robustheit der Berechungsverfahren für die Werte der HRV-Parameter RMSSD, SDNN und HF gehe ich in gesonderten Artikeln ein. #### Ruhepuls und HRV zusammen richtig nutzen Sind mit einem niedrigen Ruhepuls auch eine gute Herzratenvariabilität und Entspannungsfähigkeit verbunden? In diesem Beitrag möchte ich der Frage nachgehen, welche Erkenntnisse sich aus der Beobachtung des Ruhepulses gewinnen lassen und inwieweit es sich lohnt, die Herzratenvariabilität mit einzubeziehen. Der Puls lässt sich viel einfacher und schneller messen als die Herzratenvariabilität (HRV). Wäre es da nicht besser, wenn es ausreichen würde, sich nur die Veränderungen des Ruhepulses anzuschauen? Für die Klärung der Zusammenhänge von HRV und Ruhepuls habe ich mich an einen Experten gewendet. Dr. med. Lutz Graumann ist Sportmediziner aus Rosenheim mit den Arbeitsschwerpunkten Förderung und Steigerung der individuellen Leistungsfähigkeit. Er selbst misst ständig seine Herzfrequenz mit einem Wearable. Ruhepuls und HRV haben viele Gemeinsamkeiten, wie z. B. ähnliche Einflussfaktoren. Auch lassen sich bei beiden aus einzelnen Werten nur wenig verlässliche Aussagen über den Gesundheits- oder Trainingszustand treffen. Man braucht regelmäßige Messungen, um eine Bewertung vornehmen können. Grob könnte man den Zusammenhang von beide Parametern folgendermaßen betrachten: „Bei gesunden Menschen kann man davon ausgehen, dass wenn der Ruhepuls nach unten geht, sich die HRV meist verbessert und umgekehrt,“ so Dr. Graumann. Aber ganz so einfach, wie es hier erscheint, ist es leider nicht. Wissenswertes über den Ruhepuls Bevor wir tiefer in die Zusammenhänge einsteigen, möchten wir kurz ein paar Fakten zum Ruhepuls liefern. Der Begriff erklärt bereits, dass es sich um die Anzahl der Herzschläge handelt, während wir uns in Ruhe befinden. Bei Erwachsenen gilt ein Ruhepuls zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute als normal. „Die Höhe des Ruhepulses gibt Hinweise über die Ausdauerfähigkeit. Gut trainierte Sportler erreichen einen Ruhepuls von unter 40 Schlägen pro Minute. Ein Durchschnittswert von 70 Schlägen pro Minute ist bei untrainierten Erwachsenen empfehlenswert,“ erläutert Dr. Graumann. Dass sich ein niedriger Ruhepuls unter 80 Schlägen pro Minute lohnt, zeigen verschiedene Studien. „Eine Studie, die 16 Jahre lang fast 3.000 Männer beobachtete, fand beispielsweise heraus, dass Männer mit einem Ruhepuls von mehr als 90 Schlägen pro Minute nach Bereinigung von anderen Risikofaktoren, wie z. B. Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten, eine dreimal höhere Sterblichkeitswahrscheinlichkeit hatten als Männer mit der niedrigsten Ruhepulsrate. Mittlerweile werden Erhöhungen des Ruhepulses mit einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Tod in Verbindung gebracht.“ Vorteil Ruhepuls Der Ruhepuls reagiert viel schneller auf Veränderungen als die HRV, was für die Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustands ein Vorteil sein kann. „Naht eine Erkältung, erhöht sich der Ruhepuls Stunden vor den ersten Symptomen um 7 bis 10 Schläge. Die ersten Symptome kündigen sich mit einer Erhöhung von 15 Schlägen an, bei Fieber kann es sogar noch zu einer weiteren Steigerung kommen. Auf Nahrungsunverträglichkeiten reagiert der Körper mit einer Erhöhung von 10 bis 15 Schlägen, nach einer wenig erholsamen Nacht sind es 5 Schläge pro Minute mehr. Bei einer Erhöhung um 7 bis 10 Schlägen sollten Sportler ihr Training aussetzen,“ so Dr. Graumann. Vorteil HRV Die Messung der HRV gibt ebenfalls wertvolle Hinweise über den Gesundheits- und Trainingszustand. „Mit den Standardparametern wie z. B. SDNN, RMSSD, HF und LF lässt sich zeigen, wie gut es mit der allgemeinen Regenerationsfähigkeit aussieht. Vor allem bei Langzeitmessungen kann in Verbindung mit Herzfrequenz und Atmung gezeigt werden, wie gut der Körper mit Belastung umgehen und Erholungsphasen nutzen kann,“ erklärt Dr. Graumann. „Wenn die Möglichkeit besteht, schaue ich mir bei meinen Klienten immer gerne Ruhepuls und HRV an. Zusammen ergeben sie ein ganz gutes Bild über die Gesamtsituation.“ Sportlern empfiehlt Dr. Graumann den Orthostatic-Test für die tägliche HRV-Messung. Kurzzeitmessung in Ruhe und RSA-Test können auch genutzt werden, bloß muss bei ihnen mehr auf die Einflussfaktoren geachtet werden. „Wird jemand morgens von einem Wecker aus dem Schlaf gerissen, braucht seine HRV viel länger als sein Puls, bis sie sich wieder normalisiert,“ gibt Dr. Graumann zu bedenken. Einflussfaktoren auf Ruhepuls und HRV Alter Mit zunehmendem Alter neigt der Ruhepuls zum Anstieg und die HRV zur Absenkung. Bewegung Regelmäßige körperliche Aktivität senkt den Ruhepuls und führt zu einer Erhöhung der HRV. Psyche Emotionen wie Stress, Angst, extreme Freude oder Traurigkeit können den Ruhepuls erhöhen und die HRV senken. Medikamente Viele Medikamente können den Ruhepuls und HRV beeinflussen. Chronische Erkrankungen Viele Krankheiten verändern den Ruhepuls und die HRV. Koffein Der Koffeinkonsum kann den Ruhepuls senken und die HRV erhöhen. Dieser Effekt hält meist nur für eine kurze Zeit an und ist von der Koffeinmenge abhängig. Tabakwaren Raucher neigen dazu, einen höheren Ruhepuls und eine erniedrigte HRV zu haben. Übergewicht Je größer der Körper, desto mehr muss das Herz arbeiten, um ihn mit Blut zu versorgen. Eine Gewichtsabnahme kann zu einer Senkung des Ruhepulses und einer Erhöhung der HRV beitragen. Wetter / Klima Extreme Temperaturen und Feuchtigkeit können den Ruhepuls erhöhen und die HRV senken. Höhe In größerer Höhe kommt es aufgrund des Luftdruckunterschieds vorübergehend zu einer Steigerung des Ruhepulses und zu einer Senkung der HRV. Mit einem regelmäßigen Höhentraining lässt sich der Ruhepuls senken und die HRV erhöhen. Ruhepuls und HRV im Alltag nutzen Wie bereits angedeutet, reicht ein einzelner HRV- oder Pulswert nicht aus, um den aktuellen Gesundheits- oder Trainingszustand einzuschätzen. Für eine gute Bewertungsgrundlage sollte eine sogenannte Baseline (dokumentierte Ausgangssituation) ermittelt werden. Mindestens eine Woche sollte man regelmäßig Ruhepuls und HRV unter immer gleichen Bedingungen messen. „Nach etwa 28 Tagen wird jeder feststellen, dass der Ruhepuls unter Normal-Bedingungen höchstens um zwei bis drei Schläge pro Minute um den Mittelwert schwankt,“ berichtet Dr. Graumann. Mit dem Durchschnittswert können dann die jeweils tagesaktuellen Ergebnisse verglichen werden. Fazit von Dr. Graumann Wenn die Bereitschaft da ist und die Möglichkeit besteht, sollten im Ruhezustand Herzfrequenz und HRV regelmäßig gemessen werden. Wer sich nicht gleich ein entsprechendes Messgerät oder Wearable kaufen möchte, dem empfehle ich zum Einstieg in die physiologischen Abläufe des Körpers mit der Messung des Ruhepulses zu beginnen. Ohne Aufwand kann klassisch am Handgelenk oder an der Halsschlagader der Puls ertastet und gezählt werden. Versierte Sportler sollten für ihre Trainingssteuerung immer die Veränderungen der Herzfrequenz beachten. Gut aufgestellt sind sie, wenn sie noch zusätzlich die HRV-Werte miteinbeziehen. Menschen mit einem sehr herausfordernden Beruf oder einem belastenden Privatleben können mit den Veränderungen des Ruhepulses ihren aktuellen gesundheitlichen Zustand einschätzen. Die regelmäßige Messung der HRV hilft ihnen beim Umgang mit Belastungs- und Erholungsphasen. Tipp: Einen weitergehenden Überblick zu Möglichkeiten der Regeneration bietet ein Interview-Video mit Dr. Graumann. #### Schallpause – klanglich angepasste Musik zur Entspannung Den Stresspegel in nur 30 Minuten zu senken, das soll mit Schallpause besser gelingen, denn dahinter steckt eine besondere Musik. Sie soll den Entspannungsnerv Parasympathikus stimulieren. Wird er anregt, kann sich der Körper erholen. Mit der Messung der Herzratenvariabilität (HRV) lässt sich dieser Effekt analysieren. Um sich vom Produkt Schallpause im Alltag unterstützen zu lassen, müssten Sie sich eigentlich nur die Kopfhörer aufsetzen, ein Musikstück auswählen und abspielen. Der Musik muss man nicht bewusst lauschen, sondern kann leichten Tätigkeiten (mit einer Herzrate kleiner 100 Pulse pro Minute) nachgehen. Empfohlen wird, die Musik z. B. beim Lesen leichter Texte, Spazierengehen oder einfacher Routinetätigkeiten, nebenher laufen zu lassen. Smartphones und Computer sollen während der Schallpause allerdings nicht genutzt werden. Stress-Wirkung lindern mit klanglich angepasster Musik? Lässt sich so einfach, ohne großes Zutun, der Stressindex senken und der Parasympathikus aktivieren? In der Fachzeitschrift sportärztezeitung (Ausgabe 02/18) bezieht sich Herr Dr. Kornelius Kraus in seinem Beitrag auf einen Doppelblindversuch mit Cross-over-Design am Olympiastützpunkt in Heidelberg: Individualsportler hörten die Musik von Schallpause und ganz normale Entspannungsmusik. Die Schallpause-Hörer hatten demnach "nach 30 Minuten eine drei- bis vierfache Erhöhung der parasympathischen Aktivität" im Gegensatz zu den Hörern von üblichen Entspannungsklängen. Bei bereits erholten Athleten "zeigten sich keine kurzfristigen Veränderungen" durch weitere Schallpause-Anwendungen. Weitere Hinweise auf wissenschaftliche Belege der Wirkung von Schallpause sind mir bislang nicht bekannt geworden. Für jeden Hinweis wäre ich sehr dankbar, gern in der Kommentarfunktion dieses Blogs. Auf meine eigenen Erfahrungen mit Schallpause gehe ich später noch ein. Welche Musik mag der Parasympathikus? Es ist ja allgemein anerkannt, dass Musik einen entspannenden Einfluss auf den Körper haben kann. Selbstverständlich kommt es dabei auch auf den Musikgeschmack und das Umfeld im Moment des Musikgenusses an. Nicht jede Musik wirkt sich bei jedem in gleicher Weise entspannend aus. Zu einer Entspannung kann es oft schon einfach nur deshalb kommen, weil sich überhaupt die Zeit genommen und eine Gelegenheit geschaffen wird, mal "abzuschalten". Der Parasympathikus reagiert aber nicht nur auf den Hörgenuss von Bach-Kantaten und Wellenrauschen, sondern auch auf die Frequenzen, die "mitschwingen". Bei der Schallpause wird die Wirkung von einer sogenannten frequenzmodulierten Musik ausgelöst. Auf der Website von der Schallpause steht zu der Art der Musik: "Der therapeutische Zweck wird durch eine Vielzahl von Klangverschiebungen, Sound-Modulationen und anderen technischen Effekte produziert." Es finden sich auch ein paar Hinweise, welche Modulationen vorgenommen werden. Aufgeführt wird Stephen Porges mit seiner Polyvagal-Theorie, Sinustöne, Mikrotonale Tonstufen, Bi- und Monaurale Beats. Da die "Musikrichtungen" nicht unbedingt zum üblichen Lernstoff in der Schule gehören, möchte ich damit erst einmal anfangen. Eigene Modulationen der Schallpause Frequenz der Stimme Die Polyvagal-Theorie (PVT) stammt vom amerikanischen Professor für Psychiatrie und Biomedizintechnik Stephen Porges (Überblick). Porges fand in seinen Experimenten mit kranken und traumatisierten Menschen heraus, dass sich der Parasympathikus über den Musculus stapedius mit frequenzmodulierter Musik aktivieren lässt. In seinem Buch "Die Polyvagal Theorie" findet sich ein Kapitel "Musiktherapie und Trauma aus Sicht der Polyvagal-Theorie", hier wird der Frequenzumfang folgendermaßen beschrieben: "Der Frequenzumfang von Melodien ähnelt meist der menschlichen Stimmte. Die akustischen Eigenschaften von Melodien, die in der Regel den Bereich des mittleren C bis zum zwei Oktaven höher liegenden C umfassen, passieren die Strukturen des Mittelohrs problemlos, unabhängig vom neuronalen Tonus der Mittelohrmuskeln." (Quelle: Die Polyvagal-Theorie, Seite 262) Bi- und monaurale Beats Als ich bei den Schallpause-Machern nach den verwendeten Modulationen fragte, wurde mir neben den bi- und monauralen Beats auch noch Isochrone Beats genannt. Alle drei haben gemeinsam, dass sie die Gehirnwellen anregen sollen. Am interesstesten und überzeugendsten sind wohl die binauralen Beats. Für sie gibt es ein paar Studien, die erste Hinweise auf entspannende und schlaffördernde Wirkung geben. Ganz aufschlussreich ist die Übersichtsarbeit von Leila Chaieb und ihren Kollegen zu diesem Thema. Um die Wirkung besser nachvollziehen zu können, möchte ich kurz erklären, was binaurale Beats überhaupt sind. Eigentlich handelt es sich dabei um eine akustische Täuschung, denn wir hören sie nicht mit den Ohren, die Töne entstehen in unserem Gehirn. Dafür werden gleichzeitig zwei leicht verschiedene Töne gespielt. Das rechte Ohr hört also etwas anderes als das linke. Im Gehirn kommt zu einer Überlagerung der beiden Frequenzen. Ein weiterer Ton entsteht, der je nach Frequenz die Gehirnwellen anregen soll. Möglich sind binaurale Beats natürlich nur mit Stereo-Kopfhörern. Sinustöne Bei den Sinustönen muss ich leider passen. Ich kenne die Verwendung bei den binauralen Beats, aber als einzelne Zutat fehlt mir das Wissen. Bei Wikipedia ist nur zu erfahren, dass der Klang von Sinustönen im Allgemeinen als steril oder leer empfunden wird. Bei meinen Nachfragen wurde ich freundlich auf die Website verwiesen: "Sinustöne, die – ausgehend von zyklischen Rotationsfrequenzen – in den hörbaren Bereich oktaviert werden, wirken sich positiv auf den menschlichen Organismus und die Stimmung aus." Mikrotonale Töne Während die westliche Musik die Oktave in 12 Halbtöne unterteilt, gibt es in der indischen Musiklehre noch 22 Mikrotöne. Ähnliche "Vierteltöne" finden übrigens auch in der arabischen und persischen Musik Verwendung. In diesen Ländern wird die Mikrotonale Musik durchaus als Therapie aufgefasst, die eine Wirkung auf die Psyche hat. Sie soll entspannen, die Stimmung aufhellen, Sorgen und Ängste nehmen. Teilweise findet sie auch Anwendung bei Herzpatienten. Neben alten Überlieferungen und Erfahrungswerten bedarf es noch weiterer Untersuchungen. Erste wissenschaftliche Hinweise zur Wirkung auf das Herz gibt es bereits aus Asien. So hört sich die Schallpause an Wenn man sich überlegt, was in die Schallpause alles für Modulationen reingepackt wurden, dann wundert man sich nicht, dass die Musik etwas konstruiert und künstlich klingt. Naturgeräusche, Spährenklänge, Trommeln, Elektrosounds und Gesangsfetzen sollen die Musik hörbar machen. Dass sie Musikliebhabern nicht gefallen könnte, dem möchte die Firma auf ihrer Website mit folgender Anmerkung vorbeugen: "Der therapeutische Zweck wird durch eine Vielzahl von Klangverschiebungen, Soundmodulationen und anderen technischen Effekte produziert. Deshalb hören sich manche Passagen anfangs sehr fremdartig, unter Umständen sogar störend und neu an." Musik für jede Lebenslage Die Schallpause bietet Musikstücke zur Regeneration, für mehr Energie und zur Verbesserung des Schlafs. Wie die Modulationen in den drei Bereichen verwendet werden, konnte ich nicht Erfahrung bringen. Ich hatte mir erhofft, mehr über die Wirkung der Schallpause zu erfahren. Dass sie nach Nutzen und Ziel anwendet werden, war mir klar, dass auch der Geschmack des Künstlers einfließt, fand ich erstaunlich. Letztendlich ist man als Einsteiger bei der Auswahl auf die Empfehlungen des Herstellers angewiesen. Für wen eignet sich die Schallpause? Sie richtet sich an Menschen, die sich gestresst und überlastet fühlen, die bewusst entspannen, Energie tanken oder einfach nur gut schlafen wollen. Aber auch an Sportler, die sich auf ein Training oder Wettkampf vorbereiten und danach schneller entspannen möchten. Viele renommierte Firmen nutzen die Anwendung von Schallpause für ihre Mitarbeiter im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Mit ihr sollen Entspannungsphasen im Berufsalltag trainiert werden, um stressbedingten Krankheiten vorzubeugen. Im Leistungssport sind es vor allem Vereine, die für eine Verbesserung des Trainings ihrer Sportler auf die Schallpause zurückgreifen. Mit der Schallpause soll der Körpers schneller in die Erholungsphase kommen und neue Kräfte sammeln. Wie wird Schallpause angewendet? Die Schallpausen-Playlists umfassen mehrere Musikstücke mit unterschiedlicher Länge in den Bereichen Entspannung, Energie und Schlaf. Beim ersten Durchhören bekommt man den Eindruck, dass für jeden Musikgeschmack etwas dabei sein sollte. Neben der frequenzmodulierten Musik und wird vom Unternehmen auf einen speziellen Kopfhörer sehr großen Wert gelegt. Am besten ist ein Studiokopfhörer, der die Musik unverfälscht wiedergeben soll. Für einen Entspannungseffekt werden drei Anwendungen á 30 Minuten pro Woche empfohlen. Man kann das komplette Equipment, also die Musik, Player und Kopfhörer für drei, sechs oder zwölf Monate mieten. Kostengünstiger ist die Nutzung der Schallpause-App mit eigenen Kopfhörern. Meine Erfahrungen Bevor ich mit meinen letzten Testergebnissen beginne, möchte ich vorausschicken, dass ich 2017 schon einmal die Schallpause ausprobierte. Damals gab es nur Musik zur Entspannung in Form des Schallpause-Hardware-Pakets, also einschließlich geschlossenem Studio-Kopfhörer und MP3-Player, und noch nicht die Smartphone-App-Lösung. Als Basis für die Modulationen der Musik wurde im Wesentlichen nur die Polyvagal-Theorie kommuniziert. Bei einigen Stücken der "alten" Schallpause konnte ich deutlichere Verbesserungen meiner Herzratenvariabilität (HRV) feststellen als mit der jetzt angebotenen Musik und der App-Lösung. Meine folgenden Ausführungen beziehen sich auf die "neue" Schallpause. Ich habe die Musik über die App ausgewählt und eigene Hi-Fi-Kopfhörer (beyerdynamic DT 990) benutzt. Vor und nach der Anwendung habe ich die HRV mit der VNS-Analyse gemessen, außer bei der Schlafmusik. Während die Musik lief, habe ich teilweise auch meine HRV mit dem System abios life aufgezeichnet und ausgewertet. Alle Stücke habe ich mindestens zweimal gehört: Entweder habe ich dabei etwas gemacht – gelesen, gekocht oder aufgeräumt – oder nur auf der Couch oder im Bett gelegen. Eine eindeutige Aussage zur Wirkungsweise kann ich nicht treffen, weil meine Testergebnisse zu unterschiedlich ausfielen: Die besten Ergebnisse, also eine Verbesserung der HRV, konnte ich immer nur dann beobachten, wenn die HRV-Parameter vorher schlecht waren. Bei mittel-guten Werten blieb die Wirkung entweder aus oder war viel geringer. Hier können auch schwankende Empfindlichkeiten auf Störfaktoren bei der HRV-Messung einen Einfluss gehabt haben. Keine Veränderung, bzw. teilweise eher eine kleine Verschlechterung, hatte ich bei sehr guten HRV-Werten. Auch am Olympiastützpunkt in Heidelberg hatte man das während des Pilotversuchs bei den erholten Athleten beobachtet. Eigentlich logisch, denn gute HRV-Werte lassen sich nur schwer verbessern. Mit meinem ungeschulten Ohr konnte ich nicht unterscheiden, ob ich gerade ein Musikstück für mehr Energie oder zur Regeneration höre. Bei allen Musikstücken zur Regeneration war der Entspannungseffekt beim Nichtstun viel besser. Bei leichten Aktivitäten wurden die HRV-Parameter eher schlechter. Ich glaube, mich hat in manchen Stücken das Arrangement der vielen Modulationen überfordert. Teilweise schwirrten sie mir regelrecht durch den Kopf. Bei der Musik aus dem Energie-Bereich sollte es zu einer Aktivierung des Sympathikus kommen. Ich konnte keine eindeutigen Veränderungen feststellen. Es gab Stücke, bei denen meine Belastungswerte stiegen. Manchmal war aber auch der Entspannungseffekt größer als bei der Regenerationsmusik. Die Musikstücke zur Schlafförderung haben mir beim Einschlafen nicht geholfen. Sie waren mir teilweise zu dominant oder vielschichtig: Wortfetzen und eine aufdringliche Klavierpassage oder Tropfen, Glockenläuten und Spährenklänge - alles auf einmal. Manche Kompositionen erinnerten mich auch eher an den Spannungsaufbau in Filmen, wenn gleich etwas passiert. Top ist, dass man hier eine Zeit einstellen kann, um den Player automatisch zu stoppen. Während meiner Selbstversuche habe ich auch mit anderen Musikstücken experimentiert. Bei ihnen hatte ich teilweise bei den Vorher-Nachher-Messungen auch eine Verbesserung der HRV-Parameter. Ich will damit zum Ausdruck bringen: Es gibt viele Arten von Musik, die einen positiven Einfluss auf das vegetative Nervensystem haben können. Warum die frequenzmodulierte Musik von Schallpause besonders gut wirken soll, dazu müsste man noch mehr über die verwendeten Modulations-Verfahren und die Wirkung auf das vegetative Nervensystem wissen. Insgesamt ist mir wichtig zu betonen, dass man sich einen Rahmen für Entspannung schaffen kann. Die Schallpause kann zur hilfreichen Gewohnheit werden. Das Nutzungsangebot ist insoweit fair, dass man mit geringen Anfangskosten für sich persönlich die individuelle Wirkung testen kann und sich mit dem monatlichen Abonnement nicht dauerhaft bindet. P.S.: Für meine zwei Testperioden hat mir die Firma projekt-dialog gmbh dankenswerterweise die Nutzung der Schallpause kostenlos ermöglicht. #### Schaltzentrale Hypothalamus Die Werte der Herzratenvariabilität zeigen, wie gut unbewusste Abläufe im Körper funktionieren und wie z. B. auf Stress reagiert wird. Gesteuert werden diese Prozesse vom Hormon- und Nervensystem. Der Hypothalamus ist die Verbindungsstelle zwischen den beiden Steuersystemen. Als einzige Hirnregion kann er sowohl die Blut- als auch Nervenbahnen als Übertragungsweg nutzen. Er reguliert alle Körperprozesse und nimmt Einfluss auf unser Verhalten. Für diesen Beitrag habe ich mir also den Hypothalamus herausgepickt. Wie Sie im Eingangstext bereits gelesen haben, hat er eine besondere Stellung, was es auch gleichzeitig kompliziert macht, seine Rolle im Netzwerk Gehirn zu beschreiben. Ich will einen Versuch wagen, möchte aber in dieser Stelle schon vorausschicken, dass ich in diesem Beitrag nur einen groben Überblick dieser Steuereinheit bieten kann. Auch wenn es in diesem Beitrag hauptsächlich um den Hypothalamus geht, sollte man nicht vergessen, dass er nur ein Teil des zerebralen Kontrollsystems ist. Aber er sitzt mitten drin, nämlich im Zwischenhirn. Dort ist er in direkter Nachbarschaft mit dem Thalamus und Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), einer der Hauptakteure zwischen Hirnstamm und Großhirnrinde. Während der Thalamus die Sinneswahrnehmungen sortiert, kümmert sich der Hypothalamus zusammen mit der Hypophyse um die unbewussten Körperfunktionen. Die Meldung über Hunger und Durst, aber auch die Regulierung der Körpertemperatur oder Blutdrucks kommt von beiden. An dieser Spanne lässt sich schon erkennen, wie groß die Aufgaben sind – und dass dieser Beitrag für die vollständige Beschreibung nicht ausreichen wird. Wichtigste Steuerzentrale des VNS und Hormonsystems Wer sich noch nie über den Hypothalamus Gedanken gemacht hat, wird an dieser Stelle bestimmt denken, dass es sich wegen der zentrale Bedeutung, um eine recht große Hirnregion handeln müsste. Weit gefehlt, es ist, wie im Schwabenland gerne gesagt wird, nur ein ganz kleiner "Bobbel". Er ist so groß wie eine kleine Fingerkuppe und wiegt etwa fünf Gramm. Auf engsten Raum teilen sich verschiedene Nervenzellgruppen die Arbeit. Einige davon sind an mehreren Aufgaben gleichzeitig beteiligt. Trotz seines unscheinbaren Umfangs hat der Hypothalamus eine enorme Befehlsgewalt im Körper. Der Hypothalamus wacht über alle Körperprozesse und hält sie im Gleichgewicht. Das vegetative Nervensystem (VNS) steht unter seiner Kontrolle. Die Funktionen von Herz und Blutgefäßen sowie die Körpertemperatur werden von ihm reguliert. Die Grundbedürfnisse Essen, Trinken, Schlafen, Wachen sowie Sexualität und Lust stehen ebenfalls unter dem Einfluss des Hypothalamus. Er kontrolliert quasi in Echtzeit alle Vorgänge, weiß immer genau, was gerade im Körper passiert, ob jemand friert, isst, Sex oder Stress hat. Natürlich schafft das der Hypothalamus nicht alles alleine. Seine Verbindungen zu anderen Teilen des Gehirns wie z. B. des Hirnstammes oder des limbischen Systems mit Hippocampus und Amygdala, verhilft ihm, immer auf dem Laufenden sein, was im Körper los ist. Bei der Steuerung der Organe bedient sich der Hypothalamus einiger Tricks. Seine Zielobjekte steuert er nicht immer direkt an, sondern nutzt seine Verbindung zu anderen Gehirnregionen, wie z. B. Teile des Hirnstammes, zur Regulierung. Er ist auch in der Lage unser Verhalten so zu beeinflussen, dass wir Bedürfnisse wie z. B. Hunger und Durst wahrnehmen und daraufhin handeln. Nicht zu zuletzt kann sich der Hypothalamus auch das vegetative Nervensystem zunutze machen und auf die Organfunktion einwirken. Seine enge Verbindung zur Hypophyse ist ein weiteres Beispiel für eine raffinierte Arbeitsaufteilung. Mit vereinten Kräften senden sie eine Art "Masterhormone" aus, über die sie andere Hormondrüsen kontrollieren und steuern. Man kann es sich an dieser Stelle wie einen kleinen Regel-Kreislauf vorstellen. Die auf diesen Befehl ins Blut abgegebenen Hormone, regulieren wiederum die Aktivitäten der Steuerzentrale Hypothalamus. Auch wenn man eigentlich vom Hypothalamus nicht von einer Drüse schreiben darf, weil er aus Nervenzellen besteht, muss man ihn in dieser Verbindung als Hauptdrüse des Hormonsystems betrachten. Er kontrolliert direkt und streng die Aktivitäten der Kirschkern großen Hypophyse. Über einen Stiel und ein verästeltes Gefäßsystem stehen sie in Kontakt. Diese Verbindung ermöglicht die zwei bereits in der Einleitung erwähnten Übertragungswege. Die wichtigste Hormondrüse besteht aus Nervenzellen Der Transfer über Nervenbahnen geht vom Hypothalamus zum Hypophysen-Hinterlappen. Über diese Verbindung bringt er die Hormone Oxytocin und Vasopressin auf den Weg. Sie werden vom Hypothalamus direkt gebildet und im Hypophysen-Hinterlappen für den nächsten Einsatz gelagert. Vasopressin, auch Adiuretin oder antidiuretisches Hormon (ADH) genannt, ist im Körper an der Regulierung des Wasserhaushaltes beteiligt. Oxytocin löst Geburtswehen aus und lässt nach der Geburt die Muttermilch einschießen. Es wird in den letzten Jahren auch zunehmend als Antistress-Hormon gehandelt. Werden beide Hormone im Körper gebraucht, geschieht ihr Weitertransport über den Blutkreislauf. Der Austausch zwischen dem zweiten Teil der Hypophyse, dem Vorderlappen, und dem Hypothalamus geschieht über das Gefäßsystem. Im Gegensatz zum Hinterlappen ist der Vorderlappen der Hypophyse in der Lage, Hormone selbst zu produzieren. Und das muss er auch, denn vom Hypothalamus kommt auf diesem Weg nur ein Steuerhormon. Dieses Steuerhormon veranlasst die Freisetzung oder Hemmung. In der medizinischen Fachsprache werden die Hormone, die der Hypothalamus an den Hypophysen-Vorderlappen abgibt, Releasing- (englisch: to release - freisetzen) bzw. Inhibitionshormon (englisch: to inhibit - hemmen, blockieren) genannt. Mittelbar und unmittelbar wirkt so der Hypothalamus auf alle Vorgänge im Körper. Über die Hypophyse hat er Einfluss auf alle hormonellen Drüsen, kann sie zur Bildung von Hormone anregen oder ausbremsen. Da sich die ausgesendeten Hormone in ihrer Molekularstruktur alle unterschieden, kann es nicht zu Irrläufern oder Verwechselungen kommen. Die nur für das Zielobjekt herstellten Hormone können nur von der Körperregion angenommen werden, die über den passenden Hormonrezeptor verfügt. Man muss sich das wie ein Schlüssel- und Schloss-System vorstellen. Wenn der Schlüssel nicht passt, geht die Tür nicht auf. An dieser Stelle könnte ich eine ganze Liste von Hormonen aufführen und auf die Abfolge vom Hypothalamus über den Hypophysen-Vorlappen bis zum Ziel-Organ eingehen. Einen guten Überblick über das Ineinandergreifen der verschiedenen Hormone findet sich jedoch bei Wikipedia. Ich möchte anhand eines Beispiels erklären, wie diese Befehlskette arbeitet. Unter den vielen lebenswichtigen Hormonen habe ich mir den Umgang mit Stressbedingungen ausgesucht. Was passiert im Körper, wenn er sich einer Bedrohung oder Gefahr ausgesetzt sieht? Die Stress-Meldestelle: Nucleus paraventricularis Dass der Hypothalamus nur ein ganz kleiner "Bobbel" ist, wissen Sie ja bereits. Auch dass es verschiedene Nervenzellgrüppchen gibt, die sich unterschiedliche Aufgabe teilen, ist schon erwähnt. Eines dieser kleinen Gewebehäufchen ist der Nucleus paraventricularis. Er umfasst etwa einen halben Quadratmillimeter und enthält etwa 10.000 Nervenzellen. Interessanterweise scheinen sie nicht untereinander vernetzt zu sein. Dies deutet darauf hin, dass die Aktivität des Nucleus paraventricularis ziemlich direkt von den einlaufenden Nervenimpulsen bestimmt wird. Man mag es fast nicht glauben, aber dieses Mini-Zellhäufchen hat mehrere Dateneingänge. Auch hier möchte ich mich auf eine Auswahl beschränken und nur ein paar wichtige aufführen. Es gibt beispielsweise Informationsflüsse von anderen hypothalamischen Kernen und aus dem limbischen System. Über die Verbindung zum Hirnstamm kommen vom Vagusnerv als Teil des Parasympathikus Meldungen über den Zustand der inneren Organe. Ganz gesichert sind die Erkenntnisse noch nicht, aber man geht davon aus, dass die Stresszellen des Nucleus paraventricularis, wenn sie durch Veränderungen des körperlichen Zustands aktiviert werden, das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) ausschütten. Über den Gefäßweg gelangt das Steuerhormon zum Hypophysen-Vorlappen, der daraufhin das Adrenocorticotrope-Hormon (ACTH) auf den Weg Richtung Nebennierenrinde schickt und sie dazu veranlasst, Cortisol ins Blut auszuschütten. Das Stresshormon versetzt den Körper in die Lage, sich mit dem Stressgeschehen auseinander zu setzen. Die Nervenzellen, die CRH produzieren, besitzen natürlich auch Cortisolrezeptoren. Sie sind also immer über die Aktivitäten der Nebennieren unterrichtet. Weitere Meldestellen über den Cortisol-Pegel befinden sich im Hippocampus und der Amygdala. Der Kreislauf schließt sich mit der Tatsache, dass Cortisol die Ausschüttung von CRH verringert. Ein Detail noch zum Schluss: Die größeren Zellen des Nucleus paraventricularis produzieren die Hormone Oxytocin und Vasopressin, die nicht direkt etwas mit Stress zu tun haben. Fazit zur Einflussnahme des Hypothalamus auf die HRV VNS und Hormonsystem beeinflussen sich gegenseitig. Der Hypothalamus ist das Bindeglied und der Ort mit der größten Einflussnahme. Sein Wirken macht verständlich, warum die HRV von beiden Steuersystemen beeinflusst wird. Das bedeutet, dass mehr Impulse in die HRV-Werte einfließen als nur das Wirken von Sympathikus und Parasympathikus. Allein die direkte Kontrolle des Hypothalamus über den circadianen Rhythmus, eine Art 24-Stunden-Schrittmacher, zeigt den Zusammenhang zur HRV. Meine Quelle zum Thema: Richard F. Thomson, Das Gehirn, Von der Nervenzelle zur Verhaltenssteuerung, Spektrum Akademischer Verlag #### SD1 und SD2 – die Reaktionsfähigkeit des VNS Für diesen Blog-Beitrag habe ich mir den Heilpraktiker Punito Michael Aisenpreis zur Unterstützung geholt. Er hat bereits über 10.000 Messungen ausgewertet, außerdem unterrichtet und forscht er zur Herzvariabilität. Gemeinsam wollen wir die Parameter SD1 und SD2 beleuchten. Die zwei Herzratenvariabilitäts-Parameter SD1 und SD2 lassen sich sehr anschaulich anhand des Poincaré-Diagramms erklären. Die Zahlenreihen werden bei dem nicht-linearen Verfahren in ein geometrisches Muster umgesetzt. Die daraus entstehende Punktwolke ist sehr beliebt, weil auf einen Blick bereits eine Interpretation anhand der Form und Streuung möglich ist. Mit etwas Fantasie lassen sich grob vier Formen unterschieden: eine Galaxis, ein Komet, eine Zigarre oder nur eine kleine, runde Scheibe aus vielen Punkten. Poincaré-Diagramm – Punkte statt Werte SD steht für Standard Deviation beziehungsweise Standardabweichung. Wikipedia gibt hierfür eine Erklärung: „Die Standardabweichung ist ein um 1860 von Francis Galton eingeführter Begriff der Statistik und der Wahrscheinlichkeitsrechnung und ein Maß für die Streuung der Werte einer Zufallsvariablen um ihren Erwartungswert." Man kann auch sagen, die Standardabweichung beschreibt die durchschnittliche Schwankungsbreite um einen Mittelwert. Diese SD-Definition wird bei der Erfassung der Herzratenschwankungen angewendet. Dem SD1-Wert, der für die Breite der Punktwolke steht, wird die Tätigkeit des schnell reagierenden Parasympathikus zugeordnet. Die Wirkung des vegetativen Nervensystems mit seinen langsamen Veränderungen von Parasympathikus und Sympathikus, wird durch den SD2-Wert anzeigt. Er bestimmt das Längenmaß im Poincaré-Diagramm. Ohne dass man sich groß mit den Werten auseinandersetzen muss, erkennt man bei einer breiten Streuung um die Diagonale des Diagramms (Identitätsachse) eine gute Variabilität. Handelt es sich eher um eine schlanke oder gar kreisförmige Verteilung mit geringem Durchmesser, muss von einer eingeschränkten Regulation bzw. einer Regulationsstarre ausgegangen werden. Rückschlüsse auf die Arbeitsweise des vegetativen Nervensystems lassen sich bei der genaueren Betrachtung der beiden Werte ziehen. Der SD1-Wert beschreibt die Fähigkeit für millisekunden-schnelle Anpassungen. Er spiegelt die Einflussnahme des Parasympathikus von einem Herzschlag auf den nächsten wider. Für die eher langsamen Regulierungen, bei denen sich Parasympathikus und Sympathikus ergänzen, steht der SD2-Wert. Anhand dieser Eigenschaften lassen sich die Werte auch für die Interpretation nutzen. Punito Aisenpreis nutzt die beiden Werte in seiner Praxis in München und Murnau auch für eine Einschätzung, wie lange eine gesundheitliche Einschränkung bereits vorliegen könnte. Am SD1-Wert lassen sich kurzfristige Veränderungen der Herzratenvariabilität ablesen. Er gibt Auskunft über den momentanen Zustand. Verringerte Werte zeigen beispielsweise eine aktuelle bzw. gegenwärtige Stressbelastung an. Eine bereits länger anhaltende Veränderung hingegen wirkt sich eher in einer Verschlechterung des SD2-Parameters aus. Das Verhältnis von SD1 und SD2 Sehr aufschlussreich ist auch das Verhältnis, wie die beiden Werte zueinander stehen. Sich nur auf einen Wert zu konzentrieren wäre falsch. SD1 hat meist einen kleineren Wert als SD2. Umkehren kann sich das Verhältnis, wenn beispielsweise Alkohol im Spiel ist, jemand emotional fehlsteuert oder Störungen der Herz-Erregungsleitungen vorliegen. Als Trauma-Therapeut hat Punito Aisenpreis die Erfahrung gemacht, dass bei Patienten sehr hohe SD1- und sehr niedrige SD2-Werte auch auf ein Trauma hinweisen können. Eine weitere Beobachtung von ihm ist, dass sich bei sehr gestressten Menschen der SD1 viel schneller verschlechtert als der SD2-Wert. Auch bestätigte sich schon oft in seiner Praxis, dass ein extrem geringer SD1-Wert ein Indiz für eine diabetische Neuropathie oder eine Schilddrüsenüberfunktion sein kann. Uns ist bewusst, dass sich unsere Ausführungen nur mit einem ganz kleinen Ausschnitt von einem Messergebnis beschäftigen. Sie reichen nicht für eine Einschätzung des gesundheitlichen Zustandes aus und schon gar nicht für eine genaue Diagnose. SD1 und SD2 sollten gemeinsam betrachtet werden, aber sie sollten auch immer im Verhältnis zu den anderen Parametern interpretiert werden. #### SDNN – der HRV-Wert für die Anpassungsfähigkeit Der SDNN-Wert gehört zur Liga der klassischen HRV-Werte. Er gibt Auskunft über die Gesamtvariabilität des Herzschlags. An ihm lässt sich ablesen, wie gut das vegetative Nervensystem Vorgänge im Körper regeln kann. In der Kardiologie ist er ein wichtiger Wert für die Einschätzung des Krankheitsverlaufs nach einem Herzinfarkt. Der volle Name sagt schon, um was es sich bei der SDNN handelt - Standard Deviation of the NN Intervall, zu Deutsch: Standardabweichung der RR-Intervalle. Der sperrige Name beschreibt nichts anderes, als dass die Berechnungsgrundlage der zeitliche Abstand zwischen den höchsten Spitzen in der EKG-Aufzeichnung ist und die durchschnittliche Streuung um den Mittelwert der NN- bzw. RR-Intervalle berechnet wird. Entnehmen kann man ihm auch, dass es sich um einen zeitbezogenen Wert handelt. Genauso wie der RMSSD-Wert beruht die Berechnung der SDNN auf einer Formel der Statistik. Die SDNN und andere HRV-Werte "Auch wenn man HRV-Werte nie einzeln betrachten sollte, mit der Betrachtung der SDNN lässt sich bereits einiges über den gesundheitlichen Zustand aussagen", erzählt Bernd Heiler, Heilpraktiker für Psychotherapie, aus seiner Praxis in München. Wie gut das vegetative Nervensystem die Abläufe im Körper regeln kann, zeigt der Wert der SDNN an. "An den Werten erkenne ich, wie das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus ist. Für einen Befund ist es sinnvoll, immer auch noch nach anderen Werten zu schauen. RMSSD, pNN50 und pNN10 sind auch zeitanalytische Werte. Sie liefern mir eine genauere Einschätzung über die Erholungsfähigkeit, denn sie spiegeln das Wirken des Parasympathikus wider." Bei den frequenzanalytischen Werten ist die Total-Power mit dem SDNN-Wert vergleichbar. "Sind beide Werte hoch, so ist das ein gutes Zeichen. Anfänger können mit einem Vergleich der beiden Werte auch eventuelle Messfehler ausschließen." SDNN-Normwerte nur als Anhaltspunkt Machen Sie sich keine falschen Hoffnungen bei dieser Zwischenüberschrift. Auch wenn sie das HRV-Leben leichter machen würden, im Praxisalltag sollten Normwerte nur als Orientierung dienen. "In meinem Praxisalltag stelle ich immer wieder fest, dass viele publizierte Werte von meinen Patienten nur schwer erreicht werden können. Wenn ich beispielsweise die Werte von Dr. med. Doris Eller-Berndl aus ihrem Buch zugrunde lege, dann fallen die meisten in den Streubereich", berichtet Bernd Heiler aus seinem Praxisalltag. Im Buch Herzratenvariabilität von Dr. med Doris Eller-Berndl befindet sich eine Tabelle mit SDNN-Werten. Grundlage für die Berechnung ist eine 24-Stunden-Messung mit annähernd gleicher Aktivität: Alter (Jahre) SDNN (ms) 10 - 19 176 ± 38 20 - 29 153 ± 44 30 - 39 143 ± 32 40 - 49 132 ± 30 50 - 59 121 ± 27 60 - 69 121 ± 32 70 - 79 124 ± 22 80 - 99 106 ± 23 (Quelle: Herzratenvariabilität, Doris Eller-Berndl, Seite 30) "Bei einem schlechteren Wert fällt kein Mensch sofort tot vom Stuhl. In meiner Praxis nehme ich die Normwerte als Anhaltspunkt. Viel interessanter und aufschlussreicher ist für mich die Veränderung der Werte während meiner Therapie. Anhand der Ergebnisse kann ich sehen, ob es zu einer Verbesserung oder Verschlechterung kommt", kommentiert Bernd Heiler die Normwerte. Einflüsse von Alter, Geschlecht, Tag und Nacht Männer haben einen höheren SDNN-Wert als Frauen. Mit dem Alter, das beginnt ungefähr mit fünfzig Jahren, gleichen sich die Geschlechter immer weiter an. In der Nacht ist der Unterschied zwischen Männer und Frauen größer. Mit dem Rentenalter kommt es auch hier zu einer Angleichung. "Vor allem in Langzeitmessungen ist für mich der SDNN-Wert interessant. Vergleiche von Tag und Nacht geben mir einen Aufschluss, wie gut sich der Körper während des Schlafens regenerieren kann", berichtet Bernd Heiler. SDNN in der Kardiologie Schaut man sich Studien an, so können die Werte der SDNN Aufschluss über den weiteren Krankheitsverlauf geben. Werte unter 50 ms (bezogen auf 24 Stunden) stehen für eine starke Einschränkung der Herzratenvariabilität (HRV), was bei Herzinfarkt- und Herzinsuffizienzpatienten mit einem erhöhten Sterberisiko einhergeht. Eine deutliche Verringerung gibt es erst ab Werten um die 100 ms (bezogen auf 24 Stunden). Was es bei der Messung zu beachten gibt Bei einer Messung werden während der gesamten Dauer die Abstände zwischen den R-Zacken erfasst. Das bedeutet, dass der SDNN-Wert mit der Länge der Messzeit steigt, weil unterschiedliche Aktivitätspegel einfließen. "Im Praxisalltag dürfen also nur Werte mit der gleichen Messdauer und ähnlicher Aktivität verglichen werden", so Bernd Heiler. "Wichtig ist dann vor allem bei Kurzzeitmessungen, dass immer die gleichen Messbedingungen eingehalten werden. Es macht einen großen Unterschied, ob z. B. im Liegen oder Stehen gemessen wurde. Bei Langzeitmessungen bitte ich meine Patienten, körperlich anstrengende Tätigkeiten während der Messung zu vermeiden, wenn sie nicht zu ihrem Alltag gehören. Denn je unterschiedlicher der Aktivitätslevel ist, umso höher ist auch der SDNN-Wert. Bei Werten wie der SDNN kann ich so Verfälschungen besser ausschließen." Fazit von Bernd Heiler "Unter den Experten befinden sich viele Fans für die zeitbezogenen HRV-Werte. Für sie ist die SDNN neben dem RMSSD-Wert ein wichtiger Parameter. Es gibt auch HRV-Geräte, die nur mit diesen Werten arbeiten, also die frequenzanalytischen HRV-Werte, wie z. B. HF und LF, gar nicht erheben. In meiner täglichen Praxis mache ich mehr kurze Messungen, da ist der SDNN-Wert genauso wichtig wie andere Werte. Bei Langzeitmessungen schaue ich ihn mir genauer an. Vor allem der Tag-Nacht-Vergleich ist für mich dabei sehr aufschlussreich." #### Singen für eine gute HRV Singen entspannt! Seine Wirkung lässt sich mit anderen bewussten Atemtechniken vergleichen und am Herzschlag messen. Je nachdem, was für ein Lied gesungen wird, beginnen die Herzen von Chormitgliedern schon nach ein paar Takten im Gleichtakt zu schlagen und zu schwanken. Immer wieder werde ich gefragt, was man tun könnte, um die Herzratenvariabilität (HRV) zu verbessern. Singen wäre eine Möglichkeit, aber es muss das richtige Lied sein, um eine Wirkung zu erzielen. In einer wissenschaftlichen Studie wurde die Wirkung verschiedener Musikstile miteinander verglichen. Dr. Björn Vickhoff wollte im Jahr 2013 am Institut für Neurologie und Physiologie der Sahlgrenska Academy an der Universität Göteborg wissen, ob Singen im Chor eine ähnliche Wirkung wie Yoga auf die HRV hat. Seine Hypothese war: Da auch beim Gesang kontrolliert und bewusst geatmet wird, müsste er sich ebenfalls positiv auf das Herz auswirken. Sänger und Messmethoden Die Untersuchung Music structure determines heart rate variability of singers war zweigeteilt: Zum einen traten 15 junge Erwachsene zum Chor-Gesangstest an. Während der gesamten Zeit wurde ihre Herzfrequenz aufgezeichnet (Messtechnik: Ohr-Clip, emWave). Als zweite Fallstudie wurde bei einer kleineren Gruppe von fünf Sängern zusätzlich noch Atemtiefe und ‑frequenz, der Hautleitwert und die Fingertemperatur gemessen (Messtechnik: cStress). Der Studienaufbau – Summen, Hymne, Mantra Um vergleichbare Voraussetzungen (die Baseline) zu schaffen, wurde am Anfang und vor jeder Wiederholung ein gefühlsmäßig neutraler Text für 5 Minuten gelesen. Zwischen den Gesängen wurden während einer Pause von einer Minute Anweisungen für das Singen des nächsten Stückes gegeben. Stück: 5 Minuten lang wurde frei gesummt, wobei jeder Sänger beliebig Atem holen konnte. Stück: Gesungen wurde das langsame, schwedische Kirchenlied (Hymnus) "Härlig är Jorden" für 5 Minuten. Hier war es die Komposition, die an bestimmten Stellen die Atmung vorgibt. Stück: Es bestand nur aus dem Satz "just relax", der immer wieder mit einer simplen Melodie wiederholt wurde – vergleichbar mit einem Mantra. Die Sänger erhielten die Anweisung, jeweils zwischen den Phrasen zu atmen. Es wurde gemeinsam und regelmäßig alle 10 Sekunden Luft geholt. Dauer: 5 Minuten. Der Sinn hinter der Musikauswahl Der aufmerksame Leser wird die Unterschiede zwischen den Stücken bestimmt erkannt haben. Während das Summen völlige Freiheit lässt, erzwingt das Mantra ein gemeinsames Ein- und Ausatmen. Die Hymne nimmt zwischen beiden eine Zwischenstellung ein. Ihre Liedstruktur legt einen Atemrhythmus nahe, jedoch keinen regelmäßigen. Die Rolle der Atmung auf das Herz Die Atmung beeinflusst den Herzschlag. Wird tief eingeatmet, schlägt das Herz schneller, beim Ausatmen schlägt es wieder langsamer. Der Grund für die Verlangsamung ist der Vagusnerv. Sein Einwirken auf das Schrittmacherzentrum verlangsamt den Herzschlag. Beim nächsten Atemzug löst sich "Bremse" wieder und das Herz schlägt wieder schneller. Diese ganz natürliche und gesunde Reaktion wird Respiratorische Sinusarrthythmie (RSA) genannt. Messen lässt sie sich mit der gleichnamigen RSA-Messung. Der Einfluss der Stücke auf den Herzschlag Wie zu vermuten war, schlugen die Herzen der Chormitglieder je nach Stück und Musikstil mal mehr oder auch weniger im Gleichklang. Summen: Es gab regelmäßige Schwankungen der Herzfrequenz, aber sie fanden bei jedem Teilnehmer ganz unterschiedlich statt. Hymnus: Eine Angleichung war beobachtbar, die Unterschiede zwischen den Sängern waren nicht mehr so groß wie beim Summen. Der RSA-Effekt zeigte sich jedoch weniger deutlich wie beispielsweise bei einer Atemvorgabe. Mantra: Die Herzen schlugen fast im Gleichklang. Die Teilnehmer hatten eine hohe Überstimmung der dominanten HRV-Frequenz bei ca. 0,1 Hz, was der vorgegebenen Atemfrequenz entsprach. Die Veränderungen der HRV Als Grundlage für die Bewertung der HRV-Werte dienten die Angaben der Task Force of The European Society of Cardiology and The North American Society of Pacing and Electrophysiology. Die Erkenntnisse der schwedischen Forscher stützten sich vor allem auf die Werte der fünf Teilnehmer der zweiten Gruppe. Während des Summens konnte keine signifikante Steigerung der HRV (anhand des RMSSD-Wertes) beobachtet werden. Wie bereits erwähnt, entstand nur ein kleiner RSA-Effekt. Beim Hymnus war der RMSSD-Wert deutlich höher als bei der Baseline und beim Summen. Das Verhältnis von LF/HF war verringert. Die Frequenzanalyse zeigte Schwankungen der Herzrate, aber nicht so regelmäßige wie beim Summen. Die höchsten RMSSD-Werte erzielte das Mantra-Singen. Weitere Messergebnisse – nicht aussagekräftig Die Messungen zu Fingertemperatur und Hautleitwert brachten keine weiterführenden Erkenntnisse beziehungsweise konnten nicht als zuverlässige Unterscheidungsmerkmale herangezogen werden. Singen für das Gemeinschaftsgefühl Singen ist ein gemeinsames Handeln in einer Gruppe, das zu einer gemeinsam gespürten Erfahrung führt. Dadurch wird auf positive Weise das Gemeinschaftsgefühl gesteigert (und auf gemeinsam überwundene negative Erfahrungen oder auf übereinstimmende Meinungen kann verzichtet werden). Zu allen Religionen gehört, dass gesungen wird. Gesungen wird auch im Fußballstation. Es gibt Nationalhymnen, Arbeitslieder und Marschgesänge. Wenn man schaut, wo und wann überall gesungen wird, dann versteht man mit dieser Studie ein bisschen besser, was Singen mit uns macht. Die Synchronisierung der Herzschläge fördert (über den RSA-Effekt) das Gefühl des gemeinsamen Erlebens und verändert die eigene Wahrnehmung hin zu einer gemeinsamen Perspektive. Die Herzen schlagen im ähnlichen Rhythmus. Aus "ich" wird "wir". Die Welt kann aus einem gemeinsamen Blickwinkel wahrgenommen werden, auch wenn sowohl im Detail als auch individuell noch abweichende Auffassungen bestehen. #### Spire – mentale Fitness beeinflussen Die Atmung kann viel über die Gefühlslage verraten. Anspannung und Entspannung lassen sich von Atemzügen ablesen. Spire ist ein neuer Fitness-Tracker aus San Francisco, USA. Er erfasst das Atemmuster des Nutzers und zeigt ihm an, wann er konzentriert, gestresst oder entspannt ist. Wie sich die Atmung auch als Einflussmöglichkeit nutzen lässt, erfahren die Anwender über die zum Sensor gehörende App. Ein Spire begleitet mich jetzt schon einige Wochen - was erstaunlich ist. Denn normalerweise verliere ich die Lust an Fitness-Trackern relativ schnell. Vielleicht weil mein Leben überschaubar ist – immer die gleiche Runde mit dem Hund – oder ich auch nicht so recht daran glaube, dass ein Bewegungssensor meine Schlafqualität so richtig beurteilen kann. Es könnte auch daran liegen, dass sie meist nur aufzeichnen und dann loben oder mahnen, aber nicht mit mir in Interaktion treten beziehungsweise mich effektiv weiterbringen. Ein Wearable fürs Unterbewusstsein Die ersten Tage mit dem Spire verliefen schon fast wie befürchtet. Er zeichnete meine Atmung auf und ich warf einen Blick auf die Kurve. Dass er mir öfters Anspannung als Entspannung meldete, hat mich nach einigen Tagen dann doch irritiert. "Today – You've been mostly tense", findet wohl niemand begeisternd. Vor allem wenn die Anteile für Konzentration oder Entspannung dabei stehen und klein ausfallen. Spätestens bei diesem Ergebnis beginnt jeder über seine Atmung nachzudenken. Und hier fängt der Zauber an, sobald man sich Gedanken macht, verändert sich schon etwas zum Positiven. Verhaltensweisen bewusst wahrnehmen Für einen Schrittzähler setzt man überwiegend bewusst und willentlich einen Fuß vor den anderen. Demgegenüber wird mit der Aufzeichnung der Atmung ein fast völlig unbewusstes Verhalten festgehalten. Was uns wie selbstverständlich am Leben erhält, ist einer der besten physiologischen Indikatoren für psychische Zustände. Mit der Atmung lassen sich Einblicke in unseren Gemütszustand erreichen. Wie und was der Spire erfasst und die App daraus macht Ganz genau, trotz meiner Anfrage beim Hersteller Spire Inc., konnte ich das nicht herausfinden. Aber Folgendes steht fest: Der Spire erfasst die Ausdehnung und das Zusammenziehen von Rumpf und Zwerchfell beim Ein- und Ausatmen. Hochentwickelte Algorithmen (Auswertungsprogramme) in der Spire App teilen die erfassten Atemzüge in Muster ein. Diese Klassifizierung beruht nach Herstellerangaben auf "Duzenden" von Laborstudien. Als Studienergebnis wurden Verfahren entwickelt, die Zusammenhänge (Korrelationen) zwischen den Atemmustern und dem Geistes- und Gefühlszustand ermitteln. Die Orientierung und Anleitung, die die App je nach festgestelltem Zustand mitteilt, beruht nach Herstellerangaben auf Protokollen aus klinischen Studien, bei denen es unter anderem um die Linderung von Angst und Schmerz, die Senkung des Blutdrucks und die Steigerung der Herzratenvariabilität ging. Das Atemmuster gibt Auskunft Der Spire unterscheidet drei verschiedene Atemmuster: Entspannung, Anspannung und Konzentration. Ausgehend von der individuellen Durchschnittsrate der Atemzüge pro Minute gibt er seine Rückmeldungen. Regelmäßige Atemzüge unterhalb des persönlichen Durchschnitts werden als Hinweis auf Entspannung interpretiert. Eine Atemfrequenz, die etwas über dem persönlichen Grundmuster liegt, wird als Hinweis auf Konzentration gedeutet. Erhöht sich die Atmung deutlich und wird unregelmäßig, wird dies vom Spire als Anspannung registriert. Mit dieser Einteilung gibt der Spire eine Rückmeldung über das mentale Befinden (state of mind) und die Balance der drei erwähnten Gemütszustände. Atmung als Messgröße und als Einflussmittel Die Beurteilung wird ganz auf Messungen der Atmung aufgebaut. Der integrierte Schrittzähler ist für Bewegungsfaule ein zusätzlicher Nutzen. Er dient der Software aber wahrscheinlich nur als Unterscheidungskriterium – steigt der Nutzer gerade Treppen oder hat er tatsächlich mentalen Stress. Lässt sich körperliche Betätigung ausschließen, dann bietet sich die Atmung als Messgröße und gleichzeitig auch als Mittel gegen den Anspannung an. Mit der Atmung lassen sich Anspannung und Stress "einfangen". Sie ist im Alltag leichter zu messen als das Stresshormon Kortison, der Blutdruck oder andere Stressindikatoren. Und: Über die Atmung kann als einzige Maßnahme bewusst auf die Entspannung eingewirkt werden - und das jederzeit ganz ohne Hilfsmittel. Mit Coachings mehr Achtsamkeit lernen Spire Inc. stellt zusätzlich zum Sensor und der Smartphone-App kleine Coaching-Kurse (Boosts) zur Verfügung. Zum einen werden damit die Zusammenhänge erläutert. Zum anderen dienen sie als geführte Entspannungsübungen. Im Angebot sind Mini-Einheiten von einer halben bis ganzen Minuten bis zu verschieden langen Meditationen. Die Schnell-Programme, wie z. B. zur Beruhigung (30 seconds to calm), Erfrischung (quick guidance to focus) oder zum Druckabbau (30 seconds to shift), sind ein guter Einstieg und gute Beispiele, um zu erleben, wie sich mit wenig Zeitaufwand mentale Zustande ändern lassen. Zum Umdenken fordern die Anleitungen und Meditationen vom Zenmeister Thich Nhat Hanh oder Dr. Deepak Chopra auf. Es gibt Beiträge, die mir sehr gefallen beziehungsweise mir auch helfen zu entspannen. Die Inhalte sind ansprechend, die Pausen sind genau richtig und die Stimme des Redners ist für meine Ohren sehr angenehm anzuhören. Wahrscheinlich ist es eine Frage des Geschmacks oder der Vorlieben: Bei einigen Ausführungen war mir das Thema eher fremd, auch überforderte mich manchmal die Eindringlichkeit des Redners. Klangschalen mag ich normalerweise sehr gerne, nur sollte man in diesem Fall gut überlegen, wo man das iPhone hinlegt. Die Tatsache, dass alle Beiträge auf Englisch waren und teilweise nicht von Muttersprachlern vorgetragen wurden, hat mich überhaupt nicht gestört, sondern im Gegenteil an schöne Urlaube in Asien erinnert. Spire Tutorial: Für alle Einsteiger ein MUSS Was ich an dieser Stelle nicht versäumen will, zu erwähnen, ist das Tutorial von Dr. Neema Moraveji, Mitgründer und Chief Scientist bei Spire Inc. Ich habe es leider viel zu spät entdeckt und möchte es allen Einsteigern empfehlen, weil man daraus Wesentliches lernen kann. In fünf Einheiten erklärt er verschiedene Atemtechniken und Hintergründe, aber auch über die Einstellungsmöglichkeiten der App erfährt man einiges. Die richtige Atemtechnik für den Parasympathikus Ganz verschiedene Atemtechniken zur Entspannung und Vitalisierung werden in der Smartphone-App vorgestellt. Von Dr. Moraveji wollte ich wissen, welche Atemtechnik seiner Meinung nach den größten Effekt auf den Parasympathikus  hat und damit natürlich auch über die respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) auf die Herzratenvariabilität (HRV). Dr. Moraveji erläutert (aus dem Englischen übersetzt): "Eine Atmung mit ungefähr 5,5 Atemzügen pro Minute kann die RSA am besten stimulieren, wobei das Ausatmen länger dauern darf als das Einatmen (z. B. 1,5 Sekunden einatmen und 3,5 Sekunden ausatmen). Aber eine Atmung mit jeweils 3 Sekunden für Ein- und Ausatmung ist ebenfalls wohltuend. Die ungezwungene Atemrate eines gesunden Erwachsenen im Ruhezustand beträgt 9 bis 24 Atemzyklen pro Minute. Aufgrund der Modulation durch den Parasympathikus findet dann die RSA im High-Frequency-Bereich (HF: 0,15 bis 0,4 Hz) statt." Würde der Spire auch noch die HRV erfassen, dann wäre ein zusätzlicher Sensor für den Herzschlag notwendig. Die Messung wäre zwar genauer, aber auch aufwendiger. Für mich ist es gerade diese Einfachheit im ganztägigen Gebrauch, die den Charme des Spires ausmacht. Hinweise für den Einsatz Der Spire sieht aus wie ein kleiner grauer Stein, fühlt sich aber gar nicht kalt und hart an, sondern eher weich und warm. Was gut ist, denn man trägt ihn direkt auf der Haut. Mit dem Clip lässt sich der Fitness-Tracker ganz unauffällig an der Hüfte oder am Oberkörper tragen. Allerdings muss man bei der Inbetriebnahme in den Einstellungen festlegen, wo man den Sensor trägt. Meine Einschätzung ist, dass er am Oberkörper besser funktioniert. Aber wie er letztendlich an der Hüfte getragen funktioniert, habe ich nicht ausprobiert. Der Pressemitteilung habe ich entnommen, dass der Spire waschmaschinenfest ist. Spontan hätte ich mich nicht getraut, ihn mit unserer Dreckwäsche mitzuwachsen. Daher habe ich Dr. Moraveji auch nach Pflegetipps gefragt. Er meint: "Der Spire ist ein belastbares Gerät, wasserfest und hat eine ausdauernde Batterie für eine Woche. Es braucht wirklich wenig Pflege, um seine optimale Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Wir empfehlen, es gelegentlich mit einem feuchten Tuch abzuwischen, insbesondere man zum Schwitzen neigt oder den Spire während schweißtreibender Tätigkeit trägt." Für alle Leser, die nicht auf Englisch meditieren möchten, habe ich in Erfahrung gebracht, dass es voraussichtlich im Oktober 2016 eine deutsche Version geben wird. Derzeit benötigen der Spire und die zugehörige Smartphone-App mindestens ein iPhone 4S oder iPad der 3. Generation. Was hat mir der Spire gebracht? Mittlerweile, nach vier Wochen, meldet mir der Spire immer häufiger "Today – You've been mostly calm". Meine durchschnittliche Atemfrequenz ist etwas niedriger geworden. Ich weiß nun, was bei mir für Anspannung sorgt und wie ich gegensteuern kann. Ich nehme mir bewusst mehr kleine "Atempausen" und achte auch zwischendurch öfter auf meine Atmung. Für mich hat also das Ausprobieren des Spire insgesamt eine positive Veränderung meines "State-of-Minds" (und meiner Haltung zu Fitness-Trackern) gebracht. PS: Der Spire wurde mir dankenswerterweise von der Firma Spire Inc. kostenlos für diese Recherche zur Verfügung gestellt. #### Stress Pilot – Stress erkennen und abbauen Mit dem Stress Pilot Home lässt sich "abheben" und dem Stress einfach "davonfliegen". Aber nicht nur das ist möglich, das Biofeedback-Gerät kann auch den Stress messen. Mit verschiedenen Tests wird die aktuelle Belastungssituation bestimmt, gleichzeitig können die Trainingsfortschritte verfolgt werden. Der Stress Pilot hilft seinen Anwendern, bald ihr eigener Pilot beim Stressabbau zu sein. Ursprünglich wurde der Stress Pilot im Jahr 2006 von der Firma BioSign in Zusammenarbeit mit der Firma Biocomfort Diagnostics entwickelt. Nach der Schließung des schwäbischen Unternehmens war die Zukunft des Stress Pilots lange Zeit ungewiss, bis sich Ende 2015 das Gerücht einer Neuauflage verbreitete. Im Frühling 2016 war es dann soweit: Die Firma BITsoft brachte eine überarbeitete Version des Stress Pilots auf den Markt. Viele Menschen kennen das Produkt Stress Pilot als klassisches Biofeedback-Gerät für den PC, aber auch von Stress-Messungen im Rahmen von Gesundheitstagen oder -messen. Eine interessante Entwicklung, die wahrscheinlich so nicht vorgesehen war. Entwickelt wurde der Stress Pilot für Endverbraucher. Neben dem Biofeedback-Training sollten sie auch die Möglichkeit haben, ihre Stressregulationsfähigkeit zu messen. Dieser Test machte den Stress Pilot zu einem beliebten Messgerät in vielen Betrieben, aber auch in Fitness- und Reha-Zentren. Oft ist er deshalb auch eine Art Erstkontakt mit der Herzratenvariabilität (HRV). Den Stress messen mit dem RSA-Test Gemessen wird die Stressregulationsfähigkeit mit dem sogenannten RSA-Test. (Die entsprechenden Zusammenhänge rund um den RSA-Test werden im Hilfe-Menü mehr als ausreichend beschrieben.) Dieser standardisierte Atem-Test wird genutzt, um die maximale Leistungsfähigkeit des vegetativen Nervensystems zu ermitteln. Während der einminütigen Messung wird nach Anleitung ca. sechsmal sehr langsam ein- und wieder ausgeatmet. Je nachdem wie sich die Herzfrequenz durch die langsame Atmung verändert, können Rückschlüsse auf die Reaktionsfähigkeit gezogen werden. Beim Stress Pilot wird der Puls über einen Ohrclip mit Infrarot-Abtastung erfasst. Aus diesem Pulswellensignal ermittelt die Software die einzelnen RR-Intervalle sowie die Herzfrequenz. Wegen der hohen Abtastrate von 500 Hz hebt sich der Stress Pilot zwar von vielen Billigprodukten ab. Wegen der Verwendung der Pulswelle ist die Genauigkeit der Messergebnisse jedoch nicht mit EKG-gestützten Geräten vergleichbar. Für die Verwendung als Biofeedback-Gerät werden die Genauigkeitsansprüche erfüllt, für medizinische Anwendungen eher nicht. Die Messmöglichkeit ist bestimmt ein Grund, warum der Stress Pilot so beliebt ist. Innerhalb von einer Minute lässt sich ein Eindruck gewinnen, wie es um die Erholungsfähigkeit steht. Nachdem die Benutzerdaten (Name, Alter, Geschlecht, Gewicht und Größe) eingegeben wurden, kann losgelegt werden. Vor jeder Aktion wird das Allgemeinbefinden (Stress, Emotionen, Schlaf und Gesundheit) mit Skalen von ein bis zehn abgefragt. Die Bedienung der Tests ist einfach gehalten. Ein blauer Atembalken hilft, im richtigen Rhythmus zu atmen. Sobald die Messung gestartet wurde, erscheint eine Herzratenkurve parallel zur Zeitschiene. Außerhalb der Aufzeichnung wird noch eine zweite Kurve mit dem Pulssignal angezeigt. Sobald der Test abgeschlossen ist, können im Anschluss die Ergebnisse mit einem Tastenklick abgefragt werden. Mit Fragebögen erkennen, was stresst Das Menü der Fragebögen ist neu hinzugekommen. Es unterstützt dabei, das persönliche Stressempfinden einzuschätzen und festzuhalten. Dieser neue Bereich des neuen Stress Piloten soll dabei helfen, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen. Nur mit Erkenntnissen über den eigenen Stresstyp lassen sich entsprechende Strategien entwickeln, um der Stressfalle zu entkommen. Die vier Fragenbögen (mit bis zu 44 Fragen) liefern Erkenntnisse über den Stresstyp und die Stressoren, es werden aber auch Warnsignale ausgewertet und Hinweise auf die Widerstandsfähigkeit gegeben. Ein Teil der Fragebögen stammt von dem Anti-Stress-Coach Professor Dr. Gert Kaluza vom Institut für Gesundheitspsychologie. Andere basieren auf den Publikationen von Leppert et al. (2008), wie z. B. auf der Resilienzskala 13, sowie auf einer Mischung von weiteren Veröffentlichungen. Die Fragebögen sollten nicht als einmalige Aktion beantwortet werden. Es lohnt sich, die Fragen immer wieder für sich zu beantworten. Die jeweils gewonnen Einzelergebnisse geben nicht nur Aufschluss über die Veränderungen, sondern fließen zusätzlich jedes Mal auch in die Gesamtbewertung mit ein. Mit der Kombination der HRV-Werte aus der RSA-Messung und den Erkenntnissen aus den Fragebögen wird die Gesamtbetrachtung unterstützt. Sie bilden eine Ergänzung zu (oft als absolut richtig verstandenen) Messwerten. Buchführen über den Stress und daraus lernen Im Menü Gesundheitstagebuch kann für jeden Tag eine persönliche Bewertung abgegeben werden. Über eine Skala kann z. B. das Stressempfinden oder die Gefühlslage bewertet werden. Glückliche Momente können mit ein paar Worten notiert werden, aber auch für den Speiseplan gibt es ein Plätzchen. Das Führen des Gesundheitstagebuchs dient allein dazu, das Leben in all seinen Facetten bewusster wahrzunehmen. Die Aufzeichnungen sollen dabei helfen, rückblickend Zusammenhänge und Wechselwirkungen besser zu erkennen. Die Angaben fließen in keine Auswertung ein. Mit Biofeedback-Training bewusst entspannen Der RSA-Test und die Beantwortung der Fragebögen empfehlen sich, bevor man zum ersten Mal mit dem Biofeedback-Training startet. Über den Menüpunkt Einstellungen und Stressregulation lässt sich die Trainingsumgebung nach eigenen Wünschen gestalten. Zur Auswahl stehen verschiedene Landschaftsbilder, über die man verschiedene Schmetterlinge, einen Adler, ein Flugzeug, einen Ballon oder einen kleinen Supermann fliegen lassen kann. Für den vorgeschlagenen Taucher finde ich persönlich nicht das passende Hintergrundmotiv. Wenn gewünscht, lässt sich natürlich auch eine Hintergrundmusik aussuchen – Vogelgezwitscher, Wasserkluckern, Sphärenklänge bzw. typische Meditationsmusik mit oder ohne leichte Beats. Natürlich lassen sich über das Einstellungsmenü auch die Trainingsdauer, die Frequenz beim Ein- und Ausatmen sowie die Pause nach dem Ausatmen bestimmen. Möglich ist auch, die Atemhilfe ein- beziehungsweise auszuschalten und den Trainingslevel individuell statt automatisch anzupassen. Wie beim RSA-Test wird auch vor dem Biofeedback-Training immer erst das Allgemeinbefinden kurz abgefragt. Direkt im Anschluss gibt es nur mit einem Tastenklick gleich die Ergebnisse der durchgeführten Biofeedback-Sitzung. Meine Erfolge: Wissen, wo man steht Nach einem RSA-Test, der Beantwortung eines Fragebogens oder nach einem Biofeedback-Training erhält man immer im Anschluss eine direkte Auswertung über sein Tun. Gesammelt finden sich alle Daten im Menü meine Erfolge. Hier kann man sich das Einzelergebnis für den letzten Test oder das letzte Training anschauen, erhält aber auch Übersichten, die alle Aktivitäten zueinander ins Verhältnis setzen und einen Überblick zum Verlauf geben. In einem runden Diagramm werden alle gewonnenen Erkenntnisse aus Tests und Trainingseinheiten zusammengefasst. Es ist kein starres Diagramm, sondern ein bewegliches, was sich verändert. Nach jedem Gebrauch spiegelt es die aktuelle Stress-Situation in seiner Darstellung wider. Auf einem Blick lässt sich so erkennen, wie der momentane Zustand ist. Der Diagramm erinnert nicht nur in seiner Aufmachung an ein Netz- oder Polardiagramm, sondern auch bei der Farbwahl. Das Diagramm im Stress Pilot wird auch über einen Farbverlauf von rot über orange, gelb bis grün gespannt. Je kleiner die Werte der einzelnen Faktoren ausfallen, umso mehr werden sie im roten Bereich angezeigt, der für Anspannung steht. Reichen die Werte bis in die grünen Bereiche, wird von einer eher entspannten Lage ausgegangen. Folgende Einzelergebnisse fasst das Diagramm zum Stress aus dem RSA-Test, der Einschätzung zum Allgemeinbefinden, den Fragebögen und dem Biofeedback-Training zusammen: Gesundheitsgefühl, Schlafqualität, Fitnesslevel (durchschnittliche Herzfrequenz), Wirkung der Stressbremse (RSA-Quotient bzw. E/I-Quotient), Dosierung der Stressbremse (RMSSD-Wert), aktuelles Stressempfinden, Stressregulationsindex, Stresstyp, Stressverursacher, Warnsignale und Widerstandsfähigkeit. Das letzte Einzelergebnis von RSA-Test und Biofeedback-Training befindet sich auch im Menü meine Erfolge. Die während des RSA-Tests aufgezeichnete Herzfrequenz kann man sich wieder anschauen. Für das aktuelles Stressempfinden, das Gesundheitsgefühl, die Wirkung und Dosierung der Stressbremse sowie für die Fitness gibt es eine Farb-Bewertung nach dem Ampelprinzip. Jeweils in kleinen Untermenüs befinden sich Erklärungen zu den Ergebnissen, eine Einschätzung und Empfehlungen. Ähnlich ist der Aufbau für das letzte Training. Die aufgezeichnete Herzfrequenz wird mit der Flugkurve von beispielsweis den Schmetterlingen oder Adler zusammen mit dem Trainingslevel darstellt. Interessant ist der Stressregulationsindex, der sich im Untermenü Stressregulationstraining befindet. Er drückt aus, wie die gut das Biofeedback-Training absolviert wurde. Sehr aufschlussreich ist die Trend-Rubrik im Menü meine Erfolge. Sie bietet vor allem regelmäßigen Anwendern eine langfristige Erfolgskontrolle. Mit dem Untermenü lässt sich die Entwicklung unter verschiedenen Aspekten chronologisch verfolgen. Für die Wirkung und Dosierung der Stressbremse sowie für die mittlere Herzfrequenz werden die Ergebnisse aufgeführt, einer Bewertung unterzogen und ins Verhältnis mit Referenzgruppen gesetzt. Jedes Stressregulationstraining ist mit Vorgabewert, Rhythmisierungsgrad Zielerreichungsgrad und Stressregulationsindex aufgelistet. Mein Fazit zum neuen Stresspiloten Es ist schön, dass es den Stress Piloten wieder gibt. Leider habe ich das alte Modell nie im Detail kennengelernt. Während unserer Buchrecherche sind wir oft im Netz auf ihn gestoßen, auch in Gesprächen tauchte der Name immer wieder auf. Eine Erklärung zum Verbleib konnte uns damals keiner so richtig geben, was auch der Grund ist, warum er nicht in unserer Referenzliste im Buch auftaucht. Die Inbetriebnahme des Stress Piloten war sehr einfach. Die Software wird über einen USB-Speicher-Stick installiert. Wer mit Windows vertraut ist, wird wahrscheinlich keine Probleme haben. Die Menüführung auf der Startseite ist übersichtlich und großflächig gestaltet. An mancher Stelle würde ich mir etwas dickere Umrandungsleisten oder farbige Flächen zur besseren Orientierung wünschen. Auch wenn ich mich jetzt bei der großen Fan-Gemeinde des Stress-Piloten nicht beliebt mache, stelle ich trotzdem fest: Die neuen Fragebögen finde ich für die Stress-Bewertung wichtiger als den RSA-Test. Beim Atemtest besteht für mich die Gefahr, dass Laien ihn für wichtiger erachten als das Training zur Selbstregulation. Es wäre eine falsche Zielsetzung, wenn es nur darum ginge, die RSA-Test-Ergebnisse entsprechend zu beeinflussen. Das baut unnötigen Druck auf und hat auch nichts mit Stressmanagement zu tun. Vielleicht erfahren Stress-Pilot-Nutzer entsprechende Unterstützung, wenn bald das Menü Kommunikation in Betrieb genommen wird, denn damit soll Therapeuten die Begleitung erleichtert werden. Ich fände es besser, wenn der Stress Pilot in erster Linie als Trainingsgerät zur Stressbewältigung anwendet wird und nicht als Mess- oder Diagnosegerät, denn für diesen Zweck gibt es gezielter entwickelte Produkte. P.S.: Das Produkt Stress Pilot Home wurde mir dankenswerterweise von BITsoft für meine Recherche zur Verfügung gestellt. #### Sympathikus – der Leistungsbringer Immer wenn mehr Leistung gefragt ist und der Körper einen Energie-Schub braucht, hilft der Sympathikus weiter. Er mobilisiert die Kraftreserven, die im Körper stecken und für besondere Belastungen benötigt werden. Aber nicht nur in Ausnahmesituationen ist der Sympathikus aktiv, auch im ganz normalen Alltag wirkt er mit. Der Sympathikus hat ein schlechtes Image, weil er häufig im Zusammenhang mit Stressreaktionen genannt wird. Im Vergleich zum Parasympathikus, der immer mit Ruhe und Entspannung in Verbindung gebracht wird, schneidet er imagemäßig schlecht ab. Stress und Anspannung werden ihm als Begleiterscheinung zugeschrieben. Das ist nur teilweise richtig. Frei nach Paracelsus könnte man auch für den Sympathikus sagen: Allein die Dosis macht das Gift. Zuviel sympathische Aktivität ist nicht gesund, aber zu wenig wäre auch nicht gut. Mit der Herzratenvariabilitäts-Analyse ist ein Rückschluss auf die Balance der Aktivitäten von Sympathikus und Parasympathikus möglich. Stress gehört zum Leben dazu Vor Anstrengungen und Stress sollte keiner Angst haben, denn ohne sie hätte der Mensch nicht überleben und sich nicht weiterentwickeln können. Vor Millionen Jahren verhalf der sympathische (vom Sympathikus ausgelöste) Energieschub dem Menschen, sich dem Kampf zu stellen oder erfolgreich zu flüchten. Die Stressreaktion mobilisierte die körperlichen Kräfte und ließ seine Leistung vorübergehend in die Höhe schnellen. Jeder kennt den Zusammenhang aus dem Sport: Nur durch regelmäßige Forderung lässt sich die Leistung steigern, aber natürlich nicht ständig. Und hier liegt heutzutage die Erklärung für das Dilemma des Sympathikus: Unseren Vorfahren sicherte er noch das Überleben, heute ist seine Aktivität mit allerlei Risiken für unsere Gesundheit behaftet. Schuld daran ist nicht der Sympathikus, sondern wir sind es selbst. Denn die meisten von uns wissen nicht, wie sie mit dem genialen Energiemanagement des Körpers richtig umgehen sollen. Zeit, sich mal mit dem Leistungs-Mobilisierer für einen besseren Umgang zu beschäftigen. Unterschiede zwischen Sympathikus und Parasympathikus Fast alle Organe werden von Sympathikus und Parasympathikus gleichzeitig gesteuert. Ihre Wirkung ist gegensätzlich (antagonistisch). Was der eine Anteil des vegetativen Nervensystems (VNS) hemmt, regt der andere an. Zusätzlich können sie sich auch gegenseitig hemmen. So verschiedenen die Wirkung von Sympathikus und Parasympathikus ist, so unterschiedlich ist auch ihr Aufbau: Beim Sympathikus befinden sich alle Ursprungszellen im Rückenmark und die Weiterleitung von Signalen erfolgt als geordnete Einheit. So strukturiert ist der Parasympathikus nicht, seine Zellen befinden sich nicht alle im Rückenmark, sondern auch direkt im Gehirn. Während der Parasympathikus über einen Weg mit einem Neurotransmitter agiert, erfolgt die Übertragung der sympathischen Aktivität über zwei Übertragungswege (Ausnahme sind Schweißdrüsen und das Nebennierenmark) mit zwei Neurotransmittern. Dadurch werden Signale des Sympathikus etwas langsamer verbreitet als die des Parasympathikus. Neben der Aktivierung über Nervenbahnen kann der Sympathikus teilweise auch hormonell über die Blutbahn Einfluss nehmen, wie z. B. in Notfällen. Von den Wurzelzellen bis zum Grenzstrang Los geht unsere sympathische Reise in den übergeordneten Zentren: Aus verschiedenen Bereichen des Hirnstamms und des Hypothalamus erhalten die Ursprungszellen des Sympathikus im Rückenmark den Impuls zur Aktivität. Sie liegen im Seitenhorn der grauen Substanz und bilden den Nucleus intermediolateralis, ein Kerngebiet des Sympathikus. Die Zellsäule erstreckt sich von der Brust- bis zur oberen Lendenwirbelsäule. Alle sympathischen Nervenfasern sammeln sich nach Verlassen des Rückenmarks erst einmal im sogenannten Grenzstrang. Er liegt rechts und links von der Wirbelsäule und besteht aus lauter Nervenknoten (Ganglien), die in Längsrichtung miteinander verbunden sind. Die Ganglienkette reicht von den unteren Halswirbeln bis zu den ersten Lendenwirbeln. Nach ihrer Lage werden die Grenzstrangganglien (Paravertebralganglien) in Hals-, Brust- und Steißganglien eingeteilt. Schaltstationen auf dem Weg zum Erfolgsorgan In den kleinen Knötchen des Grenzstrangs kommt es meistens zu einer zweiten Verschaltung. Die Überleitung erfolgt (wie beim Parasympathikus) mit dem Neurotransmitter Acetylcholin. Eine weitere Nervenzelle (postganglionäres Neuron) übernimmt den Impuls und überträgt ihn mit Hilfe des zweiten Neurotransmitters Noradrenalin auf das Zielorgan. Der aufmerksame Leser hat das Wörtchen meistens im vorherigen Absatz gelesen, denn es gibt natürlich auch Ausnahmen. Einige Nervenfortsätze (Axone) werden nicht in den Ganglien im Grenzstrang umschaltet, sondern erst später in den Prävertebralganglien. Sie versorgen die Bauch- und Beckenorgane und liegen vor der Wirbelsäule im Bauchraum. Die Wirkung des Sympathikus Der Sympathikus ist das wichtigste Aktivierungssystem im Körper. Er ruft Energiereserven ab, verbessert Leistung und optimiert die Versorgung. Die meisten Organe erfahren unter seinem Einfluss eine Aktivierung. Die Konzentrationsfähigkeit wird gesteigert und die Schmerzempfindlichkeit gesenkt. Um besser sehen können, vergrößern sich die Pupillen. Für eine optimale Sauerstoffaufnahme wird die Atmung schneller und die Bronchien weiten sich. Blutdruck und Puls steigen an. Das Herz kann so mehr Sauerstoff und mehr freigesetzte Glukose aus der Leber in Umlauf bringen. Alles was für die anstehende Herausforderung nicht gebraucht wird, wird vom Sympathikus gehemmt. Die Verdauung wird beispielsweise verlangsamt und das Blut aus dem Magen-Darm-Trakt in andere Bereiche umgeleitet. Für den gesamten Organismus stellt es eine durchaus sinnvolle Maßnahme dar, denn sie spart wertvolle Kräfte ein, die vielleicht an anderer Stelle dringender benötigt werden könnten. Das Nebennierenmark bestimmt beim Stress mit Der bereits erwähnte zweite Übertragungsweg für schnelles Eingreifen, befindet sich im Hormonsystem. Die Nebenniere entscheidet mit, wie Stress verarbeitet wird. Das Nebennierenmark, ein Teil der Hormondrüse, unterstützt das sympathische Nervengewebe in seiner Wirkung. Es stellt eine Verbindung zwischen Nerven- und Hormonsystem dar, weil es ganz ähnlich wie sympathische Ganglien funktioniert. Die Nervenzellkörperchen im Nebennierenmark können Impulse empfangen, die sie nicht an andere Nerven weiterleiten, sondern sie dazu veranlassen, Hormone zu bilden und an den Blutstrom abzugeben. Mit den Hormonen Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebennierenmarkt kann der Sympathikus seine Aktivität bei plötzlichem Stress steigern. Seine Wirkung ist dadurch nicht mehr nur auf einzelne Organe beschränkt, sondern erstreckt über den ganzen Organismus. Dieses Notfallprogramm hat bestimmt schon jeder einmal erlebt. Stellen Sie sich vor: Gerade noch konnten Sie mit Ihrem Auto einem anderen ausweichen und so einen Unfall verhindern. Auch wenn nichts passiert ist und Sie mit dem Schrecken davon gekommen sind, schlägt ihr internes Alarmsystem bereits kurz an. Wie eine Welle läuft das Adrenalin durch ihren Körper. Ihr Blutdruck steigt, das Herz fängt sofort an, heftig zu klopfen, und die Handflächen werden schweißig-feucht. Bei dieser schnellen Wirkung ist es nachvollziehbar, warum das Hormon auch als Notfallmedikament zum Einsatz kommt. Risikofaktor Sympathikus Der Sympathikus setzt bei Anspannung und Stress eine Kettenreaktion in Gang. Hält die Belastung länger an, wandelt sich das Reaktionsmuster zu einem Risikofaktor. Eine Überaktivierung des Sympathikus ohne eine Gegenregulation des Parasympathikus wird langfristig zur ernsthaften Gefahr für die Gesundheit. Viele Krankheiten werden mit einer Überaktivität des Sympathikus und verminderten parasympathischen Aktivität in Verbindung gebracht. Mit der gesteigerten Aktivität erhöht sich das Erkrankungsrisiko z. B. für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, koronare Herzkrankheiten, Diabetes, Entzündungsprozesse, Immunkrankheiten, Stresserkrankungen und psychosomatische Störungen. Bei koronaren Herzkrankheiten beispielsweise kommt es zu einer Verschiebung der vegetativen Aktivitäten schon lange vor dem Auftreten von Symptomen. Das ist bestimmt der Grund, warum sich die Herzratenvariabilität (HRV) so gut als Frühwarnsignal einsetzen lässt. Wenn das Gegenteil geschieht, die sympathische Aktivität schwindet, nimmt die Fähigkeit der Leistungssteigerung ab. Aber letztlich wird dadurch das Gesamtsystem vor einer dauerhaften Überbelastung geschützt. Dominiert der Parasympathikus jedoch dauerhaft, also in einer krankhaften Weise, dann gestaltet sich der Alltag zu einer erschöpfenden Herausforderung, weil eine Leistungssteigerung durch den Sympathikus ständig gebremst wird. Die HRV-Werte für den Sympathikus Bei der HRV wird eine sympathische Aktivität bei dem Very Low Frequency-Wert (VLF) angenommen. Die Kenntnisse, welche Regelkreise dieser Parameter im Körper genau beeinflusst, sind zurzeit noch unvollständig. Erschwerend kommt hinzu, dass die Messzeit mindestens fünf Minuten dauern sollte, für exakte Ergebnisse sogar bis zu einer Stunde. In einige HRV-Werte fließen die Aktivitäten von Sympathikus und Parasympathikus gleichzeitig ein. Wie groß der jeweilige Anteil ist, lässt sich nur besser ermitteln, wenn bei der Messung die Atmung mit einbezogen wird. Auf diesem Weg lässt sich beispielsweise bei einer Kurzzeitmessung eine respiratorische Sinusarrhythmie (siehe Beitrag Atmung bewegt Herzschlag) nachweisen. Sie ist ein Zeichen für den Einfluss des Parasympathikus. SDNN Standard deviation of RR-intervals: Standardabweichung der RR-Intervalle im Messzeitbereich ohne klare Zuordnung zu Komponenten des VNS TP Total power: Gesamtleistung oder Gesamtspektrum; entspricht Energiedichte im Spektrum von 0,00001 bis 0,4 Hz ohne klare Zuordnung zu Komponenten des VNS LF Low frequency power: Leistungsdichtespektrum im Frequenzbereich von 0,04 bis 0,15 Hz Sympathikus und Parasympathikus, wobei der Anteil des Sympathikus überwiegt LF% prozentualer LF-Anteil am Gesamtspektrum Sympathikus und Parasympathikus, wobei der Anteil des Sympathikus überwiegt LF nu Low frequency normalized unit: entspricht LF / (TP - VLF) x 100 Sympathikus und Parasympathikus, wobei der Anteil des Sympathikus überwiegt LF/HF Quotient der sympatho-vagalen Balance; als Wert des Zusammenspiels von Parasympathikus (HF) und Sympathikus (LF) Sympathikus und Parasympathikus SD2 Standardabweichung der Punktabstände zum Längsdurchmesser des Poincaré-Streudiagramms Sympathikus und Parasympathikus Tabelle der sympathisch und parasympathisch (gemischt) beeinflussten HRV-Werte (Quelle: Tabelle 2 aus der Leitlinie Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und der Arbeitswissenschaft) Fazit Der Sympathikus gehört genauso zu einem gesunden Körper wie der Parasympathikus. Beide begleiten uns durch Tag und Nacht. Je nach Situation oder Tageszeit überwiegt der Sympathikus oder der Parasympathikus. Das Wechselspiel kann nur ausgeglichen stattfinden, wenn die Bedürfnisse des Körpers wahrgenommen werden. Nur so sind langanhaltende Gesundheit und Vitalität möglich. Wie das Verhältnis der Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus ausgeprägt ist, kann mit entsprechenden HRV-Analysesystemen dargestellt werden, z. B. als sympatho-vagale (parasympathische) Balance. #### Traditionelle Chinesische Medizin im HRV-Test Raus aus der Stressfalle - aber wie? Mit Akupunktur und Qi Gong könnte es klappen, wie erste Ergebnisse einer noch laufenden Langzeituntersuchung andeuten. Die Wirksamkeit der Behandlung wird auch mit Hilfe der Herzratenvariabilität überprüft. In der iTCM-Klinik Illertal in Illertissen wird in einer klinisch-wissenschaftlichen Langzeitbeobachtung untersucht, ob sich mit Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die Auswirkung von chronischem Stress nachhaltig behandeln lässt. Erste Trends zeigen: Mit Akupunktur und Qi Gong kann der Stresslevel nachweisbar gesenkt und die Anzeichen von chronischem Stress verringert werden. Die Eckdaten einer Langzeitbeobachtung Die Teilnehmer für die Langzeitbeobachtung wiesen die typischen Symptome einer chronischen Stressbelastung auf, wie z. B. Schlafstörungen, Libido-Verlust, innere Unruhe, Antriebslosigkeit, Kopf- und Rückschmerzen sowie neu aufgetretene Aggressivität oder Vergesslichkeit. Zu Beginn mussten die Teilnehmer neun Stress-Fragebögen ausfüllen. Außerdem wurden sie gründlich mit internistischer Labordiagnostik und kardiologischer Diagnostik untersucht, um stressbedingte Folgeerscheinungen, wie z. B. Bluthochdruck und andere Stressanzeichen, quantitativ zu erfassen. Eine 24-Stunden-HRV-Langzeitmessung war Bestandteil zu Beginn und am Ende der Therapiephase. Für die Auswertung war Professor Max Moser der Kooperationspartner. Er ist Professor für Physiologie an der Medizinischen Universität Graz sowie Institutsleiter am Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung, HUMAN RESEARCH Weiz. Vor und nach der Akupunktur-Behandlung und den Qi Gong-Einheiten wurden HRV-Messungen mit dem System vnsanalyse vorgenommen. Zusätzlich wurden weitere stressrelevante diagnostische Untersuchungen (z. B. Cortisol im Speichel) durchgeführt, um Veränderungen aufgrund der Behandlungen festzustellen. Folgende Darstellung illustriert den Vorher-Nachher-Therapie-Effekt einer Qi Gong-Einheit: Die Beobachtung der Teilnehmer erstreckte sich über einen Zeitraum von vier Monaten. Während des vierwöchigen Aufenthalts in der iTCM-Klinik Illertal erhielten die Teilnehmer täglich Akupunktur, Qi Gong und Kräutermedizin, in den folgenden 12 Wochen nur noch einmal wöchentlich. Erste Ergebnisse zur Wirksamkeit Chefarzt Dr. med. Wolfgang Pflederer führt die klinisch-wissenschaftliche Langzeitbeobachtung an der iTCM-Klinik Illertal durch. "Einige Ergebnisse sind wirklich erstaunlich. Gerade die positive Wirkung von Akupunktur hätte ich so in diesem Umfang nicht erwartet. Schließlich müssten Nadeln für den Körper in gewisser Weise erst einmal eine Art Stress-Situation bedeuten. Aber die Messungen zeigen ganz deutlich: Bereits nach circa eineinhalb Wochen wirken sich die Akupunktur-Anwendungen positiv auf die Herzratenvariabilität aus", erläutert der Internist und Kardiologe. Einen ebenso positiven Effekt wie die Akupunktur hat der Studie zufolge auch Qi Gong auf den chronisch gestressten Menschen: Bei rund drei Viertel der Patienten sinkt nach Qi Gong-Übungen der mentale Stress, der mithilfe des Stress-Index gemessen werden kann. Zudem steigt die Erholungsfähigkeit bei mehr als zwei Drittel der Patienten, was sich mit dem Anstieg des RMSSD-Werts zeigt. "Mit unserem therapeutischen Ansatz aus TCM und psychotherapeutischer Betreuung kommen Patienten aus einer chronischen Stress-Situation oder einer möglicherweise angehenden Depression wieder heraus – und das nachhaltig", erklärt Dr. Pflederer. Steigerung des RMSSD-Wertes und Verringerung des Stress-Index Im Jahr 2017 konnte bei 30 Patienten eine Auswertung des Therapieeffekts mit Hilfe von Kurzzeit-HRV-Messungen vorgenommen werden: Steigerung RMSSD-Wertes Abnahme Stress-Index Akupunktur bei 68 % der Patienten bei 63 % der Patienten Qi Gong bei 57 % der Patienten bei 54 % der Patienten Folgendes Schaubild gibt einen beispielhaften Eindruck von dem Behandlungserfolg. Die Abnahme des Stress-Indexes (SI), die Zunahme des RMSSD-Wertes (und auch des SDNN-Wertes) sind erkennbar: Einteilung der HRV-Messwerte zur Stress-Bewertung Es stellt immer wieder eine Herausforderung dar, gute und schlechte HRV-Werte zu unterscheiden. Deswegen ist folgendes Stufensystem erwähnenswert, mit dem in der iTCM-Klinik die RMSSD- und Stress-Index-Werte eingeteilt werden, um das Ausmaß der Imbalance (Störung der Ausgewogenheit) und Stress-Wirkung vergleichbar ausdrücken zu können: Imbalance-Einstufung RMSSD-Wert Stress-Index schwergradig kleiner als 11 größer als 450 mäßiggradig 17,4 bis 11 (nicht verwendet) geringgradig 23,9 bis 17,5 150 bis 450 keine größer als 92 kleiner als 150 Über die Langzeitbeobachtung Die klinisch-wissenschaftliche Langzeitbeobachtung "Stress als kardiovaskulärer Risikofaktor – Behandlungsmöglichkeiten mit Traditioneller Chinesischer Medizin" ist auf insgesamt zehn Jahre, bis zum 30.9.2024, angelegt. Jährlich findet eine statistische Auswertung der Daten statt. Die Langzeitbeobachtung ermöglicht einen fundierten Nachweis über den Behandlungserfolg oder ‑misserfolg der durchgeführten TCM-Behandlung. Als Grundlage für die Langzeitbeobachtung dienen alle Patientendaten, die in der iTCM-Klinik Illertal in Form von wissenschaftlichen Fragebogenanalysen, der apparativ-technischen Diagnostik und den Messungen während der Therapie erhoben werden. Alle Daten und Ergebnisse werden anonymisiert in eine wissenschaftlich verwendete Datei eingepflegt. Die Langzeitbeobachtung wurde unter Begleitung der Medizinischen Klinik 2 der Universitätsklinik Erlangen konzipiert. Konkreter Entwicklungspartner war Privatdozent Dr. med. Christian Stumpf, ehemaliger Geschäftsführender Oberarzt der Medizinischen Klinik 2 der Friedrich-Alexander Universität und jetziger Chefarzt der Kardiologischen Klinik am Klinikum Bayreuth. Professor Dr. med. Stephan Achenbach, Direktor der Medizinischen Klinik 2 der Friedrich-Alexander Universität Erlangen begleitet die wissenschaftliche Langzeitbeobachtung der iTCM-Klinik Illertal. Die iTCM-Klinik Illertal Das ganzheitliche Behandlungskonzept der iTCM-Klinik Illertal setzt eine präzise Erstanamnese und Untersuchung mit Sichtung bisheriger Diagnostik und Therapie voraus. Dies erfolgt in Illertissen durch Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer als Ärztlichem Direktor und Dr. med. Naixin Wu als Ärztlichem Leiter der iTCM-Klinik. Mit einem klaren diagnostischen Bild über ihren Gesundheitszustand werden die Patienten anschließend den chinesischen Ärzten vorgestellt, die dann die Therapie nach den Regeln der chinesischen Erfahrungsmedizin vorschlagen. Die Therapien in der iTCM-Klinik Illertal umfassen alle Segmente der Traditionellen Chinesischen Medizin: Akupunktur, Kräutertherapie, Qi Gong, Schröpfen und Tuina-Massage. "Von besonderer Bedeutung für die Therapie ist die Tatsache, dass wir bei Bedarf unseren Psychiater und Psychotherapeuten Hermann Leinfelder in die ganzheitliche Behandlung miteinbinden", so Dr. Pflederer. Fazit von Dr. Pflederer "Erfasst wurden im Jahr 2017 insgesamt 30 Patienten. Die Daten von zehn Patienten wurden ausgewertet. Unsere Ergebnisse sind also noch nicht statisch signifikant, sondern lediglich eine trendorientierte Aussage. Nach der Analyse der ersten Erhebungen können wir bereits jetzt sagen, dass sich körperliche Auffälligkeiten, die auf eine chronische Stressbelastung hindeuten, mithilfe von Traditioneller Chinesischer Medizin behandeln lassen." #### Training optimieren mit HRV und Orthostatic-Test Sportliches Training ist eine Investition, die sich lohnen soll. Jeder will doch eine positive Wirkung erreichen und keine Mühe vergeuden – was aber passieren kann. Darum muss das Training richtig gesteuert werden. Die Kombination von regelmäßigen HRV-Messungen und orthostatischen Tests helfen dabei, die Belastung richtig zu dosieren. Viel Training bringt nicht immer viel Leistung. Was im Leistungssport gilt, sollte vor allem von ehrgeizigen Freizeitsportlern beachtet werden. Ausdauertraining sollte intelligent angegangen werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass trotz des vielen Trainings die Leistung nicht besser, sondern schlechter wird. Immer mehr und bei jeder Gelegenheit zu trainieren, kann zu einem sogenannten Übertraining führen. Wird zu schnell nacheinander Leistung gefordert, kommt es zu einer Überforderung der Regenerationskräfte. Wer sein Training übertreibt, erreicht also das genaue Gegenteil: Die Leistungsfähigkeit nimmt nicht zu, sondern ab, weil der Bogen von gesunder Ermüdung bis hin zur Überlastung überspannt wird. Die hohe Kunst der Trainingsplanung ist es, den Trainingseffekt und die Leistungsentwicklung richtig einzuschätzen und dann das richtige Maß für das weitere Training zu finden. Bei diesem Beitrag über die Optimierung des Leistungsaufbaus in Ausdauersportarten unterstützte mich Professor Dr. Kuno Hottenrott vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität in Halle an der Saale. In Deutschland zählt er zu den bekanntesten Experten, wenn es um Herzratenvariabilität (HRV) und Sport geht. Viele Erkenntnisse zur HRV sind seinen Forschungsarbeiten zu verdanken. Overtraining oder Overreaching – die Trainingswirkung auf Parasympathikus und Sympathikus Obwohl man beim sportlichen Leistungsvermögen vorrangig an Muskeln und das Herz-Kreislauf-System denkt, will ich auf die Wirkung eines sportlichen Trainings auf das vegetative Nervensystem eingehen. Wie reagieren Parasympathikus und Sympathikus auf die körperliche Belastung? Professor Hottenrott erklärt die Zusammenhänge aus Sicht der Sportwissenschaft: "Aus der HRV-Trainingsforschung wissen wir, dass die Aktivität des Parasympathikus nach einem mehrwöchigen moderaten Ausdauertraining steigt. Interessanterweise kann das auch noch der Fall sein, wenn der optimale Trainingseffekt bereits überschritten ist und die körperliche Leistungsfähigkeit wegen Überlastung schon abnimmt. Das Besondere liegt darin, dass sich als Trainingswirkung das positiv nutzbare Functional Overreaching (FOR) als auch das eher riskante Non Functional Overreaching (NFOR) oder sogar das schädliche Übertraining ergeben kann. Functional Overreaching ist ein Trainingszustand, der kurzfristig zu einer Leistungsminderung, aber nach einer Erholungsphase (eine Woche) zur Leistungssteigerung führt. Ob sich Übertraining oder FOR ergibt, ist abhängig davon, ob rechtzeitig angemessene Erholungsphasen eingeplant werden. Sich für die richtige Veränderung des Trainings zu entscheiden, ist schwierig, weil der Übergang vom FOR bis zum Übertraining fließend ist. Bei Leistungssportlern lassen sich FOR, NFOR und Übertraining wegen der hohen Aktivität des Parasympathikus nur schwer voneinander abgrenzen. Zur besseren Unterscheidung kann der modifizierte Orthostatic-Test mit HRV-Messung genutzt werden." Der Orthostatic-Test Um den Ermüdungs- und Regenerationsstand für das weitere Training sicher bewerten zu können, reicht es nicht, nur alleine nach der HRV zu schauen. "Ein Test ist erforderlich, der Herzfrequenz und HRV-Parameter sensibel erfasst", erklärt Professor Hottenrott. Nach derzeitigem Erkenntnisstand scheint dies mit dem von ihm veränderten orthostatischen Test beziehungsweise mit den Lagewechsel-Test möglich zu sein. Beim Orthostatic-Test können sind zwei Anwendungsbereiche zu unterscheiden: In der Medizin ist der Test auch als Schellong-Test bekannt. Mit ihm lässt sich klären, ob hinter Schwindel- und Ohnmachtsfällen ein Herz-Kreislauf-Versagen steckt. Das Hauptaugenmerk ist hier auf den Verlauf von Herzfrequenz und Blutdruck gerichtet. Im Sport ist von Interesse, wie die Herzfrequenz und die HRV auf den Lagewechsel reagieren. Je nachdem wie das Niveau im Liegen und anschließend im Stehen ausfällt, kann bereits ein geschulter Blick erfassen, welche Wirkung ein Training ausgelöst hat. Die Durchführung des Orthostatic-Tests ist denkbar einfach: Etwa drei bis fünf Minuten wird im Liegen gemessen und dann die gleiche Zeit noch einmal im Stehen. Aussagekräftig werden die Test-Ergebnisse erst, wenn er mehre Tage hintereinander unter immer gleichen Bedingungen durchgeführt wurde. "Am besten ist es, wenn man den Test morgens vor dem Frühstück durchführt und immer für ähnliche Voraussetzungen sorgt", empfiehlt Professor Hottenrott. "Nach etwa sieben Tagen lässt sich der individuelle Durchschnittswert, die sogenannte Baseline, ermitteln, worauf man dann seinen Trainingsplan aufbauen kann." Der Orthostatic-Test lässt sich prinzipiell mit allen HRV-Profi-Geräten (beispielsweise dem Liegen/Stehen-Test beim BioSign HRV-Scanner oder dem Produkt VNS Analyse Orthostase) und mit hochwertigen Pulsuhren durchführen. Laut Professor Hottenrott ist der Orthostatic-Test mit Auswertungsfunktion bisher nur in wenigen Systemen anwenderfreundlich integriert, wie z. B. im Messgerät V800 von Polar (Support-Seite) . Die Erfordernisse für die Testdurchführung sind: Bewegungsfreiheit für den Wechsel vom Liegen zum Stehen und die Darstellung des HRV- und Herzfrequenzverlauf für die Bewertung. RMSSD und Herzfrequenz als Trainings-Coach Der RMSSD-Wert ist am aussagekräftigsten, wenn es um den Erholungszustand des Körpers geht. Mit ihm lässt sich zeigen, welche Auswirkungen ein Training auf den Parasympathikus hat. Sein Verlauf in einem Orthostatic-Test ermöglicht zusammen mit der Veränderung der Herzfrequenz eine sichere Bewertung des aktuellen Ermüdungs- und Regenerationszustand. Was sich aus den Veränderungen von Herzfrequenz und RMSSD-Wert herauslesen lässt, hat Professor Hottenrott durch mehrjährige Forschungen entwickelt und in einer Abbildung VI-3 auf Seite 418 aus dem Handbuch Trainingswissenschaft – Trainingslehre zusammengefasst: "Bei einem gesunden, ausdauertrainierten und leistungsfähigen Athleten ist die Herzfrequenz in liegender Position niedrig und steigt rasch während des aktiven Aufstehens an (A). Anschließend führt der Körper eine Gegenregulation aus. Bei hoher Kreislaufstabilität bleibt die Herzfrequenz im Stehen höher als im Liegen. Und beim RMSSD-Wert zeigt sich im Stehen eine drei- bis vierfache Abnahme zu den hohen Ausgangswerten im Liegen. Hoch-intensives Training, über mehrere Tage durchgeführt, kann eine verstärkte sympathische Regulation auslösen, was zu einem Anstieg der Herzfrequenz, also eine Verringerung der parasympathischen Aktivität im Liegen und Stehen führt (B). Ein hohes Volumentraining kombiniert mit hoch-intensiven Trainingseinheiten über mehrere Tage äußert sich meist in einem Anstieg der Herzfrequenz im Stehen. Der Unterschied zwischen Herzfrequenz im Liegen und Stehen vergrößert sich (C). Wird das intensive Training über ein bis zwei Wochen weiter fortgesetzt, kann das negative Veränderungen auslösen (D): Sie zeigen sich in einer niedrigen Herzfrequenz im Liegen und Stehen sowie fehlende Gegenregulation während des aktiven Aufstehens. Wird das Volumentraining ohne Entlastungsphase fortgeführt, kann es zu einem parasympathischen Übertrainingszustand kommen. Aufgrund der hohen Aktivität des Parasympathikus gibt es fast keine Unterschiede zwischen den beiden Positionen." Unser Fazit Wer genau das richtige Maß für sein Training finden möchte, für den lohnt sich die tägliche Messung der Herzfrequenz und des RMSSD-Wertes mit dem Orthostatic-Test. Das Risiko, den Körper mit sportlichen Aktivitäten zu überfordern, lässt sich dadurch reduzieren. Bei dem einfach durchzuführenden Test fließen nicht nur die Wirkungen des Trainings ein, sondern die Summe aller Reize, die auf dem Körper wirken, wie Schlafmangel, Stress oder Krankheiten (Infekte). Damit ist ein Fein-Tuning des Trainings möglich. #### Unfaire Löhne sind Stress für das Herz Eine ungerechte Bezahlung ist für das Herz genauso schlecht wie Zigarettenrauch, Fast-Food oder Bewegungsmangel. Eine Studie konnte den Zusammenhang mit Hilfe der Herzratenvariabilität aufzeigen. Den Ergebnissen zufolge wirken sich unfaire Löhne unmittelbar auf die Herzaktivität und damit auf die Lebenserwartung aus. Die Bonner Wirtschaftswissenschaftler Professor Armin Falk und Fabian Kosse vom Institute on Behavior & Inequality (briq) hatten gemeinsam mit einem Team aus Mediziner und Soziologen ein Verhaltensexperiment durchgeführt und die Ergebnisse mit Befragungsdaten verglichen. Sie wollten wissen, ob zwischen unfairem Lohn und Gesundheit ein Zusammenhang besteht. Simulation von Ungerechtigkeit Für das Experiment wurden 80 Studenten von der Universität Bonn nach einem Zufallsprinzip in Zweier-Teams, bestehend aus "Chef" und "Arbeiter", aufgeteilt. Während sich die Chefs einfach zurücklehnen und entspannen durften, mussten die Arbeiter 25 Minuten lang eintönige Rechenaufgaben lösen. In Tabellen mit lauter Einsen und Nullen sollten sie die Anzahl der Nullen bestimmen. Für jedes richtige Ergebnis gab es drei Euro. Je öfter die Arbeiter auf die richtige Anzahl kamen, desto mehr Geld erwirtschaftete das Team. Die Aufgabe der Chefs war im Anschluss, den Gewinn nach ihren eigenen Fairness-Vorstellungen aufzuteilen. Durchschnittlich erwirtschaften die Teams im Experiment 20,93 EUR. Für die Einschätzung einer fairen Bezahlung befragten die Forscher im Vorfeld der Studie 45 männliche Studenten, wie sie das Geld aufteilen würden. Im Schnitt sprachen sie den Arbeitern 13,64 EUR und den Chefs 7,29 EUR zu. Tatsächlich erhielten die Studenten, die fleißig rechnen mussten, von ihrem "vorgesetzten" Teamkollegen nur 9,53 EUR Lohn. Gemessen an den Angaben für eine faire Bezahlung von den Außenstehenden, waren es 4,11 EUR zu wenig. Messung der HRV-Änderung Die Herzratenvariabilität (HRV) wurde bei den Studenten, die rechnen mussten, zweimal gemessen. Einmal zum Ende ihrer Rechentätigkeit und 15 Minuten nach Bekanntgabe der Gewinnaufteilung. Für die Messung der HRV wurde eine Polar-Uhr S810i mit Brustgurt verwendet. Bei diesem Modell (wird nicht mehr hergestellt) war es möglich, die Rohdaten auszulesen. Die Auswertung wurde mit einer früheren Version der Software Kubios HRV durchgeführt. Für die Betrachtung der HRV wurde der RMSSD-Wert herangezogen. Er wird gerne in Studien verwendet, weil er sich schnell bestimmen lässt und eine Bewertung der Erholungsfähigkeit ermöglicht. Die Auswertungen beruhten auf den Empfehlungen der Task Force of The European Society of Cardiology and The North American Society of Pacing and Electrophysiology (ESC/NASPE) von 1996. Auswirkungen auf die HRV Die HRV war nach der zweiten Messung erniedrigt. Je stärker die Bezahlung von den als fair erachteten Löhnen abwich, desto ausgeprägter waren die körperlichen Stress-Symptome. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Unfairness unmittelbar auf das autonome Nervensystem auswirkt. Die erlebte Ungerechtigkeit wirkte sich körperlich als schlechtere HRV-Werte aus. Gesundheitliche Einschätzung bestätigt die HRV-Werte Die Ergebnisse der HRV-Analyse unter Laborbedingungen wurden mit den Erkenntnissen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) verglichen. Diese größte und am längsten laufende Langzeitstudie gibt unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit. Die kurzfristigen Effekte aus dem beschriebenen Laborexperiment decken sich mit den Erkenntnissen aus den langfristigen Erhebungen des SOEP. Auch hier findet sich ein Zusammenhang zwischen gefühlter Lohn-Ungerechtigkeit und dem eigenen Gesundheitszustand. Je häufiger sich Beschäftigte unfair bezahlt fühlten, desto schlechter schätzten sie ihren Gesundheitszustand ein. Eine genauere Analyse zeigte, dass die Betroffenen vor allem häufiger unter Herzkrankheiten litten. Die Wahrscheinlichkeit für ein Herzleiden erhöhte sich unabhängig von Alter und Geschlecht. Wie groß die negativen Auswirkungen einer als unfair empfundenen Entlohnung auf die Gesundheit sind, wird in der Studie auf den Punkt gebracht: Bis zu zehn Jahre altert der Körper schneller. Fazit Eine faire Bezahlung sorgt also nicht nur für soziale Gerechtigkeit und hält die Motivation aufrecht, sondern auch für eine bessere Gesundheit. Nachdenklich muss die Erkenntnis machen, dass schlechte Bezahlung zu einem Teufelskreis führen kann: Der verschlechterte Gesundheitszustand wirkt sich auf die Leistungsfähigkeit aus und die Chancen, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen, nehmen ab. Und die gefühlte Ungerechtigkeit wird dadurch verstärkt. #### Vitalmonitor – die eigene Stressbelastung nach drei Minuten kennen Der Vitalmonitor macht es Anwendern leicht, Einblick in die persönliche Stressbelastung oder Regeneration zu erhalten. Mit der Interpretation der HRV-Messung muss man sich nicht lange auseinandersetzen. Sofort nach der Messung werden persönliche Empfehlungen angezeigt. Auch die Tatsache, dass man nur den Burstgurt und ein Smartphone oder Tablet braucht, trägt dazu bei, den Vitalmonitor konsequent und regelmäßig einzusetzen. Wer sich mit seinem Körper intensiver beschäftigt, fragt sich bestimmt immer wieder, wie sich wohl zwei Seminar-Tage, eine Chaos-Woche im Büro, ein 5-Gänge-Menü mit Alkohol am Abend oder eine intensive Sporteinheit auswirken. Hat sich der Körper schon erholt oder sollte er besser geschont werden? Mit der Herzratenvariabilität (HRV) lässt sich eine Bewertung des Stresspegels und der Regenerationsfähigkeit vornehmen. Voraussetzung für dieses Management in eigener Sache ist, dass man die HRV regelmäßig misst und die Messergebnisse auch zu interpretieren vermag. Das richtige Maß zwischen zu viel und zu wenig Belastung kann so gefunden werden. Der Vitalmonitor unterstützt dies, ohne dass man sich mit einzelnen HRV-Werten groß auseinandersetzen muss. Das ist einerseits recht komfortabel. Andererseits hält sich der Hersteller bei Teilen der zugrundliegenden Verfahren bedeckt, wodurch das Zustandekommen der Empfehlungen für Anwender nicht nachvollziehbar ist. Der Vitalmonitor ist ein etwa zehn Zentimeter großes türkisfarbenes Mittelstück eines elastischen Brustgurts. Auffällig sind die zwei Elektroden, die den Herzschlag in EKG-Qualität mit einer 500-Hertz-Abtastrate erfassen. Die zeitliche Mess-Ungenauigkeit zur Feststellung der RR-Intervalle beziehungsweise Pulsrate (Beats per Minute) liegt also bei höchstens plus/minus einer Millisekunde. Das gesamte System besteht noch aus einer App und einer Website. Will man das System z. B. mit dem Lebenspartner zusammen verwenden, muss nur eine zusätzliche ID erworben werden. Jeden Morgen erst einmal messen Im Internet liest man in einem Beitrag, "die morgendliche Messung gehört für mich wie das Zähneputzen zum festen Ritual". Empfohlen wird, gleich nach dem Aufwachen zu messen. Vermutlich ist das der beste Zeitpunkt am Tag, um möglichst immer gleichbleibende Mess-Bedingungen zu schaffen. Das ist wichtig, denn mit jedem Messvorgang lernt der Vitalmonitor seinen Anwender statistisch besser kennen. Nach etwa 14 Tagen ist diese Kalibrierung abgeschlossen und die persönliche statistische Grundlage erstellt. Eine Messung dauert übrigens auch nicht viel länger als Zähneputzen, nämlich drei Minuten. Mein morgendliches Ritual sah in den letzten Woche folgendermaßen aus: Aufwachen, den abends bereitgelegten Brustgurt und Tablet-PC schnappen, den Brustgurt einschalten und umschnallen. Kurz überprüfen, ob die Mess-Elektroden leicht nach links versetzt anliegen und schon kann mit zwei Klicks die Messung gestartet werden. Sie ist in zwei Teile aufgeteilt. Erst atmet man 110 Sekunden ruhig und entspannt, dann wird für 70 Sekunden ein Atemrhythmus vorgeben (vergleichbar mit einer Kombination von HRV-Kurzzeitmessung und RSA-Messung). Danach erfolgt innerhalb von Sekunden, sofern man eine Internet-Verbindung hat, die Auswertung der Ergebnisse. Keine Zahlenkolonnen als Ergebnisse Einzelne HRV-Werte bekommt man beim Vitalmonitor nicht zu Gesicht. Die Messergebnisse werden gleich interpretiert. Ein Balkendiagramm mit verschiedenen Farbabschnitten gibt Auskunft über Regenerationsfähigkeit (erschöpft bis superkompensiert) und den physischen und psychischen Stress (relaxt bis gestresst). Zwei weitere Darstellungen warten mit Empfehlungen für ein Ausdauer- oder Krafttraining. Hier zeigt die farbige Markierung an, welche Belastung nach Einschätzung des Vitalmonitors der Körper verträgt. Weitere Informationen der morgendlichen Messung sind das biologische Alter, der Ruhepuls und die HRV. Für interessierte Anwender sind die zugrundeliegenden physiologischen Studien leider nicht ohne weiteres zugänglich. Selber eine Bewertung abgeben, kann man für die Schlafqualität, die Arbeitsbelastung, das Befinden und für das letzte Training. Wer möchte kann auch noch die Schlafdauer und sein Gewicht festhalten. Für das Messergebnis spielen diese Angaben jedoch keine Rolle. Sie dienen nur dazu, selbst Rückschüsse ziehen können, wie sich z. B. die kurze Nacht oder das letzte Training ausgewirkt haben. Die Werte hinter den Empfehlungen Verschiedene HRV-Werte werden für die Aussagen zur Regenerationsfähigkeit und Stressempfinden sowie für die Sport-Empfehlungen verwendet. In die Interpretation fließen die letzten 60 Messungen ein. In welchem Verhältnis das geschieht, ob beispielsweise jüngere Messergebnisse mehr Gewicht haben, konnte ich nicht herausbekommen, aber welche HRV-Parameter verwendet werden, wurde mir genannt: SDNN, RMSSD, Verhältnis HF/LF und die Abweichung des aktuellen Ruhepulses vom Durchschnitt. Für die Bewertung des Stresses fließen die Werte aus dem Messabschnitt mit der Atemvorgabe ein. Aus beiden Ergebnissen ergeben sich die Empfehlungen für den Sport. Immer tagesaktuell, also ohne einer Verrechnung mit früheren Messungen, ist der HRV-Wert. Dargestellt wird laut Herstellerauskunft der SDNN-Parameter. Laut Hersteller unterscheiden sich die Messergebnisse von RMSSD und SDNN bei der Messungsdauer und entsprechender morgendlicher Prozedur (im Sinne einer standardisierten Messsituation gemäß Anwendungsanleitung) nicht voneinander. Messergebnisse im Überblick Die einzelnen Messungen können gespeichert werden und später über das Online-Portal im Statistik-Menü als grafische Kurve aufgerufen werden. Hier kann man dann seine Entwicklung über Wochen und Monate beobachten. Jede Messung lässt sich im Detail auch später wieder einsehen. Mit der Statusmessung die richtige Belastung wählen Außer den regelmäßigen Messungen können Statusmessungen durchgeführt werden. Vermutlich profitieren vor allem Sportler von der Statusmessung am meisten. Sie wird vor dem Training empfohlen, um die richtige Belastung zu finden. Der Messvorgang ist derselbe wie bei der morgendlichen Messung. Die Trainings-Empfehlungen entsprechen dem momentanen Zustand des Körpers und können von den Morgenergebnissen abweichen. Es kann also durchaus sein, dass morgens noch ein hartes Training, aber nach Feierabend eher eine leichte Belastung oder vielleicht sogar eine Pause empfohlen wird. Das kann ärgerlich sein, aber wer ehrlich zu sich ist, wird bald merken, dass es sich für eine Leistungssteigerung lohnt, das Training nach den Bedürfnissen des Körpers auszurichten. Natürlich kann man die Statusmessung auch so nutzen, um einfach mal zu schauen, wie es um die Erholungsfähigkeit steht. Sie hilft dabei, ein besseres Gefühl für den Körper zu bekommen. Ich habe sie beispielsweise vor und nach Entspannungsübungen gemacht. Wer ein bisschen experimentieren möchte, sollte nicht vergessen, einen Kommentar zur Messung zu schreiben. Langfristig lassen sich so ganz interessante Rückschlüsse ziehen oder persönliche Zusammenhänge erkennen. Die Ergebnisse der Statusmessung tauchen in der Statistik auf, fließen jedoch nicht die personenbezogenen Kalibrierung des Vitalmonitors ein. Messfehler erkennen und ausschließen Während der Messung sieht man das EKG-Signal relativ schnell durchlaufen. Wer einen geschulten Blick hat, kann unter Umständen gleich erkennen, wenn etwas schief läuft. Alle Messungen werden, falls nötig, bis zu 15 Prozent automatisch bereinigt. Im Zweifelsfall empfiehlt sich, auf der Website nachzuschauen, ob richtig gemessen wurde. Hier kann man den zeitlichen Verlauf der Pulsrate und das EKG-Signal abrufen. Messfehler wie z. B. ein falsch angelegter Pulsgurt lassen sich so leicht feststellen. Eine weitere Darstellung auf der Website ist ein Poincaré-Diagramm, was hier HRV-Plot genannt wird. Statt der eher üblichen RR-Intervalle wird die Pulsrate für die Grafik verwendet. Handlungsanweisungen nur von Trainern Der Vitalmonitor interpretiert die Ergebnisse und gibt Empfehlungen, aber das war es dann auch schon mit den Ratschlägen. Wer mehr wissen will, wie er seine Werte verbessern kann, der sucht auf der Website vergebens nach weiteren Ratschlägen. Das ebenfalls angebotene Biofeedback-Training des Vitalmonitors ist für Einsteiger keine große Hilfe. Diesen Part übernehmen speziell ausgebildete Trainer oder Coaches. Jeder Anwender kann seinen Account für einen Trainer freischalten. Der kann dann den Verlauf mitverfolgen und zur Entwicklung beitragen. Sportler erhalten Unterstützung bei der Trainingssteuerung. Berufstätige erfahren, was sie gegen Überlastung und Stress als Ausgleich unternehmen können. Menschen, die eine Krankheit überstanden haben, bekommen Ratschläge, wie sie wieder zu mehr Vitalität kommen können. Kostenlose Fortbildungs-Angebote Käufer eines Vitalmonitors können an kostenlosen Webinaren teilnehmen, um mehr über die Handhabung zu erfahren. Auch die Ausbildung für angehende Trainer ist kostenlos. Die Schulung setzt sich aus unterschiedlichen Modulen zusammen. Innerhalb von drei bis vier Monaten kann eine Zertifizierung erreicht werden. Mein Fazit Profis und Einsteiger können gleichermaßen vom Vitalmonitor profitieren. Die tägliche Messung ermöglicht, den Verlauf einer Behandlung, eines Trainings oder auch nur eine Optimierung der Lebensführung zu beobachten. Die Auswertung zeigt, ob die richtigen Maßnahmen ergriffen wurden oder ob es noch Verbesserungsbedarf gibt. Die tägliche Messung ist echt einfach und wirklich schnell gemacht. Warum gerade 110 und 70 Sekunden gemessen werden, habe ich übrigens nachgefragt. Anfangs wurde mit 15 Minuten Messdauer begonnen. Aber jeden Morgen eine viertel Stunde zu messen, wurde von den Anwendern nicht gut angenommen. Das Ziel der Pulse 7 GmbH war dann, die Dauer soweit zu reduzieren, dass gerade noch verlässliche Werte ermittelt werden können. Das war wohl bei drei Minuten der Fall. Während meiner Testphase habe ich mir angewöhnt, jeden Tag auch den HRV-Wert genauer anzuschauen. Manchmal kamen mir die Empfehlungen etwas verzögert vor, denn ich fühlte mich bereits leistungsfähiger als empfohlen, worin ich mich vom HRV-Wert bestätigt fand. Deshalb noch einmal zur Klarstellung: Die letzten 60 Messungen fließen in die Empfehlungen ein, nicht jedoch in den HRV-Wert. P.S.: Der Vitalmonitor wurde mir dankenswerterweise kostenlos von der Puls 7 GmbH zur Verfügung gestellt. #### Zweite Auflage eines praxisnahen Standardwerks Zum Fachgebiet der Herzratenvariabilität gibt es wenige Bücher auf Deutsch, die man als Standardwerk bezeichnen kann. Eines davon ist jetzt in der zweiten Auflage erschienen: Herzratenvariabilität von Dr. Eller-Brendl. Die Neuauflage überzeugt mit einigen neuen Kapiteln. Der Teil über die Einflussfaktoren wurde um einige interessante Aspekte erweitert. Die Ausführungen zu den Krankheiten, die mit einer pathologischen Herzratenvariabilität einhergehen, wurden ebenfalls ergänzt und neu strukturiert. Als wir unser Buch Puls des Lebens schrieben, schaute ich mich nach entsprechender Fachliteratur um. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie viel wissenschaftliche Veröffentlichungen es (vorwiegend auf Englisch) gibt und wie wenige Bücher das Thema umfassend abhandeln. Das Buch zur Herzratenvariabilität von Dr. med. Doris Eller-Berndl war damals bereits vergriffen und die neue Auflage wurde bereits angekündigt. Auf Umwegen gelang es mir, noch eine alte Ausgabe zu ergattern - leider erst nach Erscheinen unseres Buches. Sehr praxisnah durch viele Beispielmessungen Wie alle Fachbücher zur Herzratenvariabilität (HRV) ist das gleichnamige Werk kleine leichte Kost für Einsteiger. Die Basics werden ziemlich zügig abgehandelt. Medizinisches Wissen wird vorausgesetzte sowie ein sicherer Umgang mit Fachbegriffen. Alle Informationen sind auf das Wesentliche reduziert. Zusammenhänge werden in Grafiken und Schaubildern dargestellt. An einigen Stellen wünscht man sich manchmal einen erklärenden Satz mehr. Die vielen Messbeispiele schaffen einen Praxisbezug. Veranschaulicht werden die Messungen mit HRV-Spektrogrammen und oft mit einem zusätzlichen Diagramm zur Herzfrequenzveränderung sowie einer kleiner Legende zum Patienten. Sehr aufschlussreich ist die Gegenüberstellung von verschiedenen Messungen zu einem Themenkomplex. Dr. Eller-Brendl widmet sich in ihrem Buch hauptsächlich der Langzeitmessung. Ausführungen zu der Fünf-Minuten-Kurzzeitmessung oder der RSA-Messung finden sich keine. Die Wiener Ärztin äußert sich dazu folgendermaßen: "Hier geht es um komplett verschiedene Ansätze, ja Weltanschauungen, die beide ihre Berechtigung besitzen. Auf der einen Seite steht das Paradigma der Physiologen und Neurologen: Die HRV-Daten werden fünf bis 20 Minuten mit oder ohne Interventionen unter sorgsam kontrollierten (Labor-)Bedingungen aufgezeichnet. Auf der anderen Seite das Paradigma der Kliniker und Epidemiologen: Die HRV-Daten werden 24 Stunden unter "Real-life"-Bedingungen aufgezeichnet. Neben der Beurteilung circadianer Rhythmen eignet sich die 24-Stunden-Messung auch sehr gut als Evaluierungsinstrument." Mehr über HRV in Verbindung mit Epigenetik und Entzündungen Was unterscheidet die zweite Auflage von der ersten? Ganz pragmatisch in Zahlen ausgedrückt: Die Neuauflage hat 60 Seiten mehr Umfang. Der Hauptanteil der Erweiterung findet sich im Kapitel Einflussfaktoren. Bei den hinzugekommenen Themen leistet die Autorin ein bisschen Aufklärungsarbeit. Sie führt in die Zusammenhänge recht ausführlich ein. Ganz neu hinzugekommen ist das Unterkapitel zur Epigenetik. Sehr interessant sind hier die Beispiele von eineiigen Zwillingen. Faktenreich sind auch die Ausführungen und Beispiele zur HRV und den epigenetischen Prägungsphasen während der Schwangerschaft sowie zur Ernährung und Bewegung. Viele Seiten an Umfang gewonnen hat das Kapitel über Entzündungen. In den letzten Jahren wurden chronische Entzündungen als Ursache für viele Krankheiten identifiziert. In dem gerade erschienen Fachartikel in der Sportärztezeitung (Herzratenvariabilität in der Sportmedizin, S. 84, Ausgabe 2/16) äußert sich Frau Dr. Eller-Brendl folgendermaßen in diesem Zusammenhang: "Alle Zustände, die mit einer chronischen Minimalentzündung verbunden sind, verschlechtern die vagale Kontrolle. Die meisten chronischen Erkrankungen wie Depression, rheumatologische Erkrankungen aber auch Übertraining sind mit Inflammation assoziiert." Im Buch erfährt man, was auf zellulärer Ebene für Prozesse ablaufen und wie sich gegenseitige Einflussnahme von Immunsystem und vegetativen Nervensystem auswirkt. Gesondert aufgeführt wird auch, wie Sympathikus und Parasympathikus auf Entzündungen reagieren. Als zweiten wichtigen Einflussfaktor sieht die Autorin neben der Entzündung das Alter. Auch zu diesem Thema hat sie die Inhalte ergänzt. Recht ausführlich äußert sie sich über die Telomere als Marker für das biologische Alter. Sie schreibt über die natürliche Verkürzung der Telomer-DNA im Laufe des Lebens und die Risikofaktoren, die diesen Prozess beschleunigen. Ein paar Beispielmessungen mit Angaben zur Telomerlänge bilden den Übergang zum Bereich alterskorrelierte Normwerte. Etwas Zuwachs haben auch die Bereiche über HRV-beeinflussende Medikamente und Geschlechtsunterschiede (mit Schwerpunkt auf die hormonellen Unterschiede) bekommen. Außerdem gibt es bei der Beschreibung zum Parasympathikus nun auch etwas über die Polyvagale Theorie, die Mikrobiota-Darm-Vagus-Gehirn-Achse, den pulmonalen parasympathischen inflammatorischen Reflex sowie über die Blut-Hirn-Schranke und die Herz-Hirn-Achse zu lesen. Krankheiten werden in der Neuauflage in separaten Kapiteln abgehandelt. Klarer strukturiert und ergänzt findet sich unter Stoffwechselkrankheiten alles von Adipositas, über nichtalkoholbedingter Fettleber bis zu Diabetes. Das Kapitel zur Neurokardiologie umfasst Krankheitsbilder wie plötzlicher Herztod, Herzinsuffizienz, arterielle Hypertonie, chronische obstruktive Lungenerkrankung, Angststörungen, Depressionen, Stress, chronisches Überlastungssyndrom und Übertraining im Sport. Mein Fazit zum Buch Das Buch bietet einen umfassenden Überblick, wo die HRV als Diagnosewerkzeug überall zum Einsatz kommen kann. Die vielen Beispielmessungen schulen den Blick für die Praxis - aber nur für Langzeitmessungen. Verschiedene Messmethoden, Analyseverfahren sowie methodische und technische Voraussetzungen werden nur teilweise oder gar nicht beschrieben. Vermutlich ist es eine Typ-Frage, wie man sich dem Thema HRV annähern möchte: eher von den Anwendungsmöglichkeiten oder über die Technik. Ich nutze das Buch sehr gerne, schlage immer Themen nach und bin immer wieder überrascht von der Informationsdichte. Zum Schluss noch ein Hinweis: Im Buch von Dr. med. Doris Eller-Brendl befinden sich einige ganz nützliche Grafiken von der Website www.hrv.cc. ### Seiten #### Cookie-Richtlinie (EU) URL: https://xn--hrv-herzratenvariabilitt-dcc.de/cookie-richtlinie-eu/ #### Datenschutzerklärung Diese Datenschutzerklärung klärt Sie über die Art, den Umfang und Zweck der Verarbeitung von personenbezogenen Daten (nachfolgend kurz „Daten“) innerhalb unseres Onlineangebotes und der mit ihm verbundenen Webseiten, Funktionen und Inhalte sowie externen Onlinepräsenzen, wie z. B. unser Social Media Profile auf (nachfolgend gemeinsam bezeichnet als „Onlineangebot“). Im Hinblick auf die verwendeten Begrifflichkeiten, wie z. B. „Verarbeitung“ oder „Verantwortlicher“ verweisen wir auf die Definitionen im Art. 4 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Verantwortlich: Nicole Franke-Gricksch Heckenweg, 62 71229 Leonberg E-Mail-Adresse: NFrankeG@AOL.com Die Adresse meiner Website lautet: https://hrv-herzratenvariabilität.de. Link zum Impressum: https://xn--hrv-herzratenvariabilitt-dcc.de/impressum/ Datenschutz Die Betreiber dieser Seiten nehmen den Schutz Ihrer persönlichen Daten sehr ernst. Wir behandeln Ihre personenbezogenen Daten vertraulich und entsprechend der gesetzlichen Datenschutzvorschriften sowie dieser Datenschutzerklärung. Die Nutzung unserer Webseite ist in der Regel ohne Angabe personenbezogener Daten möglich. Soweit auf unseren Seiten personenbezogene Daten (beispielsweise Name, Anschrift oder E-Mail-Adressen) erhoben werden, erfolgt dies, soweit möglich, stets auf freiwilliger Basis. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Wir weisen darauf hin, dass die Datenübertragung im Internet (z. B. bei der Kommunikation per E-Mail) Sicherheitslücken aufweisen kann. Ein lückenloser Schutz der Daten vor dem Zugriff durch Dritte ist nicht möglich. Welche personenbezogenen Daten wir sammeln und warum wir sie sammeln Wir speichern grundsätzlich keine personenbezogenen Daten dauerhaft ohne freiwillige Zustimmung. E-Mail-Adressen werden im Zuge der Registrierung für die Zusendung neuer Blog-Einträge gespeichert. IP-Adressen werden anonymisiert zur Auswertung der Besucherstatistik an Google Analytics weitergegeben. Allgemein kann es zur Verarbeitung folgender Daten kommen: – Bestandsdaten (z. B. Namen, Adressen) – Kontaktdaten (z. B. E-Mail, Telefonnummern) – Inhaltsdaten (z. B. Texteingaben, Fotografien, Videos) – Nutzungsdaten (z. B. besuchte Webseiten, Interesse an Inhalten, Zugriffszeiten) – Meta-/Kommunikationsdaten (z. B. Geräte-Informationen, IP-Adressen) Kategorien betroffener Personen Besucher und Nutzer des Onlineangebotes (Nachfolgend bezeichnen wir die betroffenen Personen zusammenfassend auch als „Nutzer“). Zweck der Verarbeitung – Zurverfügungstellung des Onlineangebotes, seiner Funktionen und Inhalte. – Beantwortung von Kontaktanfragen und Kommunikation mit Nutzern. – Sicherheitsmaßnahmen. – Reichweitenmessung/Marketing Verwendete Begrifflichkeiten „Personenbezogene Daten“ sind alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person (im Folgenden „betroffene Person“) beziehen; als identifizierbar wird eine natürliche Person angesehen, die direkt oder indirekt, insbesondere mittels Zuordnung zu einer Kennung wie einem Namen, zu einer Kennnummer, zu Standortdaten, zu einer Online-Kennung (z. B. Cookie) oder zu einem oder mehreren besonderen Merkmalen identifiziert werden kann, die Ausdruck der physischen, physiologischen, genetischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität dieser natürlichen Person sind. „Verarbeitung“ ist jeder mit oder ohne Hilfe automatisierter Verfahren ausgeführte Vorgang oder jede solche Vorgangsreihe im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten. Der Begriff reicht weit und umfasst praktisch jeden Umgang mit Daten. „Pseudonymisierung“ die Verarbeitung personenbezogener Daten in einer Weise, dass die personenbezogenen Daten ohne Hinzuziehung zusätzlicher Informationen nicht mehr einer spezifischen betroffenen Person zugeordnet werden können, sofern diese zusätzlichen Informationen gesondert aufbewahrt werden und technischen und organisatorischen Maßnahmen unterliegen, die gewährleisten, dass die personenbezogenen Daten nicht einer identifizierten oder identifizierbaren natürlichen Person zugewiesen werden. „Profiling“ jede Art der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten, die darin besteht, dass diese personenbezogenen Daten verwendet werden, um bestimmte persönliche Aspekte, die sich auf eine natürliche Person beziehen, zu bewerten, insbesondere um Aspekte bezüglich Arbeitsleistung, wirtschaftliche Lage, Gesundheit, persönliche Vorlieben, Interessen, Zuverlässigkeit, Verhalten, Aufenthaltsort oder Ortswechsel dieser natürlichen Person zu analysieren oder vorherzusagen. Als „Verantwortlicher“ wird die natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet, bezeichnet. „Auftragsverarbeiter“ eine natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die personenbezogene Daten im Auftrag des Verantwortlichen verarbeitet. Maßgebliche Rechtsgrundlagen Nach Maßgabe des Art. 13 DSGVO teilen wir Ihnen die Rechtsgrundlagen unserer Datenverarbeitungen mit. Sofern die Rechtsgrundlage in der Datenschutzerklärung nicht genannt wird, gilt Folgendes: Die Rechtsgrundlage für die Einholung von Einwilligungen ist Art. 6 Abs. 1 lit. a und Art. 7 DSGVO, die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Erfüllung unserer Leistungen und Durchführung vertraglicher Maßnahmen sowie Beantwortung von Anfragen ist Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO, die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Erfüllung unserer rechtlichen Verpflichtungen ist Art. 6 Abs. 1 lit. c DSGVO, und die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Wahrung unserer berechtigten Interessen ist Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Für den Fall, dass lebenswichtige Interessen der betroffenen Person oder einer anderen natürlichen Person eine Verarbeitung personenbezogener Daten erforderlich machen, dient Art. 6 Abs. 1 lit. d DSGVO als Rechtsgrundlage. Sicherheitsmaßnahmen Wir treffen nach Maßgabe des Art. 32 DSGVO unter Berücksichtigung des Stands der Technik, der Implementierungskosten und der Art, des Umfangs, der Umstände und der Zwecke der Verarbeitung sowie der unterschiedlichen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere des Risikos für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen, geeignete technische und organisatorische Maßnahmen, um ein dem Risiko angemessenes Schutzniveau zu gewährleisten. Zu den Maßnahmen gehören insbesondere die Sicherung der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten durch Kontrolle des physischen Zugangs zu den Daten, als auch des sie betreffenden Zugriffs, der Eingabe, Weitergabe, der Sicherung der Verfügbarkeit und ihrer Trennung. Des Weiteren haben wir Verfahren eingerichtet, die eine Wahrnehmung von Betroffenenrechten, Löschung von Daten und Reaktion auf Gefährdung der Daten gewährleisten. Ferner berücksichtigen wir den Schutz personenbezogener Daten bereits bei der Entwicklung, bzw. Auswahl von Hardware, Software sowie Verfahren, entsprechend dem Prinzip des Datenschutzes durch Technikgestaltung und durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen (Art. 25 DSGVO). Zusammenarbeit mit Auftragsverarbeitern und Dritten Sofern wir im Rahmen unserer Verarbeitung Daten gegenüber anderen Personen und Unternehmen (Auftragsverarbeitern oder Dritten) offenbaren, sie an diese übermitteln oder ihnen sonst Zugriff auf die Daten gewähren, erfolgt dies nur auf Grundlage einer gesetzlichen Erlaubnis (z.B. wenn eine Übermittlung der Daten an Dritte, wie an Zahlungsdienstleister, gem. Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO zur Vertragserfüllung erforderlich ist), Sie eingewilligt haben, eine rechtliche Verpflichtung dies vorsieht oder auf Grundlage unserer berechtigten Interessen (z. B. beim Einsatz von Beauftragten, Webhostern, etc.). Sofern wir Dritte mit der Verarbeitung von Daten auf Grundlage eines sog. „Auftragsverarbeitungsvertrages“ beauftragen, geschieht dies auf Grundlage des Art. 28 DSGVO. Übermittlungen in Drittländer Sofern wir Daten in einem Drittland (d. h. außerhalb der Europäischen Union (EU) oder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR)) verarbeiten oder dies im Rahmen der Inanspruchnahme von Diensten Dritter oder Offenlegung, bzw. Übermittlung von Daten an Dritte geschieht, erfolgt dies nur, wenn es zur Erfüllung unserer (vor)vertraglichen Pflichten, auf Grundlage Ihrer Einwilligung, aufgrund einer rechtlichen Verpflichtung oder auf Grundlage unserer berechtigten Interessen geschieht. Vorbehaltlich gesetzlicher oder vertraglicher Erlaubnisse, verarbeiten oder lassen wir die Daten in einem Drittland nur beim Vorliegen der besonderen Voraussetzungen der Art. 44 ff. DSGVO verarbeiten. Das heißt, die Verarbeitung erfolgt z. B. auf Grundlage besonderer Garantien, wie der offiziell anerkannten Feststellung eines der EU entsprechenden Datenschutzniveaus (z. B. für die USA durch das „Privacy Shield“) oder Beachtung offiziell anerkannter spezieller vertraglicher Verpflichtungen (so genannte „Standardvertragsklauseln“). Rechte der betroffenen Personen Sie haben das Recht, eine Bestätigung darüber zu verlangen, ob betreffende Daten verarbeitet werden und auf Auskunft über diese Daten sowie auf weitere Informationen und Kopie der Daten entsprechend Art. 15 DSGVO. Sie haben entsprechend. Art. 16 DSGVO das Recht, die Vervollständigung der Sie betreffenden Daten oder die Berichtigung der Sie betreffenden unrichtigen Daten zu verlangen. Sie haben nach Maßgabe des Art. 17 DSGVO das Recht zu verlangen, dass betreffende Daten unverzüglich gelöscht werden, bzw. alternativ nach Maßgabe des Art. 18 DSGVO eine Einschränkung der Verarbeitung der Daten zu verlangen. Sie haben das Recht zu verlangen, dass die Sie betreffenden Daten, die Sie uns bereitgestellt haben nach Maßgabe des Art. 20 DSGVO zu erhalten und deren Übermittlung an andere Verantwortliche zu fordern. Sie haben ferner gem. Art. 77 DSGVO das Recht, eine Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde einzureichen. Widerrufsrecht Sie haben das Recht, erteilte Einwilligungen gem. Art. 7 Abs. 3 DSGVO mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen Widerspruchsrecht Sie können der künftigen Verarbeitung der Sie betreffenden Daten nach Maßgabe des Art. 21 DSGVO jederzeit widersprechen. Der Widerspruch kann insbesondere gegen die Verarbeitung für Zwecke der Direktwerbung erfolgen. Cookies und Widerspruchsrecht bei Direktwerbung Als „Cookies“ werden kleine Dateien bezeichnet, die auf Rechnern der Nutzer gespeichert werden. Innerhalb der Cookies können unterschiedliche Angaben gespeichert werden. Ein Cookie dient primär dazu, die Angaben zu einem Nutzer (bzw. dem Gerät auf dem das Cookie gespeichert ist) während oder auch nach seinem Besuch innerhalb eines Onlineangebotes zu speichern. Als temporäre Cookies, bzw. „Session-Cookies“ oder „transiente Cookies“, werden Cookies bezeichnet, die gelöscht werden, nachdem ein Nutzer ein Onlineangebot verlässt und seinen Browser schließt. In einem solchen Cookie kann z. B. der Inhalt eines Warenkorbs in einem Onlineshop oder ein Login-Status gespeichert werden. Als „permanent“ oder „persistent“ werden Cookies bezeichnet, die auch nach dem Schließen des Browsers gespeichert bleiben. So kann z. B. der Login-Status gespeichert werden, wenn die Nutzer diese nach mehreren Tagen aufsuchen. Ebenso können in einem solchen Cookie die Interessen der Nutzer gespeichert werden, die für Reichweitenmessung oder Marketingzwecke verwendet werden. Als „Third-Party-Cookie“ werden Cookies bezeichnet, die von anderen Anbietern als dem Verantwortlichen, der das Onlineangebot betreibt, angeboten werden (andernfalls, wenn es nur dessen Cookies sind spricht man von „First-Party Cookies“). Wir können temporäre und permanente Cookies einsetzen und klären hierüber im Rahmen unserer Datenschutzerklärung auf. Falls die Nutzer nicht möchten, dass Cookies auf ihrem Rechner gespeichert werden, werden sie gebeten die entsprechende Option in den Systemeinstellungen ihres Browsers zu deaktivieren. Gespeicherte Cookies können in den Systemeinstellungen des Browsers gelöscht werden. Der Ausschluss von Cookies kann zu Funktionseinschränkungen dieses Onlineangebotes führen. 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Sofern die Daten nicht gelöscht werden, weil sie für andere und gesetzlich zulässige Zwecke erforderlich sind, wird deren Verarbeitung eingeschränkt. D. h., die Daten werden gesperrt und nicht für andere Zwecke verarbeitet. Das gilt z. B. für Daten, die aus handels- oder steuerrechtlichen Gründen aufbewahrt werden müssen. Nach gesetzlichen Vorgaben in Deutschland, erfolgt die Aufbewahrung insbesondere für 10 Jahre gemäß §§ 147 Abs. 1 AO, 257 Abs. 1 Nr. 1 und 4, Abs. 4 HGB (Bücher, Aufzeichnungen, Lageberichte, Buchungsbelege, Handelsbücher, für Besteuerung relevanter Unterlagen etc.) und 6 Jahre gemäß § 257 Abs. 1 Nr. 2 und 3, Abs. 4 HGB (Handelsbriefe). Nach gesetzlichen Vorgaben in Österreich erfolgt die Aufbewahrung insbesondere für 7 J gemäß § 132 Abs. 1 BAO (Buchhaltungsunterlagen, Belege/Rechnungen, Konten, Belege, Geschäftspapiere, Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben etc.), für 22 Jahre im Zusammenhang mit Grundstücken und für 10 Jahre bei Unterlagen im Zusammenhang mit elektronisch erbrachten Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehleistungen, die an Nichtunternehmer in EU-Mitgliedstaaten erbracht werden und für die der Mini-One-Stop-Shop (MOSS) in Anspruch genommen wird. Registrierfunktion Nutzer können ein Nutzerkonto anlegen. Im Rahmen der Registrierung werden die erforderlichen Pflichtangaben den Nutzern mitgeteilt und auf Grundlage des Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO zu Zwecken der Bereitstellung des Nutzerkontos verarbeitet. Zu den verarbeiteten Daten gehören insbesondere die Login-Informationen (Name, Passwort sowie eine E-Mailadresse). Die im Rahmen der Registrierung eingegebenen Daten werden für die Zwecke der Nutzung des Nutzerkontos und dessen Zwecks verwendet. Die Nutzer können über Informationen, die für deren Nutzerkonto relevant sind, wie z. B. technische Änderungen, per E-Mail informiert werden. Wenn Nutzer ihr Nutzerkonto gekündigt haben, werden deren Daten im Hinblick auf das Nutzerkonto, vorbehaltlich einer gesetzlichen Aufbewahrungspflicht, gelöscht. Es obliegt den Nutzern, ihre Daten bei erfolgter Kündigung vor dem Vertragsende zu sichern. Wir sind berechtigt, sämtliche während der Vertragsdauer gespeicherten Daten des Nutzers unwiederbringlich zu löschen. Im Rahmen der Inanspruchnahme unserer Registrierungs- und Anmeldefunktionen sowie der Nutzung des Nutzerkontos, speichern wir die IP-Adresse und den Zeitpunkt der jeweiligen Nutzerhandlung. Die Speicherung erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen, als auch der Nutzer an Schutz vor Missbrauch und sonstiger unbefugter Nutzung. 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Nach über 20 Jahren Medizin-Journalismus war die Herzratenvariabilität das erste Thema, das mich nicht mehr losgelassen hat. Mein Ehrgeiz war geweckt, ich wollte es verstehen und mehr darüber erfahren. Schnell musste ich feststellen, dass für Neulinge in diesem Themengebiet der Einstieg nicht gerade leicht ist. Zum Glück verfüge ich als Journalistin über die Möglichkeit, Experten zu befragen, ohne unangenehm aufzufallen. Stück für Stück konnte ich mich so in die Materie langsam einarbeiten. Für mich war es bald ein großes Anliegen, das Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zusammen mit Jens-Falk Heimann habe ich das Buch "Der Puls des Lebens – Die Signale des Herzens verstehen" (24, 90 Euro, PACs Verlag) geschrieben. Mir war wichtig, dass das Buch einen leichtverständlichen Einstieg in das Thema Herzratenvariabilität bietet. Acht Experten haben unsere Arbeit begleitet. Sie berichten im Buch aus ihrer Praxis und Forschung. Das Buch ist im Spätsommer 2015 erschienen. Mit diesem Blog möchte ich weiter über Themen rund um die Herzratenvariabilität berichten. Erich Langenbuch unterstützt mich mit Ingenieur-Know-how und Datenanalyse-Erfahrung. Er ist für mich ein wichtiger Gesprächspartner bei der Themenfindung und -ausrichtung.